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5. M.I.S.E. Open Air – Buessfeld, Grillplatz



Festival vom 15.-17.06.17
Bands: DARKEST HORIZON, MILKING THE GOATMACHINE, SIC ZONE, CRIPPER, GOD’S ARMY u. v. a.

Homepage:
M.I.S.E. Open Air

Einleitung:
2013 wurde das M.I.S.E. Open Air, bekannt auch als M:O:A, vom gleichnamigen und ortsansässigen Heavy Metal Verein M.I.S.E. aus der Taufe gehoben und an der Grillhütte Büßfeld bei Homberg (Ohm) platziert. Schenkt man Besuchern, die hier schön öfter am Start waren, Gehör, dann erfährt man aus erster Hand, dass dieses kleine Festival von Jahr zu Jahr Zuwachs an Platz, Fans und vor allem Bands erfahren hat. In diesem Jahr gab es sogar ein „Sold Out“ bezüglich der Festivaltickets zu vermelden, welche den Zeltplatz beinhalten. Ein Grund mehr, von diesem Festival mal zu berichten. Das Festival verfügt über ausreichend Wiesenparkplätze in unmittelbarer Nähe zur Lokalität, die nach drei Seiten, ähnlich einem Tal, natürlich abgegrenzt ist und so vom Fassungsvermögen her die mögliche Teilnehmerzahl reglementiert. Stände für Essen und Trinken befinden sich auf dem Gelände, über die Anzahl an Dixies lässt sich immer streiten, reichen aber tagsüber aus und werden sauber gehalten. Die Abläufe beim Einchecken an der Kasse/Security oder dem Bonsystem incl. Verkauf lassen sich sicherlich noch optimieren, aber das ist Jammern auf höherem Niveau.

Tag 1:
Mit ein klein wenig Verzögerung - man hatte offensichtlich nicht mit einem dermaßen starken Andrang schon zu Festivalbeginn gerechnet und kam mit der Festivalbändchenvergabe fast nicht hinterher - startete das musikalische Stelldichein mit einem Fassanstich und den sich anschließenden ROCKIN’ KIDS (ortsansässige Musikschüler) in das lange Wochenende. Ich finde es gut, wenn man dem Nachwuchs so eine Chance gibt, sich mal zu zeigen. Über den ein oder anderen schrägen Ton wurde auch nicht gelacht, sondern jede Darbietung ordentlich beklatscht bzw. teilweise sogar bejubelt.

TORTUREBITCH als erste Band hatten es erwartungsgemäß fast schon schwer gegen die Kids anzustinken. Das Quartett, bei dem auch ehemalige PROFET-Musiker am Start sind, gab sich redlich Mühe, seinen Punk’n Thrash an den Mann zu bringen. Dank ihrem Sänger, der es vermochte, mehr und mehr die gut 200 schon anwesenden Besucher auf seine Seite zu ziehen, klappte das auch, und der Auftritt uferte in einer Party auf der Bühne mit geschätzten 30 feierwütigen Metallern aus. (Anm.: Red. v. 03.07.17: Laut Drummer E. Hopp spielen bei TORTUREBITCH keine ehemaligen PFROFET-Mitglieder. Man ist nur befreundet)

Die sich hieran anschließenden LEWD PREACHER, eine 7-Mann-Kombo mit zwei Sängern, trafen mit ihrem Mix aus Heavy Rock und traditionellem Metal nicht meinen und noch weniger den Geschmacksnerv der eben noch vor und auf der Bühne tobenden Metaljünger. Die sich zunehmend verdichtende Wolkendecke jetzt auf diesen Auftritt zu beziehen, wäre allerdings zu weit hergeholt.

