GRAVETY - Bow Down

11 gravety

VÖ: 19.11.2021
(Metal On Metal Records)

Genre: Thrash´n´Doom/Epic Metal

Homepage:
GRAVETY

In den Staub, kniet nieder ihr Unwürdigen, die Herrscher des Thrash´n´Doom sind zurück um Euch zu richten. Nachdem Frontmann Kevin „King Elvis“ Portz von seiner rheinischen Mission zurückgekehrt ist, war es nur folgerichtig die Band weiderauferstehen zu lassen. Natürlich mussten sich die Götter verschwören und den Reunionsgig in Wacken mittels Plagen aus welchem Buch auch immer verhindern. Doch wer so im Untergrund kämpft gibt nicht auf, sondern haut mal das Zweitwerk heraus.

Schon das bedrohliche Intro „Feat Of Valour“ lässt erschaudern, Gitarrist Gernot Gebhard spricht mit sinistrer Stimme, die man schon von seiner Piratenformation TORTUGA kennt. In seinen gleichnamigen Homestudios wurde „Bow Down“ im Übrigen eingespielt. Schon der Titeltrack macht im Anschluss klar, worum es hier geht, die massiven Shouts der Fünf im Chorus untermauern den Ruf nach Unterwerfung noch mehr.
Dafür machen sie auch soundtechnisch keine Gefangenen und marschieren viel geschlossener auf. Vom Songwriting gibt es nicht mehr so viele Ausreißer in schnelle oder schleppende, teils moderne Gefilde, all die Zutaten werden komplett zu einem schmackhaften Gebräu vermischt. Dieses hat sich enorm verfeinert und damit den ureigenen Sound endgültig definiert.

Besagte maskuline Chöre sind ein Fingerzeig welche Entwicklung die Band in der langen Pause genommen hat, in denen jeder von ihnen gereift ist. Das dünnste Gitarrenduo der Welt errichtet eine Klangwand, dicht und undurchdringlich, die alles einebnet. Oft schwerfällig im Einstieg aber mit dieser Spannung, die nur auf Entladung wartet, bis die sechs Saiten dann unaufhaltsam nach vorne preschen. Trotz der Phrasierungen der Staccato walzt das unaufhaltsam nach vorne, der Klang passt sich den Kanten perfekt an.

Wie sich die Melodien zu erwähnten Shouts erheben weist King Elvis als Meister seines Fachs aus. GRAVETY leben auch von seiner Variabilität, der zwischen kernig und getragen mühelos umschalten kann. Wundervoll auch die vielen Leadmelodien, denen die Truppe reißerischen Soli den Vorzug gibt, speziell in „Braveness Beyond Fear“. Im Refrain schwebt dann die Stimme von Portz majestätisch über den „OhOh“-Chören, bevor das Kommando unvermittelt losrollt, der Effekt steigert den Druck zusätzlich.

Gebhard und Philipp Albert sind eine Klasse für sich, spielen sehr sicher und präzise und bei aller Härte sauber zusammen. Wie sie das Riffgehackte so schön mit gebremstem Schaum servieren und dabei die Intensitätsschraube anziehen ist großes Kino. Bei „Red Mountain“ agieren sie in der Strophe mit dezent rockigem Drive, bevor sie mächtig losstampfen. Wem bei den an HAMMERFALL gemahnenden Chören nicht die „Epic Fist“ hochschnellt, dem soll der Arm abdorren.

Doch an Epik können sie immer noch eine Schippe drauf packen, die Chöre in „Tales From The Fallen“ legen sich schwelgerisch unter die Marsch der Beiden. Das Tempo wird variiert, eröffnet Raum für Atmosphäre und noch mehr Leadverzierungen. Im melancholische „Towers Of Ghenjei“ trägt uns der Bariton des Königs über den Galopp und zaubert wundervolle Melodien hervor. Die verhallten Chöre machen die Saarländer endgültig zum heißesten Anwärter auf den nach dem Tod von William J. Tsamis vakanten Thron von WARLORD.

Herzstück der Platte ist „Unleash The Flame“, das ruhig und akustisch beginnt, dann mit Leadfills die Dynamik langsam anzieht. Erneut verweigern sich die Axtmänner dem Schredderwahn und setzen auf geschmackvolle Wucht. Im immer sich weiter nach oben nivellierenden Epos dürfen es selbst mal kurze Grunts sein, um die ganze Bandbreite aufzuzeigen, bevor die Klangschichten wieder in sich zusammenbrechen und die Stimme des Frontmanns Schlachtengemälde zeichnet.

In die Sagenwelt geht es auch im abschließenden „Carry On The Flame“, das fast einsteigt. Akustische Weisen belegen warum die Nummer auf der Releaseparty stromlos dargeboten wurde, bevor ein schön fieses Riff das Losreiten zu Attacke einläutet. Nicht nur deswegen ist eine leichte JUDAS PRIEST-Schlagseite zu erkennen, ein paar Screams hat man sich bis zum Ende aufgespart.
Wie man dann noch mit dem Piano ruhig heraus geleitet zeigt die ganze Reife der neuen Kompositionen. GRAVETY gelingt ein großer Sprung nach vorne, bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Entwicklungsschritt nicht so lange auf sich warten lässt. Zwischen den verschiedenen Einflüssen gelingt es sich völlig eigen zu präsentieren, das zweite, noch dickere Ausrufezeichen des saarländischen Underground in dem Jahr.

9/10


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