VÖ: 10.03.17
(Roll The Bones Records/Soulfood)

Genre:
Progessiver Power Metal

Homepage:
RA’S DAWN

Holla die Waldfee, was passiert den hier gerade mit einer Band, die nach meinem letzten Kenntnisstand jahrelang auf Eis lag bzw. sogar zu Grabe getragen werden sollte? In Sachen RA’S DAWN muss ich bei mir schon tief im Archiv kramen, um mir die Band musikalisch real in Erinnerung rufen zu können, denn die letzte der bislang fünf Veröffentlichungen stammt aus 2009 und hörte auf den Namen „At The Gates Of Dawn“. Selten war ein Bandname passender als der von RA‘S DAWN zu ihrem neuen Studioalbum. „Ra bzw. Re“ bedeutet in der altägyptischen Mythologie so viel wie die „Sonne“ selbst und „dawn“ im englischen so viel wie „aufgehen“. Und ganz ehrlich für RA’S DAWN geht mit „From The Vile Catacombs“ die Sonne wieder auf und man verlässt nahezu mit allen acht darauf enthaltenen Stücken das Schattendasein der letzten Jahre. Man muss kein Proggy oder Ägyptologe sein, um sich mit dem Material des Quintetts schnell anzufreunden. Textlich befasst sich fast alles mit dem alten Ägypten und auch musikalisch spielt man gelegentlich orientalische Elemente ein („Soraya’s Eyes“), aber das ist eher als Ausnahme anzusehen. Vielmehr zünden bei mir die knallharten powermetallischen Riffs, die Gitarrensoli mit Hirn und Verstand, deren Ähnlichkeiten zu bekannteren Bands aus diesem Genre zwar nicht ganz zu leugnen sind, aber trotzdem was Eigenes darstellen. Allen voran muss ich da „Crusher“ und vor allem „Ghosts Of My Mind“ aufzählen, die BRAINSTORM und ICED EARTH nicht besser hinbekommen hätten können. Die Ägyptologen aus der Eifelstadt Koblenz scheuen sich aber auch nicht in Richtung des Thrash zu agieren und fahren fette Riffgewitter wie bei „Revenant Soul“ auf. „Speak To The Dead“, eher im klassischen US-Metal Bereich angesiedelt und etwas progressiv aufgepeppt fesselt mich jedoch deutlich mehr. Schön melodisch treibt dann direkt im Anschluss „(We Play) The Music Of The Devil“ durch die Boxen. Wie es für Prog Bands oft üblich ist fallen die Stücke teilweise etwas länger und vertrackter aus. So auch beim sehr abwechslungsreichen Titeltrack „From The Vile Catacombs Of Sahure“, der mit knapp 10 Minuten zu Buche schlägt. Aber keine Angst, die Jungs verlieren selbst hier nie den roten Faden aus den Augen.
Unterm Strich darf man trotz vieler Gemeinsamkeiten mit anderen Bands, auch über das eigene Genre hinaus, nicht von Grabräuberei reden, sondern muss RA’S DAWN zugestehen ihrer eigenen Historie einen wahren Schatz hinzugefügt zu haben.

Punkte: 8,5/10