KREATOR - Krushers of the World

VÖ: 16.01.2026
(Nuclear Blast)
Style: Heavy Metal/Thrash Metal
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KREATOR
Kein Album spaltet aktuell derzeit so kontrovers diskutiert, wie das neue von KREATOR, 'Krushers of The World'. Es gibt Fans, die der Band sogar einen ARCH ENEMY-mässigen Sound (?) vorwerfen sprich unterjubeln (!) obwohl sie im Rahmen ihres durchlaufenen Veränderungsprozeß versucht, zeitgemäß zu klingen. Auch obsolete Vergleiche zu HAMMER KING sind völlig daneben. Wer sich abwendet und sagt er/sie habe KREATOR in bezug auf deren 80er – 90er-Zeiten damals bewundert, das sei mal die beste Thrashband gewesen - war im Grunde genommen überhaupt nie richtig KREATOR-Fan, - schließlich geht man nicht auf Konzerte, um etwas zu bewundern, sondern es abzufeiern oder sein zu lassen...
40 Jahre Bandgeschichte deren Verlauf insgesamt 16 Alben hervorbrachte, das muss KREATOR erstmal eine andere Band auf dem Thrashsektor nachmachen! Völlig klar: Ein zweites 'Pleasure To Kill' oder 'Extreme Aggressions'-Album werden KREATOR natürlich nicht mehr produzieren, wer immer noch daran glaubt, geschweige darauf spekuliert, befindet sich auf dem Holzweg und hat es nicht begriffen. Alben solchen Kalibers hauen Thrashkapellen raus, wenn sie jung und hungrig sind, - es wird einfach drauflos geschrammelt ohne sich Gedanken zu machen, Professionalität und Größe gelten als zweitranging. Hauptsache provokativ und mitten auffe Fresse..! So verhält es sich. Provokativ waren KREATOR immer, und sind es weiter nach wie vor. Heavyness ist vorhanden, doch die Band hat sich gewandelt, obgleich ihre Wurzeln auf 'Krushers Of The World' gegenwärtig sind. Von ungehobelt rotzig räudigem Schrammelthrash wie zu frühen Anfangstagen haben sich KREATOR heute weit entfernt, das stimmt. Ebenso, das KREATOR sich im Verlauf ihrer Karriere weiter entwickelt haben, steht ebenso außer Frage! Sami Yli Sirniö schüttelt so heftig abgedrehte Leadsoli aus dem Ärmel, dass es nahezu sprachlos macht, Bassist Frederic Léclércq bildet zusammen mit dem Kraftvoll auf den Becken/Fellewald eindreschenden Ventor ein wahres Festungsbollwerk als Rhythmussektion und Frontmann/Rhythmusgitarrist Mille's garstig-stimmgewaltige Vocalakrobatik ist so flexiblel, dass sie sich jede Tempo und Taktryhthmusveränderung mitmachend,nahtlos anpasst.
Gepackt in ein künsterlisch aufwändiges Coverartwork von Zbigniew M. Bielak verspricht 'Krushers Of The World' viel. Jens Bogren sorgte für die nicht wirklich übersteuerte, dem KREATOR-Sound umso effektiver angepasste Produktion. Was erwartet mich nun auf der Scheibe? Jedenfalls kein lupenreiner Thrash, traditionelle Heavy Metalanteile ziehen sich als ausgleichender Part zwecks Ergänzung bei jedem Stück durch's Album. Leidet nun die Qualität darunter? Die Antwort darauf gibt das folgende Review.
