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THE ANSWER & THE DEAD DAISIES – Aschaffenburg, Colos-Saal

Konzert vom 07.12.16

Homepage:
THE ANSWER
THE DEAD DAISIES

„Britischer Vintage-Rock trifft auf US-Hardrock der alten Schule. Zwei zurzeit sehr angesagte Rockbands aus Irland und den USA haben sich für eine gemeinsame Tournee in UK und Europa zusammengetan, um ihre frischen Studio-Outputs vorzustellen“, soweit die Vorankündigung zur Tour. Für mich waren beide Bands, sowohl musikalisch als auch live, absolutes Neuland, und zu meiner Horizonterweiterung stellte sich auch gleich ein Aha-Effekt ein.

Wer bei den Nordiren THE ANSWER folkloristische oder gar keltische Klänge sucht oder erwartet, wird diese in deren Musik nicht finden. Mir haben sie mit den ersten beiden Stücken, dem Titelsong zum neuen Album „Solas“ und „Beautiful World“ gleich die Antwort auf meine unausgesprochene Frage „Wer sind die und was machen die für Mucke?“ gegeben – erdigen, teils leicht modern angehauchten Hard Rock mit einigen akustischen Elementen. Das Quartett agiert innerhalb seines gesteckten musikalischen Rahmens sehr abwechslungsreich. Sänger Cormac Neeson konnte mich mit seiner flexiblen Stimme ein ums andere Mal überraschen und auch nachhaltig überzeugen. Ohne viel Übertreibung bewegte er sich über die 75-minütige Spielzeit angemessen zur eingängigen Musik und lebte diese förmlich mit seiner Ausdrucksweise aus. Den Kontakt zum Publikum hatte er sehr schnell aufgebaut und es auf seine Seite bringen können. Maximales Ergebnis mit wenig Aufwand – das macht einen guten Frontmann aus. Wenn er dann auch noch die Akustikgitarre in die Hand nahm, artete der entsprechende Song in der Folge auch schon mal zu einer Art Jam Session aus, die echt schön anzusehen/-hören war. Für mich war diese Band eine große und vor allem positive Überraschung. Das kam alles ehrlich und echt rüber. Dazu der sehr klar differenzierte, wenn auch etwas laute Sound, bei wirklich vorzeigbaren Lichtspielereien, gab ein Übriges dazu, um diesen Auftritt für mich positiv nachwirken und für den Gitarristen Paul Mahon wie ein herrlich inszeniertes Geburtstagsgeschenk aussehen zu lassen.
Unterm Strich: Musikalisch nicht ganz meine Heimat, aber dennoch so interessant gestaltet, dass mir diese Band richtig gut gefallen hat und ich wieder eins ihrer zukünftigen Konzerte besuchen würde.

Setlist THE ANSWER:
Solas
Beautiful World
New Horizon
Demon Driven Man
Tunnel
Waste Your Tears
Untrue Colour
In This Land
Thief Of Light
Under The Sky
Demon Eyes
Being Begotten
Spectacular
Battlecry

Entgegen der ersten Banddarstellung war meine Erwartungshaltung beim anstehenden Allstar-Quintett schon etwas höher ausgelegt. THE DEAD DAISIES – mit einer der blödesten Bandnamen, die ich je gehört habe – Tote Gänseblümchen, also mal ehrlich, wer kommt auf solch einen Namen? Egal. Auch bei der jetzt als rein amerikanische Band agierenden Truppe (in der Gründungsphase 2012 waren mal Australier dabei) galt es, auf europäischem Boden weiter den eigenen Status auszubauen und Fuß zu fassen sowie das 4. Studioalbum „Make Some Noise“ zu promoten. Der Titeltrack als dritter Song der Setlist war es dann auch, der das Eis zum Publikum brach. Durch John Corabi (voc., Ex-MÖTLEY CRÜE, Ex-THE SCREAM, Ex-UNION) regelrecht angemacht ließ sich der ausverkaufte Saal von der guten Stimmung der Band und ihrem Bewegungsdrang anstecken. Obwohl beim Sound ggü. der ersten Band deutliche Defizite spürbar waren, kamen die Songs gut an. Corabi hatte ich gesanglich so gut auch schon gar nicht mehr auf der Rechnung. Warum man in die 75-minütige Auftrittszeit beim Songmaterial von vier Alben unbedingt vier Cover Nummern einbauen musste, entzieht sich meiner Kenntnis und lässt Spielraum für Spekulationen offen. Gefallen haben hierbei jedoch die Nummern von THE WHO („Join Together”) und in der Zugabe “Helter Skelter” von den BEATLES. Herrlich umstrukturiert klang das fast nach eigenen Stücken – klasse. Sparen können hätte man sich allerdings gänzlich den langweiligen und stimmungstötenden Soli-Teil zur Setmitte. Zuerst Doug Aldrich (git., Ex-WHITESNAKE, Ex-DIO) und dann Brian Tichy (Ex-OZZY, Ex-BILLY IDOL), der wenigstens etwas fürs Auge und zusätzliche Unterhaltung beitrug, indem er gefühlte zehn Drumsticks während seiner Session ins Publikum oder auf die Bühne schoss. Neben Corabi war er für mich auch der am auffälligsten agierende Musiker. Sein Drive und Groove an den Kesseln empfand ich als Grundlage für das Gelingen einiger Stücke. So wurde für mich „With You And I” durch ihn zu einem der besten Stücke des Abends. Verzichtbar war dagegen allerdings die über 10-minütige Bandvorstellung zu Songfragmenten von AC/DC, PRIEST und AEROSMITH. Bei jeder Sportart hätte es dafür eine saftige Strafe wegen Spielverzögerung gegeben. Sowas sollte man als Profi nicht nötig haben, außer man ist vielleicht gesundheitlich angeschlagen. Tja, und wie für eine amerikanische Band heute leider üblich, endete das Set nach 65 Minuten. Irgendwie ironisch mutete mir da auch der erste der beiden Songs in der Zugabe an: “We're An American Band” – treffender ging‘s nicht. Unterm Strich ein interessanter Auftritt mit Luft nach oben.

Setlist THE DEAD DAISIES:
Long Way To Go
Mexico
Make Some Noise
Song And A Prayer
Fortunate Son (CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL)
We All Fall Down
Guitar Solo (Doug Aldrich, with "Slow 'n' Easy snippet)
The Last Time I Saw The Sun
Drum Solo
Join Together (THE WHO Cover)
With You And I
Mainline
Helter Skelter (THE BEATLES Cover)
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We're An American Band (GRAND FUNK RAILROAD Cover)
Midnight Moses (THE SENSATIONAL ALEX HARVEY BAND Cover)

Fotos by Hans-W. Rock