2. FULLMETAL-OSTHESSEN - Niederjossa, DGH

Festival vom 16.02.13
Bands: THORNBRIDGE, FLY'S MOTEL, THE GATE, MESSENGER, SIN BREED, JUTTA WEINHOLD BAND und STAIRWAY

FULLMETAL OSTHESSEN 

Vor dem DGH ist bereits alles zugeparkt, also müssen wir, frisch in Niederjossa bei Niederaula angekommen, erst einmal etwas weiter von der Location entfernt irgendwo vor einem Gehöft  im Dorf parken. Etwa gegen kurz vor 18:00 Uhr das  Ziel erreichend, entgeht uns der Auftritt des Openers THORNBRIDGE, dem von vielen Seiten ein packender Auftritt bescheinigt wird; anhand einer mir später im Rahmen eines Interviews mit der Band überreichten Dreitrack-CD erweisen sich die Aussagen begründet. THORNBRIDGE müssen einen starken Auftritt als Opener hingelegt haben. Da die Band recht neu ist, wird sich irgendwann sicher Gelegenheit finden, dies bei Bedarf nachzuholen. Schade, doch leider nicht zu ändern. Dafür komme ich wenigstens in den Genuss, ein Interview mit einer hungrigen Newcomerband zu führen, das nach dem Festivalbericht folgen wird. Draußen schneit's ein wenig. Da schon bei unserem Eintreffen kurz vor 18:00 Uhr direkt vor der Halle kein Platz mehr frei ist, müssen wir zwecks Parkmöglichkeit mit einer Seitengasse vorlieb nehmen, was uns kaum wirklich betrübt. Wie im Vorjahr haben sich Metaller unterschiedlichster Coleur (einschließlich Kuttenträgern) im DGH eingefunden, um ihre Bands zu unterstützen. Kaum ausgestiegen und einen Fuß auf den Boden gesetzt, kreuzen vor dem DGH auch schon die ersten erkennbaren  Metaller unseren Weg. Passend hierzu begeben wir uns sofort in Richtung Eingang.

THORNBRIDGE und FLY'S MOTEL:

Da meine Interviewertätigkeit es heute gar nicht zulässt, schließlich wartet JUTTA WEINHOLD (später sind noch THORNBRIDGE, MESSENGER und THE GATE dran), gehen mir die nach THORNBRIDGE, die eine halbe Stunde anheizten und eine wie mir zu Ohren kommt, prächtige Visitenkarte hinterließen, nach Meinung zahlreicher Fans eigentlich schon viel zu früh ran musste, gehen mir auch die nachfolgenden Bluesrocker FLY'S MOTEL komplett durch die Lappen, weshalb ich deren  Auftritt nicht beurteilen kann. Manche Stimmen behaupten, die Band hätte irgendwie überhaupt nicht so recht ins Billing gepasst, andere sagen, der Auftritt wäre soweit okay gewesen.  Immerhin bekomme ich noch die ersten fünf Minuten vom Gig mit, weil ich mir zunächst ein Getränk an der Theke bestelle und die Musik, ehe ich zum Presseareal begleitet werde, ein wenig wirken lasse. Dann geht alles Schlag auf Schlag. Auf einen Wink hin folge ich der ortsansässigen Managementcrew auf dem Weg zur Treppe rauf direkt nach oben. Zeit, meine Arbeit zu beginnen.

