MYRATH - Reflections

08 myrath

VÖ: 22.08.2025
(earMusic)

Genre: Folk/Progressive/World Power Metal

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MYRATH

Etwas überraschend kommt aus Nordafrika diese Werkschau reingeflattert, die Tunesier blicken nach gerade mal sechs Alben auf ihre ersten 20 Jahre zurück. Ob da in der heutigen Zeit noch auslaufende Verträge dafür verantwortlich sind, wenn solche Songsammlungen veröffentlicht werden kann ich mir nur schwer vorstellen. Trotz des mittlerweile schon recht hohen Status ist es gut nicht den Titel „Greatest Hits“ gewählt zu haben, zumal MYRATH vor allem live zu überzeugen wissen. Von ihrem Exotenbonus können sie ebenso zehren, den sie auf dem Artwork von „Reflections“ etwas kitschig darstellen.

Auf dem sind die Stücke munter durcheinander gewürfelt, ohne dass sich bei der Songreihenfolge eine klare Handschrift ergeben würde. Eine klassische Anthology wäre hier besser gewesen, um auch die Entwicklung der Band nachzuvollziehen. Die hat es neben der ohnehin eigenständigen Mischung aus Metal und orientalischen Klängen geschafft jedem Album einen eigenen Charakter zu verleihen. Dabei verlief die Metamorphose nicht immer stringent, denn nach dem sehr geradlinigen „Legacy“ kamen mit „Shehili“ wieder mehr progressive und arabeske Elemente rein.

Von letztgenanntem Album gibt es auch nur zwei Kostproben, von dem speziell „Born To Survive“ zu begeistern weiß. Kann man in vielen Liedern eine gewisse Nähe zu KAMELOT ausmachen, so tönt man hier mehr nach FATES WARNING. Das zugänglichere 2016er Werk, mit dem die mittlerweile in Frankreich ansässigen Musiker erstmals ein weiteres Publikum erreichen konnten hat dann ganze fünf Einsätze auf der Compilation.
Hier gelingt die Verbindung von metallischen Klängen mit den kulturellen Wurzeln am besten, wie „Endure The Silence“ mit seiner interessanten Pianolinie deutlich macht. „Get Your Freedom Back“ besticht durch eine gute Dynamik, ebenso wie das balladeske „Duat“ mit toller Hook im Refrain. Über die verfügt auch „Believer“, das wie auf der Scheibe damals den passenden Opener gibt.

Dessen Trademarks wurden im letzten Jahr bei „Karma wieder aufgenommen, wo die KAMELOT-Schlagseite sich noch mehr durchsetzt. Auch wenn Sachen wie „Into The Light“ oder „Words Are Failing“ kompositorisch klasse sind, kommt einen die Außergewöhnlichkeit ein wenig ab. Stattdessen agieren sie mit dem Produzenten und neuen Keyboarder Kévin Codfert mehr wie eine typische Symphonic Metalband. Dahingegen wirken die vier Titel von „Tales Of Sand“ eher sperrig, Songs wie der Titeltrack oder „Wide Shut“ sehen auch eher moderne Einflüsse.

In „Merciless Times“ tönt der Bass von Anis Jouini fast schon körnig, auch die Gitarren von Malek Ben Arbia sind tiefer gestimmt. Als einzigen Bonus dieser Werkschau gibt es eine unveröffentlichte Liveversion von „Madness“ aus den Archiven von „Live In Catharge“, welche die Scheibe für Fans interessanter machen könnte. Die Nummer ist auch die einzige der ersten beiden Platten, was „Reflections“ ein wenig unausgewogen gestaltet. Wer sich aber erst einmal in diese ungewöhnliche Band reinhören möchte, kann hier zugreifen, weil sie viele Facetten abdeckt.

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