AMON AMARTH - Frankfurt

10 amonamarth frankfurt 05Konzert vom 17.10.2026

Support: ORBIT CULTURE, SOILWORK

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AMON AMARTH
ORBIT CULTURE
SOILWORK

Als ich die Ankündigung sah, musste ich mir doch die Augen reiben, es war tatsächlich die Festhalle gemeint, nicht die Jahrhunderthalle. Zwar dürfte niemand entgangen sein, dass die Death Metaller immer größer wurden, aber eine der größten Hallen der Republik anzumieten ist doch eine Hausnummer. Wie sich solch extreme Musik immer mehr in der Gesellschaft festsetzt ist ein gutes Zeichen, dass nicht alles im Einheitsbrei verloren ist. Auf alle Fälle verdient für die Jahre harter Arbeit, zudem das neue Album „The Allfather Awakes“ das beste seit langem ist. Für die Rundreise haben AMON AMARTH mit SOILWORK und ORBIT CULTURE ein feines Schwedenpackage geschnürt.

SOILWORK
Trotz der frühen Anfangszeit war der Kuppelbau schon gut gefüllt, wobei man da vielleicht etwas nachsteuern sollte. Aktuell scheint es Usus zu sein, Konzerte schon um 22:30 zu beenden, bei teilweise Einlass um 17 Uhr, nicht unbedingt komfortabel. Die einzigen Lücken gab es nu auf den Rängen, es ist nun wirklich keine Mucke, um von den Rängen aus drauf zu schauen. Wie gut die Leute drauf waren, zeigte sich an der ersten auffordernden Geste von Frontmann Björn „Speed“ Strid, die sofort viele Arme hochgehen ließ.
Da waren noch nicht viele Töne des Openers „The Nurturing Glance“ gespielt, mit dem gleich machtvoll eingestiegen wurde. Allerdings setzt der schlecht ausgesteuerte Sound der Band etwas zu, gerade die Melodien waren gar nicht zu vernehmen. Unter gingen auch die Tasten, dabei hatte Sven Karlsson extra noch einen Prophet mit dazu gepackt, dem jedoch auch das passende Material von „The Living Infinite“ fehlte. Vielleicht war die PA auch schlecht positioniert, die Architektur antwortete jedenfalls mit viel Echo.

Wie auch der andere Supportact war das Platzangebot auf den Brettern beschränkt, nur ein langer Pfad vorm Drumkit entlang, was es dem Bewegungsdrang erschwerte. So stand Sylvain Coudret meist nur rechts bei Karlsson und zockte sehr feine Soli runter, sein Axtpartner Simon Johansson schüttelte auf links unablässig Matte und Bart. Einzig Bassist Rasmus Ehrnborn suchte die Nähe zu Strid, kein Wunder, sind doch beide auch bei THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA aktiv, dazu unterstützte er ihn auch bei manchem Refrain. Hinten trat Bastian Thusgaard die DoubleBass ordentlich durch, verwunderlich wie seine Armbewegungen dabei so lässig blieben, die auch rasant über das Kit kreisten.

Beim Programm verzichteten SOILWORK überraschend auf Songs aus dem aktuellen „Övergivenheten“, brachte dafür mit „Death Diviner“ einen Song der EP „A Whisp Of The Atlantic“. Dafür stand der Vorgänger „Verkligheten“ höher im Kurs, von welchem noch „Stålfågel“ gebracht wurde. Wie erwähnt gab es nichts aus der mittleren Schaffensphase, dafür aus der Zeit des Durchbruchs, von „Figure Number Five“ gab es unter anderem „Distortion Sleep“ und von „Stabbing The Drama“ „Distance“.
Im Auditorium nahm das vierzigminütige Set gut auf und feierte die Göteborg-Helden ab, immer wieder pumpte ein Meer von Händen der Bühne entgegen. Erste kleine Pits entstanden, zumindest im vorderen Abschnitt des Innenraums. Hier tat sich ein Fan mit Warnweste besonders auffällig hervor, der sich laut Aufschrift selbst Moshpit Minister nannte, und den ganzen Abend zusätzlich unterhalten sollte. Jener stieß die meisten Kreisel an, die im Laufe des Gigs größer wurde, dirigierte sie, sein Amt füllte er mit Würde.