THE GATE

Zunächst tut sich bis auf einige neugierige Nasen soweit noch nicht viel. THE GATE legen heute  los wie die Feuerwehr. Binnen kurzer Zeit gelingt es ihnen, mehr Leute vor die Bühne im DGH zu ziehen. Druckvoll, spielfreudig und hochmotiviert zur Sache gehend, ist das Publikum spätestens mit dem dritten Stück des Andernacher Fünfers der RUNNING WILD Coverhymne  „Prisoner of Our Time“ völlig wachgerüttelt,  jetzt wird auf Teufel komm raus gerockt, bis es kein Halten mehr gibt! Spätestens mit „Into the Pit“ und „Deliver of Sin“ haben THE GATE das Publikum für sich gewonnen. So muss es sein! Die gesamte Band sprüht vor Spielfreude förmlich über. Sänger Sven Steinert, der sich als die wirkliche Topwahl für den Sängerjob des ausgestiegenen Guido Krämer's erweist, stachelt das Publikum permanent an, die Gitarren kommen heavy bis zum Anschlag aus den Verstärkern und ich fühle mich des öfteren nicht nur an die guten alten RUNNING  WILD erinnert. Die Andernacher machen ordentlich Dampf, bringen den Saal mit jedem weiteren Stück mächtig zum Toben, die Parka, Sweatshirt und Kuttenträgerfraktion bangt ausgelassen, jetzt wirbeln die Langhaar-Mähnen auf Hochtouren! Sogar Leutchens vom Bandmerchandise sind eifrig dabei, - so muss Heavy Metal sein! Die Gitarrensektion feuert eine Breitseite nach der anderen in die Wild headbangende Menge, die sichtlich Spaß und Gefallen am Auftritt von THE GATE findet. Rasante Bassläufe wenn das Tempo angezogen wird und ein mächtig auf's Geweih knallendes Schlagzeug hauen fett ins Mett und bringen das Publikum vor der Bühne heftig zum ausklinken, rockende Metalfans lassen die Mähne wirbeln als ob es kein Morgen mehr gäbe! „Open the Gate“, „Face Your Fear“ und „Mountains“ wissen durch kraftvoll dynamischen Sound und mächtig viel geballte Heavyness zu gefallen. „Earth Cathedral“ beendet schließlich unter Zugaberufen und reichlich Applaus des von THE GATE völlig angetanen Publikums, womit ein kräftiges Ausrufezeichen für die noch kommenden Acts gesetzt ist. THE GATE haben alles richtig gemacht und klargestellt, das künftig stark mit ihnen zu rechnen sein wird! Mit diesem Gig haben sie viele Neu-Anhänger hinzugewonnen und es ist feststellbar, die Mannen aus dem Raum Andernach (Rheinland-Pfalz)  werden - je öfter sie auftreten, immer besser! Damit ist schon nach den vorab positive Resonanzen erzielenden Powermetallern THORNBRIDGE für einen guten Einstieg in den Abend gesorgt, alles weitere lasse ich auf mich zukommen. Zunächst wird sich erst noch schnell ein Kaffee genehmigt.

 

