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ATLANTEAN KODEX - Kümmersbruck, Kulturschloss Theuern

11 atlantiancodex

Konzert vom 07.11.15
Support: Lunar Shadow, Dark Forest

Homepage:
ATLANTEAN KODEX
DARK FOREST
LUNAR SHADOW

ATLANTEAN KODEX gaben am Wochenende zum 6. und 7.November 2015 zwei von der Band selbst einschließlich zweier Vorbands organisierte Sondervorstellungen für ein speziell ausgesuchtes zahlenmäßig kleines, Fanklientel in ganz überschaubar klein gehaltenen Rahmen für enge Freunde und Unterstützer in ihrer Heimat Vilseck-Kümmersbruck. Statt einer Professionell aufgezogenen Show von XXL-Ausmaßen erwartet das Publikum ein kleiner Underground-Gig in gemütlicher Kleinclub-Atmosphäre. War der Freitag schon einmal gut besucht, folgt Samstag die Steigerung. Rund 300 Leute finden sich im Kulturschloss Theuern ein, das (erstmalig Ende des ausklingenden 11. Jahrhunderts erwähnt, im 15. Jahrhundert als Adelssitz genutzt 1780 zum Barock-Schloss im Rokoko-Stil umgebaut) in Ostbayern liegt. Im eigenen Interesse empfiehlt sich bei einer solch weiten Hinreise auch die Rückreise geplant zu organisieren, vorausgesetzt, man will keinen längeren Aufenthalt im Niemandsland verbringen. Unser Zielort liegt irgendwo inmitten allertiefster Botanik, der Weg dorthin ist schon ein Abenteuer für sich. Wenn zu allem Überfluss die Bahn wie gewöhnlich Verspätung hat, wodurch die geplante Ankunft sich erwartungsgemäß nach hinten verschiebt, wundert einen dieser Umstand längst nicht mehr. Immerhin treffen wir den letzten Rest der Strecke von Amberg bis Kümmersbruck mit dem Taxi zurücklegend gegen 19:30 Uhr endlich am Ort des Geschehens ein, womit noch die Chance besteht ab DARK FOREST einzusteigen. Jetzt aber schnell, nichts wie auf zum Schloss! Dort angekommen, stellen wir fest: Garderobe vorhanden, - womit die Jacken sogleich an geeigneter Stelle geparkt den ihnen gebührenden Platz bekommen.

LUNAR SHADOW

haben wir aufgrund unserer schwierigen Anreise knapp verpasst, deren letzter Song uns kurz vor dem Einlass entgegen schallt, irgendwie in Richtung IN FLAMES tendierende Gitarren vermeine ich da herauszuhören. Zeit für ein konkretes Bild bleibt irgendwann ein anderes Mal. Bevor wir uns auf direktem Wege zu DARK FORREST in Richtung Bretterwald orientieren, werden Freunde, Kumpels und Bekannte begrüßt. Chefredakteur Götz Kühnemund vom DEAF FOREVER, dem besten Metal und Hardrockmagazin aller Zeiten für geschulte Überzeugungstäter treffend, ist ein lockeres Kurzgespräch Pflicht, ehe wir uns mit dem Ambiente vertraut machend, Getränke holen. Ein spezielles Bier lokaler Herstellung, dessen Name mir unbekannt ist, wird von Melissa gezischt, ich nehme mit gekühlter Apfelsaftschorle vorlieb, die erfrischend meinen Durst löscht. Brennende Kronleuchter hängen wie an einer Schnur aufgereiht an der Decke im Saal, tauchen das Ambiente in gedämmtes Licht, Romantik vergangener Jahrhunderte wird im Gedanken lebendig. Ein aus Treppen, breiten Gängen, Räumen an mancher Ecke platzierter Gemälde, Wappen wunderschön handwerklich gefertigter Schnitzereien auf den massiven Holztüren und an der Wand hängend gekreuzten Schwertern verleiht dem Barockambiente elegant-würdevollen Charakter. Im Vergleich zu Freitag ist der Samstag-Abend um einiges stärker besucht, dieser Eindruck wird uns von am Vortag anwesenden Gästen während der Gigs bestätigt. Das Publikum im Schloss-Saal geht intensiver bei allen drei Bands mit, wodurch das im Rahmen der ATLANTEAN KODEX Heimspiele zu drehende Live-Video schließlich unter geeigneten Voraussetzungen stattfindet.

