HARDLINE - Shout

04 hardline

VÖ: 17.04.2026
(Steamhammer/SPV)

Genre: Melodic Hard Rock

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HARDLINE

Auf den letzten Drücker vor Corona trudelte noch je ein Album der beiden Betätigungsfelder von Johnny Gioeli ein. Während er mit AXEL RUDI PELL seit vier Jahren wieder schwer aktiv ist, dauerte es bis ins letzte Jahr, ehe HARDLINE wieder von sich hören ließen. Beim SwedenRock hinterließen sie unter fachmännischen Augen der Redaktion einen famosen Eindruck, demnächst steht endlich mal eine größere Tour an. Einiges hat sich in Zwischenzeit geändert, Keyboarder Alessandro Del Vecchio ist bei Frontiers Music raus, und mit ihm die Band, welche bei SPV unterschrieben hat. Sonst bleibt die Band italienisch, an der Gitarre ist auf „Shout“ der frühere DORO-Mann Luca Princiotta zu hören.

Wie auch beim Bochumer Saitenhexer kann man auch hier die Uhr nach einem schnellen Opener stellen, nach kurzem Intro treibt der Titeltrack direkt nach vorne. Flankiert von flächigen Tastenklängen lässt es der neue Mann krachen, wobei ihm das Klanggewand etwas mehr Kontur hätte geben können. Das ist allerdings einer der wenigen Mankos der Scheibe, die von der Hymne ideal eröffnet wird, und Marco DiSlavia gleich mal Gelegenheit gibt, kraftvoll die Felle zu gerben.
Noch mehr metallische Kante serviert „Rise Above No Fear“, das von akustischen Gitarren eingeleitet wird. Die nehmen nach dem Solo das Heft noch einmal in die Hand und sorgen so für noch mehr Dynamik, wenn das Tempo anzieht hat das einen größeren Effekt. Nicht nur hier weiß die Soloarbeit des neuen Sechssaiters zu überzeugen, er hat einige tolle im Köcher. In „Welcome To Your Thunder“ läuft er die Skalen hoch und runter, was sich mit dessen Mischung aus Attacke und Atmosphäre gut verträgt.

Viel Atmosphäre beinhaltet auch „Mother Love“, in welchem sich der umtriebige Tastenmann austoben kann, der zudem die Produktion übernahm. Das perlende Piano am Anfang wird von offenen Akkorden übernommen, das Tempo variiert gekonnt, der weite Refrain ist knallig arrangiert. Das erinnert an skandinavische Vertreter des AOR/Hair Metal-Genres wie PRETTY MAIDS, wo die Truppe sich zuletzt etwas dem Einheitsschema ihres Labels näherte. Auf „Shout“ baut man die amerikanischen Züge weiter aus, die auf dem Debüt den Sound bestimmten. Ein paar Mal tränkte man die letzten Scheiben im Blues, mit etwas schwereren Riffs, wenn auch nicht so konsequent wie in „Trapped In Muddy Waters“ von „Human Nature“.

Hier führt man diesen Ansatz weiter mit noch mehr Eiern in den Riffs und einem meterdicken Groove. Wie die Hölle donnern die Drums von „Candy Love“, die Strophe erst á capella, dann mit wuchtigem Doppelschlag, man sieht dazwischen die Sticks vor dem geistigen Auge kreisen. Perfektes Rockentertainment, das einfach das Stadion sucht, näher war man dem legendären Debüt noch nie. Im Anschluss verknüpft „I´m Leaning On It“ beide Welten, steigt mit Dampf und Leadfills ein, der Bass von Anna Portalupi pumpt sich durch die Strophen. Dann wieder so ein Riff, das Nacken und Tanzbein gleichermaßen aktiviert, dem der gute Johnny sein Powershouting entgegensetzt, wie es sonst nur wenige können.

Noch besser vermag er seine Vokalakrobatik in ruhigen Titeln in Szene zu setzen, wo er die Töne wunderbar lang ziehen kann. Coverte man auf „Life“ „Who Wants To Live Forever“ von QUEEN, so fiel die Wahl diesmal auf eine SCORPIONS-Ballade. Jedoch nicht auf einen offensichtlichen Kandidaten, sondern mit „When You Came Into My Life“ aus dem daran nicht armen „Pure Instinct“. Das legt man nicht so orchestral an, betont in den Leadmomenten mehr den Blues.
Allerdings passt die Nummer doch besser zum klaren Tenor von Meine dann zum rockigen Timbre von Gioeli. Der muss sich im von breiten Gitarren unterlegten Chorus ganz schön strecken, um mit seinem Stil punkten zu können. Leichter macht es ihm da das abschließende „Glow“, wo er die alleinige Pianobegleitung klar dominieren kann, wie er es auf der Bühne schon öfter exerzierte. Ihre alte Company kann sich bei der Power und Klasse grämen, sie ziehen gelassen haben, wie schon zuletzt TYKETTO profitieren auch HARDLINE davon.

8 / 10