MESSENGER

Das häufige und fleißige Touren macht sich auch für MESSENGER bezahlt. Die Truppe um Fronter Siggi Schüssler trifft ebenso sicher wie die zuvor für prächtig Stimmung sorgenden THE GATE mit ihrem schwer auf True-Metal ausgerichteten Sound mitten ins Schwarze. „See You in Hell“, „Titans“, „Prophecy“ , „Make it Right“ und  „Final Thunder“ werden mit kräftigem Beifall bedacht, das Gitarenduo in Person von Patrick „Deckes“ Deckarm und Frank „Kette“ Kettenhofen  leistet gewohnt hervorragende Arbeit, das einzige Stück, was ich trotz erfreulich toller  Stimmung  heute etwas vermisse, ist das aufgrund begrenzter Spielzeit von  knapp einer wie im Flug verstreichenden Dreiviertelstunde heute nicht mehr in den Set hineingerutschte „Sign of the Evil Master“; schade, einen wirklichen Anlaß zur Kritik gibt’s bei den True-Metallern  MESSENGER ohnehin beim besten Willen sowieso nicht. Dafür ist die Truppe mittlerweile richtig top aufeinander eingespielt, was sich auch an der zunehmenden Sicherheit on Stage äußert. Das gleiche Bild wie zuvor bei THE GATE bietet sich nun auch bei MESSENGER: Die an diversen Outfits deutlich erkennbare Headbangerschaft lässt ihre Haarpracht kreisen, rotieren und fliegen, während die Band auf der Bühne fleißig abgefeiert  wird. Bis auf das bereits erwähnte Sign of the Evil Master“ sind alle Qualitätshymnen des Saarländer Fünfers am Start. Logischerweise darf „Kill the DJ“ in der Setmitte nicht fehlen, für dessen besonderen Auftritt zum Gig standesgemäß extra die DJ-Puppe in sitzender Haltung mit der obligatorischen „Kappe“  auf die Bühne transportiert wird. Mittlerweile wurde der englischen Variante dieses bei keiner Party fehlen dürfenden Kulthits, eine Überhymmne, deren Inhalt den echten Metal-Spirit geradezu herbeiruft, die seit geraumer Zeit nun auch in deutsch gesungener Version erhältlich ist, wobei die Entscheidung diesmal auf die Deutsche Fassung „ Tod dem DJ“ fällt, während das sinngebende Motto „Heavy Metal ist Gesetz!“  von zahlreichen Fans lauthals heißer im Saal mitgebrüllt wird, und der Fanpulk vor der Bühne nun erst so richtig aufdreht, bis Siggi zum Schluß den DJ symbolisch mit dem Schwert enthauptet, wofür braucht man Charts-Musik, wenn es Heavy Metal gibt ?!? :-)  Die souverän dargebotene, respektvoll den Wikingern gewidmete Hymne „The Dragonships“ löst kaum weniger Jubel im Publikum aus. Den Abschluß markiert passend zum Festivalnamen der  „Metal Day“. Nach etwa einer gefühlten Dreiviertelstunde rein effektiver Spielzeit müssen die Saarländer schließlich unter tosendem Beifall im Saal von der Bühne. Fronter Siggi und Axeman Deckes bedanken sich danach in bester Laune befindlich per Handschlag bei den Fans, um unter heftigem Applaus der überzeugten Bangerschaft mit fröhlichem Grinsen auf den Backen die Bühne zu verlassen. MESSENGER haben ihre Aufgabe mit Bravour gemeistert, die Erwartungen voll erfüllt! Danach darf man gespannt sein, ob die im Anschluß folgende Powermetal ALLSTAR-Band SIN BREED da noch einen drauf setzen kann.

SIN BREED

Obwohl sich ein illustrer Haufen BLIND GUARDIAN-, / MERCENARY-, / AFTER FOREVER-, / SEVENTH AVENUE-, Musiker in Reihen der Combo befindet, können SIN BREED zu aller bester Nachtzeit das Stimmungslevel trotz handwerklich erstklassiger Fähigkeiten durch heraus ragende Qualitäten an ihren Instrumenten lediglich bedingt  halten. Mit Ausnahme der ersten zwei Reihen will der Funke kaum so richtig auf's Publikum überspringen. Keine Ahnung woran es liegt, handwerklich bietet die Combo edelsahnigen Powerspeed mit Tendenz in Richtung HELLOWEEN, STRATOVARIUS, GAMMA RAY, EDGUY oder SEVENTH AVENUE auf grundsolider Basis. Immerhin zollt das Publikum der Band nach Beendigung ihres Auftritts respektvollen Applaus;  aber das gelbe vom Ei war's nicht. Dafür ist der Funke (zumindest heute) kaum übergesprungen. Sorry, wenn das Resúmeé etwas bescheiden ausfällt, hier durfte man deutlich mehr erwarten!

In den Umbaupausen herrscht wie gehabt locker entspannte Stimmung, wenngleich es kurz vor dem Auftritt der nächsten Band heute anders ist. Das Kribbeln im Bauch nimmt zu. Eine regelrecht elektrische Spannung liegt in der Luft. Die Frage, die den Großteil der Anwesenden bewegt lautet: Wird es der JUTTA WEINHOLD BAND gelingen, ihrem Headlinerstatus gerecht zu werden? Eigentlich ja, wäre man festzustellen geneigt, allerdings ist die Unberechenbarkeit des Publikums auch heute d e r  entscheidende Unsicherheitsfaktor, mit dem letztendlich alles steht und fällt... 

