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DARK TRANQUILLITY – Aschaffenburg, Colos-Saal



Konzert vom 18.04.17   
Support: OMNIUM GATHERUM, NAILED TO OBSCURITY  

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DARK TRANQUILLITY
OMNIUM GATHERUM
NAILED TO OBSCURITY

Bis vor ein paar Tagen waren DARK TRANQUILLITY und OMNIUM GATHERUM noch als Supports für AMON AMARTH auf deren 2. Tourteil unterwegs. Heute fand die erste Deutschlandshow der eigentlichen Headliner-Europatour für DARK TRANQUILLITY zu ihrem aktuellen Album „Atoma“ im Colos-Saal statt. Die Vorreiter des „Gothenburg Sound“, dem so genannten “New Wave Of Swedish Death Metal” nahmen hierfür dankenswerter Weise OMNIUM GATHERUM noch einmal mit, mit denen sie die AMON AMARTH Shows schon gespielt hatten und füllten den Slot des Openers mit NAILED TO OBSCURITY auf. Dieses Package sorgte zumindest in Aschaffenburg für reichlich Interesse, und so erlebte ein sehr gut besuchter Colos-Saal einen unterhaltsamen Death Metal Themenabend.

NAILED TO OBSCURITY, ein Melodic-Death-Doom-Metal Quintett aus Ostfriesland waren entgegen meiner Person vielen schon von Anfang an anwesenden Gästen keine Unbekannten mehr. Drei bisher veröffentlichte Alben plus ein Demo seit 2005 könnten hierfür eine Erklärung gewesen sein. Der reine Doom-Anteil in ihrer stilistisch doch recht interessanten Darbietung hielt sich zwar in Grenzen, und auch die Stimme des Frontmannes kam recht blass aus den Boxen, wodurch seine Growls doch etwas gewöhnungsbedürftig rüberkamen. Dies könnte allerdings auch mit der nur eingeschränkt zur Verfügung gestandenen Tonanlage zu tun gehabt haben. Dafür haben mich die beiden Gitarristen ein ums andere Mal in ihren Bann gezogen. Da waren über die 30 Minuten Spielzeit recht anständige Licks und Gitarrenläufe in den melodischen Passagen zu hören, die im Vergleich zum Gesang auch noch besser abgemischt aus den Boxen schallten. Gefallen hatte dieser Auftritt dem Publikum, denn dem 5er wurde nicht nur am Setende deutlich mehr als nur Höflichkeitsapplaus entgegen gebracht.

Auch ein Grund, warum ich zu diesem Konzert hier ging, waren OMNIUM GATHERUM. Die Finnen hatten mich mit ihrem letzten Longplayer “Grey Heavens“ überzeugt, und jetzt wollte ich sie auch mal live erleben. Das Melodic Death Metal Sextett startete mit eben den ersten beiden Stücken dieses Albums und setzte hierbei mit dem AMON AMARTH-liken „Skyline“ einen ersten Höhepunkt bei ihrem 55-minütigen Stelldichein. Da ich von den seit 2002 bisher sieben veröffentlichten Alben plus einer EP nur das aktuelle kannte, stellte die Setlist bis auf vier Stücke für mich einen Blindflug durch die Geschichte von O G dar. Hier stachen, und das nicht nur bei mir, „The Sonic Sign“ und vor allem „New World Shadows“ hervor, wobei letzteres das wohl am meisten abgefeierte Stück der Band an diesem Abend darstellte. Schmunzeln musste ich ehrlich gesagt bei „The Unknowing“. Ein Death Metal Konzert mit einem durch den Schlagzeuger gespielten ¾ Takt, der zumindest zwei Mädels in meiner unmittelbaren Nähe dazu veranlasste, einen Walzer zu tanzen, hatte ich in all meinen Jahren auch noch nicht erlebt – coole Einlage. Sänger Jukka Pelkonen, der zwischen den Songs ständig irgendetwas zu erzählen hatte oder mit den Fans interagierte, traf das Pech, keinen vollen (klaren) Sound auf seinem Mikro gehabt zu haben. Er kam, zumindest weiter hinten, sehr dumpf an, was bei mir die Stimmung ein wenig sinken ließ. Da half auch „Storm Front“ nicht wirklich, das als letzter Song zum Grande Finale wurde. Mein Liveinteresse für die Suomis steigerte sich dadurch zwar wieder etwas, aber auf Platte fand ich die Jungs letztendlich um einiges besser als auf der Bühne. …aber ich hatte sie zumindest mal gesehen/gehört und nur das zählte hier.

