JOAN JETT kehrt auf dem SwedenRock nach Europa zurück

Nun geht es in den Endspurt der Bandbestätigungen, auch beim schwedischen Open Air Nummer Eins.

Wobei der vierte Headliner immer noch offen ist, wie einige wenige Slots, aber auch da kann man noch was erwarten. Wie immer liefert das SwedenRock eine weit gefächerte Mischung aus allen Genres, wobei gerade die moderneren Spielarten in den letzten Jahren Einzug gehalten haben. Härtetechnisch deckt man alles ab vom Folk Rock bis zum Black Metal, bedient aber ebenso die Kernzielgruppe mit klassischem Hard´n´Heavy. Nicht der einzige Grund, warum das Festival vom 03.-06- Juni eine große Attraktion darstellt, die Lage am Meer, die gute Essensauswahl, die kurzen Wege und die lässig-nordische Stimmung machen es zu etwas ganz Besonderem. Dazu haben die Veranstalter in Sölvesborg weitere Top-Acts buchen können

Eine große Überraschung stellt JOAN JETT dar, die mit ihren BLACKHEARTS vor fünfzehn Jahren schon einmal zu Gast war. Ansonsten war sie kaum auf dem alten Kontinent zu sehen, tourt aber unentwegt in den Staaten. Studiotechnisch hält sie sich schon lange zurück, lediglich ein Akustikalbum steht in den letzten zehn Jahren zu Buche. Mit den Erfahrungen als Schauspielerin und Labelbesitzerin dürfte die Dame aber ausgelastet genug sein. Nun ballern die dicken Gitarren von „I Love Rock´n´Roll“ wieder durch die Norje Bucht.

Eine ebensolche Legende ist der „German Tank“, der mit DIRKSCHNEIDER alte ACCEPT-Sachen in seinen Versionen auf die Bühne bringt. Nachdem seine frühere Combo vor drei Jahren hier war, und er selbst mit seiner eigenen Band U.D.O. dürfen sich die Besucher zum ersten Mal auf sein zweites Standbein freuen, das personell identisch ist. Ein Zeichen für die Umtriebigkeit der Reibeisenstimme, der so viele Songs komponiert hat, dass er für eine Show nicht mehr auswählen kann.

Freunde des traditionellen Metal dürfen sich ebenfalls auf LION`S SHARE freuen, eine der heißesten erwarteten Comebacks in dem Bereich. In den Neunzigern eine der letzten Bastionen des echten Stahls, konnten sie mit der Entwicklung im Power Metal der Jahrtausendwende nicht mehr Schritt halten. Nach 17 Jahren sind sie mit ASTRAL DOORS-Sänger Nils Patrik Johansson und dem Album „Inferno“ zurück.
Artverwandt und durchaus ebenfalls ein Einfluss sind CANDLEMASS, welche der Verfasser dieser Zeilen schon fünfmal auf dem SwedenRock gesehen hat. Als sich U.D.O. gerade selbstständig machten hatte der Fünfer mit „Nightfall“ seinen Durchbruch. Ein Jahr zuvor hob er mit dem Debüt „Epicus Doomicus Metallicus“ den Epic Doom alleine aus der Taufe. Nach einigen Wendungen und zwischenzeitlichen Auflösungen ist man seit 2018 wieder in dem Line-Up unterwegs.

Ebenfalls eine einheimische Legende, wenn auch aus einem ganz anderen Metier sind THE HELLACOPTERS, die einst von Nicke Andersson nach seinem Weggang bei ENTOMBED gegründet wurden. Mitte der Neunziger waren sie eine der Speerspitzen im aufkommenden Action Rock und fügten dem Genre Klassiker wie „Supershitty To The Max“ zu. Nach längerer Pause sind sie wieder am Start und veröffentlichten im letzten Jahr „Overdriver“.

Leider verstarb Robert „Strängen“ Dahlquist in der Pause und hinterlässt eine Lücke in der Besetzung. Nicht nur bei der Truppe, denn genauso bei seinem Nebenprojekt DUNDERTÅGET MED VÄNNER, mit dem er in den Nullerjahren aktiv war. Da seine alten Mitstreiter ohnehin vor Ort sind, werden einige der HELLACOPTERS Gastauftritte bei der einmaligen Reunionsshow haben.

In den Siebzigern wildern auch PALAYE ROYAL, die sich aber eher auf Glam setzen und teilweise Sixties-Einflüsse. Die Las Vegas-Boys haben bereits fünf Albe und ein paar EPs veröffentlicht und wollen nun in Europa Fuß fassen. Am Anfang stehen die Jungspunde von ASHES OF BILLY, die bislang nur EPs veröffentlicht haben. Die Dänen orientieren sich an den Neunzugern, wobei neben Acts aus Seattle auch Helden ihrer Heimat eine Rolle spielen.

Ganz beliebt beim SwedenRock sind die schwedischen Comedy-Acts, die auch musikalisch in Erscheinung treten. Bei uns würde man jetzt Bülent Ceylan sagen, wobei die Schweden da teils irrwitziger unterwegs sind. In der Vergangenheit traten schon reichlich obskure Künstler auf, die man als Nichtschwede nur ungläubig bestaunen kann. In dem Jahr ist nun MAGNUS UGGLA dran, der ein spezielles Set aus seiner frühen Karriere darbieten wird.

Quelle: Rainer Petry