JUTTA WEINHOLD BAND  (ZED YAGO-Spezial-Set)

Ein unentbehrliches, weil nicht wegzudenkendes Kapitel deutscher Heavy Metal Kulturgeschichte, nimmt seinen Lauf, ein lang ersehnter Traum wird für mich ebenso wie auch  für viele andere im Saal heute Abend in Niederjossa  wahr! Die ZED YAGO-Alben From over Yonder (1988) und Pilgrimage (1989) deren Inhalt sich schon damals meterhoch vom serienweise nur allzu verzicht baren  0/8/15-Standardeinheitsbrei von der Stange abhob, waren allein hinsichtlich ihrer Faszination und Dramaturgie völlig einzigartig, woran sich bis heute gütlicherweise rein gar nichts geändert hat! Eigentlich hätte der Set passenderweise eher ZED YAGO/VELVET VIPER Special heißen müssen. Der Einstieg ins Geschehen erfolgt mit dem Valkyrie-Intro plus gleichnamigem Stück und dem von „Beacon Light“ (vom To Be Or Not-Album hauptsächlich Insidern bekannten Stücken der VELVET VIPER-Äera, das vorn platzierte Hardcore-Fanklientel singt fleißig die Songs mit, auch Leutchens, denen die Songs nicht so geläufig sind, rocken, posen und grooven eifrig im Takt,  was die sympathische Sängerin mit Lob honoriert, mit „Merlin“ und „Modern Knights“die zwei nächsten  VELVET VIPER-Song folgen,deren Atmosphäre das Publikum zumindest auftauen lässt,  um sich schrittweise in den Set hineinzutasten. Ab dem fünften -Stück „Master of the Ring“ (erneut vom To Be Or Not-Album) und dem darauf folgenden VELVET VIPER-Song „Modern Knights“ kommt richtig Stimmung in den Saal, aller spätestens bei den ersten ZED YAGO-Klassikern  ist mit einem Mal der  ganze Saal wach, - das Feeling ist da, der Spirit ebenso! Fans gehen reihenweise vor der Bühne in die Knie, rocken, sind mit vollem Herzen dabei und lassen sich angefeuert von einer unheimlich sympathisch mit Schwung und Begeisterung auf der Bühne agierenden Jutta Weinhold führen. So  entspannt relaxt die vielseitige Allrounderin backstage auftritt, gibt sie sich auch auf der Bühne. Ehrlich, leidenschaftlich, mit Inbrunst und vor allem hautnah bei den Fans, die ihr heute einen donnernden Empfang im DGH bereiten! Ein Empfang,  über den sich die Künstlerin samt ihrer Band von Herzen freut. Die Ankündigung „Tee gibt es bei mir nur in grünen Tüten“zeigt eine sich  locker gebende,  zwischenzeitlich sogar  zu Scherzen aufgelegte Jutta Weinhold.  Dank jahrelang unerschütterlicher Treue ihrer Fans die schon lange auf Neues Material warten,  hat die bewährte Mischung aus Wagner'scher Klassik, Fantasy, Literatur und  und realem historischen Hintergrund, kein Gramm an Dramatik und Faszination verloren. Bei Nummern wie „United Pirate Kingdom“,„Pilgrimage“, „Stay the Curse“, „Queen and Priest“, „Rebell Ladies“ usw. läuft es einem eiskalt den Rücken herunter, ihre Band kommt spielerisch schon  recht nahe an die ZED YAGO-Urbesetzung heran. Da stehen echte  Vollblutprofimusiker auf der Bühne, die jeden einzelnen Takt auswendig können, geführt von einer Bandleaderin, die weiß, wie's geht.  Mit rabenschwarzer fast bis zum Po herabreichenden Traumlanghaarmähne einschließlich ihres unvergleichlichen Organs plus all ihrer  Mimiken und Gestiken wirkt die elegante Chanteuse wie eine Göttin auf der Bühne, als wäre sie nie wirklich längere Zeit abstinent gewesen. Sie bewegt sich leichtfüßig elegant als falle heute eine Riesenlast von ihr ab, verströmt allein mit ihrer Mimik pure Magie, die aus dem Herzen gelassen mit inbrünstiger Leidenschaft kommt. Hier kommen einmal mehr die fantastischen Entertainerqualitäten einer wahrhaft stimmgewaltigen Frontfrau zum Tragen, die mit ZED YAGO ein bis heute unersetzbar wichtiges nahezu einzigartiges Kapitel deutscher Heavy Metalgeschichte schrieb. Demzufolge liegt ihr das Publikum beinahe im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht zu Füßen, was an den überschwänglichen Fanreaktionen im DGH zu ersehen ist. Der ganze Saal tobt, verwandelt sich nach verhaltenem Beginn schnell in einen Hexenkessel, das eingeschworen treue ZED YAGO-Fanklientel feiert die JUTTA WEINHOLD BAND  nach allen Regeln der Kunst ab, wobei es allen Musikern der JUTTA WEINHOLD BAND anhand sicherer Fertigkeiten an den Instrumenten ebenso gelingt, den alten ZED YAGO-Spirit wieder komplett neu aufleben zu lassen;  und wenn es eine Künstlerin gibt, die für ihr nach langer Durststrecke zähes Durchhaltevermögen und ihre insgeheim erhoffte, in solcher Form von vielen wohl selbst kaum für möglich gehaltene Rückkehr ins Musikbussiness  nach einer unglaublich schwierigen Zeit den Erfolg verdient hat, dann ist es JUTTA WEINHOLD! Vor dieser Darbietung in Niederjossa muss man den Hut ziehen. Die Dame besitzt solch exzellentes Charisma, eine solch unglaubliche Live-Präsenz, wie es in der Herrenriege eigentlich nur einem  Ronnie James DIO gegeben war! Selbstsicher ohne geringste  Stimmaussetzer am Mikro agierend,  noch irgendwelche unpassend schrägen  Töne geschweige sich irgendwelche Patzer leistend, ist die neben ihrem elegantem Auftreten komplett auf ihren Gesang konzentrierte Künstlerin Jutta Weinhold noch immer eine traumhaft sichere Bank, deren Stimmlage selbst bei extremerer Tonlage nie abhanden kommt. Sagenhaft! Am Ende wollen die Fans ihre JUTTA WEINHOLD mitsamt BAND  nicht mehr von der Bühne lassen. Leider wurde die Spielzeit knapp überzogen, der Veranstalter zeigt sich nach kurzer Verhandlung äußerst kulant womit zur Freude aller zum Abschluß als Zugabenbonus doch noch der insgeheim herbeigesehnte  „Black Bone Song“ zum Zuge kommt! Promo-, Presse-, und Bandmitglieder von THE GATE und MESSENGER erklimmen die Bühne, flankieren die vor Freude strahlende Hauptakteurin und  feiern zwecks gesanglicher Unterstützung in seeliger Gemeinschaftskooperation mit der  JUTTA WEINHOLD BAND unter dem Jubel des ausgelassen rockend in jeder Hinsicht vorbildlich im Saal vor der Bühne mitgehenden Fanklientels ein Stelldichein auf der Bühne, die ins Wackeln gebracht wird,  während das Heavy Metal hungrige Völkchen in einen regelrechten Rausch verfällt. Beim Blick herüber zu dem  komplett im schwarzen Piratenkostüm bekleidet neben mir seine Axt schwingenden Gitarrero sehe  ich als Überraschungsgast THE GATE Seitenvirtuose Preacher, ahinter gibt MESSENGER Vocalist Siggi gesangliche Unterstützung; damit klingt der Abend in einer turbulent schrägen Jam Session locker aus, die den gesamten Saal in pure Excstase versetzt.

