SEPULTURA - THe Cloud Of Unknowing

05 sepultura

VÖ: 24.04.2026
(Nuclear Blast)

Genre: Neo Thrash

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SEPULTURA

Der angekündigte Abschied lässt noch auf sich warten, aber nach einer weiteren Tour soll Ende des Jahres tatsächlich Schluss sein, nicht ohne sich die Hintertür einzelner Konzerte offen zu halten. Für ihre Heimat Brasilien waren sie ein wichtiger Kulturbotschafter, die auch Folklore in ihren Stil mixten. Für viele Genres prägend ging der Weg von SEPULTURA vom kleinen Undergroundphänomen bis hin zur Speerspitze der Bewegung, allen Widerständen zum Trotz. Selbst auf den letzten Runden kam ihnen der Schlagzeuger abhanden, für den das Talent Greyson Nekrutman kam. Jenes finale Line-Up schien aber doch zu fruchtbar, um auf „Quadra“ nicht mehr nachzulegen, weswegen nun die EP „The Cloud Of Unknowing“ erschien.

Das Ding schießt erst mal ohne Vorwarnung los, „All Souls Rising“ ballert in schönster Thrashmanier, mit dezenter moderner Schlagseite. Der Refrain ist fast gegruntet, verliert dennoch seinen hymnenhaften Charakter nicht, dann taucht aus dem Nichts ein Orchester auf. Streicher führen auf das Parkett, wo die Stimmung recht düster ist und bringen eine Atmosphäre, die man schon länger nicht mehr gehört hat. „Dante XIII“ oder „Kairos“ hatten solche Experimente angedeutet, aber das schwache Songwriting ließ die nicht zur Geltung kommen. In der Disziplin haben sich SEPULTURA im Herbst ihrer Karriere nochmal gesteigert, so dass die Nummer nun ihre Wirkung nicht verfehlt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt „Sacred Books“, das mehr an die späten Alben mit Max Cavalera angelehnt ist. Der typische Groove zieht sich durch den Song, im Chorus gibt es breite Gitarrensalven und ungebündelte Wut. Wo beim Opener noch orchestrale Elemente manche Themen übernahmen, so geschieht die hier durch ein jazziges Piano, was man nun wirklich nie zuvor von der Formation vernommen hat. Weniger Jazz als vielmehr Blues ist die Basis von „Beyond The Dream“, das noch ungewöhnlicher ausfällt, Balladen waren bisher nie ihr Metier. Allenfalls in „Machine Messiah“ hat man derartige Klänge vernommen, in der Summe könnte sich der Hörer die Nummer auch von METALLICA vorstellen.

Sind alle Tracks recht kurzgehalten, so nimmt „The Place“ sechs Minuten für sich ein, mit denen SEPULTURA beide Welten verbinden. Erst kommt eine instrumentale Steigerung, die man im New Art Rock verorten könnte, und erschaffen einen Bastard aus Post Metal und PINK FLOYD, der am Ende noch einmal Gas gibt. Hätte man „The Cloud Of Unknowing“ auf Albumlänge ausgeweitet, hätte es das perfekte Alterswerk werden können. Statt nur loszuschreddern wird hier auf Zwischentöne gesetzt, die sich der ein oder andere öfter gewünscht hätte. Als man diese Reife zwischenzeitlich zeigen wollte, hatte die Band diese noch nicht, ließ später wieder Rasanz walten, der Schritt klingt hier nun logisch.

7,5 / 10

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