„Seven Serpents“ beginnt heroisch von melodischen Leadgitarrenschleifen eröffnet, danach kreist der Thrash-Hammer ok, an den überproduziert wirkenden Sound muss man sich zunächst gewöhnen, ansonsten ist alles wie gewohnt, starke Riffs, spannende Songs, brachiales HighSpeed-Tornado-Genüppel und Milles räudiges Gift und Galle spuckend sich die Lunge heißer brüllend kreifend röhrend schreiendes, kein Blatt vor den Mund nehmendes Organ sind gewohnt fester Bestandteil, kraftvolle Backingvocals und fette Midtempo-Dynamik inklusive! Feierliche Choralgesänge und majestätisch zum Faustrecken auffordernde Parts, runden diesen gewaltigen Album-Einsteiger ab. „Satanic Anarchy“ klingt manchmal schon etwas abgehackt, hat allerdings tanzbaren Groove, feuert danach traditional Metalbreitseiten raus, die sich mit einer gewagt modernen Form schnellerer Knüppelage vermengen, die dem üblichen KREATOR-Thrash-Standard zu Wider läuft. Im tempogedrosselt groovenden Titeltrack „Krushers of the World“ zeigt sich die Düstere Seite von KREATOR, dessen Refrain so eingängig ist, dass er sich im Schlaf mitsingen lässt. Kein Zufall, das war bewusst so gewollt. „Tränenpalast“ mit stimm gewaltiger Britta Görtz (HIRAES/Ex-CRITICAL MESS/Ex-CRIPPER/Ex HEAVEN SHALL BURN - live) als tiefgrowlender Death Metal-Gastsängerin und Milles harrsch kehligen Shouts und Schreien wird zum Highlight einer deutlich gereiften ihrem Vorgänger 'Hate über Alles' kaum nachstehenden Scheibe auf technischem Hochkaräterlevel, deren Inhalt mit zunehmender Rotationsdauer ihren Reiz offenbart. „Barbarian“ thrasht von Start weg derbe drauflos, baut zwischendurch tempgedrosselte Heavy Grooves ein, lässt danach feine Melodien und mörderische Tempowechsel sprechen. „Blood Of Our Blood“ geht exzessiv in Richtung Thrash, kombiniert frühe Bandwurzeln mit heroischen Rhythuskaskaden die geradewegs zum Faustrecken einladen, bis ein fetter Schuß Power Metal dazu kommt, der sich mit Thrashfacette verbindet. „Combatants“ groovt im ACCEPT-Stil mitsamt derartiger Vertaktung, drosselt urplötzlich Tempo, gibt heroische Marchtrommelrhythmen frei, um nocheinmal kraftvoll in den Anfangsmodus zu verfallen. „Psychotic Imperator“ knüppelt dann wieder mal richtig in gewohntem KREATOR-Thrashmuster, ehe in packenden Traditionsmetal-Modus umgeschaltet wird. Mille's Organ röhrt zeitweise aggressiver als bei den meisten Stücken auf 'Krushers of the World', zu „Death Scream“ blitzt abermals kräftig das gute Oldschool-Thrashflair von KREATOR auf, während „Loyal To The Grave“ sich als traditioneller regelrecht Filmsoundtrackreifer Epik-Kracher flankiert von opulent epischen Singalongs, traumhafter Melodielinien und feinem Leadsolizuckerguß entpuppt.
Mit 'Krushers of the World' einschließlich Mitsingkompatiblen Refrains vereinzelten Synthiefarbtupfern und Chorgesängen haben KREATOR die Messlatte für's Genre bereits früh im Jahr ein weiteres Mal verdammt hoch angelegt. Dieses Qualitätslevel wird enorm schwer zu toppen sein. Zugegebenermaßen gestaltet sich das Album ersteinmal gewöhnungs bedürftig, doch mit jedem weiteren Durchlauf offenbaren sich Feinheiten, die zeigen, wohin sich KREATOR aktuell im Zuge ihres Schaffens entwickelt haben und das darüber hinaus künftig noch weitaus mehr möglich ist. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: KREATOR hieven Thrash Metal auf ein neues bis dato unerreichtes Level. Die Band entwickelt sich mit jedem Release und zwar ganz anders, wie aus früheren Zeiten gewohnt. Dieses Album wird sich ungefährdet weit oben in meiner JahresTOP-20-Liste wiederfinden. Experimentiell vom räudigen Undergroundthrash früher Anfangstage meilenweit entfernt, zeitgemäß angepasst vielseitig kreativ zwischen Geradlinigem Thrash, Heavy Metal und so manchem Abstecher beispielweise in dunkelmelancholische Gothic oder heroische Epik Metal-Gefilde.
Fazit: Packendes KREATOR-Meisterkino, das mit zunehmender Spielzeit wächst. Je länger dieses Album rotiert, desto mehr Qualität nimmt es auf. - Was für ein Ein Hochkaräter! 9/10

