Festival vom 25.12.13
mit VOLBEAST, SODOM, LAY DOWN ROTTEN, EVIL INVADERS, MORTAL TERROR, HOLLYWOOD BURNOUTS, BURNING HELLMET, PAROXYSM und PROMETHIAN FIRE

Homepage:
www.mastersofcassel.de 

Das mittlerweile in die 7. Runde gehende MASTERS OF CASSEL - lädt zur Hammerparty des Jahres am 1. Weihnachtsfeiertag in Kassel, die aufgrund eines abwechslungsreichen Billings mit lukrativem Headliner, den Ruhrpott-Thrashern SODOM ein bunt gemischtes Schwermetaller-Fanvolk unterschiedlichster Coleur ins MT lockt.

 

Insgesamt acht Bands (6 Vorgruppen plus Headliner und eine nachgeschobene Coverband schlagen ab 16:30 Uhr im Musiktheater auf, um der Gemeinschaft harter Stromgitarrenmucke kurz vor dem Jahreswechsel kräftig einzuheizen. Irgendwie bin ich anfangs überhaupt noch nicht richtig wach. An der Eingangskasse drückt mir ein Typ vom Wildwechsel einen Veranstaltungsflyer mit der Bemerkung in die Hand: „Einfach Rumdrehen und lesen - da hinten steht alles wichtige drauf.“ Daraufhin gibt man ihm lapidar durch die Blume zu verstehen, das ich von der Schreibenden Zunft bin, dass er die Bälle flach halten und nicht so dick auftragen soll. Als Reaktion folgt eine Fluppe mit  verdutztem Blick, drei Fragezeichen auf der Stirn  (der sonst eher im kommerziellen Heavy Metal Randgebietsbereich aktive Wild Wechsel und Heavy Metal? Hmmm... das wäre ja mal ganz was Neues!) und weg isser.  Der gleich auf den ersten Blick uninteressante Flyer wird umgehend in dezenter Weise in die Tonne befördert. Da gerade Nachmittag ist, erwachen meine Lebensgeister zunächst nur langsam. Ich wende meine Aufmerksamkeit als erstes einmal der veränderten Running Order zu. Die hängt sichtbar vorn an der Eingangstür zum Hauptraum aus und entlockt mir sogleich ein schmales Grinsen. Trotz uneingeplant zeitlicher Verschiebung durch Ausfall von PAROXYSM passt es Anordnungstechnisch gut. PROMETHIAN FIRE gleich zum Auftakt, BURNING HELLMET kann ich zeitlich prima als zweite Band mitnehmen, HOLLYWOOD BURNOUTS direkt im Anschluß, EVIL INVADERS... nicht ganz so früh... genau mittig zwischen MORTAL TERROR und LAY DOWN ROTTEN... und VOLBEAST nach SODOM, sauber, passt' ja nicht schlecht! :-)Zu meiner Freude ist, wie sich schon früh erkennen lässt, eine stattliche Anzahl Kuttenträger/innen zahlreich vertreten. Wunderbar! Eine zwecks Bedarf speziell für Band-Merchandise, T-Shirts, Sweatshirts, Patches, Heavy Metaltonträger, Patches, DVD-Videofilme und anderes zur Verfügung stehende Fläche ist wie im Vorjahr eingerichtet. Die Händlermeile lädt zum gemütlichen Weihnachtsbummel, sie findet nach zögerlichem Beginn zunehmend Anklang. Bevor es losgeht, werden zahlreich bekannte Gesichter begrüßt. Interessante Gesprächsthemen ergeben sich von selbst, ehe brachial laut durch den Raum dröhnende Death/Blackmetalklänge den Flur beschallend Signal geben: - das M.O.C. Beginnt! Draußen vor der Tür bekommt das Raucherklientel Gelegenheit zum Quarzen, um angeregt plaudernd zu Diskutieren oder „eine zu Dampfen“, wie es immer so schön heißt, während nebenbei etwas getrunken wird.

