SARI SCHORR

09 sarischorr interview

Face To Face in Wiltingen

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SARI SCHORR

FFM-Rock: Hallo Sari, danke, dass Du Dir nach dem Konzert noch die Zeit genommen. Die erste Frage kannst Du Dir sicher denken, so gut wie Du mich kennst?

Sari Schorr: Wann erscheint das neue Album? (beide lachen) Wir hätten es gerne vor der Tour rausgebracht, aber ich habe einen besonderen Gast darauf, dessen Name ich nicht preisgeben darf. Deswegen verzögert es sich erneut, so dass wir einen Termin Ende des Jahres anpeilen.

FFM-Rock: Wie wird es heißen, möglicherweise „Unbreakable“ wie die Tournee?

Sari Schorr: Das ist eine Überlegung, aber die Entscheidung liegt ebenso bei der Plattenfirma wie die Tracklist. Als ich etwa mit ROBIN TROWER „Joyful Sky“ produzierte, hatten wir eine ganz andere Songreihenfolge als das Label nachher ausgewählt hatte, wir sahen „The Distance“ als erstes Lied. Solche Details müssen alle noch festgelegt werden, wie auch viele Marketingfragen und Medienkommunikation.

FFM-Rock: Du hast auf der Bühne von zwei Platten gesprochen.

Sari Schorr: Ja, es ist schwer für meinen Produzenten, das Album an dem ich seit zwei Jahren arbeite abzuschließen, weil er ein paar schwere Schicksalsschläge in seiner Familie hatte. Daher mussten wir die Aufnahmen unterbrechen, so dass ich in der Zwischenzeit an einem anderen Projekt arbeitete. Jenes war sehr inspirierend, so dass ich in fünf Tagen sechs Lieder komponierte. Damit ging es im Januar ins Studio, ich habe zu viele Titel, sogar für zwei Scheiben. Das schwierigste wird sein, zu entscheiden, was auf dem Werk erscheinen wird.

FFM-Rock: Ich weiß noch, als Du das letzte Mal hier warst, hast Du bereits neue Stücke gebracht, einer davon war ein lässiger Delta Blues.

Sari Schorr: Du meinst sicher „Coal River“, den hatten wir oft zu der Zeit, genauso „Hometown Girl“. Aber ich habe sie aus dem Set genommen, weil ich die Zuschauer nicht zu sehr teasern will, da sie diese nicht kaufen können oder woanders hören. Es ist frustrierend für die Fans, denn sie möchten die Musik mit nach Hause nehmen, von daher müssen sie sich noch etwas gedulden.

FFM-Rock: Kommt „Coal River“ mit drauf?

Sari Schorr: Ich denke schon, aber das liegt wie gesagt nicht alleine in meiner Verantwortung.

FFM-Rock: Im letzten Sommer haben wir uns ja am Saarbrücker Schloss gesehen, eine Location, die ich auch sehr mag. Wie war es für Dich, ein Konzert morgens um elf zu spielen, was dort ja normal ist?

Sari Schorr: Das war wirklich toll, ebenso Dich dort zu treffen, dort ist es wirklich wundervoll oben auf dem Schloss über dem Fluss. Ich wusste auch nicht, was uns erwarten würde, aber ich bin froh, dass wir einen so schönen Tag erwischt haben, das hat sehr viel Spaß gemacht. Eine ganz besondere Erfahrung, auch eines der längsten Konzerte, die wir je gaben. Das Publikum war sehr enthusiastisch, obwohl die meisten ja saßen. Wir würden gerne wiederkommen, ist es eigentlich weit von hier?

FFM-Rock: Ungefähr eine Stunde zu fahren, tatsächlich ist es der selbe Fluss wie unterhalb des Dorfes im Tal, der kommt von dort. Witzigerweise war ich an dem Tag nach dem Konzert noch drauf paddeln, wobei es nicht viele Stellen zwischen den beiden Orten gibt, wo ich noch nicht unterwegs war. „Thunder“ war da einer der neuen Songs, den ihr heute nicht gespielt habt, aber so langsam fallen auch ein paar alte Standards weg.

