6. M.O.C.-FESTIVAL - Kassel, Musiktheater

Festival vom 09.05.13
Bands: KISSIN' TIME, FLESHCRAWL, REAPER, MESMERIZED, MY COLD EMBRACE,  BLESSED WITH RAGE, FURIOUS ANGER und VENAERA

Homepage:
M.O.C. 

Die Neuauflage des seit 2009 ruhenden, um ein halbes Jahr verschobenes MASTERS OF CASSEL-Festivals kurz: M. O. C. in kampferprobter Location steht bevor. Eigentlich sollte das M.O.C. am 22. Dezember 2012 stattfinden, fiel jedoch aufgrund terminlicher Schwierigkeiten ins Wasser.  Gelegenheit, es amtlich nachzuholen, Kassels Metalcommunity einen Besuch abzustatten. Zunächst erfolgt die Anreise per Bahn und Taxi ehe der Weg zum Ziel schließlich erreicht ist. Etwa gegen 17:00 Uhr komme ich am Zielort an und treffe sofort bekannte Gesichter. Ehe das Festival beginnt, wird zuerst bei angenehmen äußeren Temperaturen im gemütlicher Atmosphäre mit Freunden und Bekannten locker im Biergarten geplaudert, denn bei aller Liebe für Musik, ist es immer sehr wichtig, sich untereinander auszutauschen. Kontakte hegen, heißt Kontakte pflegen! Gerade auf dem M.O.C., - fast schon eine Art Familientreffen der nordhessischen Heavy Metal-Szene, - treffe ich viele, die mir schon seit längerer Zeit nicht mehr über den Weg gelaufen sind. Anschließend zieht es mich direkt zur Theke, um das erste Getränk zu bestellen. Zeit, den Durst zu löschen! Ein Rundgang zu den Merchandise-Ständen ist fällig, das Angebot findet Interesse. Beim Umsehen im Hauptraum fällt mir eine an der Wand hinter der Theke angebracht postierte Doppel-Sitzbank auf. Das Raucherzimmer ist heute verschlossen, dafür gibt’s draußen im Biergarten Gelegenheit.  Obwohl das MT so geblieben ist, wie ich es kenne, hat sich manches geändert, einiges davon ist durchaus begrüßenswert. Eigentlich waren neun Bands geplant. STEELPREACHER haben aus mir bislang unerfindlichen Gründen abgesagt und beim M. O. C. nicht mitgemacht (eine Band, auf die sich vor allem die Kuttenträgerfraktion schwer gefreut hätte), da waren's nur noch acht...  Von manchen wurde das Billing im Vorfeld sträflich unterbewertet, dies ist für mich nicht nachvoll- ziehbar! Auch wenn STEELPREACHER zugegebenermaßen ein schmerzlicher Verlust waren, die Lust auf ein sehens- und erlebenswertes Kleinfestival kann mir der Umstand keineswegs nehmen. Soviel kurz vorweg. Zeit, meine Rundreise durch das Kasseler Heavy Metal-Spektrum anzutreten. Heraus gekommen ist dabei nachträglich festzuhaltendes Bild, beginnen will ich mit: 

BLESSED WITH RAGE

haben die Ehre als erste Band von insgesamt acht auf die Bühne zu dürfen. Da ich die Kasseler Metalcoreformation komplett verpasse, weil ich auf meine Zugverbindung angewiesen bin,
die es mir nicht ermöglicht, früher dort zu sein, kann ich zu deren Gig keine Beurteilung abgeben.   

