MESSENGER - Illusory Blues


03 messenger

VÖ: 21.03.2014
(Svart Records)

Style: Progressive Rock

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Messenger

Verträumt abschweifend beginnt eine Reise in die Tiefen des Proguniversums, geprägt von Generationsübergreifenden Wegweisern des Progrocksektors, wie JETHRO TULL, RICK WAKEMAN, ALAN PARSONS PROJECT, PINK FLOYD, AMERICA, KING CRIMSON, PAVLOV'S DOG, aber auch solch rare Vertreter traditionell handgemachter Folkmusik vom Typus FAIRPORT CONVENTION der CLANNAD widerspiegelt und je weiterman sie hört, desto sehnsüchtiger versinkt man darin. Illusorie Blues gehört zu der Sorte Alben, die wenig mit heftig treibenden Beats zu tun haben, sondern auf geistig inspirative Langzeitwirkung abzielen. Ein Unterfangen, das der Londoner Truppe MESSENGER (nicht zu verwechseln mit den deutschen Powermetallern), davon sind sämtliche darauf verzapften Stücke meilenweit entfernt), durchaus gelungen ist, wenngleich der Siebentracker dem Hörer reichlich Geduld und Muse abverlangt. Schon das Anfangsdoppel weckt seelige Erinnerungen an experimentiell gestaltete 70er-Jahre-Rockmusik der stellenweise ungemein folkig nostalgisch uriges Flair innewohnt. Dieses Album vermittelt einen sanft, dennoch exzessiv unter die Haut gehenden Touch. Wer es versteht, so intensiv den Geist der Vergangenheit aufleben lassende Schwermut auf derart Nostalgie weckende Art zu transferieren, kann definitiv etwas. Kurioserweise haben alle Musiker vorher in Bands aus dem Hardcore-, Blackmetal und Punksektor gespielt, ehe sie sich für diese recht sanfte permanent verträumt phasenweise regelrecht einlullende Variante immens anspruchsvoller Musik entschieden. Musik, die wohltuend Ruhe und innere Gelassenheit im Einklang mit der Natur ausstrahlend, Stimmungen erzeugt, Balsam für die Seele auf der Suche nach ein wenig Zerstreuung ist. Nichts für's kräftig auf die Pauke hauen, sondern für's chillige Nach-Feierabend-Abschalten besonders geeignet. Spätestens bei „Dear Departure“ kommt zum Schluß erstmals rockiges Flair auf. Vokalist/Gitarrist Khaled Lowe, dessen leidenschaftlich sehnsuchtsvoll klagender Gesang ein wichtiges Merkmal ist, fällt auch rein optisch ins Auge. The Perpetual Glow of a Setting Sun“ entwickelt sich anfangs träge beginnend zum lebhaften Folkrockepos. „Midnight“ beginnt ähnlich, die Taktfrequenz steigert und verlangsamt sich brückenweise, das Tempo völlig herausnehmend, um plötzlich in romantischen Geigenklang und kernige Rockriffs auszuufern. „Somniloquist“ und „Let the Light In“ passen sich dem traumhaften Niveau der Scheibe mühelos an, letzteres Stück erinnert zuweilen an entspannende Tiefenmeditationsberieselung wie sie im Regelfall nur Ausnahmekönner der Prägung eines KITARO erzeugen. Toll! Welch eine wunderschön berauschend sanftmütig kosmisch gefärbte Ode an die Kräfte der Natur. In Sachen Rock darf manchmal ruhig noch etwas mehr Härtegrad mit rein, ansonsten gibt’s überhaupt nichts zu bekritteln. Obgleich der Rockfaktor dezent im Hintergrund verweilt, wird an passender Stelle ein warmes, wunderschön entspannt unter die Haut gehendes Flair erzeugt, das den Seelenspirit von innen wärmt. Ausgleichend, wohltuend. Liebhabern experimentieller Prog(rock)klänge vorbehalten. 8,5 von 10 Punkten für ein ungewöhnlich kunstvolles Hörerlebnis besonderer Art.

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