DARK FOREST

DARK FOREST sind für uns ein Muss. Zum folkigen Heavy/Powermetal des englischen Fünfers dessen Mischung grob umrissen einer Mixtur aus THIN LIZZY-Flair trifft heroische SKYCLAD mit hymnenhaftem IRON MAIDEN/RUNNING WILD-Anstrich lautet, geht es im Publikum schon recht ordentlich zur Sache. Ein Teil der Gäste bangt sich zu verträumt feinfühligen Folk-Melodien getragen von galoppierenden Riffs kräftig für den Headliner warm. Das Gitarrendoppel Christian Horton/Patrick Jenkins liefert eine technisch brilliante Leistung ab. Ex-SEVEN SISTERS/WYTCH HAZEL-Sänger Josh Winnard überlässt zwischendurch ganz den Fans das singen, um sich gut aufgelegt grinsend an der tollen Resonanz einer bestens eingestimmten Kulisse zu erfreuen, ehe der Frontmann selbst wieder zum Mikro greift. Drei starke, vom schwermetallischen Underground enorm geschätzte Alben haben DARK FOREST bisher veröffentlicht. Je länger DARK FOREST auf der Bühne stehen, desto mehr erhöht sich das allgemeine Stimmungslevel im geräumigen Schloss-Saal. Fünfundvierzig Minuten sich zunehmend steigernde Livepower vergehen beinahe wie im Flug. Band und Publikum zeigen sich für den Headliner bestens gerüstet. DARK FOREST haben ihren Ruf als exzellente Liveband auf diversen Festivals in ganz Europa erneut bestätigt!

ATLANTEAN KODEX

werden ihrem Headlinerstatus als Veranstalter dieses besonderen Events erwartungsgemäß gerecht. Obwohl der Schreiberling dieser Zeilen nicht aus Bayern kommt, genießt er jede Note, jeden Takt einer genialen Vorstellung. Etwas anderes steht bei diesem superben Headliner ohnehin nicht zur Debatte. ATLANTEAN KODEX gehören zu den Generationsübergreifend verbindenden Bands erlesenster Sorte, denen es dank eines ganzen Sammelsuriums unschlagbarer Hymnen gelingt, den Bogen weit von den 70er-Ursprüngen des Hardrocks über den 80er-Heavy Metal bis zum 90er Jahre Death/Black-Metal-Spirit bis hin zum Nach-Millenniums-Düstermetal zu spannen. ATLANTEAN KODEX live auf der Bühne ist mehr als nur irgendein Konzert, das ist pure Magie! Meine Freundin hat sich ihren Platz in vorderster Reihe gesichert, ich bleibe dahinter, wir gehen vollkommen aus uns heraus, da platzen sämtliche Dämme! ATLANTEAN - wie ich sie gern in Kurzform zu bezeichnen pflege - sind schlichtweg unabhängig wo sie auftreten, die geballte Macht auf den Brettern, der es gelingt, Konzertsäle binnen zwei Minuten in Tollhäuser zu verwandeln. „From Shores Forsaken“, unverzichtbarer Demo-Klassiker aus frühen Tagen, gefolgt vom (kaum weniger majestätischen durch URIAH HEEP-Singalongs veredelten) Elf-Minuten Opus „Pilgrim“, eröffnet einen durchweg impulsiv mitreißenden Set Europageschichtlicher Mystik, der für die Treuesten der Treuen einer Offenbarung gleichkommt. Sobald nach epischem Intro die „Trompeten von Doggerland“ zur bevorstehenden Schlacht blasen, um den „Sol Invictus“ auszurufen, während ein römischer Sonnenpriester zum Ritual einlädt, um Zeuge dessen zu werden, wie die mächtige Weiße Göttin reitet, die Gitarren röhren, das Schlagzeug ballert, der Hymnenexpress rollt, rollt, und rollt... „Sol Invictus“, „Bilwis“, „Heresiarch“,„Der Untergang der Stadt Passau“, „Twelve Stars and an Azure Crown“, „Enthroned In Clouds and Fire“, „The White Ship“, sowie das ungekürzte Fünfzehn-Minuten Überepos „A Prophet In The Forest“ - Meisterhaft geschmiedeter Epic-Stahl für die Ewigkeit - erzeugen allesamt extrem intensives kaum in Worte fassbares Atmosphärenlevel!