FURIOUS ANGER

dürfen als zweite Band im Billing ran, und schenken gnadenlos wie am germanisch-keltischen Knotenmuster zu erahnen ist, eine mächtig ballernde Viking-Deathmetalkelle aus. Textlich und musikalisch tendiert der Fünfer in Richtung nordische Mythologie, wobei allem voran Viking Deathmetal inspirierte Formationen wie AMON AMARTH, UNLEASHED und alte BATHORY Spuren hinterlassen. Die Stimmung im MT ist gleich zu Beginn gut, eine nicht unerhebliche Anzahl Supporter hat sich in erster Reihe vor der Bühne postiert. Wer den Festival-Contest für's ROCKHARZ gewinnt und sich dort einen Slot erspielt, muss definitiv etwas können, wie das sich mir bietende Bild im MT verdeutlicht, und genau so ist es auch! Auf der Bühne geht’s ab, die Fans schütteln folgerichtig ihre Köpfe, lassen eifrig die wilde Haarpracht fliegen! FURIOUS ANGER wissen, was sie können. Die Jungs haben es drauf, gehen unverbraucht frisch mit reichlich Dynamik ans Werk, genau wissend, wie man treibend schnelle Blastbeatattacken, feine Melodien und satte Midtempogrooves zu einer stimmigen Mischung verbindet. Auf der Bühne steht ein in sich geschlossen als ganzes auftretend hochmotiviert in die Vollen gehendes Team, das vom Publikum lautstark abgefeiert alles richtig macht. Dem erst vor wenigen Tagen verstorbenen SLAYER-Gitarristen Jeff Hannemann wird das Stück „Bloodline“ gewidmet, ein Coversong, den FURIOUS ANGER normaler weise sonst, - wie die Band selbst ankündigt, - überhaupt nie spielen würden, der zum Gedenken an den SLAYER-Axeman heute als besondere Überraschung in den Set eingebaut wird, - eine Aktion, die Anerkennung verdient! Stücke wie der vorletzte Song „The Frozen Storm of North“ lassen deutlich AMON AMARTH Einfluss erkennen, sind sauber umgesetzt, fleißiges Proben zahlt sich immer aus. Ich bin mir während der wie im Fluge verstreichend knappen halben Stunde sicher  – den Jungs gehört die Zukunft des Heavy Metals made in Kassel, zumindest werden sie aufgrund ihrer Qualitäten künftig ein nicht unterschätzbar gewichtiges Wort dabei mitreden, vorausgesetzt, das dieser Weg konsequent fortgeführt wird! FURIOUS ANGER ernten serienweise positive Resonanz vom Publikum, - ältere und jüngere Semester der anwesenden Metallerschaft sind von dem Auftritt gleichermaßen beeindruckt! Das begeistert mitgehende Publikum findet schon zu früher Abendzeit reichlich Gefallen am schnörkellos flüssig dargebotenen Viking-Deathmetal mit verstärkt  klassischen Heavy Metal-Einflüssen. Manch andere Combo hat auf den Vorgängerfestivals an gleicher Position bereits als zweite Band im Billing antretend, mit kürzerer Zeitvorgabe als vergleichsweise dazu später folgende Combos erheblich schlechter abgeschnitten! Dafür können sich die noch im jungen Durchschnittsalter von gerade einmal Anfang zwanzig befindlichen Musiker mit Fug und Recht auf die Schulter klopfen! Ich freue mich sehr darauf, dieser begabten Truppe, wenn sie auf dem ROCK HARZ-Festival spielt, erneut vor der Bühne zu begegnen. Richtig warm geworden, kann das weitere Programm kommen.... zunächst gibt’s noch den zweiten Becher Milch. Nach kleiner Pause und Talk im Vorraum geht’s weiter mit: 

VENAERA

als dritte Crew entern die Hardcoreler VENAERA die Stage. Spieltechnisch geht ihr peitschend nach vorn treibender Hardcore in Ordnung. Gegenüber den zuvor kräftig vorlegenden Viking-Deathmetallern FURIOUS ANGER ziehen sie in Sachen Publikumszuspruch klar den Kürzeren! Der Raum ist nur mäßig mit Leuten gefüllt. Hardcorefans sind heute in der Unterzahl, dennoch müht sich die Band sehr und legt einen soliden Gig hin, der seinen minimal gesäten Fankreis im doch merklich um vieles  leerer gewordenen Musiktheater überzeugt. Heller Klargesang, Hardcore Geschrei und Screamo, schnelles Geballer mit überwiegend viel klassischem Hardcoreanteil prägt den Sound dieser ebenfalls noch recht jungen Formation, allerdings verpufft das ganze trotz heftiger Lautstärke schnell wieder. Bleibt abzuwarten, wie sich die Truppe künftig macht, ob sie in der Lage sein wird, dem Hardcore-Sektor frische Impulse zu verleihen. Insofern war der Gig zumindest okay.