PROMETHIAN FIRE

Die noch nicht so lange aktiven Kasseler Melodic Death-Blackmetaller PROMETHIAN FIRE können auf ein kleines, umso kräftiger Stimmung machendes Fanklientel zurückgreifen. Dies liegt nicht an der Tatsache, dass eine Keksdose am Bühnenrand platziert wird, aus der sich anwesende Besucher und Fans ihr Plätzchen herausnehmen dürfen. Dafür müssen sie allerdings - wie ihr Sänger bekannt gibt, der die Keksdose hochhält und anschließend abstellt - nach vorne kommen, um sich etwas heraus zu nehmen – eine sinnvolle Geste, die dankbar vom Publikum angenommen wird. Nachdem zunächst nur eine Handvoll Nasen vor der Bühne steht, ändert sich dieser Zustand binnen der nächsten Minuten rapide. Einige Bandmitglieder haben Familie dabei, wobei Mütter und Kinder ihre Väter auf der Bühne nach Kräften anfeuernd unterstützen, - vorbildliche Einstellung, das fördert den Gemeinschaftssinn! PROMETHIAN FIRE gelingt das Kunststück, recht früh vermehrt Leute mit ihrem energisch Hintern tretend schnellen Melodic-Death/ Blackmetalgemisch das vereinzelt Göteborgmetaltouch Richtung IN FLAMES/DARK TRANQUILITY & Co. aufweist, in den Saal zu locken, um die Ausgangsbasis für ein gutes Stimmungslevel zu legen. Dafür erntet die Band zurecht viel Anerkennung seitens des Publikums, einschließlich gebührendem Respekt. Man hat sicher schon manch schlechtere Vorbands im Musiktheater gesehen. PROMETHIAN FIRE haben den schwierigen Job mehr als passabel gelöst, bekommen verdienten Applaus und sollten, soweit der Blick im zu so früher Zeit vor der Bühne nach Hälfte des Sets überraschend schon recht belebten Musiktheater reicht, durch ihr Gastspiel den ein oder anderen Fan dazugewonnen haben.

Ein ebenso gewichtiger Grund liegt auch darin, das der Lichtanlage und Sound heute gemessen an MT-Verhältnissen wie mir und anderen hinten an der Theke sitzenden Besuchern auffällt, raumgreifend ausgesteuert sind, wodurch alle Bands, auch die zu früherer Zeit auftretenden gleichwertige Bedingungen haben. Das hat das Licht- und  Soundtechnikteam prima hinbekommen. Licht einstellen und Soundmischen heißt nicht einfach nur mal seinen Job machen, das war's und gehen, - sondern sich um die Feinheiten im Detail zu bemühen.

Exzellent gelungen! Wenn Licht und Sound so stimmig abgemischt sind, steigt entsprechend auch die Lust am Festival! Das sich gerade an diesem gewichtigen Kriterium im Vergleich zu manch anderem Jahr immens viel geändert hat, ist für den gesamten Ablauf solcher Festivals wie MASTERS OF CASSEL von umso (ge)wichtigerer Bedeutung. Eine gute Lichtanlage ist entsprechend auch vorhanden. Wenn von guten Konzertbedingungen die Rede ist, bezieht sich dies nicht allein auf Location, Preise und angemessene Raumtemperaturen, sondern ebenso u. a. auf Licht, Sound und Bandcatering, womit Bands, Fans und Veranstalter gleichermaßen in den Genuss einer sehens- erlebens- und hörenswerten Veranstaltung bei angenehmer Atmosphäre in geeignetem Ambiente kommen, die inhaltlich das hält, was sie verspricht! Dies ist beim MASTERS OF CASSEL der Fall.

