SARI SCHORR - Running Wild

VÖ: 09.10.2026
(Provogue Records, Artone Label Group/Bertus)
Genre: Blues Rock
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SARI SCHORR
Acht lange Jahre hat es gedauert, bis uns die New Yorker Bluesröhre wieder neues eigenes Material anbot. Dazwischen lag eine wahre Odyssee, die sie rund um den Globus führte, angefangen bei den persönlichen Problemen ihres deutschen Produzenten Henning Gehrke. Bei den Sessions führte ein Gastbeitrag des legendären Robin Trower zu einem ganzen Album, namens „Joyful Sky“, unter dessen Federführung. Auf Tour konnte SARI SCHORR in den letzten Jahren immer mehr Menschen für ihre Musik begeistern, die Spielpläne wurden stets länger. Mit einem gänzlich neuen Team wurde nochmal ganz von vorne begonnen, um nun endlich „Running Wild“ auf den Weg zu bringen.
Als langjähriger Wegbegleiter, welcher in der Zeit ohne neue Scheibe viele Konzerte besuchte, muss ich mich erstmal von der Erwartungshaltung frei machen. Es ist nicht leicht die hier vorliegende Songsammlung ohne Vorbehalt anzuhören, dazu fielen eine Handvoll bereits vertraute Lieder der Auswahl zum Opfer. Seien es das sanfte „Where Have You Been My Friend“, der Delta Blues „Coal River“, oder das hardrockige „Thunder“, die live zugefallen wussten. Auf der anderen Seite kann man das als Indiz werten, dass was nun veröffentlicht wird, eben die Essenz ihrer langen Songwritingreise sind, und hofft auf ein gutes Händchen bei der Auswahl.
Typischer für sie könnte der Opener „Mr. In The Middle“ nicht sein, das den Reigen an sehr ehrlichen Songs eröffnet, in denen die gute Sari ihr Herz offen trägt. Luke Paget treibt den Blues Rock mit seinen simplen Drums gut nach vorne, wie man in der Vergangenheit schon bei „Cat And Mouse“ oder „The New Revolution“ überzeugen konnte. Dazu lässt Co-Produzent Jamie Walker bei Eingangsthema den inneren Hendrix raushängen, das ähnlich gelagerte „Elevate“ sieht ein angefunktes Solo mit der selben Inspiration.
Was sofort auffällt ist die Kraft in ihrer Stimme, mit der sie tolle Phrasierungen zaubert, oder sich einfach mal dem Zug der Songs hingibt. Diese Inbrunst hatte man zuletzt vermisst, ich hatte damals schon das Gefühl, dass es Trower nicht versteht die Möglichkeiten ihres Organs zu nutzen. Jess Hayes macht es im Beitrag auf dessen gerade erschienenen Werk nochmals deutlich, da auch sie wie mit angezogener Handbremse singt. Bei den Aufnahmen zu „Running Wild“ wurde die Sängerin ganz anders gefordert, und sie ließ sich gerne fordern.
Vielleicht überzieht sie beim Titeltrack etwas, wo sie im Chorus in sehr hohe Regionen greift, aber man muss sie gewähren lassen, wenn sie solche Lust daran hat, ihre Stimme auszureizen. Jener lockere, vom dezenten Piano getriebene Song kommt mit seinem Westcoast-Touch ein bisschen in die Nähe von Sachen wie „Back To LA“. Lässig geht es auch in „Monday Morning“ zu, wo sich ein STONES-Riff mit viel Honky Tonk von Bennett Holland paart, und Gospelchöre zusätzliche Würze reinbringen.
Was auch ihre Wandlungsfähigkeit unterstreicht, der stimmigen Dichte trotzend werden die Grenzen ausgelotet, wobei die offenen Stimmungen überwiegen. Brillieren kann die Dame bei den ruhigen Stücken, das flehende „Man On Fire“ ist sehr spartanisch arrangiert. Die Klampfe gibt vor, wozu die Tasten immer feine Tupfer einstreuen. „Call It Freedom“ steuert einen ganz klassischen Slow Blues bei, wo die Licks über die Orgelflächen tänzeln, stimmlich geht das ganz tief und kehrt eine gewisse Verruchtheit heraus.
Neuland betritt SARI SCHORR zum Ende hin, wenn sie ihre Kompositionen epischer anschwellen lässt, was den Charakter des Rundlings definiert. Die Mittel wieder eher einfach gehalten, aber ungeheuer effektiv, weil auch mutiger arrangiert wird. „Afterglow“ hat etwas Mystisches an sich, der Schatten des Luftschiffs wird von einer an die RIVAL SONS gemahnenden Euphorie verdrängt. Da fügt sich der Folkanstrich des Schlussakkords „Finding My Way“ bestens ins Bild, der vom aufbrausenden Refrain kontrastiert wird. Die lange Entstehungsphase hat sich definitiv gelohnt, Schorr hat ihre Stärken gebündelt, performt bei allem Fokus auf den perfekten Ausdruck unheimlich befreit.
8,5 / 10

