Festival vom 24./25.04.15

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KIT 

Freitag, 24.04.15

In Vorfreude eines vielversprechenden Line-Ups unseres Lieblings-Hallenfestivals brechen wir vom Domizil meiner Freundin aus erwartungsfroh auf. Um erheblich Kräfte für den zweitägigen Konzertmarathon aufzusparen, haben wir auf die Warm-Up Party am Donnerstag verzichtet. Die Anfahrt mit der Bahn verläuft reibungslos. Auf der letzten Etappe von Lauda nach Königshofen müssen wir uns mit unserem Gepäck in einen übervollen Schulbus zwängen, was unsere gute Laune aber nur gering beeinträchtigt. Auf dem Königshofer Boden angekommen, werden zunächst unsere Freunde begrüßt und in der Halle die Karten fürs nächste Jahr gekauft. Das Aufbauen unseres Zeltes gestaltet sich als schwierige Herausforderung: Da wir uns offenbar eine der steinigsten Stellen, die das Gelände bietet, ausgesucht haben und der Boden dazu noch knochentrocken ist, dauert es länger als erwartet, bis die Heringe endlich im Boden verankert sind. Leider verpassen wir dadurch die beiden ersten Bands SACRAL RAGE und THE UNHOLY. Schade, aber nicht zu ändern. Immerhin, unser Zelt steht endlich, die Sonne strahlt über den Platz, und wir freuen uns tierisch auf's K.I.T.!

COBRA

Die Peruaner COBRA werden aufgrund eines guten Erstlings ('Lethal Strike'), spätestens ab ihrem starken Zweitling 'To Hell' als vielversprechender Geheimtipp gehandelt. Die fünf Südamerikaner teilen gleich am frühen Nachmittag sogar zwei Oktaven schneller als im Studio häufig mit enorm viel Tempo zur zur Sache gehend eine so heftig rotzräudig derbe Oldschoolmetal-Kelle aus, dass es eine Wonne ist, dieses Sturmkommando Live on Stage zu erleben. Trotz matschigem Sound knallt das Schlagzeug laut. Der Bass rattert pausenlos, die brachial sägende Gitarrenfront liefert sich packende Duelle in Serie. Sänger Harry El Sucio's polarisierendes Organ hingegen stellt so manches Bangerohr vor eine Zerreißprobe. Das quirlige Stageacting der Südamerikaner und ein gelungen rüber gebrachtes „Mions Hill“-Cover der japanischen Black-Thrasher SABBAT (die übrigens ein Jahr vor ihren britischen Kollegen gegründet wurden) hinterlassen gewaltig Eindruck, COBRA haben ihre Nominierung fürs KEEP IT TRUE-Festival auf eindrucksvolle Weise bestätigt!

MINDLESS SINNER

Im Rahmen ihrer ersten Deutschlandshow auf dem KEEP IT TRUE serviert die als echter Klassikergeheimtipp aus den 80ern geltende Combo MINDLESS SINNER reinsten Schwedenstahl früher HEAVY LOAD-Schiene. Sie stammt aus einer Zeit, als die skandinavische Heavy Metal Szene noch nicht so zahlreiche, dafür aber umso wertvollere Blüten trug. Ähnlich wie ihre bekannteren Landsleute gehen MINDLESS SINNER antiquiert kauzig zu Werke und feiern auf der Bühne mit Nummern wie „Master of Evil“ oder „Turn on the Power“ verdienten Erfolge in Sachen Publikumsresonanz. Besonders ein schwedischer Fanblock mit selbstgemachter „Mindless Sinner“ Fahne feuert die Band massiv an. Christer Göransson besitzt gesanglich nicht mehr die Frische aus 80er-Zeiten, dennoch mangelt es der Band keineswegs am vorhandenen Härtemaß. Rein spieltechnisch gibt sich der Fünfer keine Blöße, womit der Auftritt als recht gut durchgeht, vor allem Liebhaber und Nostalgiker sind fasziniert. Allerdings verwischen die tiefer gestimmten Gitarren den 80er-Spirit ein wenig, weshalb das erhoffte Feeling manchmal etwas abhanden kommt. Kurioserweise ist das kleine von Puristen,Trophäenjägern, Sammlern und Fans der Schweden sehr gesuchte Tonträgerkontingent (CD's und Vinyl-LP's) schon mitten während des Gigs vergriffen!      

JUTTA WEINHOLD BAND (J.W.B.)

Ex-ZED YAGO-Sängerin Jutta Weinhold fesselt mir ihrer außergewöhnlichen Stimme inklusive wie immer gewohnt beeindruckender Bühnenpräsenz. Sie betont ebenso, dass sie sich auf dem KEEP IT TRUE sehr wohl fühlt, dort aufzutreten, - womit sie das Publikum schnell für sich gewinnt. Zusammen mit ihrer aus drei Mitstreitern bestehenden Band brennt die neben aus Doro Pesch aus musikalischer und kultureller Sicht mindestens ebenso wichtige Grande Dame des Heavy Metals hierzulande ein mächtiges (viel zu schnell verstreichendes) Feuerwerk ab. Dem entsprechend gehört die nächste Dreiviertelstunde knapp etwas mehr als einer Handvoll ausgesuchter ZED YAGO-Klassiker. Wer zwei Edelperlen mit Klassikerstatus auf oberstem Topniveau des Kalibers 'From Over Yonder' und 'Pilgrimage' im Koffer hat, kann im Prinzip nur gewinnen. „Zed Yago“ und „The Fear Of Death“ markieren dank intensivem Atmosphärelevel den passenden Einstieg einer Reise in die Welt der Fantasie, Mythen und Träume, besonders „The Paleman setzt intensiv unter die Haut gehend, ein Wechselbad an Gefühlen frei. „The Man Who Stole the Holy Fire“ und „Revenge“ lassen das Publikum kräftig rocken. Bubi the Schmied's kraftvolles Drumming ist ebenso fester Bestandteil eines jeden J.W.B.-Auftritts. Zum „Black Bone Song“ nimmt sich die sympathische Künstlerin zusammen mit ihrer Band und dem aus langjährigen ZED YAGO/J.W.B.-Fans bestehendem Black-Bone-Chor, zu Recht das ihr gebührende Privileg heraus, einen von purer Magie umgebenen, immer wieder zeitlosen Hardrock-Klassiker vor kräftig mitfeiernder Kulisse zum besten zu geben. Danach verabschiedet sie sich mit dem für einen schönen Abschluss sorgenden „Rockin' For the Nation“ würdig von ihren Fans auf dem K.I.T. Vor der Leistung von Jutta Weinhold muss man wirklich den Hut ziehen. Die intensiv ausgelebte Leidenschaft ihrer Musik trägt sie wie keine andere im Herzen direkt zu ihren Fans, was dieser beherzte, wie so häufig von magischen Momenten umrahmte Auftritt einer virtuosen Ausnahmekünstlerin bestätigte.