Setlist OMNIUM GATHERUM:
The Pit
Skyline
Ego
Frontiers
The Unknowing
The Sonic Sign
Luoto
New Dynamic
New World Shadows
Storm Front

DARK TRANQUILLITY sind ein gern und regelmäßig gesehener Gast auf deutschen Bühnen. Leider fand in der Vergangenheit die Beigabe an Gastbands im Tourpackage nicht immer meine Zustimmung oder die Veranstaltungsorte waren mit einer weiteren und/oder ungünstigen Anreise verbunden. Heute war das alles anders, und es folgten für mich 90 Minuten bester musikalischer Unterhaltung auf ganz hohem Niveau. Als Fan der Schweden mag man sicherlich geteilter Meinung sein, ob der Wandel hin zu mehr Melodicanteilen auf den Alben ab „Fiction“ 2007 ein Weg in die richtige Richtung war und ob das dann noch was mit dem Göteborg Metal zu Zeiten von Anders Fridén, der 1993 zu IN FLAMES abwanderte, zu tun hat. Ich für meinen Teil finde und halte den ehemaligen Gitarristen und jetzigen Sänger Mikael Stanne eh für den passenderen von den beiden Grunzern bei DT. Somit stört mich auch der erhöhte Melodic-Anteil, der auf dem aktuellen Album „Atoma“ seinen vorläufigen Höhepunkt erfährt und fast schon BRAVO-Death Metal Attitüde erreicht, nicht sonderlich. Dass ich mit meiner Meinung da offensichtlich nicht alleine stehe, zeigten die Fans in Aschaffenburg während und nach den insgesamt sechs davon gespielten Songs, die allesamt live ansprechend umgesetzt wurden und auch deutlich härter als auf CD rüberkamen. Klar abgefeiert wurden natürlich die Highlights der direkten Vorgängeralben wie „The Lesser Faith“ (Stanne zeigte sich sichtlich gerührt ob der Publikumsreaktionen), „The Science Of Noise“ und „Terminus“ (beide Stücke heute der Hammer) oder auch „State Of Trust“ in der Zugabe (hier bekam Stanne stellvertretend für die Band ein offenbar selbst erstelltes Buch eines Fans aus der ersten Reihe überreicht). Dass man für die aktuelle Europa-Tour zudem eine ausgewogene Setlist am Start hatte, zeigten die eher oldschool ausgelegten meldodic Groover „Monochomatic Stains“ und „White Noise/Black Silence“ vom „Damage Done“-Silberling aus 2002 auf. Mit dem lautstark beklatschten „The Wonder At Your Feet“ ging‘s noch weiter zurück bis ins Millenniumsjahr, und der unverzichtbare Publikumsliebling „Thereln“ stammte sogar vom ‘99 „Projector“-Album. Ach ja, erwähnen sollte ich vielleicht noch den Umstand, dass alle zuvor erwähnten Einschränkungen beim Sound schon beim wirklich starken Opener “Force Of Hand” (Handauflegen?) wie weggeblasen waren – sprich gestochen scharf ausgepegelter Sound (hinten im Saal). So war es dann nach dem Finale mit „Misery’s Crown“ nicht verwunderlich, dass die fünf Schweden „Standing Ovations“ ernteten und gefühlt minutenlang abgefeiert wurden.  
Mein kleiner Wermutstropfen waren die Merchandisepreise. Gerne hätte ich mir ja auch ein Shirt gekauft, aber 25 € oder gar 50 € für einen Zipper (Preise von/bei allen drei Bands) lagen dann doch über meiner Schmerzgrenze.

Setlist DARK TRANQUILLITY:
Force Of Hand
The Lesser Faith
Atoma
The Treason Wall
The Science Of Noise
Forward Momentum
Terminus (Where Death Is Most Alive)
The Silence Between
The Pitiless
What Only You Know
Monochomatic Stains
The Wonders At Your Feet
White Noise/Black Silence
Encircled
Clearing Skies
Final Resistance
Thereln
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State Of Trust
Through Smudged Lenses
Misery’s Crown

Fotos © by Jan Heesch