THRESHOLD - Live At Rock Hard 2025

09 threshold

VÖ: 11.09.2026
(MiG Music)

Genre: Prog Metal

Homepage:
THRESHOLD

Seit nun mehr als dreißig Jahren eine feste Größe in der Progszene scheinen die Briten aber auch schon länger zu stagnieren. Seit der „Mac“-Ära können sie ihre Position nicht mehr weiter ausbauen, Liveauftritte und neue Alben gibt es in immer längeren Abständen. Dabei ist der rockig-metallische Anstrich mit seiner Songdienlichkeit eigentlich für höhere Weihen bestimmt. Aber die Unentschlossenheit von THRESHOLD zwischen Hymnik und moderner Anbiederung macht es den Anhängern zusätzlich schwer. „Dividing Lines“ ist nun auch schon vier Jahre her, zumindest gab es seitdem auch Touren mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Festivalauftritte. Einen davon beim Rock Hard Festival im letzten Jahr, der nun in der „Rockpalast“-Reihe dokumentiert wurde.

Am 7. Juni 2025 stiegen die Prog Metaller zu denkbar ungünstigen Bedingungen auf die Bretter, denn der Himmel hatte gerade seine Schleusen geöffnet und viele Gesichter im Auditorium waren von Regencapes verhüllt. Zumindest die vorderen Reihen fanden unter dem Dach Zuflucht und konnten sich auf die Show konzentrieren. Obwohl er eigentlich das „britische“ Wetter gewohnt sein müsste, scheint die Witterung Glynn Morgan auf die Stimme zu schlagen. Jedenfalls knödelt er auf dem Mitschnitt etwas zu viel, kann die Kraft seines rockigen Timbres nicht voll ausspielen. Dafür bildet er einen guten Mittelpunkt der Show und ist sehr aktiv auf der Bühne, schnappt sich auch öfter die zweite Gitarre und unterstützt mit Harmonieparts.

Agil ist auch der Rest der Band, wobei man sich fragen muss, ob das nicht zuletzt an der Aufzeichnung liegt. Drummer Johanne James ist schon immer als Spaßvogel bekannt und nutzt jede Pause um irgendwelche Grimassen zu schneiden, oder in getragenen Parts die Emotionen mit überzogenen Gesten zu untermauern. Nur um sich dann wieder auf seinen Hocker zu schwingen und sehr kraftvoll seine Sticks rotieren zu lassen, in beiderlei Art.
Seine Kollegen, allen voran Karl Groom scheinen deutlich mehr mit der Kamera zu flirten als sonst mit dem Publikum. Der Sechssaiter wirft sich über die knappe Stunde durchgehend in alle Posen, Richtet seine Solar ständig gen Publikum, während er breitbeinig an der Rampe steht. Sogar der sonst scheue Steve Anderson richtet seine Blicke oft in die Linse, oder sucht die Nähe seiner Mitstreiter auf, um gemeinsam mit ihnen zu posen.

Wo sonst das sehr konzentrierten Runterspielen der Songs die klare Marschroute zu sein scheint, vermittelt der Gig mehr Spielfreude. Das tut auch der musikalischen Darbietung gut, gerade die Soli wirken inspirierter, Groom und Kumpel Richard West filigran an den Tasten spielen sich die Bälle nur so zu, wobei ihnen der Spaß dabei anzusehen ist. Damit bekommen sie die Zuschauer so langsam auf Temperatur, ist anfangs sogar ein Abwandern der nur am Rande Interessierten zu verzeichnen, so finden sich später immer mehr Zuschauer ein. Dass nach jedem Song mehr Arme hochgehen ist auch ein Verdienst der Sonne, die sich im Verlauf des Gigs immer mehr durchsetzen kann.

Wobei die Fans hätten besser eingefangen werden können, meist sieht man die nur von hinten als Vordergrund der Bühnentotalen. Ein paar mehr Einstellungen wie die Dame, die „The Man Who Saw Through Time“ ergriffen mitsingt hätte man sich gewünscht. Zumindest sendet ein Schwenk auf die Tribüne ein Lebenszeichen meines alten Bekannten Achim, der dort die Luftgitarre auspackt. Die Bewandtnis dahinter, dass mir bei einem anderen Festival erzählt wurde, er wäre gestorben, nur um am nächsten Tag mit ihm Bands abzufeiern.
Neben dem angesprochenen Track von „The Legend Of The Shires“ kommen noch zwei weitere davon zum Einsatz, leider nicht „Lost In Translation“, dafür hat sich Small Dark Lines“ als gefeierter Rausschmeißer etabliert. Mit „Silenced“ und „King Of Nothing“ vom aktuellen Werk liegt der Fokus wieder auf den neuen Scheiben, gab es doch im Herbst zuvor ein Set mit Liedern aus allen Scheiben. Soundtechnisch nicht ganz in der Qualität der optischen Umsetzung mit etwas dumpfer, dafür unverfälschter Abmischung liefert „live At Rock Hard 2025“ einen guten Einblick in die derzeitige Verfassung von THRESHOLD.

7,5 / 10

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