Und dann traf das ein, was viele Kleingärtner und Bauern sich Land auf, Land ab erhofft hatten und auch von den Meteorologen angekündigt wurde. Ich beziehe den pünktlich zum Auftritt einsetzenden Landregen allerdings auf den nun folgenden letzten Auftritt von Basser Felix Schnurr bei BLACK ABYSS. Petrus hatte, wie einige andere Anwesende auch, da wohl nah am Wasser gebaut, denn das schwäbische Power Metal Quintett gab nach einem souveränen Auftritt dessen Ausstieg nach 12 Jahren Bandzugehörigkeit bekannt und bedankte sich schon auf der Bühne mit einer Flasche Feuerwasser einer bekannten amerikanischen Destille. Nicht extra erwähnen muss ich hier wohl, dass sich in dieser Flasche zum Show- und Songende von „Streams Of Sorrow“ kein Tropfen mehr befunden hatte.

Der kleine Hype, den die argentinischen Celtic Folk Metaller TRIDDANA im letzten Jahr schon auf kleineren Festivals und Veranstaltungen losgetreten hatten, setzte sich auf dem M:O:A fort. Rasend schnell füllte sich der Platz vor der Bühne nach den ersten Takten des Quartetts aus Buenos Aires, die in diesem Sommer ihre zweite Deutschlandtour fahren. Mit einsetzender Dämmerung zündete auch das erste Mal am heutigen Tag das Bühnenlicht auf der für ein kleineres Festival wirklich sehr großen Bühne. Ohne sich groß zu bewegen, erspielten sich die Jungs mehr und mehr Aufmerksamkeit. Auch ihr neuer Schlagzeuger trug dazu bei, denn von hinten heraus schien er förmlich zur Höchstleistung anzutreiben. An ihrer Musik finde selbst ich diesen treibenden Metal-Beat, der mit eben diesen folkloristischen Melodien, die sich in Flöte und Dudelsack dezent ausleben, sehr interessant arrangiert. Und wie ich so am Ende des Platzes diesen Klängen lausche, füllt sich hinter mir im Merchandisezelt mehr und mehr der Stand von TRIDDANA. Am Ende standen dort die Leute in 3er Reihe quer durch das Zelt bis vor den Eingang, um sich mit Tonträgern oder Shirts der Jungs einzudecken.

Ich geb’s zu, das, was ich am ersten Tag an Bands sehen wollte, hatte ich eben hintereinander gesehen und wurde hier bestens bedient. Darum konnte ich gelassen die nächsten beiden Bands auf mich zukommen lassen. Auf zu neuen Ufern mit PROFET. Die Lokalmatadore aus Grünberg standen nicht zu Unrecht als Co-Headliner des ersten Festivaltages auf der Bühne, denn auch sie zogen ordentlich Leute. Das Quintett hatte die für den heutigen Tag einzige Musikerin am Start und diese bediente hier den Bass. Ihr Thrash, der mit Growls versehen ist, war nicht so mein Ding. Auch störte mich bei den Ansagen zwischen nahezu jedem Song, dass diese nicht auf eine Person fixiert waren, sondern meistens noch zwei weitere Musiker ihren Senf dazugeben mussten. Das kam teilweise unprofessionell rüber und hemmte den Ablauf des Konzertes. Schade, aber so schafften sie es nicht, mich bei der Stange zu halten und neugierig zu machen, sondern genau das Gegenteil war der Fall.

DARKEST HORIZON hatten an diesem Abend mit dem Beginn der Spielzeit kurz vor Mitternacht sprichwörtlich die A-Karte gezogen. Der heiße Tag hatte bei einigen seine Spuren hinterlassen und viele Besucher waren einfach fertig. So erfuhren die melodischen Epic/Death Metaller aus der Rhein-Main-Metropole wie es sich anfühlt, nur noch vor bzw. für den härtesten der Harten zu spielen. Ich geb’s zu, ich lauschte den durchaus interessanten Klängen des Sextetts mehr oder weniger auch nur auf meinem Heimweg. Und wem das Keyboard auf dem Gelände schon zu dominant war, der wird wie ich auch festgestellt haben, dass es auf dem Weg ins Schlafgemach neben den Drums als einziges Spielgerät weithin zu hören war.   

