AMON AMARTH - The Allfather Awakens

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VÖ: 02.10.2026
(Metal Blade Records)

Genre: Death Metal

Homepage:
AMON AMARTH

Mittlerweile sind sie in den ganz großen Hallen der Republik angekommen, unglaublich wie weit man es heute mit extremem Stoff bringen kann. Vier Jahre sind seit dem letzten Langeisen „The Great Heathen Army“ ins Land gezogen, und die Fangemeinde wuchs trotz dessen nicht mehr so hohen Qualität weiter. Sind wir ehrlich, wann haben uns AMON AMARTH zum letzten Mal einen richtigen Hit beschert, das geht zurück bis zu „Twilight Of The Thunder God“. Höre ich jemanden „Deceiver Of Ths Gods“ rufen? Okay, akzeptiert! Als jetzt noch die Kunde kam, die Wikinger würden im neuen Video als Cowboys agieren, tauchten weitere Zweifel an der Truppe auf. Ist „The Allfather Awakens“ im Stande diese zu zerstreuen und die Band zu neuen Ufern zu geleiten?

„Eight Legs Of Thunder“ ist das Corpus Delicti, an dem sich die Geister scheiden, aber bei näherem Betrachten ist das gemeinte Pferd essenzieller Bestandteil der nordischen Mythologie. Sleipnir nun auf ungewohntem Terrain laufen zu lassen ist ein Kunstgriff, um neue Offenheit zu demonstrieren, die sich aber in den Direktiven zunächst nicht niederschlägt. Jene Nummer galoppiert, flankiert von melodischen Sologitarren, mächtig durch das Gehölz, wo immer sich das auch befindet. Die Trademarks sind sofort erkennbar, auch die altbekannte Qualität, die sofort mitnimmt wie schon länger nicht mehr. Keine andere Truppe vermag es derart das Thema musikalisch so physisch umzusetzen wie der Fünfer.

Denn mit den Riffs fühlt man sich direkt oben auf dem Rücken eines stramm marschierenden Pferdes, wie man beim federnden Groove von „We Rule The Waves“ die Wellen unter dem Kiel spürt. Vor den Titeln schlagen einem diese sogar hart ins Gesicht, das „Gjallarhorn“ bläst, gregorianische Chöre erheben sich, dann bricht die Mannschaft zur Sturmfahrt auf. Der Opener rollt über alles hinweg, macht keine Gefangenen, mit dem Refrain hat man ihn sofort, diesen Hit. Wobei die beiden anderen angesprochenen Lieder dem kaum nachstehen, und sich durchaus mit der Klasse eines „Runes To My Memory“ messen können. Dessen Struktur konnte seinerzeit auch die besungene Szenerie vor Augen führen, und damit so unfassbar groß werden, was nun endlich wieder gelingt.

Natürlich besteht ein AMON AMARTH-Album nicht nur aus solchen eingängigen Hits, alleine ihre Reputation sorgt dafür, dass sie schon ein wenig Abwechslung reinbringen müssen, um die Vorwürfe ihrer Kritiker zu entkräften. Zwischen den erwähnten Songs wiegt „Kvasir´s Blood“ sehr schwer, analog dazu geht Johann Hegg mit seinen Grunts ganz tief. Die fiese Seite des Death Metal beherrschen sie trotz aller traditionellen Anleihen und Melodieverständnis immer noch.
Typisch für ihren Stil sind weiterhin die Leadgitarren, mit denen sie die Kompositionen in die jeweilige Richtung lenken können. Sehr dominant erscheinen diese bei in „Raven God“, wo die Rhythmusgitarren im Hintergrund agieren, und sich eher die DoubleBass als treibende Kraft anbietet. Den Fuß richtig auf dem Gaspedal hat „Oden´s Hunt“, wo Olavi Mikonnen und Johan Söderberg rasante Läufe zocken, den grollenden Ursprüngen des Genres huldigen, und nur vom stampfenden Chorus ausgebremst werden.

Die größte Überraschung liefert jedoch „Upphaf“, die erste Ballade, wenn man es so nennen möchte in ihrer Geschichte. Natürlich singt Hegg nicht klar, aber dennoch weiß er sich der gedrosselten Härte anzupassen, und überzeugt in der Form. Komplett akustisch gehalten, unter Verwendung von Bongodrums, ist das absolutes Neuland, das die stets unterschwellige Melancholie mehr durchscheinen lässt. Lautmalerische Chöre und die Maultrommel aus dem Fundus ihrer Kollegen von MOONSORROW sorgen für die entscheidenden Tupfer.
Der Wechsel an den Reglern zu Jacob Hansen hat sich absolut ausbezahlt, den Druck haben alle Vorgänger, hier wird dazu noch mutiger agiert. Wer es nicht glaubt, führe sich „Ascending Like An Eagle“ zu Gemüte, der sehr melodische Leads mit diesem rollenden Groove kombiniert. Im Refrain getragen, wird fast Black Metal-artiges Sirren ebenso wenig ausgespart wie rockige Akzente. Der perfekte epische Abschluss eines Werkes, dass es mit Meilensteinen wie „Versus The World“ oder „With Oden On Our Side“ aufnehmen kann.

8,5 / 10

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