FIST

Schade, dass diesmal nur eine N.W.O.B.H.M.-Band am Start ist, doch die wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Zeit für etwas Rock n' Roll? Den verabreichen die NWOBHM-Recken mit der geballten Handfläche zur Genüge. FIST sprühen heute regelrecht vor Spielfreude. Im Gegensatz zum eher durchwachsenen Brofest-Auftritt geht heute auch bei uns vermehrt die geballte Faust hoch, was in erster Linie an den mit Nummern wie „Dog Soldier“, „Too Hot“ oder „Turn the Hell On“ kompromisslos hart jederzeit direkt die Bühne rockenden Briten liegt, deren druckvoll erdiger Sound sich effektiv im Raum verteilt. FIST sind sowohl zeitlich als auch in Bezug auf ihre Position genau richtig im Billing platziert. Soviel N.W.O.B.H.M. mit kräftig Biss und reichlich kerniger Rock n' Roll-Schlagseite das es an sämtlichen Ecken fett röhrt, scheppert und kracht, ist das richtige Rezept, um das Publikum richtig in Wallung zu bringen. Mit ihrem stärksten Track „Name, Rank and Serial Number“ als Höhepunkt der Vorstellung beenden FIST ihren Set standesgemäß. FIST waren heute wirklich gut, aber VARDIS letztes Jahr an gleicher Stelle noch um einiges besser.

ASHBURY

Mit dem klassischem Hardrock und 70er-Hippiesound kombinierendem US-Vierer ASHBURY, der als Ersatz für die leider verhinderten AT WAR nachträglich ins Billing rutschte, folgt die wohl ungewöhnlichste jemals im Programm eines KEEP IT TRUE-Festivals aufgeführt stehende Combo, die wir uns nicht entgehen lassen. Dachten wir zunächst, nach dem Hammer Of Doom-Gig würde es keine Steigerung mehr geben, lehren uns ASHBURY das Gegenteil. Das Hippierockquartett um die Brüder Randy und Rob Davis, dessen Musik sich grob formuliert irgendwo zwischen JETHRO TULL, den ALLMAN BROTHERS, WISHBONE ASH, KANSAS und folkigen URIAH HEEP /RAINBOW bewegt, ist mehr als nur Ersatz und räumt auf ganzer Linie ab! Jede Note wird vom überhaupt nicht mehr genug bekommenden Auditiorium fleißig mitgesungen. Ein Teil des Publikums frönt ausgelassenen Tanzorgien, ein anderer Teil schüttelt wild die Mähne, wiederum andere genießen den Auftritt äußerlich ruhig und innerlich bewegt. Der zeitweise bedächtig ruhigen Klängen frönende Hardrockvierer, dessen Debut Album „Endless Skies“ 1983 aus unverständlichen Gründen völlig unter ging, feiert eine kaum in Worte zu fassende im Vorfeld in der Form selbst von kühnsten Optimisten kaum für möglich gehaltene Auferstehung. ASHBURY schaffen es, verträumte Lagerfeuerromantik in die Tauberfrankenhalle zu transportieren.

Ein grandios fesselnder Auftritt, der Publikum auf emotionale Weiße zusammenschweißt und die Alltagssorgen völlig vergessen lässt. Sehr schön! Perlen wie „The Warning“, „Take Your Love away“, „Vengeance“, das akkustisch verträumte Doppel „Hard Fight“ und „Mystery Man“ sind Paradebeispiele für generationsübergreifende zeitlose Rockmusik! Akkustik- und E-Gitarre harmonieren als kompakte Einheit. Selbst bei den Songs „Evacuation Time“ und „Cold Light of Day“ vom weitaus weniger bekannten 2004er-Album 'Something Funny Going On' kocht das  Stimmungslevel auf hoher Flamme. „Madman“ lässt anschließend ganze Dämme brechen! Der von Skeptikern (ja, die gibt’s auch) im Vorfeld lediglich für pure Überbrückung gehaltene Auftritt entwickelt sich vom Start weg zur beschwingten Hippiesession mit ausgelassenem Partyfaktor!

Den krönenden Abgang einer herausragenden Performance bildet der seinem Vorbild gerecht werdend knackig rockend umgesetzte JETHRO TULL-Klassiker „Aqualung“. Stehende Ovationen eines hinterher ausnahmslos begeisterten Publikums inklusive glücklicher Band auf der Bühne sind Lohn für die sympathisch-ehrlichen Musiker. ASHBURY sind immer und überall ein Erlebnis und Beweis dafür, dass das Beste nicht immer zum Schluss kommen muss. Auf dem KEEP IT TRUE haben sie nicht nur alle in sie gesetzten Erwartungen erfüllt, sondern ausnahmslos übertroffen!