BURNING HELLMET

Ich bekomme Lust, mir zusammen mit Freunden nach allen Regeln die Rübe freizurocken. Was kann es dafür besseres geben als einen BURNING HELLMET-Gig? BURNING HELLMET starten mit Schwung ins Geschehen. Zunächst sind es nur wenige Nasen, die Interesse zeigen und vor der Bühne ordentlich den Kopf schütteln. Allmählich gesellen sich angesteckt vom Gig mehr Leute hinzu. Im Endeffekt spielt es keine Rolle, wo BURNING HELLMET auftreten, egal ob auf etwas größerer (MT)-Bühne oder um ein vielfaches kleinerer, zum Beispiel im urigen Blues-Club um die Ecke. Die Musiker fühlen sich überall dort, wo Bühnen sind und eine gesunde Atmosphäre herrscht, zu Hause. Egal, ob sie vor zehn, hundert oder tausend Leuten auftreten, BURNING HELLMET geben immer ihr bestes, unabhängig, wo es auch sein mag. Das ist es, was den bewährten Heavy Metal-Vierer auszeichnet. Gewohnt lockeres Auftreten und eine repräsentable Songauswahl der selbsternannten Kasseler (Proggressive) „Prollrocker“, deren unberechenbare Schnittmenge aus klassischem Hardrock und Heavy Metal immer für Überraschungen gut ist, (woher auch die Bezeichnung Progressive rührt), bestätigen den Ruf der sympathischen Truppe als mitreißender Liveact. Zwar hält sich das Publikum zahlenmäßig etwas in Grenzen, doch der Stimmungspegel vor der Bühne ist gewaltig, wofür das anwesende BURNING HELLMET-Fanklientel reichlich sorgt. Je länger der Gig dauert, umso besser kommen Fans und Musiker in Fahrt, wobei es eher nebensächlich ist, was heute gebracht wird, solange das Feeling stimmt: u. a. gibt’s den MAIDEN-Klassiker „Wrathchild“ zunächst in der chilligen Reggeae-Version, danach wird Ernst gemacht, im heavy Groove nach IRON MAIDEN-Manier abgerockt, das es wieder einmal der pure Wahnsinn ist! Das Publikum vor der Bühne ist die Wucht. Etwa dreißig Nasen feiern zusammen mit der Band 40 Minuten eine Party, als wären 400 und mehr Leute im Saal! Unglaublich, wozu der gut aufgelegt eisern treue BURNING HELLMET-Fanblock fähig ist.  BURNING HELLMET-Vocalist Graf von Thaler, reicht den Fans das Mikrophon. Beim Namegebenden Titelsong „Burning Hellmet“ der sich gewohnt als Hymne erweist, dürfen die Fans die Textzeile sogar ins Mikrophon hinein brüllen, schreien, grölen und singen. Das Publikum dreht vor Freude regelrecht durch, so enthusiastisch werden BURNING HELLMET gefeiert. Die Band hat sichtlich ihren Spaß am Auftritt, gibt wie immer alles. Es ist stets und überall wo BURNING HELLMET auftreten, eine wahre Freude, sich dieser Band in genussvollen Zügen die Mähne schüttelnd, Rock n' Roll-Drecksau von der Kette lassend sich mitzusingend hinzugeben. Schade, das die 40 Minuten wie im Flug verstreichen. Laut hörbar im Saal zu vernehmende Zugaberufe eines kleinen feierwütigen Fankreises bestätigen, das BURNING HELLMET ihr Scherflein dazu beigetragen haben, dass auf der MASTERS OF CASSEL-Weihnachtsedition Freudengefühle kein geflügeltes Wort bleiben...!

HOLLYWOOD BURNOUTS

Wie passt ausgerechnet eine Glammetalband ins Billing? Was hat die dort zu suchen? werden sich viele im Vorfeld bei der Nominierung der HOLLYWOOD BURNOUTS gefragt haben. Fakt ist: das Augsburger Quartett weiß vom Start weg mit einer knackig rockenden Mischung aus MÖTLEY CRÜE, L. A. GUNS, POISON, WARRANT und CRASH DIET die kleine, umso beherzter mitgehende Glam/Sleazefraktion auf ganzer Linie zu überzeugen. Je länger die Band auf der Bühne steht, desto besser entwickelt sich das Stimmungslevel im Publikum. Die Gitarristen posen wie die Großen. Frontsänger und Gitarrist Mike besticht durch filigrane Leadsoli. Er beschränkt sich aufgrund der begrenzt knappen Zeit, wie er selbst ankündigt, auf das Geschehen auf der Bühne; statt wertvolle Minuten für lange Ansagen zu verschwenden, um der Musik mehr Freiraum zu geben. Dies wird vom dankbaren M. O. C.-Publikum mit Freude quittiert. Kannten meine Leute einschließlich mir den Namen der Band nur vom Hören-Sagen, jedoch keinen Song, hat sich dieser Zustand spätestens mit Auftritt im Musiktheater seitdem geändert. HOLLYWOOD BURNOUTS verteilen reichlich Lust auf Glamrock. Die Band legt ungeheure Spielfreude, gepaart mit Leidenschaft und Authentizität an den Tag. So authentisch trendfrei, nicht nur optisch, auch textlich und spiel technisch dargebotener Glamrock weiß zu begeistern. Je länger die Band auf der Bühne steht, umso mehr genießt sie die Sympathien der Glamsektion. Als bunter für viele im Vorfeld nichts sagender Farbfleck ins Billing hinein gerutscht, hat der Augsburger Glam/Sleazemetalvierer HOLLYWOOD BURNOUTS seine Nominierung vollauf gerechtfertigt, eindrucksvoll bestätigt, am Ende dank mitreißender Live-Performance sogar eine Reihe neuer Fans hinzu gewonnen. Prima Auftritt einer Combo, von der man in kommender Zeit hoffentlich weitaus mehr hören wird!