Im späteren Laufe des Abends nistet sich im Kopf des Rezensenten folgender Gesangsrefrain ein:  „Zed Yago from the Twilight Zone, Bound to Sail the Sea, she wants to move Heaven and Hell, she wants to break free... Zed Yago from the Twilight Zone...“ immer wieder Musikalisches Kulturgut erster Güteklasse und ich bekomm's einfach nicht mehr aus dem Kopf! Ich liebe meine ZED YAGO und VELVET VIPER-Alben. Seitdem sie das erste Mal erschienen, wusste ich damals todsicher,  das es sich um Zentnerschwere Kultveröffentlichungen handelte, allein  die Magie einer JUTTA WEINHOLD einschließlich ihrer virtuosen Stimme ist und bleibt einzigartig! Bedauerlicherweise bekam ich damals nie Gelegenheit, ZED YAGO Live zu sehen, dies wurde nun amtlich nachgeholt. Damit beginnt  ein neuer Kreis für eine  hoffentlich weiterhin treu von ihren Fans gestärkten Jutta Weinhold, wie der Auftritt in Niederjossa mehr als deutlich gezeigt hat, während die Künstlerin samt Band in nächster Zeit  fleißig an neuem ZED YAGO Material arbeitet. Und auf dieses Album, freue ich mich im Speziellen schon jetzt ganz besonders!  The Story from Over Yonder continues...

