KILLERS - Murder One / Menace To Society / South American Assault Live Re-Releases

VÖ: 11.11.2013
(Metal Mind Productions)
Homepage:
www.metalmind.com.pl
Nach seinem Abgang bei IRON MAIDEN fing Ex-Frontröhre Paul Di Anno wieder an zu komponieren. KILLERS nannte sich seine Band, mit „Murder One“ gelang 1991 ein starkes Debüt, dessen rauer Stil zwischen typischen NWOBHM-Metal und klassischem Heavy Rock schwankte. „Impaler“ erweist sich als schmissiger Opener, der mächtig in die Vollen geht. „Marshall Lockjaw“ knallt in flottem Tempo mit cooler Grooveline und pfundschweren Riffs derbe auf's Geweih, Der schwer auf auf US-Rock gemachte Stampfbolzen „The Beast Arises“ oder „Takin' No Prisoners“ berühren stark die Grenze zum Kommerz, „Dream Keeper“ entpuppt sich als Halbballade bei der Paul sein ganzes Können zeigt. Ergänzt durch ein T-Rex-Cover von „Children of the Revolution“ sowie dem IRON MAIDEN-Klassiker „Remember Tomorrow“ im KILLERS-Gewand schippert der Silberdeckel locker in den sicheren Hafen ein. Speziell Fans der N.W.O.B.H.M. und von PAUL DI ANNO im Allgemeinen sollten sich das Teil im Bedarfsfall definitiv zulegen, unabhängig davon, ob es nun als Klassiker durchgeht oder nicht. Als Bonustracks wurden zusätzlich drei Liveaufnahmen von „Impaler“, „The Beast Arises“ und „Marshall Lockjaw“ draufgepackt, dazu gibt’s ein Live-Rehearsal-Recording von „Children of the Revolution“ und „Dream Keeper“ in der Akkustikvariante. Klassische Heavy Metalfans können mit dieser seit kurzem erhältlichen Neuauflage nicht viel falschmachen, es sei denn, sie konnten dem Schaffen von Mr. Paul Di Anno ohnehin wirklich noch nie etwas abgewinnen.
Huch, was ist hier passiert? Nach dem guten Erstling „Murder One“ präsentiert sich dessen Nachfolgewerk völlig ausgewechselt man erkannte KILLERS gar nicht wieder. Die Anpassung an den grassierenden Früh bis Mid-90er Trend Richtung PANTERA und Co. ging bei diesem Vinylteller völlig daneben. „Past Due“ könnte glatt als This Love vom 1992 veröffentlichten PANTERA-Album Vulgar Display of Power durchgehen, Sorry, das war meilenweit von der Truppe um Ex-MAIDEN-Fronter PAUL DI ANNO entfernt, die für das fulminante Debüt „Murder One“ verantwortlich zeichnete. Zwar kommt der gute Paul dem stimmgewaltigen PANTERA-Fronter Phil Anselmo manchmal (allerdings kaum durchweg) recht nahe, doch wirkt das ganze insgesamt recht aufgesetzt und halbgar; statt am cremigen Erstling anzuknüpfen wurde überflüssigerweise versucht, auf einen Zug aufzuspringen, welcher dem Quartett überhaupt nicht gut zu Gesicht stand, zumal PANTERA bereits das uneingeschränkte Trademark für ihren ureigenen Sound besaßen, der so nun erst recht überhaupt nicht zu PAUL DI ANNO'S KILLERs passen wollte. Immerhin wurde noch ein schön kernig umgesetztes ALEX HARVEY-Cover von „Fake Healer“ platziert, dass zum Schluß des Zwölftrackers gerappt wird, vermießt den Hörgenuss allerdings gewaltig! „Murder One“ und „South American Assault“ waren richtig gut, „Menace to Society“ törnt auf Dauer gewaltig ab; von dieser komplett remasterten Neuauflage darf man als Metalfan bewußt die Finger lassen, da trösten auch vier als Bonus hinzugefügte Rehearsaltracks kaum drüber hinweg!
„Murders in the Rue Morgue“, „Wrathchild“, „Remember Tomorrow“, „Sanctuary“, „Running Free“, „Phantom of the Opera“ usw. sind unverzichtbares Heavy Metal Kult(ur)gut. Darüber bedarf es keiner Diskussion. Für beinharte MAIDEN-Fans stellt sich die Frage, ob sie diese 1994 aufgenommenen seit kurzem in remasterter (neu überarbeiteter) Fassung erhältlichen Versionen wirklich brauchen. Das mag jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: Die Live-Aufnahmen sind mitreißend eingespielt und versprühen intensives Live-Flair, auch die drei BATTELEZONE Stücke („Overloaded“, „Metal Tears“ und „The Promise“) - Songs, mit denen sich Paul Di Anno nach seiner Zeit bei den eisernen Jungfrauen achtbar schlug. Musikern von TANK, RAVEN und seiner früheren Combo BATTLEZONE griffen dem Ex-MAIDEN-Stimmbandquäler hilfreich unter die Arme. Über Akkustikversionen von „Wrathchild“ und „Remember Tomorrow“ lässt sich streiten. Ob man die Livescheiblette braucht oder nicht, soll ein jeder für sich entscheiden.