MORTAL TERROR

Nach den Glamstern HOLLYWOOD BURNOUTS könnte der Unterschied zur nächsten Band kaum größer sein. Astreiner Oldshool-Thrashmetal im 80er Jahre Stil geradlinig, direkt, mit voll-auf-die-Zwölf-Garantie? Aber bitte! MORTAL TERROR gehen ohne Rücksicht auf Verluste ins Eingemachte. Im Musiktheater trudelt zunehmend mehr Headbangervolk ein. Kassel gilt seit den 80ern als Thrash-Zentrum inklusive breiter Fanbasis, was sich bei kleineren regelmäßig stattfindenden Konzerten härterer Gangart vermehrt bestätigt. Das M.O.C.-Weihnachtsspezial bildet keine Ausnahme. MORTAL TERROR sind erwartungsgemäß in der Lage, kräftig Arsch zu treten, wie die Band eindrucksvoll beweist. Geradlinig, direkt mit Schmackes auf die Mütze, einschließlich gewohnt ruppiger Gitarren, heißt das Motto des nicht zum ersten Mal auf dem Masters of Cassel heftig einheizenden Fünfers. Das MOTÖRHEAD-Cover „Bomber“ darf im Set ebenso wenig fehlen. Ein ordentliches Stimmungslevel im Publikum garantiert, das zu späterer Stunde sogar noch einiges mehr gehen könnte... Nachdem MORTAL TERROR allesamt erfahrene Musiker die über ausreichend Bühnenerfahrung verfügen, souverän ihre Pflicht erfüllten, fiebern meine Freundin und ich der nächsten Combo umso mehr entgegen.

Etwa gegen 19:30 bleibt genügend Spielraum, das Taxi trifft ein; wohl wissend, dass uns die belgische Highspeedpower/Thrashformation EVIL INVADERS keineswegs entgeht, bleibt noch Luft für kurzen Smalltalk, ehe wir etwas Gedanken verloren in Richtung Bühne trotten.