ASHBURY haben sich in die Herzen der K.I.T.-Fans gespielt, hier die Setlist

The Warning
Take Your Love Away
Hard Fight
No Mourning
Mystery Man
Evacuation Time
Madman
Endless Skies
Cold Light of Day
Vengeance
Aqualung (JETHRO TULL-Cover)

Besonders lobend erwähnt werden muss die beispielhafte Hilfsaktion seitens der KEEP IT TRUE Veranstalter für einen 15jährigen an Leukämie erkrankten Jungen. Mehrere Spendenboxen stehen bereit. Wenn jeder, der sich mit Tonträgern, Merch und anderem eindeckt, da mal einen gering fügigen sprich kleinen Obolus hinein tut und die Gute Sache unterstützt, würde man tatsächlich etwas damit bewirken. Traurigerweise gehen einige Sammler achtlos daran vorbei oder fragen hinterher, obwohl sie am Keep It True Stand gewesen sind: „Ach da stand eine Dose? Die hab ich nicht gesehen.“ Solche Ausreden sind plump, billig und dumm. Wenn die Dosenhöhe 20 cm (oder knapp etwas mehr) beträgt, wobei das Behältnis einsam auf dem Tisch herumsteht, ist es wohl kaum zu übersehen! Sich mit Merchandise eindecken bis der Koffer platzt, scheint manchen Trophäen- -Jägern/Sammlern wichtiger zu sein, als sich an einer unterstützenswerten Sache zu beteiligen. Traurig aber wahr. Typischer Fall von Nicht-Hinsehen-Wollen, der Unverständnis hervorruft.  Unabhängig dessen, wieviel Geld im Rahmen der beispiellosen Aktion zusammengekommen ist, - seriöse Spendenkationen solcher Art verdienen Unterstützung, denn sie können etwas bewirken!  

LEATHERWOLF

Der etwas gediegeneren Halbakustikrock-Beschallung folgt ein kräftiges Pfund schwerer Heavy Metal.  Auf die US-Metalband LEATHERWOLF haben sich viele schon im Vorfeld gefreut. Den Einstieg einer vor Hochkaräter-Hymnen nur so strotzenden Show bildet „Street Ready“, weitere folgen. „Thunder“, zunächst schleppend beginnend, verwandelt sich zum Schluss in ein grandioses Heavy Metal Inferno. Damit erweißt die ultimative LEATHERWOLF-Hymne ihrem Titel Ehre, deren Text lautstark vom tobenden, in der Tauberfrankenhalle völlig Kopf stehenden Publikum, Zeilenweise mitgesungen wird. Ein geballtes Heer stramm in die Luft gereckter Fäuste und viele Hörnergabeln gehen nach oben. Es herrscht Headbangeralarm hoch zehn! Die Ami-Metaller erobern das K.I.T. im Sturm, ein komplett aus sich herausgehendes, überhaupt nicht mehr zu bändigendes Publikum dankt es ihnen mit dynamischem Headbanging. In der Halle bietet sich ein unglaubliches Bild, auf den Gig scheint so ziemlich jeder Anwesende gewartet zu haben! Der US-Fünfer nutzt die sechzig ihm zur Verfügung stehenden Minuten Spielzeit intensiv. Ansagen werden kurz gehalten, dafür brennen LEATHERWOLF ein ultimatives Hitfeuerwerk kraftvollen US-Metals ab, das in die Annalen der KEEP IT TRUE-History eingehend noch lange in Erinnerung bleibt! Der sympathische US-Fünfer präsentiert sich vor frentischem Publikum als harmonisch abgestimmte Bühnen-Crew. LEATHERWOLF wagen auch, das JUDAS PRIEST-Cover „Victim Of Changes“, in unerhört druckvoller Variante darzubieten, wie man es wirklich nicht alle Tage zu hören und sehen bekommt. Die Amis haben fast die gesamte Halle auf ihrer Seite. Shouter Michael Olivieri singt und bewegt sich selbst nach drei Dekaden ebenso dynamisch erfrischend auf der Bühne wie in den späten 80-ern und frühen 90-ern als wäre die Zeit in jener Ära stehengeblieben. Der charismatische Shouter sprüht förmlich vor Leidenschaft! Die legendäre Dreifach (Triple)-Axe Attack, wodurch LEATHERWOLF Bekanntheitsgrad erlangten, wird ihrem Ruf auf dem KEEP IT TRUE-Festival vollauf gerecht. Drummer Dean Roberts hat das Schlagzeugspielen nicht im Mindesten verlernt.

Der US-Fünfer aus dem sonnigen Kalifornien liefert einen von druckvollem Sound umrahmten Bombengig, der bei der zahlreichen Anhängerschaft prächtig ankommt und sogar manch neue Fans gewaltig vom Können dieses US-Edelstahljuwels überzeugt.  Weiteres Hymnenkraftfutter wie  „Gypsies and Thieves“, „Hideaway“ und „Wicked Ways“ sorgt beim Großteil der zahlreich anwesenden Bangerschaft für mächtig Laune. Danach kommt mir häufig der Satz zu Ohren:  „Waren LEATHERWOLF nicht geil“? Definitiv. Das war eine Lehrstunde sauberen US-Metals vom Feinsten! LEATHERWOLF brachten ihr Publikum richtig ins Schwitzen, ein weiteres Highlight kündigt sich gleich im Anschluss an. Schnell zwei Cola besorgt und ab nach vorn, Richtung Bühne.

Hier nocheinmal die komplette LEATHERWOLF-Setlist:  

Spiter
Rise or Fall
Street Ready
Thunder
Victim of Changes
(Judas Priest cover)
Princess of Love
Kill and Kill Again
Gypsies and Thieves
Hideaway
Alone in the Night
The Calling
Wicked Ways