Da mir zuvor jemand  die Setlist vor der Nase weggeschnappt hat, lautet  die mir geläufige Titelauflistung (mit eventuell geringfügiger Abweichung, die es im Zweifel zu berücksichtigen gilt) vom JWB-Headlinergig in Niederjossa soweit sie im Kopf hängenblieb in etwa wie folgt:

JUTTA WEINHOLD BAND (JWB)-Setlist:
• Intro Valkyrie (Velvet Viper)
• Valkyries (Velvet Viper)
• Beacon Light
• Modern Knights (Velvet Viper)
• Merlin (Velvet Viper)
• Master Of The Ring
• Rebel Ladies (Zed Yago)
• Revenge (Zed Yago)
• Highland Queen (Velvet Viper)
• Zed Yago (Zed Yago)
• The Spell from over Yonder (Zed Yago)
• Queen And Priest (Zed Yago)
• United Pirate Kingdom (Zed Yago)
• Horsewoman (Velvet Viper)
• Fear Of Death (Zed Yago)

Zugabe:
• Black Bone Song (Zed Yago)

STAIRWAY

Ein umso unverständlicheres Rätsel ist es mir, dass sich beim Auftritt der Briten STAIRWAY, die zum gelungenen Abschluss eines wirklich superben, in allen Belangen empfehlenswerten Kleinfestivals vor so wenig Nasen ihr Können zeigen dürfen, die Reihen extrem gelichtet haben.  Wo sind die Leute bloß plötzlich alle so schnell hin? Derart Back to the Roots orientierten classic Hardrock und Heavy Metal alten Strickmusters, wie ihn das Inseltrio auffährt, kann man nicht mehr spielen. Von SCORPIONS, THIN LIZZY, WASP, über diverse N.W.O.B.H.M-Einflüsse wird ein ungemein erlesen rockendes Oldshool-Brett gefahren, genau die richtige hochexplosiv sämtliche Körperteile einschließlich der Mähne in Wallung/Bewegung setztende Mischung, deren fulminante Darbietung  bis zum Schluss  die  härtesten unter den harten der hartmetallischen Gangart aufs vollste überzeugt! Nummern des Erdungskalibers „Battle of Heaven“, „Under the Gun“, „Red Alert“, „Death and Destruction“, „Great Whore“, „Souls of Zion“, „Anybody There“ usw. sind erlesen vertonte Kunst, makelloser Elementarrock, der ein zahlreicheres Auditorium verdient hätte.
Die Leadgitarrensoli erinnern stellenweise an WASP, der knarrzende N.W.O.B.H.M.-Sound in Verknüpfung mit SCORPIONS oder THIN LIZZY  besitzt das gewisse Etwas, wofür Formationen wie STAIRWAY eigentlich größeren Publikumszuspruch verdient hätten. Traurig, doch sei's drum, wer geduldig blieb, konnte sich selbst von den Qualitäten des Trios überzeugen. Neben eigenem Material werden die Briten ihren im Vorfeld geäußerten Lorbeeren auf ganzer Linie gerecht. Allein das superb groovend gnadenlos mitreißende Leadgitarrenspiel bringt sämtliche Sicherungen zum durchdrehen. Kann man bei solch großartig umgesetzten Coversongs von DEEP PURPLE („Black Night“), QUEEN „Tie Your Mother Down“ und GARY MOORE's „Wishing Well“ tatsächlich ruhig stehen bleiben? Mitnichten! Zum krönenden Abschluss werden noch einmal sämtliche Restkraft- reserven freigemacht; ein gelungener Abend in Niederjossa findet gegen Zwei Uhr nachts seinen passenden Ausklang. Im Anschluss begeben wir uns müde und restlos bedient auf die Heimreise.