 

Einiges am Rande:  

In den Pausenzeiten besteht Gelegenheit, ein paar Worte in entspannt gepflegter Atmosphäre im Biergarten oder an der Theke zu wechseln. Die Schaffung vermehrter Sitzgelegenheiten macht sich positiv bemerkbar, die günstigen Getränkepreise einschließlich breit gefächerter Getränkeauswahl im MT und nicht zuletzt das freundlichen Servicepersonal an den Theken. Neben genannten Vorzügen bietet das Masters of Cassel dieses Jahr sogar eine Film- und DVD-Börse an! Wer sich zwischenzeitlich über Neuigkeiten auf dem Filmmarkt informieren will, hat in den Umbaupausen Gelegenheit dazu. Die umfangreiche Angebotspalette ist vielfältig; von Actionfilm bis Splatter kann man hier nach Lust und Laune fündig werden. Am 98 Records-Stand bekommt man ebenso Gelegenheit, von einem reichhaltigen T-Shirt und CD-Angebot Gebrauch zu machen, das für jeden Musikgeschmack des hartmetallischen Spektrums etwas bereit hält.     Die Umbaupausen sind kurz, etwa eine Viertelstunde, dementsprechend Andrang herrscht im Biergarten, während es beim Getränkeservice an der Eingangstheke problemlos schnell geht.   

MESMERIZED

Mit MESMERIZED kündigt sich das nächste Highlight an. Zunächst ist es im Saal relativ leer, nach zwei Minuten ändert sich das Bild schlagartig, die Leute trudeln schrittweise in Grüppchen ein. Es liegt etwa zwei Jahre zurück als ich MESMERIZED zuletzt sah, das war im Februar 2011. Ihre NEVERMORE-Roots haben sich die Kasseler ebenso beibehalten, wie den schon immer ausgeprägt vorhandenen Progressive-Thrash-Anstrich. Sänger Armin, dessen Charisma trotz Handycap (er sitzt Verletzungsbedingt zeitweise auf einem Stuhl) keine Verschleißerscheinungen aufweißt, trägt wie gewohnt ein TESTAMENT-Shirt, – Soviel Tradition muss sein, -  und er zieht den Gig tapfer bis zum Ende durch. Alle Achtung! Zwar ist die Setlist auf den ersten Blick betrachtet, recht kurz, dafür sind die Songs selbst ab fünf Minuten aufwärts umso länger, was auch daran ersichtlich wird, das nur ein halbes Dutzend die zur Verfügung stehende Gesamtspielzeit komplett ausfüllt! Während des Gigs steht links an der Seite neben den Steintreppen ein geschätzt vielleicht gerade einmal sechs bis achtjähriger kleiner Junge mit blondem Igelhaarschnitt, bewegt ryhthmisch die Luftgitarre zu jedem gespielten Riff! Dieses beschauliche Bild entlockt unserer gesamte Reihe ein wohlwollendes Lächeln und anerkennendes Kopfnicken; zeigt der Kleine schließlich so einigen Großen, die nur teilnahmslos in der Gegend rumstehen wie die Ölgötzen, was Sache ist! Bei dem Anblick wird’s mir echt warm ums Herz, mein Augenmerk wandert sogleich häufiger nach links,   bis ich erklärt bekomme, das sei der Sohn vom Chef eines mir bekannten Metallers. Großartig, wenn der Metal so früh schon in der Familie zelebriert wird. Manche Eltern wissen Bescheid, wie's geht! Nach den zähflüssigen ersten Minuten kommt Bewegung ins allmählich aus sich heraus gehende Publikum. „Memories“ sorgt nach dem sich schrittweise langsam voran tastenden Opener „Haze of You“ für den erforderlichen Stimmungsschub. „Darkness“ wird von der Band als (noch) nicht veröffentlichter Klassiker angekündigt, mit „Sleepwalker“ folgt bewährtes MESMERIZED Progressive-Thrashfutter, die Ballade „My Love“ entfacht prickelnde Atmosphäre. Bass und Schlagzeug funktionieren wie eine gut geölte Maschine, die Gitarren kommen drückend scharf.  „Face of the World“ gibt der hochkarätig virtuos-filigran agierenden Gitarren-Fraktion zum Schluß Gelegenheit, sich in vollem Maße auszutoben, das man aus dem Staunen kaum noch herauskommt! MESMERIZED haben ihren Ruf als erfolgreiche Liveband bestätigt. Es ist immer ein Erlebnis, diese technisch versierte Crew live auf der Bühne zu bewundern. Das Publikum spendet nach Beendigung des Sets kräftig Beifall, hätte die Band gerne noch etwas länger auf der Bühne gehabt, der begrenzte Zeitrahmen lässt das heute leider nicht zu, womit sich MESMERIZED nach gut einer Dreiviertelstunde von ihren Fans verabschieden. Der Auftritt hat Appetit für's nächste Mal geweckt.  