Tag 2:
Überraschenderweise sind zu Beginn von PLASMAJET schon wieder einige Headbanger auf dem Platz, wenn vielleicht auch nur zum späten Frühstück oder um ein Konterbier zu sich zu nehmen. Jedenfalls schafften es die vier Stonerrocker aus Gießen, deren Aufmerksamkeit zu wecken und auch mehr als nur eine Hand voll, teils noch müde Gesichter, vor die Bühne zu locken.

Spandexalarm war bei FINAL FORTURE angesagt. Das ortsansässige Quintett hätte den heutigen Gig fast absagen müssen, wären da nicht zwei Jungs aus der Nachbarschaft gewesen, die kurzfristig am Bass und Schlagzeug ausgeholfen hatten. Dies erklärte auch, warum das Set doch etwas holprig verlief und so nur zu einer netten Unterhaltung mit Haarspraymetal zum Pizzaessen wurde. Pizza? Ja! Die Veranstalter hatten tatsächlich ab dem heutigen Tag einen Pizzaofen samt Pizzabäcker am Start, der für 5 Euronen eine geschmacklich hochklassische Pizza mit frei wählbarem Belag anbot.

Die deutschen WARRANT, eingesprungen für eine andere Band, die kurzfristig ihr Erscheinen abgesagt hatten, waren es dann, die erstmals am heutigen Tag ein paar mehr Leute vor die Bühne ziehen konnten. Das Trio thrashte ihr Repertoire, das weitestgehend aus den seligen 80ern stammte, unters Volk und wurde hierbei wieder vom Enforcer begleitet, der nicht nur bei „seinem“ Song einen Bühneneinsatz mit seinem um sich schwingenden Beil hatte.

Dass die kleinen Festivals immer gut für eine Überraschung sind, bewiesen BASTARDO. Das Quartett aus Marburg trat mit seinem modernen, Gitarren orientierten Stoner/Desert Rock mächtig Arsch. Die Jungs offenbarten zudem ein technisch hohes Verständnis an ihren jeweiligen Instrumenten. Ihr Sänger verstand es außerdem, mit wenig und wenn, dann nur kurzen Ansagen mitzuteilen, wo der Bartl den Most holt. Diese Kombination machte echt Spaß und sorgte wieder für reichlich Zulauf an der Bühne.

Der Publikumszuspruch bei GODSLAVE ist nicht nur von Seiten der Speed/Thrash Fangemeinde recht groß. Das Quintett aus Saarbrücken gab über die Stunde Spielzeit einen repräsentativen Querschnitt zum Besten, der auch von einem Nichtkenner der Band wie mir, recht positiv aufgenommen wurde. Dass die Jungs den letzten Song fast in versammelter Mannschaft im Publikum und nicht auf der Bühne abgezockt haben, brachte ihnen weitere Sympathiepunkte auf der Habenseite ein.

An NIGHT LASER schieden sich die Geister. Die Hamburger Sleaze Rocker mögen sicher ihre Daseinsberechtigung auf dem Festival, so wie auch der Slot zur sich annähernden Primetime, gehabt haben, was sich definitiv an der Optik, der Bühnenperformance und vor allem an ihrer musikalischen Leistung festmachen ließ. Top Stimme und Beherrschen der Instrumente standen da ganz weit vorne an. Ihren Sänger darf man getrost als Rampensau bezeichnen. Ganz Profi versteht er mit dem Publikum zu spielen und klettert auch mal an der Traversenstütze hoch, um von oben weiter zu singen. Schade für das bunte Kleeblatt, denn die Gunst des Interesses des Publikums schmälerte sich im Vergleich zu den beiden Bands davor doch merklich.

Hiernach war für mich erstmal ne Pause außerhalb des Platzes angesagt. So habe ich bis auf zwei Songs vom Setende nicht mitbekommen, wie die chilenischen Exoten den Duft von Haarspray von der Bühne gepustet haben sollen. Südamerikanischer Thrash in Mittelhessen - vielen hat’s offensichtlich gefallen, was NUCLEAR da abgezogen hatten.