EVIL INVADERS

sind zurzeit die Band der Stunde auf dem Speedmetalsektor, was wohl auch mit ein Hauptgrund sein dürfte, das der Vierer zwischen den Thrashern MORTAL TERROR und den Deathmetallern LAY DOWN ROTTEN optimal ins Billing eingereiht wurde. Anfangs noch mit Soundcheck- Problemen an der Gitarre kämpfend, verschiebt sich der Gig um einige Minuten. Fronter/Gitarrist Joe verlässt mit der Klampfe unterm Arm die Bühne. Sein Gesichtsausdruck wirkt zunächst äußerst angespannt, um zu prüfen, woran es liegt. Nachdem der Fehler schließlich behoben ist klettert er mit der Axt unterm Arm ersichtlich zufriedener gestimmt auf die Bretter. Das Publikum bleibt zunächst ein bisschen dröge, es braucht ein paar Augenblicke, um sich zahlreich im Saal vor der Bühne zu versammeln und in die Pötte zu kommen. Binnen der nächsten Minuten wandelt sich das Bild komplett: Ein höllisches Gitarreninferno im Highspeedtempo bricht aus und über die Köpfe der sich zunehmend vor den Bühnenrand drängenden Fans herein! In den ersten Reihen geht’s ebenso wie im genau dahinter befindlichen Mosh-Pit enorm hoch her. Die EVIL INVADERS-Fangemeinde bangt sich nach allen Regeln der Kunst ins Delirium! Weiter hinten geht’s ruhiger und gemütlicher zu. EVIL INVADERS werden in den vorderen Reihen und vom tobenden Pit komplett abgefeiert, sogar jene Besucher, denen die Belgier bisher unbekannt waren, finden sich gerade noch so im letzten Drittel der Vorstellung zahlreich in der Location an Tischen und im Thekenbereich ein, um staunend über die Qualitäten des Vierers, wenigstens etwas vom Set mit zu bekommen. EVIL INVADERS lassen's oberamtlich krachen, das kein Auge mehr trocken bleibt! Ihre Mischung aus knallharten Riffs, rasant schwindelerregenden Leadsoli, knackig versiert groovend regelrecht bei den Eingeweiden packenden Classic-Heavy Metal Einschüben inklusive unglaublicher Melodiebögen und klarem Hochtongesang der zugegebenermaßen längst nicht immer eines jeden Sache ist - plus Power bis zum Abwinken, hat seit geraumer Zeit auf diversen Festivals wo das Quartett bis dato gastierte, - u. a. beim KEEP IT TRUE - mächtig viel Staub aufgewirbelt! Bei den Belgiern EVIL INVADERS bildet sich binnen weniger Minuten ein mächtig abgehender Pit, der sich nach Lust und Laune austobt, während sich das Fanklientel vor der Bühne kräftig Fäuste ballend Luftgitarrenduelle liefert. High-Speedgeschosse (aufgelockert durch fett groovende Midtempobrüche) wie „Tortured by the Beast“ geben reichlich Anlass dafür! Einige Leute im Publikum sind der Meinung, der oft die Bühne komplett eintauchende Nebel wirkt fast schon okkult. In den vorderen Reihen werden Fäuste gereckt, Pommesgabeln gezückt und fliegende Langhaarmähnen rotieren dauerhaft in Reihe wirbelnd im Takt. Ihr Textgut bestehend aus Metal, Krieg und Alkohol findet reichlich Anklang im besessenen Fanpulk. Die Posen des sich ein packendes Duell nach dem anderen liefernden Gitarristenduos sind perfekt einstudiert. Die Jungs böllern, was die Instrumente hergeben. EVIL INVADERS wissen, wie man die volle Ladung austeilt und obendrein das Publikum durch enorm effektives Posing und bewegliches Stageacting mitreißt! Auch in unserer Fantraube geht’s rund, es wird bis zum Anschlag drauflos gebangt. Nach gut einer Stunde ist das High-Speed-Spektakel vorbei. Im Endspurt werden sämtliche Kraftreserven mobilisiert, bis wir von der Stirn bis zu den Füßen in Schweiß  badend, am Ende unsere wohlverdiente Pause bitter nötig haben.

Wir unterhalten uns danach kurz mit EVIL INVADERS-Gitarrist „Uncle Sam“, der uns ein frohes Lächeln schenkt, gratulieren zum phantastischen Gig, lassen's dann zunächst betont ruhig angehen. Kommunikation ist wichtig. Ohne Gespräche mit Freunden, Bands, Bekannten und anderen Fans würde etwas fehlen. Meine Freundin und ich begeben uns umgehend in den Merchandise-Raum. Sogar der Bullshirt-Stand ist anwesend, was mich neben der ohnehin guten Auswahl zusätzlich angenehm positiv überrascht! Nach erfolgreicher Suche in einer Wühlkiste (jaaa-, Geduld lohnt sich!) fischt sie tatsächlich etwas passendes daraus: Ein rares Shirt der Metalqueen LEE AARON in ihrer Größe, zum lauen Preis eines Fünfers, dazu ein weißes Top, mit silberner Aufschrift... Na bitte! :-) Die Tatsache, das sich schubweise bei jedem Akt ein wenig mehr Zuschauer im Musiktheater einfinden, zeigt glasklar, das die Platzierung jeder Band im Billing, so wie sie aufgestellt und vorgenommen wurde, heute optimal passt! Dies wird bei der nächst folgenden Combo und beim Headliner ersichtlich. Direkt um die Ecke beim Merch haben die Musiker ihre Stände, womit für Autogrammjäger/innen prima Gelegenheit besteht, sich im Rahmen eines kleinen gemütlichen Plausches vor und nach dem Gig, sofern man Tonträger, Merchandise, Papier und einen hierzu erforderlichen Stift zum Signieren dabei hat, oder seine Artikel direkt am Stand erwirbt, ein Autogramm ihrer Lieblingsband zu besorgen. Solche Aktionen machen in kleiner angenehm überschaubarer Location reichlich Sinn, da es gemütlich und stressfrei zugeht.