Sari Schorr: Da stimmt, aber wenn ich alles spielen würde, was ich möchte, dann würde es jeden Rahmen sprengen. Es ist immer gut, etwas in der Hinterhand zu haben, um das Ganze abwechslungsreich zu gestalten, wobei es schon schwerfällt, manches zu streichen. Du musst mehr Songs schreiben, um am Ende wirklich großartige zu bekommen, da musst man viel Geduld aufbringen. Du probierst Dinge, Du schreibst, Du versuchst, Du machst immer weiter, bis Du spürst, dass Du etwas echt Magisches hast, sowas wir Dir sofort bewusst.

FFM-Rock: Auf welchem Label erscheint das Album?

Sari Schorr: Ich habe einen neuen Manager, der gerade Gespräche mit einigen Firmen führt, bisher habe ich mich jedoch noch nicht entschieden. Es sind aber sehr interessante Kandidaten dabei, wobei ich allerdings vor allem auf die Menschen dahinter schaue, mir ist es wichtig, dass ich mich gut mit den Menschen verstehe, die für mich arbeiten. Es wird eine harte Entscheidung werden.

FFM-Rock: Die Tour ist auch sehr lange, insgesamt 35 Gigs.

Sari Schorr: Auf dieser bin ich zwei Monate unterwegs, aber ich finde, wenn Du einmal angefangen hast, kommst Du in einen Rhythmus. Die Shows fühlen sich dann ruhig und entspannt an, das vermisse ich wirklich, wenn die Tour zu Ende ist. Zwar bin ich sehr erschöpft am Ende einer Tour, aber das Adrenalin ist immer noch in Dir drin. Es ist schwierig, danach nach Hause zu kommen, es braucht eine Woche, um wieder in einen normalen Modus ohne tägliches Reisen umzuschalten. Ich mag es unter Leuten zu sein, das fehlt mir, wenn ich nicht auf Tour bin.

FFM-Rock: Die Hälfte der Tourdaten findet in Deutschland statt, hast Du eine besondere Beziehung zu Deutschland?

Sari Schorr: Deutschland ist großartig, war immer gut zu mir, hier habe ich einen sehr guten Booking Agenten hier, da habe auch viele meiner Lieder geschrieben. Ich denke, das deutsche Publikum weiß Blues und Blues Rock wirklich zu schätzen, und sie schätzen auch meine Musik. Wenn mich mein Agent fragt, wo in Europa ich auftreten will, teile ich ihm immer mit, dass Deutschland eine der Prioritäten ist, ich kann es jedes Mal kaum erwarten zurück zu kommen. Generell bietet Deutschland auch einen sehr großen Markt, nicht nur weil da die meisten Menschen in Europa leben.

FFM-Rock: Ja, da haben wir wirklich Glück mit dem was da aufgebaut wurde, die ganze Infrastruktur für Kultur mit etwa 1.200 Spielstätten. Was mir auch auffiel, dass sich die Besetzung Deiner Band wieder etwas gewandelt hat.

Sari Schorr: Mit Ash (Wilson – Gitarre, Anm. d. Autors) spiele ich seit sieben oder acht Jahren zusammen. Als ich das neue Material erarbeitet habe, war mir nach anderen Interpretationsmöglichkeiten der Songs, und die Jungs waren genau das, wonach ich suchte. Sie inspirieren mich wirklich, ich glaube, dass ist das beste Line-Up, dass ich je hatte, mit ihnen will ich solange arbeiten wie möglich. Unser neuer Drummer Russ Parker sowie Bassist Carl Stambridge sind wirklich tolle Musiker und Menschen. Es sind genau die Typen, mit denen Du auf Tour sein willst, sehr professionell und einfach um Umgang, da gibt es kein Drama oder Unfug. Ich bin jetzt an dem Punkt in meiner Karriere, wo ich mir die Mitstreiter etwas aussuchen kann, und froh darüber, sie bekommen zu haben.

FFM-Rock: Warum war eigentlich kein Keyboarder dabei?

Sari Schorr: Unser Keyboarder sollte eigentlich mit dabei sein, aber seine Mutter kam ins Krankenhaus, was sehr schwer für ihn ist. Er wird aber in ein paar Tagen wieder zu uns stoßen, später wird auch noch ein zweiter Gitarrist dazu kommen. Die Gefahr auf einer langen Tour besteht darin, dass die Dinge etwas eingefahren werden, deswegen musst Du immer wieder Dinge verändern. Ich habe mit Dave Devlin, einem wundervollen Gitarristen zusammengearbeitet, er und Ash sind sehr gute Freunde. In Saarbrücken hast Du ihn ja gesehen, mit zwei Gitarristen hast Du einfach richtig Power. Ich wollte schon lange mit dem Tastenmann Danny Holland zusammenarbeiten, daher haben wir jetzt den Weg eingeschlagen. Damit sind wir flexibler, es kommen ja viele Leute auf mehrere Konzerte der Tour, von daher können wir dem Publikum etwas anderes anbieten.

