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LINGUA MORTIS ORCHESTRA – Langen, Neue Stadthalle



Konzert vom 22.12.13
Support: MAJESTY

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LINGUA MORTIS ORCHESTRA
MAJESTY


38 € Eintritt sind wahrlich kein Pappenstiel so kurz vor Weihnachten. Bedenkt man aber den betriebenen Aufwand des Tourtrosses mit Band, Orchester und Crew und einer Supportband, war dieser Preis durchaus gerechtfertigt. Offensichtlich von diesem Zwiespalt getrieben, war das Konzert an diesem Abend mit gut 250 zahlenden Gästen dann auch nur spärlich besucht. Diejenigen, die dort waren, erwartete dann aber eine musikalische Vollbedienung mit erhöhtem Gänsehautfaktor.

 

Als Support hatte man das Aushängeschild der deutschen True Metaller Szene in Form von MAJESTY mit am Start. Diese waren mit ihrem in 2013 zweiten und gerade eben veröffentlichten 9. Studioalbum „Banners High“ bereits vor einigen Wochen auf der Wolfsnächte-Tour an gleicher Stelle schon einmal am Start. In den zur Verfügung stehenden 45 Minuten Spielzeit präsentierte das Quintett bei guten, aber auch sehr lauten Soundverhältnissen all time Klassiker wie „Metal Law“ oder „Heavy Metal Battlecry“, das diesmal in einer Speedversion gezockt wurde und so klang, als sei man auf der Flucht vor wem auch immer. Tarek Maghary hatte hier so seine liebe Mühe gesanglich seinen Mannen an ihren Instrumenten zu folgen, was schon einen Schmunzler wert war. Vom neuen Album präsentierte man drei Songs, wovon mich „Time for Revolution” am meisten überzeugte. Zu den obligatorischen Mitsingspielchen wurde heute bei „United By Freedom” geladen, was auch halbwegs funktionierte. Den Direktvergleich zwischen den beiden Konzerten in Langen gewann die heutige Show, da zum einen Tarek gesundheitlich vollständig genesen wieder bei Stimme war und man zum anderen mehr Platz auf der Bühne zur Verfügung hatte, den man mit der eigenen, getriggerten Poserbude als Blickfang auch ordentlich gestaltete. Die Musiker wuselten sehr agil über die Bretter, aber irgendwie sah das alles zu sehr einstudiert aus. Allen voran fiel Frontmann Tarek auf, der hier, wie viele im überschaubaren Rund äußerten, zu gekünstelt seine Freude über die positiven Reaktionen der Fans zum Ausdruck brachte.

Nachdem ich mir kürzlich schon den Videodreh in Gelnhausen zum Clip von „Cleansed By Fire” anschauen durfte, wollte ich natürlich auch das Konzert vom LINGUA MORTIS ORCHESTRA feat. RAGE sehen. Und eben mit diesem Song in voller Länge, also gute 9 Minuten, starteten LMO ihre gut 90-minütige Show. Zu meiner Vermutung, dass es hier eine vordergründige RAGE-Show mit Orchesteruntermalung geben würde, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. LMO traten als kompakte Einheit auf. Alle Akteure wurden gleichberechtigt in die Show eingebunden, was man auch an den Vorstellungen diverser Songs feststellen konnte. Jeder, der ein Mikro vor sich stehen hatte, durfte/musste mal ran, was zu einem unterhaltsamen Nebenspektakel in der ersten Showhälfte wurde und auch zu einem Geburtstagsständchen für Peavy (voc. RAGE) bei „Empty Hollow“ führte. Auch wenn die elf Musiker des Orquestra Barcelona Filharmonia soundtechnisch nicht immer deutlich zu hören waren, weil die Drums von André Hilgers trotz aller Reglerkünste des Soundmannes eine Art Vormachtstellung für sich beanspruchen wollten, blitzte ihre Klasse doch oft durch, was auch ein Verdienst des Dirigenten Daniel Antolí i Plaza gewesen sein dürfte, der sprichwörtlich alle Hände voll zu tun hatte.

„Scapegoat“ wurde zu einem ersten Höhepunkt, da hier Henning Basse (voc., MAYAN, ULI JON ROTH, Ex-METALIUM, Ex-SONS OF SEASONS u.v.m.), der 2. männliche Sänger neben Peavy, seine stimmliche Vielfalt voll ausspielen konnte und eben das Orchester im Zusammenspiel mit den Metal-Akteuren eine Punktlandung verzeichnete. Den ersten Gänsehautfaktor verzeichnete das balladeske „Lament“. Hier spielte Mastermind Victor Smolski (g.) zu Beginn Cello, wo ihm seine klassische Musikausbildung zu Gute kommt und in die Finger spielt. Den Gitarrenpart übernahm währenddessen hier die Sopranistin Dana Harnge. Und wenn wir schon bei den Sängerinnen sind, darf auch die 2. im Bunde nicht fehlen, die so ganz nebenbei ihre Künste an der Geige zeigen durfte. Beide hatten einen ihrer Höhepunkte bei „Eye for An Eye“, wo sie gesanglich viel von ihrem Können zeigen konnten. Mein persönliches Highlight folgte an diesem Abend aber mit der Umsetzung von „Oremus / Witches’ Judge“, des wohl schwierigsten Arrangements vom aktuellen LMO-Longplayer. Was hier bei den teilinstrumentalen Stücken geboten wurde, war ganz großes Kino in Sachen Metal meets Klassik mit Orchester. Selten habe ich so viele Metalfans um mich herum gesehen, die ehrfürchtig staunend und teilweise mit Tränen in den Augen gebannt auf die Bühne starrten, um sich am Ende zustimmend zuzunicken und das gerade Erlebte frenetisch bejubelten.

Nicht ganz unerwähnt lassen möchte ich die RAGE-eigenen Songs, die hier ebenfalls in orchestraler Umsetzung stark umgesetzt wurden, aber an das eigentliche LMO-Material nicht ganz heranreichen konnten. „Higher“ gab es als Ausklang in der Zugabe als eine entspannende Jam-Session.
Für mich eines der Konzerthighlights im Jahr 2013 und ein neuer Einstieg ins Studioalbum vom LINGUA MORTIS ORCHESTRA, das ich bisher als schwere Kost empfand und es jetzt erst genießen kann.  

Setlist MAJESTY:
Metal Law
Time for Revolution
Thunder Rider
United By Freedom
Heavy Metal Battlecry
Banners High
Metal Union

Setlist LMO:
Cleansed By Fire
Empty Hollow
From The Cradle
Scapegoat
Devil’s Bride
Lament
Prelude/Innocent
No Regrets
Eye For An Eye
Turn The Page
Afterglow
Oremus
Witches’ Jugde
Straight To Hell
Higher