Schlusswort:

Ein besonderer Dank zunächst einmal gleich ans ans ausrichtende Festival-Team in Niederjossa, ihr habt großartige Arbeit geleistet! Solch fanfreundliche Preise für Essen und Getränke findet man selten, daran sollten sich viele Festivalveranstalter (vor allem die großen sowie auch so manch kleinerer Veranstalter) endlich mal ein Beispiel nehmen; dazu kommt  eine Lichtanlage, bei der sogar meine Wenigkeit ohne Brille (!) ein gestochen scharfes, jederzeit klares Bild auf der Bühne erkennt, all dies, nicht zu vergessen die unglaublich tolle Atmosphäre im DGH,  unter den  Fans selbst sowie der glasklar wunderschön druckvoll kräftige Sound (ein dickes Extralob hierfür an den zuständigen Soundmischer, für die wie schon im Vorjahr wirklich erstklassige Arbeit; alle Bands fanden gleiche Bedingungen vor – ein wichtiges Kriterium, das längst nicht alle Festivals so vorbildlich erfüllen, wie in Niederjossa, womit hinterher ein fader Beigeschmack bleibt, ) -  sind weitere Garanten für ein in rundherum gelungenes Festival. Die Toiletten sind ebenfalls prima sauber in Schuss gehalten, - das DGH Niederjossa ist wieder in einem ausgezeichnet gepflegten Zustand, womit es diesbezüglich ebenfalls nichts zu bemängeln gibt. Zum Schluß muss den Fans gedankt und Respekt  für ein brilliantes Konzerterlebnis gezollt und ein im Vergleich zum Vorjahr noch etwas stärkeres Billing auch gebührend erwähnt werden, das alles hielt, was es versprach, womit ein wunderschöner Konzert-Abend garantiert wurde, an den sich zumindest diejenigen, die ihn mitnahmen, gern zurückerinnern werden! Niederjossa,  wir sehen uns nächstes Jahr wieder! 
Gerade das häufig vermisste, dort reichhaltig präsente Undergroundflair sowie der lebhaft intensive Austausch der Fangenerationen untereinander zwischen Jung und Alt macht ein Festival wie das FULLMETAL-OSTHESSEN so immens wertvoll, womit es erst recht eure Unterstützung verdient. Ich für meinen Teil freue mich auch nächstes Jahr auf ein ebenso gut organisiertes Kleinfestival mit gemütlicher Atmosphäre, in gewohnt bewährter Location, ebenso zahlreichen musikbegeisterten sach-/fachkundigen Fans und hoffentlich ähnlich lukrativ im Bereich des Vorstellbaren liegenden Billings für kleines Geld, das alles bietet, was Liebhaber/innen hartrockender Klänge brauchen!

Da behaupte noch einer, in unserer Gegend würde für Metalfans nichts geboten! Völliger Quatsch, wie das Festival gezeigt hat! Klotzen statt kleckern, bedeutet: Statt Motzen und Meckern, beide Pobacken zusammenkneifen, sich einen kräftigen Ruck geben, in die Pötte kommen – Hingehen!

Fotos: Jana Brepohl und Michael Toscher

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