ULI JON ROTH

erobert mit seinem individuellen Gitarrenspiel auf Anhieb die Herzen des Publikums, obwohl es tatsächlich Stimmen gab, die meinten, er gehöre ebenso wenig wie ASHBURY auf's Festival, - papperlapapp! ULI JON ROTH und ASHBURY waren wie sich herausstellte eine willkommene Bereicherung für das Festival. Auf die ganz alten 70er- SCORPIONS-Kracher haben sich viele gefreut, die bekommen sie in unverfälscht reinster Form! War ich schon ungeachtet der alten SCOPIONS-Scheiben von der Doppel-CD von Maestro ULI JON ROTH und seiner Crew völlig aus dem Häuschen, zeigt dieser feinfühlige, sich auf der Bühne wohlfühlende schon in den 70ern zur Legende gewordene Gitarrenvirtuose all sein Können an der Sechssaitigen. Der Großteil des Publikums einer bestens gefüllten Tauberfrankenhalle rockt sich wie ULI JON ROTH und seine Mannschaft regelrecht in einen Rausch. Wer schon immer mal genauer wissen wollte, woher zahlreiche Gitarristen diverser Metalbands nicht unerheblichen Anteil ihrer Einflüsse bezogen, tat richtig daran, dieser Lektion in Sachen Gitarrenkunst beizuwohnen. Umso mehr Berechtigung hat gerade ein solch legendärer über die Maßen beeindruckender Saitenvirtuose samt Band, auf dem KEEP IT TRUE zu spielen, den Fakt können sich Nörgler ganz kräftig hinter die Ohren schreiben! Das Publikum geht vom Start weg auf die alten SCORPIONS-Klassiker steil, ULI JON ROTHS Team inklusive der Sky-Guitar sind Garant für zeitlosen Hardrock bei dem es keinen echten SCORPIONS-Fan zurückhält: Klassikerperlen wie „Pictured Live“, „Catch Your Train“, „The Sails Of Charon“, „We'll Burn The Sky“, ein säckeweise Tränen in die Augen treibendes „In Trance“ bei dem jede Zeile vom textsicheren KEEP IT TRUE-Publikum mitgesungen wird – (ein sichtlich erfreuter ULI JON ROTH dirigiert sogar, indem er laut durch den Saal hallende Ohohohoho-Singalong-Choralgesänge anstimmt!) und „Fly to the Rainbow sind erlesener Jahrhundertkult auf oberstem Topniveau! In der Tauberfrankenhalle herrscht Super-Gänsehautatmosphäre!

Einträchtig zusammen mit älteren Semestern stehen jüngere K.I.T.-Generationen, (die entweder noch in den Windeln lagen oder zu jener Zeit nicht einmal geboren waren als der Mann seine ersten Versuche an der Sechssaitigen unternahm), blicken staunend zur Bühne herauf. Wer diesen  beeindruckenden Gitarrenvirtuosen mit seiner berühmten Sky-Guitar je live gesehen, erlebt, dabei sogar kräftig mitgerockt hat, kann später mit Fug und Recht seinen Enkeln davon berichten. Ein so wie wir schlicht restlos überwältigter Fan flüstert mir ins Ohr: „Die Götter machen Musik.“ Der Ex-SCORPIONS-Gitarrero präsentiert sich mitsamt seiner Mannschaft in Weltklasseform.  Als Zugabe rundet der vielfach gecoverte Bob Dylan-Evergreen „All along the Watchtower“ -in einzigartiger individueller Weise von ULI JON ROTH veredelt - das Geschehen ab. Dabei bleibt mir der Satz „Die Götter machen Musik“ deutlich im Ohr hängen, womit derjenige recht behalten soll. Ja, das taten sie, - und wie! Eine weitere Offenbarung ganz besonderer Art folgt am nächsten Tag, doch dazu später... Ach ja, die Setlist vom überzeugenden Co-Headliner darf auch nicht fehlen:

All Night Long
Pictured Life
Catch Your Train
The Sails of Charon
Sun in My Hand
We'll Burn the Sky
In Trance
Acoustic Guitar Solo
Fly to the Rainbow
Top of the Bill
Dark Lady
Zugabe:
All Along the Watchtower (Bob Dylan cover)

EXCITER

Kanadas härtester und für meinen Geschmack bester Oldschool-Speedmetal-Combo EXCITER bleibt es vorbehalten, die Bühne restlos frei zu fegen. John Ricci, Alan Johnson und Dan Beehler sind die EXCITER-Urformation, ein Trio, das alles und jeden gnadenlos an die Wand schrotet. Wer's nicht glaubt, kann sich eine Kostprobe vom Killergig der jüngst seit April 2014 frisch reformierten, endlich wieder in Original-Urbesetzung antretenden Speed-Legende EXCITER auf dem kommenden DVD-Video gern anschauen. Mächtig brachial tödliche Speed-Abrissbirnen wie „Stand Up and Fight“, „Heavy Metal Maniac“,  „Violence and Force“, „Scream in the Night“, „Pounding Metal“, „Beyond the Gates of Doom“, „I am the Beast“, „Long Live the Loud“, „Evil Sinner“ und „Swords of Darkness“ fegen wie ein Sturm über sämtliche Köpfe, bringen das Publikum komplett am Stück zum durchdrehen! Vor der Bühne geht es brutal heftig zur Sache. Zahlreich wildes Mähneschütteln im puren Adrenalinrausch und ein riesiger Circlepit verstärken den Gesamteindruck noch mehr. EXCITER Bandboss John Ricci lässt auf schädelspaltend sägende Riffs virtuose Flitzefingersoli in Serie folgen - die Gitarre schreit förmlich das Wort METAL! Alan Johnson am Bass und Dan Beehler hinterm Schlagzeug der nicht nur kräftig auf Becken und Felle drischt, sondern daneben mit seinem rauen mittelhohen Gesang brilliert, sind als permanent den Dampfhammer schwingende Rhythmussektion bei EXCITER schlicht unschlagbar. Das räudige Hobel & Schredder-Trio aus Kanada mäht alles in Grund und Boden! Keiner bleibt mehr stehen.

EXCITER sind eine wahre sich immer stets treu gebliebene Heavy Metal Legende - einzigartig auf ihrem Sektor unerreicht, mit tonnenweise Wiedererkennungswert und einer auf aller höchstem Energielevel powernden Bühnenperformance! Egal welches Stück gebracht wird, die Crowd geht ab, wenn EXCITER zur Attacke blasen. So sympathisch, ehrlich, voller unbändiger Energie sind und bleiben einfach nur EXCITER! Kurz nach 0:00 Uhr ist der Gig amtlich beendet, danach sind alle (einschließlich uns) restlos ausgepowert. Mein Glückwunsch geht an die Adresse der Herren  Ricci, Johnson und Beehler. War das wieder einmal geil! Darauf erhebt man gern die Faust und Hörnergabel und skandiert mit fester Überzeugung by Violence & Force: - Long live the Loooooud!

