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GUARDIANS OF THE UNDERGROUND FESTIVAL 2017 – Frankfurt/M.-Hausen, Musikjugendhaus



Konzert vom 25.03.17
Bands: ELVENPATH, SEVEN THORNS, ELMSFIRE, MORTAL PERIL, LAW-MÄNNER

Homepage:
ELVENPATH
SEVEN THORNS
ELMSFIRE
MORTAL PERIL
LAW-MÄNNER
Musikjugendhaus Hausen

Das Abstatten meines Besuchs einer Veranstaltung im lokalen Underground bildet die Grundlage für diese Zeilen. Leider klappt dies in den letzten Jahren aus verschiedensten Gründen viel zu selten. Vielleicht sollten diejenigen, die sich aktuell über Ticketpreise von 115 € für die anstehende METALLICA-Tour (zu Recht) negativ auslassen, dies hier mal als Alternative überdenken und ihr sauerverdientes Geld lieber solchen Veranstaltungen zukommen lassen. Hier im Musikhaus der Jugend der AWO in Frankfurt/M.-Hausen gab es z. B. fünf Bands für schlappe 8 €. Ok, ein Konzertsaal war das hier nicht, aber die gut 70 anwesenden Metalheads sorgten für reichlich Stimmung vor der Bühne bei jeder (!) Kombo, denen gleichberechtigt allesamt je 45 Minuten Spielzeit zur Verfügung standen.

Den Anfang machten die LAW-MÄNNER. Das Frankfurter Quintett war ursprünglich als Coverband unterwegs und hat entgegen meiner unausgesprochenen Hoffnung nichts mit den ehemaligen Frankfurter Rockern, den Lawmen, zu tun. 2015 besannen sich die „Altmetaller“, wie sie sich selbst gerne bezeichnen, ihrem Laster, den seligen 80ern zu frönen und sattelten auf handgemachte Musik um. Im Vordergrund stehen hierbei satte, Riff orientierte Gitarren, was man durchaus auch so stehen lassen kann. Wie für Coverbands fast üblich sucht man die musikalische Bandbreite, und so ist bzw. war es nicht verwunderlich, dass sich das eigene Material von Doom-lastig (BLACK SABBATH) über die True Schiene (MANOWAR), den Power Rocker (SAXON) nicht zu vergessen, bis hin zum Thrash erstreckte. Wobei, und das betonte auch Sänger Kolja deutlich, hier eigenes Material am Start ist und meine in Klammern gesetzten Bandnamen daher nur als musikalischer Vergleich herangezogen werden sollten. Dass Kolja stets den Kontakt zu den zu Beginn schon zahlreich anwesenden Zuschauern suchte, sollte sich letztlich positiv auf den Applaus am Setende auswirken.

Dass ich die Thrashmetaller MORTAL PERIL am Anfang ignorierte und draußen etwas Kontaktpflege betrieb, nur weil der „Thrash“ nicht so meine musikalische Heimat ist, sollte sich rächen. Dem Quartett aus Wesseling bei Köln schenkte ich erst ab der Mitte ihres Sets meine Aufmerksamkeit und hier musste ich sofort feststellen, dass das Dargebotene kein reiner Thrash war, sondern ein Mix mit Power Metal, der zudem noch leichte Punkelemente aufwies. Eine sehr interessante Mischung, die zudem auch noch sehr professionell dargeboten wurde. Diese Mucke kam in Frankfurt an, keine Frage. Auch wenn der zahlreiche, jahrgangsältere LAW-Männer Support, bereits wieder das Schlachtfeld geräumt hatte, die Stimmung war richtig gut. Das Zusammenspiel der beiden Gitarreros, die sich bei den Soli stets abwechselten, haben mir an der Truppe hier besonders gefallen, wobei ich die natürliche Art mit dem Publikum umzugehen, die Sänger und Bassist Jan an den Tag legte, da nicht schmälern möchte, denn auch er hatte großen Anteil daran, dass die Band im direkten Anschluss ihren Merch draußen vor der Eingangstür sichtbar gut abverkaufen konnte.  