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ORBIT CULTURE
Derzeit sicher die Aufsteiger der Todesblei-Szene haben sich die Vier aus dem Småland den lukrativen Slot direkt vor dem Headliner ergattert. Kein Band aus dem Genre gelang in den letzten Jahren so ein Sprung nach vorne, viele Magazine widmen ihnen große Storys. Bisher habe ich mich wenig mit ihnen beschäftigt, der Abend bot gute Gelegenheit dazu, wenngleich auch hier das undifferenzierte Klangbild einen Strich durch die Rechnung machte, alles irgendwie seltsam distanziert trotz Druck und Lautstärke.
Da oben bemerkten die Herren wenig davon, auch weil die Reaktionen für sich sprachen, ihre wachsende Popularität bescherte ihnen noch mehr Reaktionen als der Auftaktslot. Mit weniger Equipment und Personal auf der Bühne hatten sie zudem mehr Platz, um sich auszutoben. Weiterhin versperrte der Vorhang mit ihrem Backdrop den hinteren Teil der Aktionsfläche, wo alles für den Hauptact vorbereitet war. Fredrik Lennartsson und Richard Hansson hatten so die Möglichkeit, immer wieder ihre Plätze zu tauschen.

Dabei schritten sie erhaben über die Bühne, die Brust ob des Bewusstseins über den Zuspruch stolz geschwellt. Hanssons Matte war ständig am Rotieren, wenn er nicht gerade mit seinen filigranen Soli beschäftigt war. Auch Frontmann Niklas Karlsson war auf dem Streifen unterwegs, nutzte die mehreren Mikros, die aufgebaut waren. Hinter ihm trommelte Christopher Wallerstedt deutlich rhythmischer als die beiden anderen Schlagwerker des Abends, ein typisches Stilmerkmal seiner Formation.
Die begann mit „Redfog“ von der gleichnamigen EP, dem ältesten Lied im Set, das eine rockige Spur legte, der sonst nicht mehr gefolgt wurde. Ohnehin gab es mit Titeln wie „While We Serve“ viel von den eingeschobenen Minialben. Den Löwenanteil hatten dann die zwei jüngsten Werke, von „Descent“ kamen Sachen wie der Rausschmeißer „Vultures Of The North“. Das hochgelobte „Death Above Life“ stand mit unter anderem an die Headliner angelehnten „The Storm“ und „The Tales Of War“ am höchsten im Kurs.

Gerade hier wird dieser phrasierte Stil von ORBIT CULTURE am deutlichsten, neben den ständigen Attacken, wogte der Takt immer wuchtig auf. Es blieb jedoch nicht zu verhehlen, dass so manche Synthlinie vom Band kam, das weckte teils Erinnerungen an FEAR FACTORY. Gut tun den Kompositionen diese Parts auf alle Fälle, verleihen eine Erhabenheit, vor allem der Gesang von Karlsson harmoniert damit. Es wäre jedoch ratsam sich zukünftig die Dienste eines Keyboarders zu sichern, um alles organischer wirken zu lassen.
Es waren genau diese Rhythmen, welche die Menge immer mehr in Bewegung setzte, die Haare wurden nicht nur in den ersten Reihen geschüttelt. Natürlich mittendrin der Moshpit Minister, der ob seines Iro andere Präferenzen hatte, gleich mehrere Pits gab es zu verwalten, oft aus der Mitte heraus. Als dann der gute Niklas zur ersten „Wall Of Death“ aufrief, wo war der Mann dann wohl gewesen? Logischerweise zwischendrin, um das Kommando zu geben, den Helden oben ein gebührendes Spektakel zurück zu geben.

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AMON AMARTH
So blickte in der Pause jeder gespannt darauf, was sich hinter dem riesigen Vorhang verbirgt. Jener fiel mit Erlöschen der Lichter und legte den Blick auf zwei gegeneinander gerichtete Köpfe von Drachenschiffen, die der Drumriser umrahmten. Dort nahm Jocke Wallgren Platz und rührte die ganze Zeit wild hinter seinen Kesseln, er verstand es sehr gut, den Groove in das typische Rollen zu bringen. Der überfiel denn auch gleich die Zuschauer, so wie die neue Scheibe beginnt, so starteten die Szeneführer in ihr Set. Tausende Kehlen riefen danach das Horn des Wächters Heimdall zu füllen, während die Hörner dazu geschlossen hochgerissen wurden. Ein Auftakt nach Maß, welcher die Macht der Truppe direkt unter Beweis stellte, und die große Halle sofort zum Beben brachte.

