AEROSMITH - Aerosmith (Re_Issue)

VÖ 20.03.2026
(Capitol/Universal)
Genre: Hard Rock
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AEROSMITH
Manche Dinge dauern etwas länger, wobei es im Musikbiz nicht selten ist, dass frühe Werke großer Acts erst mit den Jahren zu ihrer Bestimmung fanden. Auch die Bostoner Luftschmiede lief dem Erfolg erst hinterher, ihr Debüt blieb wie Blei in den Regalen liegen. Dabei waren durchaus einige Hits darauf vertreten, die sich bis zum heutigen Tag in deren Liveset halten. Mit dem Zweitwerk warfen AEROSMITH im Trotz die Idee einen Hit zu kreieren erst mal über Bord, um dann mit „Toys In The Attic“ komplett durchzustarten. Nun wird das selbstbetitelte Debüt mit einem Remix von 2024 wiederveröffentlicht, dass in dem Zuge doch zu viel Popularität gelangte.
Der Witz in der Geschichte der Band war ja, dass sie zu Beginn als ROLLING STONES-Kopie verschrien waren, nur damit man GUNS´N´ROSES in deren Anfangstagen als AEROSMITH-Legaten abstempelte. Gerade beim großen Epos der Scheibe kommen die Einflüsse am deutlichsten zum Vorschein, das Grundriff von „One Way Street“ atmet den Geist von Jagger/Richards. Nicht nur das, auch die Pianolinie unter dem flüssigen Refrain haten in der Art Nicky Hopkins oder Ian Stewart drauf. Hier kann sich der junge Steven Tyler an diversen Instrumenten beweisen, daneben bläst er noch eine feine Harmonika.
Diese betont die Blueswurzeln, die für die damaligen Verhältnisse sehr gut in die rockigen Klänge eingebunden werden, auch eine Reminiszenz an die Band, die schon immer da war. Beim bluesrockigen „Write Me A Letter“ lässt der Man die Mundharmonika ein weiteres Mal erklingen, bevor die Formation in „Movin´ Out“ ganz tief in die Ursprünge abtaucht. Eine schleppende Slideorgie mit verzerrten Vocals, die im ruppigen Chorus explodiert.
Von der Machart nimmt der Fünfer hier einiges vorweg, was auf dem Meisterwerk „Pump“ zur absoluten Blüte reifte. Mit „Walkin´ The Dog“ ehren sie einen alten Helden der Szene, in der Tyler auch noch eine Blockflöte auspackt. Interessanterweise wurde die Rufus Thomas-Komposition zuvor von den Stones bearbeitet, später nahmen sich RATT der Nummer an, eine Combo, welche auch einiges von AEROSMITH mitbekommen hat.
Dabei wird zu Beginn mit „Make It“ sowie reichlich garagenrockig zu Werke gegangen, im Anschluss schwingt „Somebody“ das rock´n´rollige Tanzbein. Am deftigsten fällt dann einer der zwei großen Klassiker aus, „Mama Kin“ schiebt mit unaufhaltsamen Drive nach vorne. Später von der erwähnten, zu ihrer Zeit gefährlichsten Band der Welt, auf deren „Live Like A Suicide“ popularisiert wurde live auf das Saxofon von David Woodford verzichtet.
Und dann natürlich die Megaballade, die der Sänger zu Beginn am E-Piano begleitet, zu dem er sich immer weiter in die Emotionen hineinsteigert. Die Bridge ist einfach für die Ewigkeit, die Zwölfsaitige von Joe Perry perlt herab, bevor er den Refrain mit einzelnen Leadtönen perfekt betont. Die Blaupause für so ziemlich alles was später unter Powerballade firmieren sollte, eine Disziplin, die speziell in den Achtzigern sehr gefragt war.
Die Impulse, welche die Formation dem Hair Metal geben sollten, hört man auf „Aerosmith“ bereits heraus. Bei den Bildern im Booklet lassen sich auch optische Vorgaben herleiten, speziell bei der Session mit Rober Agriopoulus. Sonst enttäuscht die Aufmachung der Single CD etwas, die Credits sind zweimal zu lesen, sonst nur Thankscredits. Liner Notes oder die Lyrics sucht man hier leider vergebens, vielleicht bieten da die größeren Boxen mehr.
Dafür wurde der Klang mächtig aufgemotzt, die im Original oft blechern klingenden Riffs bekommen hier richtig Dynamik und Wucht spendiert. Auch die rockfremden Instrumente sind nicht mehr so unterschwellig zu vernehmen. Fast schon wieder zu viel Raum nimmt das Schlagzeug ein, die Becken zischen kraftvoll und den Toms wurde Tiefe eingehaucht. So klingt dieser Klassiker deutlich kompakter, mit Zakk Cervini wurde beim Remix ganze Arbeit geleistet.
8,5 / 10