Die Verpflichtung von ELMSFIRE aus Düsseldorf zur heutigen Veranstaltung hatte mich besonders gefreut, denn die Epic Power Metaller waren mir nach unserem ersten Zusammentreffen vor zwei Jahren auf dem A CHANCE FOR METAL Festival nachhaltig in Erinnerung geblieben. Auch wenn sie heute ohne Bassisten angereist waren, tat das dem Ganzen keinen Abbruch. Flugs wurde die Gitarre von Germano etwas tiefer gestimmt und ab ging das. Das konnte man sogar wörtlich nehmen, denn er war eigentlich spätestens bei jedem zweiten Song im Publikum anzutreffen und performte vor oder für fast jede Kamera im Raum. Selbst beim Paartanz incl. Gitarre („Dance With The Death“) gab er eine gute Figur ab. Musikalisch lag man insgesamt auf einem ganz hohen Niveau und hatte die Gäste schon während der ersten beiden Songs (u. a. „Worth A Tale“) im Sack. Ach ja, wenn wir schon beim Personal der Band sind, ist die Personalie des heutigen Sängers auch so eine Frage, die sich dem stellt, der die Rheinländer bereits kannte. Der Mann interagierte nicht nur ansprechend, nein, er hatte auch die passende Stimme für das Liedgut des Quartetts. Mit ein wenig Netzrecherche ist das auch schnell geklärt. Es handelte sich bei dem Kerl am Mikro um Erdmann Görg (INVOLUTION), der den Job für den ausgeschiedenen Sänger Lukas hoffentlich nicht nur interimsmäßig übernommen hat. Dass er in Frankfurt ankam, zeigte deutlich der Schlusssong „Stormchild“ auf. Erstaunlich, was er da aus den 60 Kehlen beim Mitsingspielchen so rauskitzelte.

Leider läuft an einem Festival nicht immer alles glatt, und so verzögerten SEVEN THORNS den Ablauf des Abends auf insgesamt 30 Minuten. Ich weiß nicht, warum das so war, aber am Aufbau des Keyboards (übrigens die einzige Band mit einem solchen Musikinstrument am ganzen Abend) lag es nicht. Vielmehr dauerte der Umbau des Drumsets gefühlt irre lange, und keiner wusste eigentlich warum. Mir ging auch schon das „wichtige“ Hin- und Hergerenne des Tourmanagers der Dänen während der Auftritte der anderen Bands auf den Keks – muss in einer so kleinen Location einfach nicht sein. Und wenn ich mich dann auch noch mit der Technik nicht auskenne, dann blase ich mich nicht auch noch beim Tontechniker während des Linechecks auf, während der krampfhaft versuchte, das Pfiepsen und Brummen des Centermikros am Monitor des Sängers wegzubekommen. Vielleicht empfanden andere das auch so, auf jeden Fall gab es für das Quintett einen spürbaren Stimmungsabfall zu verzeichnen und der Platz vor der Bühne wurde deutlich löchriger. Vielleicht lag es aber auch einfach nur daran, dass die Kombo nicht wirklich als Einheit auftrat. An der eher progressiv melodischen Ausrichtung des Materials (frühere STRATOVARIUS lassen grüßen) kann es nicht gelegen haben, denn nach dem Auftritt wechselte einiges am Merchandise den Besitzer. Ich für meinen Teil war enttäuscht von dem Auftritt hier, zumal ich sie als Support für CIRCLE II CIRCLE (2011), damals noch mit anderem Sänger, besser in Erinnerung hatte.  

Ehre wem Ehre gebührt. Und dies traf hier auf ELVENPATH in Form von Bandkopf Till Oberboßel zu, denn er hatte die Idee und war maßgeblich an der Umsetzung des heutigen Festivals mit seinem nahezu reibungslosen Ablauf beteiligt. Im Vorfeld vom Auftritt des sympathischsten Hühnerhaufens auf einer Bühne hatte ich mir schon überlegt, was ich diesmal über das Quintett schreiben könnte. Dankenswerter Weise machten sie es mir unfreiwillig recht einfach, indem sie fast ausschließlich neue und unveröffentlichte Songs auf ihrer Setlist stehen hatten, wovon bei mir nachhaltig die wohl neue Partyhymne „Metal Strikes At Midnight“ hängen geblieben ist. Doch dem nicht genug gab es auch obendrauf sogar noch eine Weltpremiere in Form des 10-minütigen Epos „The Sword Of Gideon“, was vom Arrangement mit seiner epischen, leicht progressiven Note auch sehr interessant klang und bei dem Sänger Dragutin Kremenovic sich stimmlich einmal mehr einem gewissen Blaze Bayley (Ex-IRON MAIDEN, Ex-WOLFSBANE) näherte. Stehen da etwa neue musikalische Wege bei der sonst eher true und traditionell agierenden Heavy Metal Fraktion an? Normalerweise endet ein ELVENPATH Auftritt mit dem heute sogar namensgebenden Song dieses Festivals „Guardians Of The Underground“. Man beugte sich aber den lautstark folgenden Zugaberufen und kredenzte zum finalen Abschied den nimmermüden Metalheads den Bandklassiker „Battlefield Of Heaven“.

„Danke das ihr da wart, tschüss und kommt gut nach Hause“. Das würde ich gerne noch ein weiteres Mal nach einem solch gut bestückten und entspannten kleinen Festival (oder soll ich besser Konzertabend sagen) hören. Kleine Preise, freundliches Personal, nette Leute (sogar von weiter weg), viele Jugendliche angelockt, was will man(n) mehr?