Enorm waren die Schauwerte neben dem Drumriser, die heute so eine Produktion möglich macht. Hinten wurden wahlweise meterhohe Säulen oder eine Statue des Allvaters Odin hochgezogen, am Ende schlängelte sich die Midgardschlange über die ganze Bühne, auch wenn sie diesmal verschont blieb. Da holte Sänger Johann Hegg den Mjölnir heraus, entfachte mit ihm das Feuer, vorne peitschte dieses in Säulen ständig empor, und heizte das Geschehen noch mehr auf. Hitzig auch die Gefechte der Wikingerdarsteller, die bei mehreren Liedern auftauchten und die Stücke optisch untermalten. Bei so manchem Schwertduell flogen gar die Funken, wenn sich die Klingen kreuzten, bei so einer Show darf es nicht zimperlich zugehen.

Die Musiker selbst sorgten eher für eine optische Einheit, wenn sie mal gemeinsam die Weiten der gesamten Abmessung beschritten, ein anders Mal aufgereiht ihre Köpfe kreisen ließen. Wer als unbesiegbare Streitmacht auftreten will, der sollte auch eine gewisse Corporate Identity vorweisen – außer dem obligatorischen Schwarz. So waren die Instrumente der drei Saitendehner stets im gleichen Design lackiert, mal ganz schwarz, dann mit Drachenlogo oder Ornamenten verziert, ein anderes Mal alle in Weiß.
Bassist Ted Lundström hielt sich öfter im Hintergrundvor Rhythmuspartner Wallgren, während Johan Söderberg an der linken, und Olavi Mikkonen an der rechten Flanke angriff. Auch wenn Hauptsingschreiber überließ dieser seinem Kollegen die meisten der Soli, die er mit Herzblut raushaute. Die größten Momente hatten die beiden aber, wenn sie ihre typischen Leads anstimmten, wo sie geschlossen agierten, und damit diese epische Größe erzeugten, von der viele ihrer Songs leben.

Die stammten in der Folge aus der mittleren Schaffensphase, was ein wenig zu Lasten der frühen Klassiker ging. Die ein oder andere neuere Nummer hätten viele gerne gegen „Victorious March“, „Pursuit Of Vikings“ oder natürlich „Runes To My Memory“ eingetauscht. Vom neuen Album gab es dafür weniger Kompromiss, wenn Du drei solche Hits hast, dann musst Du die bringen, die trafen ebenso ins Ziel wie der Titeltrack. Musiker brauchen akustische Experimente auch nicht zu schaffen, wenn sie diese nicht live aufführen. Und so geriet der überraschendste Track ihrer vielleicht gesamten Karriere zum Highlight, als sich die Herren mit Klampfen und Congas um eine brennende Schale versammelten und Lagerfeuerromantik evozierten.

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Johann Hegg nahm zwar seine Haare dafür zurück, nicht aber seine Stimme, die genauso grollte wie bei den übrigen Tracks. Als Frontmann unschlagbar, leitete der Hüne mit einer massiven Präsenz durch das Set, stimmlich in Topform, im entsprechenden Lied unterstützt von SAXON´s Biff per Videoeinspielung. Unglaublich, wie er die, für diese Spielart wirklich opulente, Spielzeit von ein und dreiviertel Stunden über sein Organ so kompromisslos malträtieren konnte, dabei keine Gefangenen machte. Agil, mit vielen kraftvollen Posen, bildete der Mann den Mittelpunkt der Show, suchte immer den Kontakt zum Publikum. Jenes stachelte er immer wieder zu Höchstleistungen an, hatte es stets im Griff, was ihm mächtige Chöre bescherte.

Unten ging es ebenso hoch her, die Pits erstreckten sich nun über die beiden vorderen Sektoren der Halle. Als dann die Wellen über die alles umspannende Leinwand im Hintergrund schwappten, wusste viele, dass sie sich in die Ruder legen mussten. Nach dem Solo forderte Hegg ein weiteres Mal auf, und kaum jemand stand noch, sondern ruderte fleißig über den Boden der Festhalle. Ein fantastisch anzuschauendes Spektakel, bei dem der Moshpit Minister natürlich nicht fehlen durfte. Der stand als einziger und peitschte seine Mannschaft an, was ein richtiger Minister ist, der erklärt sowas zur Chefsache. Eine großartige Type inmitten eines großartigen Gigs, der mit weiteren Hymnen aus Valhalla zu Ende ging.

Setlist AMON AMARTH:
Gjallarhorn
War Of The Gods
Death In Fire
Free Will Sacrifice
Deceiver Of The Gods
The Allfather Awakes
Hemods Ride To Hell
Put Your Back Into The Oar
We Rule The Waves
1000 Burning Arrows
Upphaf
Guardians Of Asgaard
Shieldwall
Eight Legs Of Thunder
Raise Your Horns
For Victory Or Death
The Way Of The Vikings
Saxons & Vikings
Twilight Of The Thunder God

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Alle Fotos von Frank Hameister