Hier die vollständige Setlist von EXCITER, die alles wegfegend, keinen Grashalm stehen ließen:

Fall Out
Stand Up and Fight
Heavy Metal Maniac
Iron Dogs
Delivering to the Master
Victims of Sacrifice
Violence & Force
Rising of the Dead
Black Witch
Scream in the Night
Pounding Metal
Guitar Solo
Beyond the Gates of Doom
I Am the Beast
Long Live the Loud
Zugabe(n):
Evil Sinner
Swords of Darkness

Samstag, 25.04.15

IRON THOR

Schön, wenn der frühe Mittag locker beginnt. Das allerdings schon um diese Zeit derart Hochstimmung bei den Ruhrpöttlern in der Tauberfrankenhalle herrschen würde, hätte kaum jemand erwartet. Das futuristische Akustik-Sprech-Intro „2045“ verbreitet prickelnde Atmosphäre, gefolgt vom reißerischen Opener „Only The Strong“. IRON THOR wissen mit ihrer komplett an den Muskelrocker THOR angelehnten Show nicht wenige zu überzeugen. IRON THOR-Sänger Ikon und seine Mitstreiter haben von ihrem großen Idol Jon Mikl Thor persönlich die Erlaubnis bekommen, als dessen Nachfolger und somit auch als Botschafter das Erbe THORs weiterzuführen.

Trotz der Auftritte von Roxxcalibur in den vergangenen Jahren ist es dennoch ungewöhnlich, dass beim KEEP IT TRUE eine Coverband die Bühne betritt. Da die Gelsenkirchener IRON THOR mehr als nur eine „gewöhnliche Coverband“ sind und den Spirit des unerreichten Originals genauso leidenschaftlich verkörpern, dürfen IRON THOR verdient den Festival-Samstag einleiten. Einer echten IRON THOR-Show mangelt ähnlich wie beim großen Original es an nichts: Auf der Bühne werden Schwenkeinlagen des schweren Stahlhammers, Metallverbiegen, Wrestling Einlagen und leicht bekleidet tanzende Walküren aufgefahren. Die Wrestling-Einlage zu „When Gods Collide“ - in deren Rahmen Ikon von seinem eifersüchtigem Bruder und Wiedersacher Gladius heftig angegriffen wird - bildet wie immer den Höhepunkt der Auftritts: Gladius attackiert Ikon und versucht dessen Hammer zu heben, was ihm kläglich misslingt, ehe Ikon ihn in die Schranken weist. „Only the Strong“, „Anger“,„Thunder on the Tundra“ „Hot Flames“, „Keep the Dogs away“,  die jederzeit mitgrölkompatiblen Streetfighter-Nummern „Rock the City“, „Ride of the Chariots“, „Knock `em Down“ und ein abschließendes „Let The Blood Run Red“ hinterlassen Hochgefühle in der Bauchgegend. Perfekte Einstimmung!

MAUSOLEUM GATE

Rechtzeitig zum Start der finnischen Epicmetaller MAUSOLEUM GATE stehen wir vor der Bühne.

Mit ihrem Gebräu aus DEEP PURPLE, URIAH HEEP, DIO, RAINBOW, alten MANILLA ROAD inklusive gewissem NWOBHM-Anteil haben die Finnen MAUSOLEUM GATE zunächst keinen allzu leichten Stand. Die ersten Reihen sind gut gefüllt, aber dahinter tun sich noch einige Lücken auf, die sich erst gegen Ende der Show ein wenig füllen. Live kommt die Finnencrew auch gut ohne das auf ihren Studioalben stark mellotronlastige Element aus, ein Tasteninstrument ist nicht zu sehen, dafür steht ein Gong auf der Bühne. Der einen langen Mantel tragende MAUSOLEUM GATE-Fronter Varpula  lässt es sich nicht nehmen, des öfteren mal kräftig auf den Gong zu hauen, dem Sound seiner Band um einen besonderen Effekt zu erweitern. Nach der ersten Viertelstunde kommen Band und Publikum zunehmend in Fahrt. Mittels Knackiger Bühnenposen versuchen die Finnen Publikum aufzumuntern und siehe da, so allmählich tut sich etwas. Dafür sorgt Bassist Ischanius mit seinem Hut, der fleißig mit seiner schütteren Haarpracht  wedelt. „Magic of the Gypsy Queen“ und „Mercenaries of Steel“ wecken Tanzgenuss, „There must be Demons“ Lust auf's Headbangen. „Lost Beyond the Sun“ und „Summoning Circle“ gehen schwer unter die Haut, wodurch sich der Stimmungspegel erhöht. Gitarrist Count La Fey erweist sich als Virtuose. Das am Ende mittels lauter „open, open, open“,.. Sprechchöre von der treuen Anhängerschaft geforderte Überepos „Mausoleum Gate“, kommt erwartungsgemäß nicht, da es den Zeitrahmen extrem überschreiten würde. Bei „Obsessed By Metal“ als Zugabe - dem schnellstem und härtesten Liedgut der Finnen - fliegen zum Schluss noch einmal kräftig Haare. Danach gehen die Lichter an. Alles richtig gemacht und knapp den Höhepunkt verpasst. Ein recht guter Auftritt, doch mit der elfeinhalb Minuten langen Bandhymne „Mausoleum Gate“ als Extrabonus wäre noch mehr drin gewesen.

KILLER

Kurzfristig als Ersatz für die Franzosen BLASPHEME eingesprungen, entpuppt sich das belgische Hardrocktrio KILLER nicht nur als rasanter Bühnenliveact, sondern für all diejenigen, denen die Band bisher unbekannt blieb als eine d e r Entdeckungen des K.I T., die sich eben sowenig hinter den anderen Acts verstecken muss. Allein Sänger/Gitarrist Shorty verfügt über 35 Jahre (!) somit reichlich Erfahrung im aktiven Dienst als Musiker seiner eigenen seit 1980 bestehenden Band, entsprechend routiniert agiert der KILLER-Frontmann auf den Brettern. Das von der NWOBHM-Zeit (inklusive frühen IRON MAIDEN/SAXON) geprägte Material des belgischen Trios erinnert ganz deutlich an die Blütezeit des Heavy Metals, wobei ebenso beständig ein grund legend vorhandener Anteil räudigen 80er-MOTÖRHEAD-Speed-Flairs die Hand zum Gruße hebt. Neben dem alten Material besteht der (vom neuen, noch innerhalb dieses Jahres erscheinenden 'Monsters Of Rock' Album vorgestellte) Schredderbolzen „Back To The Roots“ seine Feuertaufe neben alt bewährtem dem Die-Hard-Fanklientel bekannten Livematerial Tage („Shock Waves“, „No Way Out“,„Ready For Hell“, „Kleptomania“) mit Bravour! Sänger/Gitarrist Shorty's bissiger Gesang dessen kantiges Riffgewitter plus packende Filigran-Leadsoli stechen besonders hervor, hinzu gesellen sich die  rumpelnden BassLäufe von Tieftöner „Jakke“, der ab und an im Stile von MOTÖRHEAD-Lemmy posend, öfters rauhkehlige Backgroundvocals und Gesang beisteuert, sowie treibendes Power- Drumming von Schlagzeuger Vanne. Die Belgier wissen das Publikum sicher auf ihre Seite zu ziehen. Bassist „Jakke“ demonstriert zu „Laws are Made to Break“sogar passenderweise in eigener Person von der Bühne herunter steigend, mit dem Viersaiter durch die vorderen Härtnervolk-Reihen tingelnd, echtes Fanbewußtsein. KILLER haben deutlich gezeigt, dass sie mit ihrer schnellen, in die Vollen gehend räudig direkten Heavy/Speed-Kante auf einem Festival wie dem K.I.T. durchaus bestehen können. Enttäuschend war der Gig keineswegs, - bodenständig und mitreißend, lauten die treffenden Attribute. Ein kurzes, dafür umso intensiveres Gastspiel.