  

Die Setlist von MESMERIZED:
Haze of You
Memories
Darkness
Sleepwalker
My Love
Face of the World

Zwischenzeitlich bin ich eine halbe Stunde abstinent, mir eine warme Mahlzeit für den Zweiten Teil vom M.O.C. reinfahren, - Lamachun mit Fleisch und Salat, zur besseren Verdauung  gibt’s eine' gekühlte Dose Cola dazu. Nach Sicherung der Nahrungsgrundlage begebe ich mich zurück ins MT.  

MY COLD EMBRACE

Immer für eine Überraschung gut sind MY COLD EMBRACE. Passend zum 15-jährigen Jubiläum fährt die Band ein geradliniges Brett, mit Schädelabschraubgarantie vor zahlreich erschienener Fankulisse im Musiktheater. Das treue M.C.E.-Publikum beweist fast wie gewohnt einmal mehr echte Steherqualitäten, selbiges gilt für die wie entfesselt aufspielenden MY COLD EMBRACE. Stilistische Experimente gab es in der Vergangenheit bedingt durch diverse Line-Up-Wechsel zu Hauf. Spielten MY COLD EMBRACE bis vor geraumer Zeit lupenreinen Oldshool-Deathmetal mit Hardcore/Thrash-Anleihen, hat sie das Hauptbetätigungsfeld um eine fette Prise Crustpunk erweitert, der wie angegossen mit dem ohnehin schon immer flott gezockten Deathmetal, sowie dem seit Bandgründung vorhandenen Hardcore-Thrash harmoniert! Auch bei dem sich nun seit geraumer Zeit als Crust-Deathmealfünfer bezeichnenden MY COLD EMBRACE herrscht mächtig viel Stimmung, wofür u. a. die unverzichtbare Death Metal Legion Cassel verantwortlich ist! Die beiden auf der Bühne permanent unter Strom stehenden Gitarristen sind ständig in Bewegung, das Stageacting der Band ist vorbildlich! Bass und Schlagzeug erzeugen mächtig Druck, gesanglich gibt’s überhaupt nichts zu bekritteln, das rotzig-dreckige Crustpunkgeschrote inklusive räudigem Gesang passt hervorragend zur gewohnt extrem schrägen Mischung von MY COLD EMBRACE. Der fette M.C.E. Jubiläumsgig im MT spricht für sich! Das war erste Sahne! Nach der Crust-Deathmetalvollbedienung bleibt festzuhalten: Dieser Auftritt hat das Publikum wachgerüttelt. Ein dicker Gruß geht auch an die DEATH METAL LEGION CASSEL als Dank für die Unterstützung!

