DEEP PURPLE - Splat!

VÖ: 03.07.2026
(earMUSIC/Edel)
Genre: Hard Rock
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DEEP PURPLE
Mit Simon McBride scheint die Legende in einen Jungbrunnen gefallen zu sein, die derzeitige Schlagzahl ist atemberaubend. Seit seinem Einstieg waren DEEP PURPLE zwei Jahre ununterbrochen auf Tour, und legten fast nebenbei „=1“ vor, mit dem im Gepäck erneut ausgiebig der Erdball bereist wurde. Neben den Soloaktivitäten nicht nur des Gitarristen, und den Arbeiten an den Remasters von „Rapture Of The Deep“, wurde an einem weiteren Album gewerkelt. „Splat!“ kehrt ein wenig von den hellen Artworks der Bob Ezrin-Phase ab, der Titel klingt erneut wie ein Comic-Wort.
Die neu gefundene Power ist vom ersten Moment an zu spüren, „Arrogant Boy“ schießt mit viel Staccato nach vorne, die sechs Saiten klar im Vordergrund. Manch einen dürfte das an „Burn“ denken lassen, ein Eindruck, welcher sich durch die neoklassische Färbung speziell des Keyboardsolos noch verstärkt. Nicht nur damit hält der Fünfer den Härtegrad hoch, „Guilt Trippin´“ steigt zwar mit jazzigen Pianoparts an, nimmt aber schnell sehr viel Fahrt auf. Ian Gillan schreit wie zu besten Zeiten, so aggressiv und fordernd klang das schon lange nicht mehr, wobei zwischendurch immer wieder in den Jazz-Modus gewechselt wird.
Hier schwimmt ein wenig das Haar in der Suppe herum, denn dem nunmehr 22. Longplayer fehlt es an Abwechslung, was ich bereits beim Vorgänger bemängelt habe. Die musikalische Reichhaltigkeit von „Now What?!“ geht da ziemlich ab, streckenweise scheint sich das eine oder andere Riff zu wiederholen. Nicht jede Idee hätte unbedingt als einzelner Song münden müssen, manchmal hätte man dazwischen shiften können und Spannung aufbauen wie in besagter Nummer. So wundert es nicht, dass die als einzige an den fünf Minuten kratzt, eine Ballade sucht man ebenso wie ein Instrumental.
Dabei war die Entwicklung hin zu rockigeren Klängen schon auf „Woosh“ zu erkennen, also nicht nur McBride´s Einfluss. Der typische Groove von DEEP PURPLE ist allgegenwärtig, in „Diablo“ rollt er mächtig voran, beim folgenden „The Rider“ drückt er nach Synthintro schwer rein. Was bei „Splat!“ auffällt ist die im Kontrast dazu hohe Melodiefülle, die fast an die Hymnenhaftigkeit von „The House Of Blue Light“ heran reicht. Das gestaltet die Stücke etwas memorabler als auf dem Vorgänger.
Hier muss man sich weniger den Zugang erarbeiten als die Details, die sich dem Hörer nicht im ersten Durchgang anbieten. Wenn Don Airey mal aus seiner Schiene mit der Orgel den sechs Saiten zu folgen ausschert, und ein paar interessante Motive einbaut. Seien es die orientalischen Skalen im akzentuierten „The Lunatic“ oder folkige Einsprengsel bei „Sacred Land“. Sein Piano setzt er in „Jessica´s Bra“ erneut ein, bringt so das Stück gut ins Rocken, wo sein Kollege Simon mit richtigem Gitarrenheldensolo glänzt.
Von der lockeren Sorte präsentiert sich dazu „The Only Horse In Town“, welches den typischen Heavy Rockcharakter ebenfalls abzustreifen vermag, selbst die Soloparts atmen Melodieseligkeit. Klar lebt die Scheibe vom Zusammenspiel von McBride und Airey, die sich blind verstehen und permanent duellieren, dabei Esprit vor technische Fähigkeiten stellen. Ian Paice hat in „Third Call“ seinen großen Auftritt, wenn er die Strophe mit lässigen Schlägen führen, und auch mal seine Sticks kreisen lassen darf.
Vom Tempo her der größte Ausreißer stellt „The Beating Of Wings“ dar, das sich schön dahinschleppt. Der Tastenhexer packt noch das E-Piano aus und platziert den Blues in der Lounge, wogegen sein Kollege etwas ankämpft. Gillan weiß das mit begnadetem Gesang zu veredeln, seine Performance ist wieder phantastisch. Natürlich ist „Splat!“ auch nicht der Überflieger, die Kreativität hätte gebündelt werden müssen. Aber mal ehrlich, wer will da meckern, wenn Herren dieses Alters eine derartige Vitalität an den Tag legen.
7,5 / 10