HEATHEN'S RAGE

Mit HEATHEN'S RAGE darf das KIT-Publikum der Wiedervereinigung einer weiteren Kultband aus den 80ern beiwohnen. Da es sich um die erste Europashow der Truppe um SYMPHONY X- Basser Mike Lepond handelt, durfte man also mehr als gespannt sein, zumal kein geringerer als der frühere WATCHTOWER heute noch immer bei HADES in Diensten stehende Vocalist Alan Tecchio auf der Bühne steht. Das flotte Gemisch aus treibendem Heavy Metal/Power-Speed weckt jedenfalls gleich Neugier und zieht neben der Die-Hard Bangerschaft zahlreiche Neugierige in die Halle. Die 2014 wieder vereinigte Band schlägt sich live bemerkenswert überzeugend auf der Bühne. Rob Warner rifft sich kraftvoll durch jeden Song und zeigt bei packenden Filigransoli sein Können. Basser Mike Le Pond und Schlagzeuger Chris Teresczyn bilden eine ungemein druckvoll aufspielende Rhythmussektion. Und wer wäre geeigneter für den schnellen wuchtigen Power/Speed mit irrwitzigen Hochtonschreien wenn nicht ein Alan Tecchio? Der Frontmann feuert ständig das Publikum an , verfügt über unglaubliches Bühnencharisma und besitzt obendrein ein vielseitiges Gesangsspektrum. HEATHEN'S RAGE bilden live auf der Bühne eine in sich geschlossene Einheit, die ihre Fans auf dem K.I.T. mit krachenden  Powerspeed-Hämmern wie „City Of Hell“, „Fighting Till The End“, „Dark Storm“, „Nations Under War“, „Power of the Sword“ und „Knights of Steel“ verwöhnt, womit am Ende folgendes Fazit übrig bleibt: Sehens- und empfehlenswert!

Bevor SHOCK PARIS kommen und es gilt, rechtzeitig vor der Bühne zu stehen, nutzen wir die Umbaupause konsequent, verspeisen eine volle Portion Essen und trinken einenBecher Cola. Mit stabiler Grundlage im Magen bedarf es für den Rest des Abends keiner weiteren Mahlzeit. In angespannt-erregter Stimmung stürme ich vom Sportlervereinsheim kommend, in die Halle, Melissa wartet schon. Hocherfreut stelle ich fest: SHOCK PARIS haben noch nicht angefangen...

SHOCK PARIS

Meine 80er-Undergroundhelden - die in den 80ern mit  „Go for the Throat“ und „Steel and Starlight“ zwei Perlen klassischen Edelstahls abgeliefert haben - auf dem K.I.T. live zu sehen ist ein echtes Erlebnis. Traditions-Metal-Perlen wie „Steel And Starlight“ “, „Exhibit A“, „Go For the Throat“, „Concrete Killers“, „On Your Feet“ und “Go For The Throat” haben nicht das kleinste Gramm Qualität eingebüßt. Sie kommen frisch und immens druckvoll aus den Verstärkern. Je länger der Amifünfer auf der Bühne steht, umso mehr werden sie von einem immer heftiger mitgehenden Publikum in der immer stärker kochenden Tauberfrankenhalle abgefeiert. Sänger Vic Hix – dessen Stimme phasenweise einer heftigeren Variante von Ron Keel gleicht - liefert eine tolle Gesangsleistung und ist bemüht, das Publikum zur Mitarbeit zu bewegen. Auch seine Mitstreiter sind gut aufgelegt: Ein Leadsolo jagt das nächste, satt pumpende Bassbeats, rasant sägende Riffs und ein für kräftig Punch sorgendes Schlagzeug prägen den Sound. Schritt für Schritt steigert sich der Gig, mit jedem Song kommen rockwütige Fans hinzu. Am Ende gerät die zunächst schleppend beginnende Performance zum Triumphzug, der in völligem Jubel badet. Als die Band sich nach dem furiosen Schlusskrachertriple „Go Down Fighting“, „Burn it Down“ und „Run, But Don't Hide verabschiedet, werden deutliche Zugabe-Rufe laut, zahlreiche Hände gehen nach Oben. Fein, das es immer noch treue Fans gibt, denen SHOCK PARIS etwas geben. Kaum hat der Ami-Fünfer seinen Gig beendet, sind alle am Verkaufsstand erhältlichen SHOCK PARIS-Shirts komplett ausverkauft!

Folgende Setlist soll der treuen SHOCK PARIS-Fangemeinde nicht vorenthalten bleiben:

Hot On Your Heels
Steel and Starlight
Exhibit A
Castle Walls
On Your Feet
Go For The Throat
Those Eyes
Streets of Pleasure
Concrete Killers
The Minuteman
Chosen Ones
Go Down Fighting
Burn It Down
Run But Don't Hide

Während M-PIRE OF EVIL mit ihrer Version des VENOM‘schen Erbes blackthrashend durch die Halle rumpeln, ziehen wir einen Besuch des Metalmarktes vor, der zahlreiche Shirt-Schmankerl, Tonträger und Aufnäher für eingeschworene KIT-Gänger/innen bereit hält.