REAPER

Das nächstes Jahr 30 jähriges Bandjubiläum feiernde Kasseler Heavy Metal-Urgestein gehört zu den unbestreitbar wichtigsten Größen der Kasseler Härtner-Szene an denen man als waschechter Oldshool Metaller und Heavy Metalfan überhaupt nicht erst vorbei kommt. REAPER sind immer eine Bank, auf die jederzeit überall Verlass ist. Spätestens jetzt regiert Heavy Metal in Reinkultur! Die Resonanzen im Publikum zeigen vom Start weg nach oben. Das treue Die-Hard-Fanklientel lässt sich gar nicht erst lange bitten. Da werden munter Köpfe geschüttelt und fleißig wirbelt die Langhaarmatte! Gut aufgelegt, vor allem druckvoll und laut abgemischt, fährt der Kasseler Vierer live on Stage ein mörderisch kompromisslos fettes Oldshool-Heavy Metal Brett, das häufig von rasanten Speed/Thrashparts aufgelockert, keine Fragen offen lässt! Krachende Hooks, leiden schaftliche Soli, klassische Melodien, immer mit schön viel Power! Vergleiche zu etwaigen Bands aus dem klassischen Heavy Metalsektor tendieren oft in ganz unterschiedliche Richtungen, ein möglicherweise in Frage kommender Direktvergleich das ist gerade immer wieder das geniale bei  REAPER, entfällt in diesem Zusammenhang vollkommen! Die Songauswahl begrenzt sich überwiegend (die Zugabe ausgenommen), auf Stücke jüngeren Datums, die live allesamt richtig schön killen! Bei Hymnendreipack von ihrem bisher besten und erfolgreichsten Album Gardens of Seth (2009) „Revolution“,  „Dark Beyond Black“ und „Leviathan“ geht’s heftig zur Sache, das kein Auge trocken bleibt! Zwar fehlt der ein oder andere gewohnte Live-Kracher („Praise of the Morning Star“, „The Raven“, „Flight of the Nazgul“, „Nemesis“ oder „Fields of Joy“ wurden ein wenig vermisst...), doch angesichts der knappen Spielzeit reicht das gebotene Material heute völlig aus. Drummer Jan klatscht herzhaft mit reichlich Schmackes im Flügel auf Becken und Felle, die Gitarren röhren heftig, Benni agiert konzentriert an der Rhythmusgitarre, Daniel soliert ungemein variabel, sein Gesang kommt obwohl das Mikro heute phasenweise ein wenig herumzickt (na ja, immerhin gibt es nicht den Geist auf), dennoch gut hörbar an, (dafür sei dem Soundmann herzhaft gedankt!) und Matthias bearbeitet den Bass gewohnt sicher. Den Abschluß eines feinen Gigs bildet das zum Ende eines jeden REAPER-Gigs gehörende Kultstück „Lucifer's Rising“, vom 1992 über das Mausoleum-Label veröffentlichten Zweitling „The Years Within“ das beim treuen Fanklientel noch einmal sämtliche Restkraftreserven freisetzt, bis der Schweiß aus den Poren quillt! REAPER ernten verdient die besten Resonanzen im Billing und haben alle in sie gesetzten Erwartungen voll und ganz erfüllt! Ich freue mich immer wieder auf's Neue, wenn sich Gelegenheit ergibt, diesen heavy rockenden Vierer live zu sehen und wurde bisher - soviel kann ich ehrlich und mit reinem Gewissen festhalten, kein einziges Mal von der Band enttäuscht. Fein. Hut ab, vor soviel Konstanz!

