J.R.R. TOLKIEN - Der Herr der Ringe

VÖ: bereits erschienen 
(Der Hörverlag)

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DER HOERVERLAG

Klapptext:

Wir schreiben das Jahr 3001, Drittes Zeitalter nach der Großen Schlacht. Im Auenland gehen merkwürdige Dinge vor. Sauron, der Böse, ist wieder erstarkt, und die Schatten seines Reiches Mordor werden länger. Bald ist ganz Mittelerde vom Untergang bedroht. Sauron fordert sein Eigentum zurück: den Einen Ring, den Ring der Macht. Dieser ist unter allen Geschöpfen, stolzen Elben, klugen Zauberern, Menschen und Zwergen ausgerechnet Frodo, dem Hobbit, in die Hände gefallen. Nur er allein kann Mittelerde retten, und so beginnen die Großen Jahre ...

Die opulente Inszenierung mit der Musik von Peter Zwetkoff und einem beeindruckenen Cast: Rufus Beck, Matthias Haase, Hans Peter Hallwachs, Matthias Ponnier, Ernst Schröder, Manfred Steffen und vielen anderen.

Kritik:

Im Gegensatz zu sonstigen Rezensionen muß wohl in diesem Fall keine große inhaltliche Schilderung des Hörspielstoffs mehr erfolgen: Der Herr der Ringe, das großartige Werk von J.R.R. Tolkien dürfte wohl jedem auf die eine oder andere Art geläufig sein. Mindestens einmal im Leben gelesen und diverse Male die bildgewaltige Kinoumsetzung des Fantasystoffs durch Peter Jackson genossen, darf sich der Fan nun noch einmal auf die Hörspielumsetzung von Peter Steinbach freuen. Dabei ist diese Produktion des ehemaligen Südwestfunks nicht neu; stammt sie bereits aus dem Jahre 1992 und wurde nun noch einmal als Jubiläumsausgabe zum 125. Geburtstags Tolikiens neu aufgelegt. Und genau hier liegt auch schon der Hase im Pfeffer bzw. werden sich die Geister scheiden: Es handelt sich um eine typische Radio-Hörspielumsetzung, die sich vor allem durch namhafte und ausgezeichnete Sprecher wie Rufus Beck, Hans Peter Hallwachs, Manfred Steffen, Mathias Haase und darüber hinaus viele andere auszeichnet, sich jedoch in der Umsetzung in puncto Musik und Geräuschhintergrund deutlich von modernen Hörspielproduktionen unterscheidet. Die eigens für das Hörspiel komponierte Musik von Peter Zwetkoff kann stellenweise eine dichte, stimmige Atmosphäre erzeugen, fällt einem bisweilen aber auch  - und hier mag das sicher Geschmackksache sein – durch dröge, langezogene sowie teils zusammenhangslose Melodiefäden und scheppernde-klappernde Percussion ein wenig auf die Nerven. Insbesondere, wenn selbst kurze Szenen immer wieder von längeren Melodien unterbrochen werden und somit der Fluß aus der Erzählung genommen wird. Dies wirkt ab und an stimmungsvoll, hemmt aber im Großen und Ganzen zu sehr das Vorankommen und ermüdet den Hörer schnell. Auch kann sich die Produktion technisch nicht mehr mit den heutigen, kristallkaren Sounds aktueller Hörspiele messen. Zwar wird auch hier ab und an eine dichte Geräuschkulisse gewoben, jedoch stören die bisweilen mit deutlichem Raumhall gesprochenen Hörspieldialoge das Klangbild, wenn zum Beispiel in einer Szene unter freiem Himmel und mit Vogelgezwitscher gesprochen wird und die Stimmen dabei klingen, als stünden die Sprecher in einem großen, leeren Raum. Die Sprecher hingegen sind zum großen Teil passend besetzt und überzeugen durch tolle sprachliche Umsetzung. Allerdings muß man sich gedanklich von den inzwischen vertraut klingenden Synchronstimmen der Kinofassung verabschieden, klingend doch insbesondere die Rollen der Hobbits im Hörspiel deutlich erwachsener und reifer. Insbesondere wurde der Erzählerpart mit Ernst Schröder und die Rolle des Gandalf mit Manfred Steffen, beides bedeutende und inzwischen verstorbene Nachkriegsschauspieler, hervorragend besetzt. Die ruhige, eher behäbige Erzählweise des Erzählers sorgt insbesondere zu Anfang für eine unaufgeregte, märchenonkelhafte Darstellung. Ferner sind die Erzählerparts gegenüber den reinen Dialogparts mitunter auch fast überlegen, so als ob man sich nicht entscheiden konnte, ob es nun ein Hörspiel oder ein Hörbuch werden sollte. So erinnert die Umsetzung streckenweise eher an eine inszenierte Lesung denn an ein Hörspiel. Insgesamt fängt diese Hörspielproduktion die heutzutage etwas eigen und althergebracht anmutende Erzählweise Tolkiens gut ein und setzt sie sehr passend um. Freunde druckvoller und geräuschintensiver sowie eher cineastisch anmutenden Hörspielproduktionen dürften hier hingegen eher weniger auf ihre Kosten kommen. Die zwei mp3 CDs werden in einem hübschen Schuber mit tollen Cover-Arts und einem kleinen, aber hübsch gestalteten Booklet geliefert; beides ein kleiner Augenschmaus.

Fazit: Eine eigenwillige, mehr an eine inszenierte Lesung erinnernde Hörspielumsetzung des legendären Fantasy-Stoffs mit großartigen Sprechern, bei der die Meinungen durchaus polarisieren dürften.

6 von 10