LAY DOWN ROTTEN

Das Kassel eine Death-Metal-Hochburg ist, dürfte bekannt sein und sich mittlerweile bis weit über die Grenzen der Stadt hinaus herum gesprochen haben. Dem entsprechend heftig viel Andrang herrscht beim Herborner Deathmetaleigengewächs LAY DOWN ROTTEN. Der obgleich einer guten Vorstellung des belgischen Senkrechtstarters EVIL INVADERS intensiv zu Werke gehende Hessenfünfer kann sogar noch kräftig einen drauf setzen. Schon lange kein unbeschriebenes Blatt in der Deathmetalszene, nutzen LAY DOWN ROTTEN ihrerseits die sich bietende Gunst der Stunde, dem Publikum einen Lautstärkemäßig brutal fetten Death-Metal-Knockout in Form einer massiv brachial das Gehör vernichtenden Knüppelorgie zu verabreichen, der sich gewaschen hat! Eine bedrohlich düster intensiv heavy alles vernichtende Wall of Sound lässt keinen Zweifel daran. Ex-REINCARNATED/SARX-Shouter Jost „Little“ Kleinert's heißer geröchelte Deathgrowls aus Tiefenregionen unterhalb des Erdreichs thronen wie ein Monument über den ohnehin reichlich tief gestimmten Gitarren. Timo „Borgir“ Claas bearbeitet sein Schlagzeug mit reichlich wucht und Präszision. Eine alles zerstörende Gitarrenwand jagt die nächste! LAY DOWN ROTTEN ziehen eine zahlreich immens große Anhängerschaft - was nicht zuletzt durch bislang seit Bandgründung sechs bärenstarke Veröffentlichungen bedingt, die haufenweise brachial auf's Fressbrett drückende Todesbleigranaten u. a. „Death Chain“, „Altering the Whore“ und „Hades Ressurrected“ enthalten, auf dem Deathmetalsektor - wie an der starken Publikumsresonanz im Saal an den Theken, überall in den Zwischengängen und vor der Bühne deutlich sichtbar ins Auge fällt. LAY DOWN ROTTEN direkt vor dem Headliner SODOM zu platzieren erweist sich (Kompliment an den Veranstalter) als haargenau richtiger Plan, was zahlreich auf unglaublichem Energielevel wirbelnd rotierende Langhaarmähnen bestätigen! Prächtig auf das Kommende eingestimmt, fiebern wir in Spannung dem Headliner entgegen, womit dem Sodom'schen „Outbreak of Evil“ nichts mehr im Wege steht...

Die Umbaupause gestaltet sich etwas länger. Das fleißige Roadie-Team im MT hat alle Hände voll zu tun. Unter heftigem Zeitdruck stehend müssen Bühneninventar gewechselt, zwischen den Menschen durch die Gänge transportiert, Verstärker aufgebaut, Kabel verbunden und die Bühne für den Headliner vorbereitet werden. Auch dies gilt es einmal an gesonderter Stelle zu würdigen.

SODOM

Das Ruhrpott-Trio Tom, Bernemann und Makka heizt kräftig ein und geht ausnahmslos in die Vollen, dass die Schwarte kracht! Zum Auftakt wird „My Final Bullet“ vom aktuell dieses Jahr veröffentlichten „Epitome of Torture“ Album auf die Bangerschaft losgelassen.Vor der Bühne bildet sich gleich zu Beginn ein rasanter Pit. Zahlreiche Langhaarmähnen sind am wirbeln. „M 16“ outet sich als passender Stimmungskracher, der ein gewaltiges Energielevel freisetzt. Die drei Oldshool-Thrash-Wellenbrecher „Sodomy and Lust“, „Outbreak of Evil“, und überraschend „Burst Command“ (aus der In the Sign of Evil-Phase) sowie der kraftvoll aus den boxen rumpelnde Midtemporeißer „The Saw is the Law“ geben dem thrashhungrigen Publikum Gelegenheit, sich kräftig auszutoben. Das entbehrliche weil verzichtbare „Proselytism Real“ (könnte bitte hoffentlich bald (!) gegen die Kult-Abrissbirne „Nuclear Winter“ getauscht werden) hat schon viel zu lange seinen festen Platz in der Setlist des Kohlenpottdreiers. Thrashkaliber neueren Datums („The Art of Killing Poetry“, „S.O.D.O.M.“, „Into the Skies of War“, „City of God“ und Stigmatized“) werden ebenso dankbar angenommen wie beinahe in Vergessenheit geratenes Inventar aus der früheren Venom beeinflussten Ära („Blasphemer“). Auch durch seit Urzeiten gar nicht mehr wegzudenkende Klassiker wie „Agent Orange“ und „Ausgebombt“ werden sowohl Fans der ersten Stunde, als auch jüngere SODOM-Maniacs zum Headbangen aus der Reserve gelockt. Die Stimmung im brechend vollen Musiktheater ist unbeschreiblich!

