PARADISE LOST - Obsidian


VÖ: 15.05.2020
(Nuclear Blast)

Style: Gothic Dark-Rock/Doom Death Metal

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PARADISE LOST

Eröffnet von verträumten Akustiklängen und Singer-Songwriterfeeling mögen sich Genrefans beim ungewöhnlich in sich gekehrt nachdenklich beginnenden Opener „Darker Thoughts“ im ersten Moment fragen: Sind das wirklich PARADISE LOST? Ja, sie sind es, tiefenmelancholisch wie eh und jeh. Seit gefühlten 32 Jahren dabei landet nun der aktuell sechzehnte PARADISE LOST-Langdreher der seit 1988 (!) aktiven britischen Düster-Metal-Institution auf meinem Rezessionstisch, wobei das Stilsprektrum allzu oft zwischen emotionalem Gothic Dark Rock und intensiv Schwermut getränktem Doom- Death Metal schwankt. Eine stets präsente schwarz-grau Melancholic-GrundStimmung darf bei PARDISE LOST bezeichnenderweise nicht fehlen.

'Obsidian' ist so typisch wie ein PARADISE LOST-Album nur sein kann und doch irgendwie anders als gewohnt. Darauf tendieren die Gründerväter eines längst zahlreiche Wurzeln schlagenden Genres nun verstärkter in eine Gothic-Rock-Schiene, die 80er- SISTERS OF MERCY-Einfluss mit intensiv ausgelebtem Pfad erlesener Melodievielfalt kombinieren, den THEATRE OF TRAGEDY oder TYPE O' NEGATIVE bereits in den 90ern erfolgreich beackerten. Nick Holmes schafft es fließend, alle Gesangsstile in vielseitige Stimmungsbögen einzuflechten. Das Wechselspiel von Hochton-Klargesang, mittlerer Kehligkeit und tiefergelegten Deathgrowls funktioniert einwandfrei und jederzeit übergangslos. Alle Tracks werden wie kaum anders zu erwarten durch intensives Düster-Melancholieflair gestützt. PARADISE LOST haben schon lange ihre Nische gefunden, müssen nichts und niemandem mehr etwas beweisen. Darüber hinaus schaffen sie es mit jeder hinzugefügten Erweiterung ihres ursprünglichen Stils eigene Trends zu setzen.

„Fall from Grace“ zeigt sich auf den guten Opener „Darker Thoughts“ folgend im robust schleppenden heavy Gothic-Stampfbeat, „Ghosts“ baut bedrohliche Spannungsbögen auf, das Stück explodiert nach kurzer Ruhephase mit einem bestialischen Schrei, wie ihn nur Ausnahmekönner vom Kaliber eines Nick Holmes hinbekommen. Keinen Deut weniger überzeugend entlockt Gregor Mc Intosh seiner Gitarre cremig zuckersüße Leadsoli während sein Gegenpart Aaron Aedy durchschlagkräftige Breitwandriffs in Serie erzeugt – kein Wunder, dass diese beiden entgegen gesetzter nicht wirken könnenden Pole zu den versiertesten Gitarrentandems ihres Genres zählen. Das dazugehörig dichte Fundament legen Bassist Stephen Edmondson und Schlagzeuger Waltteri Väyrynen, für silhouettenhaften Sphärensound sorgt Leadgitarrist Gregor McIntosh, der seinem Keyboard effektvoll gespenstische Nebel-Silhouetten entlockt. Mystische Chorgesänge leiten Track fünf, „Forsaken“ ein, - das ultimative Riffschwergewicht der Scheibe. Im Zuge dieses eingängigen sämtliche PARDISE LOST-Trademarks vereinigenden Hymnenkrachers reizt Nick Holmes sein Stimmspektrum gekonnt effektiv aus, „Serenity“ zieht danach das Tempo mehr an, während „Ending Days“ durch ein Gesangsduett von Nick Holmes ausdrucksstarkem Organ mit sanftstimmiger Sängerin im Spagat von introvertiert leiser Sequenz bis extrovertiert laut zum Ausdruck gebrachter Heavyness aufblüht.

Was gibt es noch mehr zu sagen? Ok, zwei Nummern mehr wie den überragenden richtig schön gespenstisches Gänsehautfeeling erzeugenden vor Dramaturgie wie bei den Gothic-Doom-Death Metal geprägten Frühwerken der Engländer strotzenden Rausschmeißer „Ravenghast“ hätte ich mir für diesen Langdreher gewünscht, doch ansonsten erfüllen PARADISE LOST wieder sämtliche Kriterien. Bis auf das mit 6:07 Minuten wie eine etwas übertrieben langatmige Blaupause wirkende „The Devil Embraced“  und der Tatsache, dass die Gothic-Parts phasenweise etwas zu sehr die Oberhand übernehmen wofür die Härte schon etwas weichen muss, gibt es an 'Obsidian' nichts auszusetzen.

Die Zeiten als PARADISE LOST durchweg Hymnenstoff am Stück ablieferten, der sich mühelos in die 9er-Wertung hineinkatapultierte, mögen vielleicht vorbei sein; für eine verdientermaßen bockstarke 8er Wertung reicht es trotz extrem verstärken Gothic-Rock-Touchs dennoch immer, zumal dieses Album scheinbar mit jedem weiteren Hördurchlauf wächst.  

Fazit: Faszinierend heiß brodelndes Düster Gothic Rock-Melancholic Doom-Death Gebräu mit hochmelodisch variabler Detailvielfalt. - Respekt! 8/10

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