TITAN FORCE

Dann ist es Zeit für den Auftritt einer selten zu sehenden Legende. Geführt von JAG PANZER Sänger Harry „The Tyrant“ Conklin erwartet das Auditorium ein Gourmethappen in Sachen Progressive-US-Power-Metal, der alles beinhaltet, was diesen Stil so reizvoll macht. Jeder, dem die TITAN FORCE-Alben „Titan Force“ und „Winner/Loser“ bekannt sind, freut sich auf  TITAN FORCE, obwohl es auch einige Lücken in der Halle gibt. Nach dem großartigen JAG PANZER-Gig des Vorjahres erhöht sich die Spannung in der folgenden Umbaupause beträchtlich. Pünktlich gegen 20:40 Uhr betreten TITAN FORCE die Bühne. Mitreißende Leadsoli, krachende Riffs, furiose Breaks, großes Hymnenflair in Verbindung zu progressiven Rhythmus- und Tempowechseln bestimmen das Geschehen. Über allem thront der einzigartige vielschichtige Gesang des neben dem 2010 verstorbenen Ronnie James Dio (R.I.P.), Bruce Dickinson, Ex-QUEENSRYCHE Fronter Geoff Tate (während seiner Glanzzeiten) und Eric Adams (bis 1992) wohl besten Heavy Metal Sängers aller Zeiten auf dem traditionellen Heavy Metal Sektor - Harry „The Tyrant“ Conklin!

Perlen wie „Winner/Loser“, „Small Price to Pay“, „Chase Your Dreams“, der prächtig im DIO-Format groovende Edelstampfer „Master of Disguise“, „Shadow of a Promise“ oder „New Age Rebels“ sind feinster US-Metalstoff, der zurecht abgefeiert wird. Wir kommen in den Genuss einer 75 Minuten am Stück mitreißenden Heavy/ Powermetalorgie reinsten Wassers, an der es überhaupt nichts zu bekritteln gibt. Das als Tribut an die KULT- Heavy Metal Band aller Zeiten (ganz klar: IRON MAIDEN - jeder Widerspruch zwecklos!!!) gedachte I-Tüpfelchen „22 Acacia Avenue“ wird vom tanzenden, headbangenden und tobenden Publikum frenetisch abgefeiert. Danach folgt „Blaze of Glory“, ehe TITAN FORCE als bis dato stärkste Combo eines bärenstarken KIT-Samstags mit lautem Applaus bedacht, die Bühne räumen. Der Co-Headliner hat seine Pflicht bestens erfüllt!

Hier noch ein Blick auf die TITAN FORCE-Setlist:

Too Late
Small Price to Pay
Winner / Loser
Fool on the Run
Fields of Valor
Shadow of a Promise
Chase Your Dreams
Master of Disguise
New Age Rebels
Only The Strong
22 Acacia Avenue (IRON MAIDEN-Cover)
Blaze of Glory

RIOT V

Anders als bei TITAN FORCE - deren Stil trotz Topvorstellung die Meinungen polarisierte -  ist die Tauberfrankenhalle noch ehe RIOT Punkt 22:15 Uhr loslegen, bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach starken Referenzauftritten beim Headbangers Open Air, Metal Assault und Bang Your Head, wurde es nun endlich mal Zeit für ein Gastspiel auf dem 'KEEP IT TRUE. Zunächst werden mehrere Powerspeed-Granaten ins zahlreich Haare schüttelnde, Fäuste reckende und Hörnergablen zeigende Publikum geblasen. Die Auswahl der Kracher spricht für sich: „Narita“, „Flight Oft he Warrior“, „Ride Hard, Live Free“,  „On Your Knees“... RIOT werden gern als zwischen Hardrock und Power/Speed agierende Band eingestuft. Warum das so ist, belegt dieser Gig auf dem K.I.T. . Gerade die von messerscharfen Riffs geprägten Hardrocknummern wie „Outlaw“ entfachen unglaublich Killerfeeling im Wechsel zu treibenden Powerspeedattacken wie „Angel Eyes“ oder „On Your Knees“. Das Publikum geht hervorragend mit: Ein riesiges Meer von Matten ist in Bewegung, und auch manche Crowdsurfer werden über die Köpfe hinweg getragen. RIOT V gelingt es, auf die starke Titan Force-Vorstellung noch einen drauf zu setzen. Die eisern treue KEEP IT TRUE-Fangemeinde bekommt alles geboten, was in der RIOT (V) -Historie Rang und Namen hat. Nichts wird ausgelassen. „Fight or Fall“, „Hard Lovin' Man“, „Metal Warrior“, „Sign of the Crimson Storm“, sogar eine Rarität wie „Black Leather and Glittering Steel“ wird aufgefahren ist das mal geil! Wahnsinn,  welch packende Live-Dynamik das ungemein beweglich auf der Bühne agierend perfekt abgestimmt harmonierenden Gitarrendou Mike Flyntz/Nick Lee auf der Bühne entfacht! Frank Gilchrist und Don Van Stavern bilden eine arschtight fungierende Rhythmussektion an Bass und Schlagzeug, die alle Wände zum Wackeln bringt. Der Bass ist manchmal ein wenig lauter als die anderen Instrumente eingestellt. In Anbetracht der überschäumenden Stimmung in der Halle fällt dieser Aspekt jedoch gar nicht ins Gewicht. Todd Michael Hall war das Beste, was RIOT passieren konnte. Der Mann mit dem unglaublichen Bühnencharisma deckt dank seiner feinfühlig flexiblen Hochton-Stimme nahezu sämtliche Facetten der Bandgeschichte ab, (obwohl er nicht soviel sei richtigstellenderwesie angemerkt, über das kratzig rauhe Organ der ganz frühen ersten RIOT-Alben verfügt, was in Bezug auf seine gehobene Klasse als Sänger nicht weiter stört). Von der Speranza über die  Di Meo-, Rhett Forrester bis zur Tony Moore- Ära – er hat alle drauf!