Ein relaxter Tom Angelripper bearbeitet seinen Bass bis zum äußersten Anschlag im klassischen Rock n' Roll-Takt. Sein Bandkollege Bernemann feuert serienweise Filigranleads und messerscharfe Riffbreitseiten raus und nebenher die Fans zum kräftigen Headbangen an. Markus „Makka“ Freiwald ist seit seinem Einstieg bei SODOM in menschlicher wie teamfähiger Hinsicht ein würdiger Nachfolger für seinen Vorgänger Bobby S. Er drischt auf Drums, Becken und Felle, das es nur so kracht. Mehrere Stagediver entern die Bühne und zahlreiche Crowdsurfer werden von hinten bis vorn durchgereicht.Der Saal des alten MT brodelt wie schon lange nicht mehr! Kein Wunder, liegt der letzte Besuch von SODOM in Kassel doch immerhin fast zwei Dekaden zurück. Tom Angelripper bestätigt, dass er lange nicht mehr in Kassel war. Altsemester innerhalb der Headbangerschaft werden sich wahrscheinlich an das Tourmotto: …another Night of Sodom … erinnern. (Als Supportact der Tour zum Album „Agent Orange“ agierte damals die noch recht junge Thrashcombo Sepultura.)

Tom Angelripper deutet auf die Boxen: „Seht ihr die Mikrophone auf den Boxen?“ Wir nehmen heute unser Live Album hier in Kassel auf.“, eine Bekanntgabe, die Überraschung und Begeisterung zugleich auslöst. In solchen Momenten kehren serienweise nostalgische Erinnerungen an jenes Ereignis zurück. Tom gesteht ebenso unverblümt ein: „Aber an einen Song erinnere ich mich noch ganz besonders: Es war Agent Orange“. Die für jeden SODOM-Gig unverzichtbare Anti-Kriegshymne wurde 1989 aufgrund ihres Sozialkritischen Inhalts als musikalisches Meisterwerk völlig zu Recht extrem abgefeiert. Gleiches gilt für das kaum weniger kultige „Ausgebombt“. Das Stück entwickelte sich zum zum Klassiker und erfreut sich heute ebenso ungeteilter Beliebtheit bei Fans unterschiedlichster Altersgenerationen. Der Singlehit bringt mühelos den ganzen Saal zum heißeren Grölen, einschließlich kollektivem Ausrasten. SODOMania pur! Das gesamte MT steht völlig Kopf. Selbst auf den Treppen seitlich links und rechts der Bühne, sogar an der Theke wird bis zum Umfallen geheadbangt und mitgegröhlt. Natürlich sind wieder einige so sternhagelvoll, das sie überhaupt nicht mehr mitbekommen, was Phase ist. Zahlreiche SODOM Shirts zeigen die Verbundenheit zur grundehrlichsten, solidesten aus heutiger Sicht gereiftesten Combo der „German Thrash-Big Four“, die ein bärenstarkes Gastspiel im Musiktheater hinlegt. Dieser Tag wird der nordhessischen Heavy Metal-Szene noch lange in Erinnerung bleiben!