Wer auf Party ’n Roll steht kommt aktuell an den NITROGODS nicht vorbei. Und so hatte es das als Stimmungsgarant bekannte Trio auch auf dem M:O:A nicht schwer, die breite Masse zu überzeugen. Handgemacht, straight forward, keine Schnörkel, bierselig – das Rezept, um die Zuschauer an sich zu binden. In Homberg führte das sogar zu einer immer länger werdenden Polonäse im Publikum (!). Und weil man sich nicht mit viel Gerede zwischen den Songs aufgehalten und dadurch Spielzeit gutgemacht hatte, kam man ungewollt zu einer Zugabe in Form von MOTÖRHEAD’s „Overkill“, die erwartungsgemäß heftigst abgefeiert wurde.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mir den Unmut einiger Leser zuziehen könnte, MILKING THE GOATMACHINE kamen bei mir gar nicht an. Das hing nicht an ihrem Deathgrind und den damit verbundenen Blast Beats. Das sah von der Optik mit den Masken von weiter hinten einfach nur nach „Planet der Affen“ aus und wirkte musikalisch auch nicht wirklich echt. Aber der Platz vor der Bühne war rappelvoll und die Stimmung sehr gut – also mussten MTG gut gewesen sein.

Ganz anders verhielt sich das bei mir bei SIC ZONE. Dieser Extremmetal ist auch nicht meine Baustelle, aber die Shows des aus Köln stammenden Quartetts reißen einen förmlich mit. In den paar Mal, wo ich diese Truppe jetzt live erlebt habe, gab es immer wieder Überraschungen in der Choreografie der Bühnenshow zu erleben. Fotografen kotzen förmlich bei der ständig in rotem Licht ausgeleuchteten Bühne und dem vielen Nebel, aber das gehört einfach dazu, wie das Grunzen und Fauchen des Sängers, das man nur entfernt als Gesang bezeichnen kann. Völlig neu in diesem Überraschungspaket war für mich der Ablauf der frei inszenierten Wall Of Death oder besser Wall Of Love, denn hier rannten und prallten die Massen nicht gegeneinander an, sondern liefen aufeinander zu, um sich zu umarmen.

Und mit diesem Erlebnis und den unterschiedlichen Eindrücken von dem über den Tag hinweg Erlebten, ging es zurück ins nahegelegene Quartier.

Tag 3:
Hier stand für mich eigentlich nur eine geplante Band auf dem Programm – ELVENPATH. Nach den Thrashern TASTE OF DOOM als zweite Band am Start, vermochten die Frankfurter Heavy Metaller schon ihre ordentliche Fanbase vor der Bühne zu formieren und anzuheizen. Für mich ein kleines Highlight war, dass sie ihren alten Schlagzeuger Markus mit am Start hatten, der bei mir mit seiner Arbeit ordentlich punkten konnte.

… und bevor INSURRECTION loslegen konnten, war mein M:O:A Besuch Geschichte.
Gerne hätte ich mir noch STORMWARRIOR mit dem ersten Auftritt von Neubasser Connie Andreszka (Ex-EVIDENCE ONE, Ex-MYSTIC PROPHECY) oder GOD’S ARMY angeschaut, aber mein Körper erzählte mir da immer wieder was von Vernunft im Alter und so….

Schlusswort:
Sprichwörtlich ein Festival von Fans für Fans. Die MISE Jungs u. Mädels besuchen über das Jahr hinweg einige Festivals, schließen so Kontakte zu gleichgesinnten Metal Clubs, die sich dann hier auf dem M:O:A haben blicken lassen, was man an den verschiedenen Backpatches der Kutten ausmachen konnte (35 verschieden Clubs wurden gezählt!). Mit offiziell 667 Kombitickets (Eintritt für drei Tage incl. Zeltplatz für 45 €) wurde eine Woche vor dem Festival „sold out“ gemeldet. Hier macht sich ein weiteres kleines Festival auf, sich wie z. B. das A Chance For Metal o. ä. zu etablieren. Es lohnt sich definitiv, bei den MISE-Jungs mal reinzuschauen!

Fotos © by Astrid Reich