Die Setlist von REAPER:
1943
Of Sheep and Shepherds
Revolution
Hail The New Age
Dark Beyond Black
Leviathan
Wonders in the Dark
Ship of Fools
Zugabe:
Lucifer's Rising

FLESHCRAWL

legen das volle Pfund wuchtigen Todesblei auf die Waage, können den REAPER-Auftritt aber nicht wirklich toppen. Tief gestimmte Gitarrenwände, dröhnen wuchtig laut durchs Ambiente, vor der Bühne tut sich überraschend zu wenig! Seit 1991 bestehend gehört die Band aus Illertissen (einem Vorort von Ulm) zusammen mit MORGOTH zu den dienstältesten Todesbleikommandos hierzulande. Das die Musiker über reichlich Bühnenerfahrung verfügen, zeigt die Tatsache, wie abgebrüht sie mit der Tatsache umgehen, das sie heute vor gerade mal knapp 60 Nasen auftreten!  Da war bei FURIOUS ANGER, die schon frühzeitig als zweite Band ran mussten, wesentlich mehr los. FLESHCRAWL zeigen sich davon unberührt, bollern schwerkalibrige Todesbleigranaten vom Prägesiegel „Written in Blood“ mit reichlich Saft auf der Wumme durch die Verstärkertürme.  Fronter Sven Grunzt, was die Stimmbänder hergeben. Aggressiv brutaler Deathmetal zwischen ENTOMBED, DISMEMBER und GRAVE ist halt nicht jedermanns Sache. Aus gutem Grund werden FLESHCRAWL als „schwedischste“ aller deutschen Deathmetalbands bezeichnet. Das brutale Deathmetalgeprügel zieht - obwohl makellos präzise mit fett ausgesteuertem Sound versehen, lediglich einen relativ geringfügigen Teil des Publikums vor die Bühne. Resonanz technisch wäre deutlich mehr zu erwarten gewesen, weshalb der Gig den im Vorfeld gehegten Erwartungen nicht wie erhofft Stand hält. In Punkto Härte liegt das Oldshooldeathmetalgeprügel ganz klar im grünen Bereich. Qualitätstechnisch spielen die bis zum Ende alles gebenden Ulmer stark am oberen Limit, aber irgendwie will der Funke heute kaum auf's Publikum überspringen.

In der letzten Umbaupause vor dem Headliner zieht's mich zur Theke, jetzt muss erst noch schnell ein Kaffee sein, das weckt die Lebensgeister es folgt ein kleiner Plausch mit der freundlichen Dame an der Eingangskasse, die mir höflich signalisiert, das es gleich los geht, und ich mich jetzt besser beeilen solle, wenn ich nichts vom Gig verpassen will. Recht hat sie! Genau rechtzeitig trudelt auch meine Wenigkeit buch stäblich in letzter Minute vor der Bühne ein, während mir die ersten Klänge vom Intro entgegen kommen. Ich spüre ein regelrechtes Kribbeln im Bauch, Zeit für:      

KISSIN' TIME (zum ersten Mal mit Special Show „Rock in Rio“)