Zu Beginn von "Heresiarch" stürmt eine Horde Krampusse die Bühne und streckt dem Publikum ihre fiesen Fratzen entgegen. Das Publikum frisst der Band um Sänger Markus Becker förmlich aus der Hand, singt Ton für Ton sämtliche Refrains mit, das Heimspiel wird zum Triumphzug! Im Kulturschloss Theuern greift wie überall anderswo das ATLANTEAN KODEX-Virus heftig um sich, da hält es keinen mehr, das Schloss bebt! Alle gehen in welcher Form auch immer völlig aus sich heraus, liegen sich feiernd in den Armen, singen inbrünstig mit, lassen fässerweise Emotionen freien Lauf, die anwesende Langhaarfraktion schüttelt ihre Mähne im Takt, viele gemeinschaftlich erhobene Fäuste und Hörnergabeln sprechen Bände. Sogar eine Art IRON MAIDEN-Tributsong („Kodex Battle“) wird gebracht, bei dem es für das textverfassende Individuum kein Halten mehr gibt, dicker Schweiß tropft von der Stirn auf's Holzfällerhemd. Mit der ein letztes Mal das gesamte Publikum sämtliche Restkraftreserven mobilisieren lassenden Band-Kulthymne „Atlantean Kodex“ geht ein erinnerungs würdiger Konzertabend auf Kulturschloss Theuren zu Ende, - einer Location, die von ihrer optisch ins Auge fallenden Schönheit im eleganten Baustil gekennzeichnet bleibenden Eindruck hinterlässt.

Das „Weiße Schiff“ überbrachte dem Kulturschloss Theuern folgende 14 Botschaften:

From Shores Forsaken
Pilgrim
Trumpets of Doggerland
Sol Invictus
Bilwis
Heresiarch
Twelve Stars And an Azure Crown
Der Untergang der Stadt Passau
Enthroned In Clouds and Fire
White Goddes Unveiled
The White Ship
Kodex Battallions
A Prophet in The Forest
The Atlantean Kodex

Noch ist kein Advent, dafür erleben wir jedoch eine unerwartete Überraschung als wir uns zum Plausch in geselliger Runde mit anderen auf dem Schloss-Hof treffen. Auf dem früheren vor dem Schloss gelegenen einstigen Reiter-Truppen-Exerzierplatz Krampusse gesichtet, - furchterregend monströse Gestalten in Form von Naturwesenheiten, die eine Rute in der Hand mit sich führend, sich durch lautes Kuhglockengeläut bemerkbar machend von lautem Gerassel furchterregender Ketten inklusive Grunzlauten begleitet böse Kinder bestrafen, indem sie ihnen Angst und Schrecken einjagen. Nach altem ostbayerischen Brauch findet im Anschluss des Konzertes ein traditioneller „Krampuslauf“ statt. Mehrere Fellhose tragende von grotesk anmutend teuflischen Fratzen in Hörner-Maske gekleidete Krampusse, deren Brauchtum ausschließlich in die Adventszeit hinein fällt, laufen um die beim Spektakel anwesenden Gäste herum, wobei sie einen Höllenlärm veranstaltend heftig Schläge mit ihrer Rute austeilen, was unter Umständen schmerzhaft sein kann. Wer falsch platziert steht, bekommt einen oder mehrere Streiche auf den Hintern und darf sich auf kaum definierbares Grunzen welcher Art diese Laute auch immer sein mögen, gefasst machen... Exakt an geeigneter Stelle platziert, bleiben wir von den Hieben der zotteligen Wesen verschont.

Ein Konzerterlebnis lohnenswerter Art, das allen Anwesenden einmal mehr das gemeinsame Wir-Gefühl näherbrachte und gezeigt hat, wie intensiv wohltuend ein Konzertevent ist, wenn alle mal ihre unterschiedlichen Gegensätze, Sorgen, Probleme des Alltags vergessen und diesen Event zusammen mit der Band zu ihrem eigens besonderen Erlebnis werden lassen. Phantastisch!

Unsere Heimreise verläuft über Umwege, doch problemfreier als die Hinreise, da wir ein Stück weit per Auto mitgenommen werden, wofür an dieser Stelle Karina, Pascal und Fahrer Jens noch einmal herzlich gedankt sei. Ab Laufen besteht Möglichkeit den Nachtbus zu nehmen, wodurch sich der Rückweg einfacher gestaltet. Am nächsten Tag machen sich meine Knochen muskelkatertechnisch bemerkbar, doch im Gedenken dieses feinen Konzertabends, lohnte es wirklich all die viele Mühe.

Zu Hause angekommen, gönne ich mir zunächst ein wenig Schlaf, erledige die noch anstehende Gartenarbeit, werfe im gestärkten Sog eines tollen Konzerterlebnisses außergewöhnlicher Art meine ATLANTEAN KODEX-Silberlinge in den Player, inbrünstiges Mitsingen (= Ehrensache!) und schreibe meinen Bericht. Epic-Metal-Hochkaräterhymnen wie „Heresiarch“, „Pilgrim“, „Sol Invictus“, „Atlantean Kodex“, „Twelve Stars And An Azure Crown“, „A Prophet In The Forest“, „White Goddess Unveiled“, etc., etc., etc., verbreiten wohltuenden Spirit im Raum.

Fotos: Melissa Hart