FFM-Rock: Wenn also die Besetzung auf der Bühne wechselt, ändert ihr dann auch die Arrangements?

Sari Schorr: Das obliegt vor allem Ash, denn er spielt andere Parts, wenn da ein zweiter Mann an den sechs Saiten ist, sie müssen ausarbeiten, wer was spielt. Wenn er der einzige Gitarrist ist, dann hat er viel mehr Freiheiten und kann spielen was er will. Mit den Tasten kann ich ein paar Lieder zum Set hinzufügen, die ich jetzt nicht bringe, weil sie ein Piano brauchen. „Beautiful“ oder „Back To LA“ zum Beispiel, aber auch „Mr. In The Middle“, ein neuer Song benötigt Keyboards, zu dem drehe ich gerade an einem Video.

FFM-Rock: „Ready For Love“ ist auch so ein Tune, aber wenn die weinende Orgel im Chorus fehlt, macht das tatsächlich wenig Sinn.

Sari Schorr: Da hast Du Recht, aber es gibt uns die Möglichkeiten etwas anderes zu probieren. Eines Tages will ich alles auf der Bühne haben, zwei Gitarristen, einen Organisten, einen Keyboarder, Backgroundsängerinnen, was alles dazu gehört.

FFM-Rock: Dann werden wir mal sehen, was das neue Album bringen wird, inwiefern es Dich weiterbringt. Wie viele Shows habt ihr eigentlich absolviert auf der aktuellen Tour?

Sari Schorr: Es waren einige, und das überall auf dem Kontinent, typisch für mich mussten wir viel herumreisen. Nachdem ich von New York gekommen bin, haben wir 6.000 km in fünf Tagen zurückgelegt. Erst Brüssel, dann Kopenhagen, dann ein Flug ganz in den Norden Dänemarks, von dort nach Schweden, dann nach Monaghan in Irland, dann wieder Belgien und anschließend in die Niederlande.

FFM-Rock: Wo in Schweden habt ihr gespielt?

Sari Schorr: In einer kleinen Stadt namens Ronneby!

FFM-Rock: (lacht) Nicht Dein Ernst? Da habe ich vor ein paar Jahren Urlaub gemacht.

Sari Schorr: Wirklich, so klein ist die Welt! Die haben dort einen großartigen Musikclub dort, hast Du den besucht?

FFM-Rock: Nein, im Sommer haben solche Läden ja eher wenig Programm, und kurz vor dem SwedenRock ist es zu viel des Guten, ich hatte dann genug Musik. Aber von dem Liveclub habe ich gehört, eine frühere Mitarbeiterin aus Schweden hat dort WALTER TROUT gesehen. Die haben auch einen schönen botanischen Garten, hattet ihr Zeit, den anzuschauen, habt ihr auf Tour überhaupt Zeit, die Umgebung der Locations zu erkunden?

Sari Schorr: Unglaublich, mit Walter habe ich auf meinem ersten Longplayer gearbeitet! Aber nein, bei dem Stress in den Tagen haben wir leider nichts von der Stadt sehen können. Normalerweise versuche ich das ja immer, weil ich ja auch Land und Leute kennen lernen will, wo ich spiele. Day Offs sind dafür recht gut geeignet, wo andere Kollegen ihre Probleme mit haben. Hier konnten wir die Stadt Saarburg unten sehen, sehr schöne Altstadt mit dem Schloss am Ufer, das liebe ich. Die Jungs hatten mehr Spaß an dieser Sommerrodelbahn, sind wie wild da runter gesaust. Da kann man auch Kraft auf einer Tour draus schöpfen, und es hilft dem Teamgeist.

FFM-Rock: Ja, da bin ich öfter, wirklich sehr schön Kann mir auch vorstellen, dass die Abwechslung auf Konzertreisen gut tut. Ein schöner Schluss für heute, ich bedanke mich nochmals herzlich, dass es nach der Show doch noch geklappt hat.

Sari Schorr: Ich danke Dir für das Interesse, Du hast wie immer gute Fragen gestellt.


Rainer Petry für FFM-Rock

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