Die Spannung steigt... 90 Minuten KISSIN' TIME-Heimspiel in Kassel, - das bedeutet Party pur! Auf dem Programm steht immerhin die bislang erste Aufführung der Special Show „Rock in Rio“! Sah ich zum ersten Mal als Headliner im Rahmen des MASTERS OF CASSEL 2008, wo der Vierer einen Bombeneindruck bei mir hinterließ. Auf der Rock WM 2011 in Ziegenhain hatte das Quartett einen durchschnittlichen Tag erwischt und keine derart pushende Fanunterstützung im Rücken. Beim „Heimspiel“ in Kassel hingegen, sind KISSIN' TIME pures Dynamit (!) - eine alles in Grund und Boden rockende Macht, deren intensiven Partyrauschflair sich kein Rock n' Roller entziehen kann, soweit er schon die großen Vorbilder KISS hinreichend vergöttert! Das zeigt sich schon daran, das noch ehe die Band auf der Bühne steht, eine intensive regelrecht erwartungsvolle Spannung in der Luft liegt und alles wie gebannt auf die Bühne starrt, ein kaum zu unterschätzend größerer Teil des Publikums hat scheinbar nur auf den letzten Act des Abends gewartet! KISSIN' TIME ganz zum Schluß mit verlängerter Spielzeit inklusive besonders für das M.O.C. gebuchten Spezialgig zu bringen, erweist sich als wirklich klug durchdachter Zug des Veranstalters. In Sachen Publikumsanwesenheit lässt der geschminkte Vierer im Rahmen seines „Heimspiels“ in Kassel sämtliche zuvor aufgetretenen Acts klar hinter sich und erhält die stärkste Publikumsresonanz.  Bevor es losgeht, wird zunächst Bandroadie Libor für lange Treue (geleistete Dienste inbegriffen),  verabschiedet und dafür vom Publikum vollkommen zu Recht mit starkem Applaus bedacht. Die Chemie zwischen Band und Fans stimmt zu hundert Prozent. Das Programm lässt soweit keine Wünsche offen bis auf „God gave Rock n' Roll to you“ welches die einzige Ausnahme bildet, ist durchweg alles dabei, was man als Anhänger von KISS bzw. KISSIN' TIME kennen muss! Ich stelle fest, das sich viel weibliches Publikum vor der Bühne befindet, was erwartungsgemäß zum Standard eines KISSIN' TIME-Auftritts gehört. Neben mir tanzen zwei vom Alkohol leicht angeschwipste asiatische Schönheiten völlig crazy (verrückt) ab ein für's folgende Programm charakteristisches Bild und rufen während des Sets laut „Ausziehen, Ausziehen, Ausziehen!“, was von der Band trotz fesselnder Show mit einem Lächeln auf den Lippen quittiert wird, am liebsten hätte ich  ihnen zugerufen: Mädels, vergesst das mal ganz schnell, die Typen sind längst vergeben! Ein breites Grinsen kann ich mir nicht verkneifen, You wanted the best, - you got the best! :-) :-) :-) Ausgelassen Tanzend, headbangend faustballend, Hörnergabel ziehend feiert das bunt gemischte Fanvolk vor der Bühne eine ausgelassen exzessive Rock n' Roll Party, vom Kuttenträger über den Nur-KISS-Fan bis zum schwarz gekleideten Gothic dreht plötzlich alles durch, komplett die Welt um sich herum vergessend, die wenn es nach den Leuten ginge, bis zum nächsten Morgen andauern darf! Stampfende Drumbeats, lockere Ansagen, ein pumpender Bass, röhrende Gitarren, virtuose Leadsoli, Überraschungsgymmicks sowie Spaß an der Materie bei Band und Publikum, da gerät – egal, wo man hinschaut -, bis auf dezent weiter hinten stehen bleibende Besucher beinahe das gesamte Auditorium unaufhörlich in Bewegung!  Was für eine Show! So authentisch, fehlt zur Steigerung eigentlich nur noch das echte Original! „I was made for Lovin' You“ den Ladys gewidmet, ist unumgängliches Muss, ebenso „Love Gun“. Hocherfreut über das textsichere, vor der Bühne kräftig abrockende Publikum, initiiert die Band zwischen den Songs immer mal Mitsingaktionen, die von begeisterungsfähigen Publikum dankbar angenommen werden. „I love it loud“ darf die berühmte Feuerspuckeinlage vom Original ebenso wenig fehlen, wie das Blutspucken während „God of Thunder“. „Shout it Out loud“ wird von Pyros begleitet, zu „Black Diamond“ geht ein Funkenregen auf's Publikum hernieder. „Crazy Night's“ und „Lick it up“ sind wie sich auch diesmal zeigt, zwei Hämmer auf jeder Rock n' Roll-Party!  Eine mit allen vier KISSIN' TIME-Gesichtern bemalte Holzgitarre wird bei „Warmachine“ von Paul „Thorsten“ Stanley – The Starchild in mehreren Anläufen in zwei Teile zerlegt, und ans Publikum weitergereicht. Für den bevorstehenden Zugabeteil werden die Fans in den hinteren Reihen höflich aufgefordert, sich doch bitte mal zu bewegen und nach vorne zu kommen um kräftig mitzumachen, ein Vorschlag der auf dankbare Gegenliebe stößt. Damit wird es vor der Bühne ganz am Schluß noch einmal richtig voll. Wer glaubt, sich bei der besinnlich ruhigen Traumballade „Beth“ eine Auszeit zu gönnen, ist auf dem Holzweg, selbst bei diesem an sich besinnlich ruhigen Song brechen  auf einmal  im Publikum alle Dämme! Es folgt „Take me Down Below“ ein Stück vom letzten, 2012 veröffentlichten, KISS-Erfolgsalbum 'Monster', das in den Medien groß abgefeiert wurde,  ehe „Rock n' Roll All Nite“, - der ultimative KISS-Partyohrwurm - nachgelegt wird. Zum Schluß erschallt das frenetisch verlangte „Detroit Rock City“ und das gesamte Musiktheater steht Kopf! Danach bekomme ich von Gene „Andy“ Simmons 'The Demon' grinsend ein Plektrum in die Hand gereicht und bedanke mich für einen tollen Gig, der viel Spaß brachte, die Hütte nach allen Regeln der Kunst gerockt hat! Yeah! „I wanna Rock n' Roll all Nite, and Party every Day...!“ „Hey, Hey!“  

