ALEX BEYRODT - Weekend Warrior

04 alexbeyrodt

VÖ: 01.04.2022
(A1 Records/Broken Silence)

Genre: Instrumental Rock

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ALEX BEYRODT

Die Pandemie trieb manche in die Isolation, gerade in der Musikszene waren viele auf sich alleine gestellt. Ein Umstand, an dem man verzweifeln kann oder ihn nutzen. Der weitgereiste saarländische Gitarrenwizard entschied sich für Letzteres und nutzte die unfreiwillige Auszeit, um im Heimstudio seiner aktuellen französischen Wahlheimat sein Solodebüt einzuspielen. „Weekend Warrior“ ist komplett solo entstanden, noch viel mehr als die Scheiben von VOODOO CIRCLE, ALEX BEYRODT hat einfach alles selbst übernommen. Außer dem Gesang, da musste er sich nicht heran trauen, denn der Fokus liegt hier einzig auf seiner Gitarre.

Bei den ersten Tönen gibt es jedoch gleich mal eine Kostprobe seiner Künste an den dicken Saiten und den Tasten, wenn die Basslinie von Orgeltupfern flankiert einleitet. Man muss sagen, dass er da die Sache ordentlich macht, songdienlich agiert, gerade an den Drums überrascht er durchaus. Sicherlich vermag er nicht mit all den ihm eher fremden Instrumenten Akzente zu setzen, oder mit einem prägnanten eigenen Ton aufzuwarten. Als Komponist weiß er aber die Tunes an den passenden Stellen zu akzentuieren.
Seine Liebe bleibt die Axt, welche schon rasch das treibende Grundthema übernimmt und verspielt darüber zockt. Beyrodt tut gut daran, nicht nur irgendwelche Skalen, Soli und sonstige Gimmicks runter zu zocken, sondern den Titeln Struktur zu geben, sie in Refrain und Strophe zu gliedern. Der titelgebende Opener lässt zwar ein typisches Gitarristenalbum erwarten, auf dem sich der Protagonist vor allem in Geschwindigkeit und Technik austobt, was aber nur auf ein paar Nummern zutrifft.

Gitarrenheldenfutter gibt es vor allem von „Road To Salem“, wo sich klassisch inspirierte Läufe über Orchestrationen legen. Ein Schelm, wer an Malmsteen denkt, die Variationen im Tempo sind stark gemacht und zeugen von der Klasse des guten Alex. In den Liner Notes von „Boulder Boy“ erklärt der Meister, dass er einem zu früh verstorbenen Helden huldigt. Auch ohne diese Information hört man den Einfluss von Hendrix im Groove heraus, der sich ja schon öfter auf VOODOO CIRCLE-Werken einschlich. Und Eddie Van Halen darf ebenfalls bei der Inspiration nicht fehlen, „Gypsy Rose“ ist kein zweites „Eruption“, sondern liefert ebenso viel typische Riffs.

Aber der Mann kann so viel mehr als nur schnell zocken, das Fach des Zauberns von Atmosphäre beherrscht er ebenso. Die flächigen Riffs von „Fly Away“ verbreiten genau jene Stimmung, wobei auch hier eine weitere Saitenlegende Pate gestanden hat. Nicht nur vom Riffing her, sondern auch das Solospiel weckt Erinnerungen an den „Desert Song“ von Michael Schenker.
Ganz offen werden die Einflüsse in „Thru The Eyes Of A Rainbow“ zugegeben, auch in den Worten von Beyrodt. Das Wechselspiel zwischen Gitarrenakkorden und Tasten, die Leads, das orientalische Flair der Orchestrationen lässt alles an Blackmore denken. Allerdings wäre „Thru The Eyes Of A Perfect Stranger“ der passendere Titel gewesen.

Konnte man das vom gebürtigen Saarländer erwarten, so klingen Lieder wie „Night Time“, welche sich zum Ende des Albums hin häufen selbst für einen umtriebigen Künstler ungewohnt. Das Piano entführt uns in eine Jazz-Lounge, etwas was er vom Gefühl an den sechs Saiten ebenso drin hat. So tiefgehend hat man ihn selten spielen gehört, teilweise kommt da auch der Fusionansatz heraus, den man auf Soloscheiben von Steve Lukather oder Neal Schon hört. Speziell im seiner Tochter gewidmeten „Julie“ lässt er die Gitarre fast singen.
In die Richtung tendiert auch das abschließende „While My Guitar Gently Weeps“, dem einzigen Cover von „Weekend Warrior“. Der Versuch den BEATLES-Klassiker ohne Gesang zu bringen gelingt, in den gespielten Melodien schwingt der Blues mit. ALEX BEYRODT weiß aber die unterschiedlichen Nuancierungen immer mit seiner eigenen Identität zu interpretieren, so dass nie das Gefühl des Abkupferns aufkommt. Seine Handschrift zieht sich schon stringent durch ein Werk, welches als kompletter Alleingang wirklich aller Ehren wert ist.

7,5 / 10


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