SINNER - Boom Bang Goodbye

08 sinner

VÖ: 31.07.2026
(Reigning Phoenix Music)

Genre: Hard Rock / Heavy Metal

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SINNER

Gesundheitlich schwer angeschlagen will Mathias Lesch nun das Kapitel schließen, das ihn Anfang der Achtziger weit oben in die deutschen Hard Rocklandschaft setzte. PRIMAL FEAR wird wohl weitergeführt werden, aber vier Jahre nach dem Charterfolg von „Brotherhood“ wird SINNER zu Grabe getragen. Ein Mat Sinner geht natürlich nicht leise, weswegen das zwanzigste Album zum Jubiläum noch unter die Leute kommt. „Boom Bang Goodbye“ ist der passende Titel, um einfach so unverblümt Adieu zu sagen, er soll also gebührend gefeiert werden der Abschied.

Um aus jedem Lied das optimale heraus zu holen, konnte der Bassist verschiedene Gastsänger an Bord holen, weil er stimmlich nicht mehr kann. Neben seinem angestammten Gitarristen Alex Scholpp sind mit Keyboarderin Lisa, Gitarrist Jim und Schlagzeuger Moritz drei Müllers im Line-Up vertreten. Zu Beginn faucht SKILLS/ELECTRIC MOB-Frontmann Renan Zonta in „Dreams Can Come True“ ordentlich, um gleich mal auf die Up-Tempo-Nummer einzustimmen. Die bewegt sich wie das gesamte Album an der Schnittstelle zwischen Hard Rock und Metal, insgesamt ist das Werk stimmiger als der Vorgänger.

Wie sich schon erkennen lässt sind die Texte sehr retrospektiv gehalten, die eröffnende Zeile des folgenden „Wait“, „…remember the wild days…“ kommt öfter auf dem Album vor. Genau wie jene Hymne wird auch „Road To Remember“ von Michael Bormann gesungen, wobei hier die THIN LIZZY-Schlagseite am stärksten zum Tragen kommt. „Are You Ready“ sei in dem Zusammenhang och erwähnt, bei dem Björn „Speed“ Strid ebenfalls den Geist von Phil Lynott aufleben lässt.
Neben denen war der deutsche Hard Rock der Achtziger auch klar von UFO und den SCORPIONS geprägt. Seltsamerweise kommen einem auf „Boom Band Goodbye“ mehrmals die Weggefährten von BONFIRE in den Sinn. Es ist jedoch nicht der einst in dessen Diensten gestandene Bormann, dessen Lieder am ehesten dahin tendieren, sondern die drei von Ronnoe Romero intonierten. „Leave It All Behind“ ist ein sehr dynamischer Song mir dramatischer Steigerung und „All Night Long“ ein pumpender Rocker.

„Hellbreaker“ hingegen zieht die Härteschraube am straffesten an, und gerät auch mal in die Gewässer von Sinner´s anderer Band. Magnus Karlsson, normalerweise Gitarrist bei PRIMAL FEAR beweist Sangestalent im ähnlichen deftigen „Power“. Auch das von Erik Mårtensson gesungene „Born To Run“ lässt an die alten Kollegen denken, wobei der Schwede melodischer intoniert als der stimmgewaltige Chilene, was auch für Sascha Krebs gilt, der „Under The Moonlight“ veredelt.
Die große Überraschung gibt sicherlich Michael Sadler von SAGA im lockeren „Turn The Page“. Mit Streichern beginnend, fast balladesk, ist der Mann fast nicht zu erkennen, sein Falsett erklimmt nicht schwindelnde Höhen, sondern sucht sein Heil im sanften Fluss. Das ist einer der wenigen Momente, die einem nicht so sattsam bekannt vorkommen, die mangelnde Eigenständigkeit ist leider das große Manko der Scheibe, dass die kompositorische Klasse nicht ganz kompensieren kann.

7,5 / 10

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