Das Publikum rockt, bangt, tobt sich in einen kaum enden wollenden Rausch. Pure Ecstase! „Fall From the Sky“ und „Warrior“ setzen zwei weitere Glanzpunkte an denen es kein Vorbei gibt. Nach einer solch phantastischen Darbietung dürfen selbstverständlich die RIOT-Hymnen überhaupt nicht fehlen. „Road Racing“ bildet den Anfang eines auf drei Stücke ausgedehnten Schlussfinishs. Zur beliebten RIOT V-Kulthymne „Swords and Tequila“ sowie dem völlig unverzichtbaren Highspeed-Nackenbrecher „Thundersteel“ schüttelt ausnahmslos jeder anwesende - unabhängig ob mit oder ohne Matte - in taktvoll schneller Rotationsumdrehung den Kopf. Ausnahmezustand pur!  Das war und ist nicht mehr zu toppen! RIOT V sind in jeder Hinsicht überragender Headliner des 18. KEEP IT TRUE-Festivals gewesen, auch dahingehend wird kein Veto geduldet! RIOT V  haben ihren Ruf als gewaltige Livemacht erneut mit einem superben Gig kräftig untermauert. Großartig. Vielen Dank für eine solch exzellente Traumvorstellung an die Herren Flyntz, Lee, Gilchris, Van Stavern und Hall, auf dass sie noch sehr lange in der Besetzung gemeinsam auf der Bühne stehen mögen!

RIOT V waren souveräner Topact eines grandiosen KIT-Samstags mit folgender Hammersetlist:

Narita
Ride Hard Live Free
Fight or Fall
On Your Knees
Johnny's Back
Hard Lovin' Man
Metal Warrior
Outlaw
Wings Are for Angels
Black Leather and Glittering Steel
Sign of the Crimson Storm
Angel Eyes
Bloodstreets
Take Me Back
Flight of the Warrior
Fall From the Sky
Warrior
Zugabe(n):
Road Racin'
Swords and Tequila
Thundersteel

Festival-Nachwort:

Biergarten und Essensstand direkt neben der Halle machen Sinn. Die Metalbörse hatte wieder für jeden etwas zu bieten, das Angebot für Essen und Getränke bot egal ob Sportlervereinsheim oder innerhalb der Location wieder genug Möglichkeiten, Hunger und Durst ausgiebig zu stillen.

An der  bewährten Location gibt’s überhaupt nichts auszusetzen. Einige Vollpfosten, die glauben sich trotz Rauchverbot eine anstecken zu müssen, wobei die stickige Luft in der Halle noch mehr mit gesundheitsschädlichem Qualm belastet wird, sollten gar nicht erst lange ermahnt, sondern dezent von der Security zum Rauchen direkt vor die Halle geleitet werden.

Ein Großabnehmer kauft eine ziemlich große Menge Tickets und bekommt sie auch noch von den Leuten an der Ticketkasse ausgehändigt! Das hätte nicht passieren dürfen.

Die Sache mit den schnell ausverkauften Festival-Tickets hat verständlicherweise für enorm viel Wirbel gesorgt. Heftige Diskussionen im Internet sind die Folge. Wenn langjährige Festivalbesucher die quasi zum Festivalstamminventar gehören, durch Schwarzmarktverkäufer, die eine Unmenge Tickets nur um des alleinigen Profits willen aufkaufen, geschädigt werden, wird es ärgerlich!

Inzwischen haben die Organisatoren Oliver Weinsheimer und Tarek Maghary bekanntgegeben, für das kommende Keep It True Festival das Kartenkontingent aufzustocken. Um genügend Platz für alle Besucher zu schaffen, wird die Metalbörse in ein Zelt ausgelagert, der Eintritt zur Metalbörse bleibt kostenlos. Die Ticketausgabe vor Ort wird künftig auf ein übersichtliches Maß gebracht, auf insgesamt höchstens zwei Karten pro Person begrenzt werden. Damit ist es den Veranstaltern gelungen, eine gerechte für alle Betroffenen faire Lösung zu schaffen. Maßlos überteuerte Tickets von Anbietern bei Auktionshäusern sollten nach Möglichkeit völlig ignoriert werden, damit die Vielaufkäufer als daraus resultierende Konsequenz auf ihren Tickets komplett sitzen bleiben!

Rückblickend auf's Band Line Up bleibt festzuhalten, etwas wirklich schlechtes war nicht dabei. Manche Band spaltete die Meinungen wodurch sich ebenso viel interessanter Gesprächsstoff bot!Nach dem K.I.T. ist bekanntlich vor dem K.I.T. Das nächste Jahr verspricht wieder ein lukratives Billing, mit zahlreich hochkarätigen Acts, dem wir mit Spannung entgegensehen. Es gibt wieder viel US-Metal und der NWOBHM-Anteil wurde sehr zu unserer Freude nach oben geschraubt. Allein die Vorschau für's nächste Jahr macht süchtig... wenn wir an THE RODS, ARTCH, HEIR APPARENT, FATES WARNING, MYTHRA oder THRUST denken, wird uns ganz heiß zumute... Zu den außergewöhnlichsten Bands, die je auf dem K.I.T. gespielt haben, gehörten ASHBURY, deren Auftritt ein besonderes Erlebnis war, dennoch besteht nicht der geringste Anlass zur Sorge, dass das Festival eines Tages auswimpt. - Vielleicht nächstes Jahr mit den Australiern TAROT...?

Melissa und Michael sind immer noch völlig hin und weg von folgenden Bands:  RIOT V, TITAN FORCE, EXCITER, ULI JON ROTH, LEATHERWOLF, SHOK PARIS, ASHBURY, HEATHEN'S RAGE, JUTTA WEINHOLD BAND, MAUSOLEUM GATE. Besondere Glanzpunkte setzten die grandiosen Headlinergigs von EXCITER und RIOT V. Wir sagen der fleißigen K.I.T.-Crew um Oliver Weinsheimer und Tarek Maghary einmal mehr D a n k e für ein tolles Festival ganz im Zeichen des echten Heavy Metals, dessen Besuch sich immer lohnt. In diesem Sinne und aus voller Überzeugung:  - KEEP IT TRUE!!!

Fotos: Melissa Hart & Michael Toscher