Tom Angelripper hält in Gedenken an sein zur Zeit schwer erkranktes Vorbild Lemmy Kilmister eine Ansprache vor dem Publikum. Es ist als eine Respektsbekundung gegenüber einer großen Persönlichkeit als Mensch und Musiker zu verstehen. Er erinnert daran, dass es ohne Lemmy's MOTÖRHEAD die Metal-Szene wie sie heute besteht, in derartiger Form nicht geben würde. Entsprechend feuert das räudige Trio die MOTÖRHEAD-Hymne „Iron Fist“ als Tribut für einen hoffentlich wieder genesenden Lemmy ins Publikum. Onkel Tom setzt sich spontan eine aus dem Publikum zugeworfene Nikolausmütze auf. Demonstrativ wird ein Kasten Bier aus dem Backstagebereich auf die Bühne transportiert und an durstige Fans verteilt. Solche Aktionen zeigen, dass Musiker auch nur Menschen wie Du und ich sind und ihnen das Wohl der Fans am Herzen liegt. Sodom haben nicht vergessen, woher sie kommen und wer sie sind. SODOM sind ein Paradebeispiel für bodenständige Ehrlichkeit. Die Band verabschiedet sich mir dem bärenstarken Schlußdoppel „Remember the Fallen“ und „Bombenhagel“. Als im Saal die Lichter angehen, tritt eine restlos begeisterte Fanschaar unter großem Jubel den Weg zur Theke oder direkt in Richtung Heimat an.

SODOM wurden ihrem Status absolut gerecht, und es bleibt wirklich zu hoffen, das man dieses urige Trio künftig wieder wesentlich öfter auch im Raum Nordhessen zu Gesicht bekommt. Tom Angelripper, Bernemann und Makka, ihr seid jederzeit herzlich willkommen!

VOLBEAST

Nach dem Headliner lassen wir's noch etwas gemütlich chillend angehen. VOLBEAST geben wie der Name schon sagt, VOLBEAT-Cover zum besten. Ansichtssache, ob man das unbedingt braucht. Die Band steht rein optisch ihrem Vorbild handwerklich, inhaltlich und musikalisch zumindest kaum nach. Fein bekleidet die Bühne betretend, ziehen VOLBEAST den verbliebenen Anteil der Fans von ihrem Können überzeugend bis 2 m vor die Bühne, während sich im Saal ein Fanblock gebildet hat, der neugierig zuschaut. Nurvereinzelte Individuen gehen aus sich heraus und bewegen sich auf ungewöhlichste Art und Weise zur Musik. Einige Anwesende sind schon schwer vom Alkohol berauscht. Die Band spielt ein gemischtes Set aus allen bisher erschienenen Volbeat Alben. Den Höhepunkt markiert das JOHNNY CASH COVER „Sad Man's Tongue“. Das MT ist weitgehend geleert, VOLBEAST geben ihr Bestes, um vor kleinem überschaubaren Restfanklientel zu bestehen, ein schwieriges Unterfangen, dass sich nach Sodom als unerfüllbare Aufgabe erweist. Ein verbliebener Restanteil der anwesenden Besucher, hat ungeachtet dieses Umstandes zum Trotz reichlich Spaß am gepflegten Countryrock-Metalcovermix der Band. Wir nehmen noch ein letztes Getränk zu uns und treten gut gelaunt die Heimreise an.

Festival-Nachwort:

Ein dickes Lob an den Veranstalter 98-Records für ein cremiges Metal-Event zum Jahresabschluß, das zahlreiche Heavy Metal Fans in und um Kassel einen tollen Jahresabschluß mit einem wirklich feinen Billing, tollen Bands, in bewährter Location mit fairem Eintrittspreis von 16,50 Euro (VVK) und 19,50 (AK) bescherte. Meine Highlights waren BURNING HELLMET, HOLLYWOOD BURNOUTS, EVIL INVADERS und SODOM. Insgesamt soviel sei fairerweise bemerkt, waren jedoch a l l e Bands den Besuch wert. Die Preise für Cola, Bier, Radler oder Diesel im MT sind okay, warum allerdings 3,75 Euro für einen großen Kirschsaft an der Theke verlangt werden, leuchtet irgendwie nicht ganz ein.

Das MASTERS OF CASSEL-Weihnachtsspezial war für Fans, Bands und Veranstalter ein zählbarer Erfolg. Es bleibt zu hoffen, das die nächste Auflage im Jahr 2014 des für unsere Region so wichtigen MASTERS OF CASSEL-Konzertevents mit einem wiederholt gemischten Billing zum besinnlichen Jahresausklang in eine weitere Runde geht und erneut zahlreich besucht wird. Es sei dem 98-Records-Team von Herzen gegönnt!!!Auf ein neues im nächsten Jahr freuen sich auch der Rezensent dieser Zeilen und seine nicht minder beeindruckte Freundin

- W(H)ellcome next Year! ;-)

Fotos: Melissa Hart und Michael Toscher