HEADSTONE - Burning Ambition




VÖ: 25.10.2013
(Kathargo Records)

Homepage:
http://www.karthagorecords.de/

Insider unter Heavy Metal-Altsemestern werden sich vielleicht erinnern. Die Reise reicht rund 30 Jahre zurück in die Vergangenheit, bis ins Jahr 1983 in eine Zeit als der Heavy Metal hierzulande in den Kinderschuhen stand. HEADSTONE schimpfte sich eine zu den ersten (Proto)-Heavy Metal-Bands gehörende Truppe aus Oberammergau, die knackig ins Gehör dröhnende Hardrockriffs mit feinfühligen Melodien und Krautrock verband. Eine geradezu verwegen experimentiell anmutende Mischung, die zur Aufbruchphase der harten Stromgitarrenmucke sinngemäß keineswegs untypisch für die frühen Vertreter der genannten Ära des Heavy Metals hierzulande war. Harry Liebhäuser, dessen Stimme beständig zwischen theatralisch, hoch, impulsiv, kraftvoll und krächzend variierte, verlieh dem stark vom 70er Hardrock beeinflußten Album die notwendigen Impulse. Der mit ausreichend Talent gesegnete Shouter verließ die Band trotz gutem Erstlings und wechselte zu den Augsburger Truemetallern VETO, mit denen er die zwei Alben („Veto“ 1986 und „Carthago“ 1988) veröffentlichte. Gerade die Kauzigkeit in Verbindung zum beständig vorhandenen Krautrockfaktor der mit klassischen Hardrockgrooves und schönen Melodiebrücken gekoppelt eine stimmig ins Gehör laufende Mischung ergab, verlieh HEADSTONE viel uriges Flair, das vor allem die frühen Anfänge des Heavy Metals auszeichnete. „Wolkenkind“ und „Weißer Donner“ geben nicht nur aufgrund ihrer anspruchsvollen überraschend in deutscher Sprache gesungenen Textlyrik Beispiel davon, das Krautrock alles andere als langweilig klingt, wenn derart abwechslungsreich, originell, rasant, individuell, feurig und leidenschaftlich ehrlich zur Sache gegangen wird, wie es die Truppe aus Oberammergau auf Burning Ambition“ tat. Drückende Riffs, lässige teils stampfende Grooves, packende Melodien, feinfühlige Leadgitarensoli, ein leicht in den 70ern behafteter Touch und die Tatsache, das man mit Harry Liebhäuser über einen Sänger mit viel Charisma verfügte, zeichneten den Fünfer aus. Das es nicht nur behäbig langsam zugeht, dafür sorgen flotte Rhythmus-, Takt- und Tempowechsel wie der Opener „Nightmare“ klar aufzeigt. „Kings Elephants“ weckt Nostalgie pur, „Burnt in Ice“ gefällt durch galoppierende Riffs, heroischen Gesang, powermetalmäßige Strukturen und fesselnde Leadsoliattacken. „Deadly Shades“ und „Still on the Race“ rocken geradlinig fließend Shouter Harry bekommt mittels in die Songs eingebrachtem Backgroundgesang und Chorpassagen Unterstützung. „Black Angels“ sticht durch kraftvolle Backgroundgesänge hervor, „Skyline of Rock“ ist ein lässiger Stampfrockgroover, während bei „Burning Ambition“ und „Waller“ rhythmus- und beatorientiert mit eingängigem Refrain, scharf riffend hart gerockt wird. „Queen of Dreams“ begleitet von gefühlvollen Pianoklängen outet sich als romantisch arrangierte Ballade zum Träumen, ehe der abermals in deutsch gesungene zügig simpel nach vorn gehende Kauzhardrocker „Wacht in Weltengang“ den zweckdienlich passenden Schlußakkord setzt.

Manchem Insider unter den Altsemestern dürften die Oberammergauer HEADSTONE bekannt sein, doch auch Metalheads jüngerer Generation, die vielleicht schon immer wissen wollten, woher die frühen Anfänge des Heavy Metals Made in Germany kommen, sollten den Test wagen, sich einfach mal unbedarft ohne irgendwelche Erwartungen zu hegen an diesen Dreizehntracker herantrauen.

Bandlogo und stilvoll gestaltetes Cover des Tonträgers liegen ebenso zielsicher im grünen Bereich. Mit Neuauflage des HEADSTONE-Debüts ist ein kleines Kapitel frühteutonischer Schwermetall-geschichte aus den Anfangstagen einer wilden und bewegten Vergangenheit lebendig geworden!

Fazit: Für das äußerst solide Grundfundament, den gebotenen Abwechslungsreichtum und eine gemäß ihrer Zeit beachtliche Gesangsleistung sind für diese gemessen an heutigen Maßstäben äußerst komplex zu bewertende Tonkonserve immerhin gute 7,5 von 10 Punkten wohlverdient.