ALICE COOPER - Welcome 2 My Nightmare

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VÖ: 08.05.2026
(earMUSIC/Edel)

Genre: Glam/Psychedelic/Hard Rock

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ALICE COOPER

Zu Beginn des letzten Jahrzehnts wusste The Coop nicht so genau wohin, in den Nullerjahren war er live nach wie vor eine Bank, im Studio ehr unentschlossen. Nach einer längeren Pause versuchte er sich an Industrialklängen, steckte knietief im Punk oder lieferte biederen Hard Rock zur Schauermär. Lediglich auf „Dirty Diamonds“ blitzte der alte Humor auf, zudem mit amtlichem Glamfaktor. Also ging Onkel Alice auf´s Ganze, holte Chuck Garric und Tommy Henriksen zurück, dazu ganz alte Weggefährte der originalen ALICE COOPER-Band und Dick Wagner, mit dem er „Welcome To My Nightmare“ aufgenommen hat. Hatte man damalige Musiker mal zusammen war es nur noch ein Schritt, Bob Ezrin als Produzent dazu zu ziehen, der kurz darauf auch DEEP PURPLE zu neuen Höhen verhelfen sollte.

Waren die direkten Vorgänger stilistisch unterschiedlich, aber in sich sehr geschlossen, so wurde auf dem zweiten Part davon ein wahres Ideenfeuerwerk in den Topf geworfen. Auch eine Analogie zu der anderen Legende, eine Vielfalt die beide nicht mehr erreichen sollten, mit ein Grund warum Edel das Werk nun neu auflegt. „I Am Made Of You“ gibt die düstere Ouvertüre, zu Piano und Synthschleiern singt der Meister sehr getragen, die Rhythmsection meldet sich erst später, vor allem um das Solo zu unterfüttern. Das hat eine gewisse Epik, die auch die abschließende „Underture“ aufweist, in der etliche Themen von „Welcome 2 My Nightmare“ umarrangiert auftauchen. Damit nicht genug, geht es auch zurück zum ersten Teil, passend zu großen Leads schaut auch „Steven“ vorbei.

Der Ballsaal der Hölle vom Herrn des Schockrock ist also eröffnet und darf ausgiebig genutzt werden. Mit beschwingter Tuba zaubert „Last Man On Earth“ einen Bossa auf das Parkett, der den typischen Humor herausstellt. Mit fordernden Drums und herrlich cheesigen Fifties-Chören darf man in „Ghouls Gone Wild“ mit einem flotten Rockabilly ran. Wer es moderner mag, der findet zu dem Anlass in „Disco Bloodbath Boogie Fever“ genau das Richtige, bei dem viel mit Beats gearbeitet wird. Damit kennt sich auch die damals sehr populäre KE$HA aus, mit der sich The Coop im schmissigen „What Baby Wants“ ein Duett liefert, das bei aller Pop-Anleihen amtlich rockt. Einen waschechten Blues mit dazugehöriger Gitarre schwoft es sich „Something To Remember Me By“, einer für ihn typischen Ballade.

Natürlich lässt sich nicht verhehlen, an welchem Konzeptstoff er sich drei Jahre zuvor versuchte, Spuren davon finden sich vor allem in „When Hell Comes Home“. Tonnenschwer schleppt sich das Riff durch ein Dickicht psychedelischer Figuren, welche die Tanzfläche säumen. Der sich aufbäumende Refrain und die tollen Betonungen von Originaldrummer Neal Smith machen den Unterschied deutlich. Wo „Along Came A Spider“ nicht so richtig aus den Puschen kam, wirken die Kompositionen viel knackiger, inspirierter und mit einem enormen Hitpotential.
Schon der eigentliche Opener „Caffeine“ geht so straight nach vorne, dass es einfach Spaß macht, flankiert von ruppigen Riffs. Dabei liegt die Stärke der rockigen Tracks der Scheibe eher, wenn die sechs Saiten cleaner gepickt werden und ein STONES-Groove mit reinschwingt. So stoisch wie unaufhaltsam entfaltet sich dieser in „I´ll Bite Your Face Off“, Tastensolo inklusive. Die klimpern im noch lässigeren „I Gotta Get Outta Here“ die ganze Zeit im Hintergrund, und verpflanzen die britischen Wurzeln plötzlich in den Südstaaten.

Wie schon auf der ursprünglichen Ausgabe gibt es „We Gotta Get Outa This Place“ als Bonus, wobei hier eine ganze CD beiliegt, welche das Werk abrundet. Jenes ANIMALS-Cover kreuzt den Weg von ALICE COOPER öfter, wie auch „Kick Out The Jams“, die je beide auch von BÖC adaptiert wurden. Mit deren Bouchard-Brüdern tat sich der hier öfter zum Einsatz kommende Bassist Dennis Dunaway einst zu BLUE COUPE zusammen, um beider Historie zu huldigen. Dazu mit „Under The Bed“ ein weiterer düsterer Hard Rocksong, dessen Refrain als Hymne fast verschwendet klingt.
Was in „Flatline“ die Mischung aus dessen Fiepen mit Echolot-Klängen soll, ist hingegen fragwürdiger, aber gönnen wir Cooper die Verrücktheit. Dafür gibt es am Ende mit „Poison“, „No More Mr. Nice Guy“ und „The Black Widow“ drei Livetracks vom Download-Festival, welche die Arenenatmosphäre sehr gut einfangen. Mit „Welcome 2 My Nightmare“ endete eine lange Durststrecke, ähnlich wie vor der Hair Metalphase. Auch wenn die Platten danach stark waren und tolle Themen beinhalteten, wird das hier als das große Alterswerk in die Geschichte eingehen.

8,5 / 10