KISSIN' TIME offerierten ihren Fans folgendes „Rock in Rio“-Spezialprogramm:

Intro
Creatures of the Night
Cold Gin
Makin' Love
I was made for Lovin' You
I love it Loud
Love Gun
God of Thunder
Crazy Nights
Lick it up
Calling Dr. Love
War Machine
Shout it out lout
Black Diamond
Zugabeteil:
Beth
Take me Down Below
Rock n' Roll All Nite
Detroit Rock City

Gegen 1:00 Uhr ist das Festival schließlich zu Ende, der letzte Takt verklungen, danach wird noch eine halbe Stunde zwecks Verweilens an der Theke drangehangen einige lockere Gespräche geführt, sich förmlich verabschiedet und genüsslich eine Cola  geschlürft, wozu es jedoch nicht kommt, weil der Türsteher uns freundlich zu Verstehen gibt, das es an der Zeit ist, zu gehen. Schade, ich  wäre gern noch ein Weilchen an der Theke sitzengeblieben, um mich ein wenig zu unterhalten. Immerhin darf ich meine kühle halbe Cola mit nach Draußen nehmen, ehe in bester Laune die Heimfahrt erfolgt. Nach dem tollen KISSIN' TIME-Auftritt fühle ich mich so richtig befreit!  Irgendwie habe ich seitdem wieder mächtig Bock darauf, meine KISS-Scheiben zu hören...

Schlusswort:

Das Masters of Cassel hat gezeigt, es tut sich etwas in Kassel!  Auf Band mäßiger Ebene ist derzeit in und um Kassel einiges im Gange. Man darf gespannt sein, was in nächster Zeit alles kommt. Dem zuständigen Soundmischer gebührt ein dickes Extralob. So einen klaren Sound hat es im guten alten Musiktheater lange nicht mehr gegeben (!) , da ist man bezogen auf die Vergangenheit so mancher Veranstaltung im MT doch ganz andere weniger berauschende Standards gewohnt. Mit der Location, dem Musiktheater schlicht „MT“ selbst lag das Veranstalterteam wie so oft richtig. An Geräumigkeit und Gemütlichkeit mangelt es diesem Ambiente unter Garantie nicht! Der geöffnete Biergarten hatte auch etwas für sich. Die Regelung mit dem Essen im MT war etwas verwirrend. Hot-Dog-Stand oder Würstchenbude vor'm Eingang wären vielleicht ratsamer gewesen. Unabhängig davon hat mich die 6. Auflage des von mir seit erstmaliger Durchführung besuchten M.O.C.-Festivals in der Ansicht gestärkt, auch nächstes Mal gern wieder nach Kassel zu kommen!

Die Endauswertung des Kasseler Heavy Metal-Szenetrips brachte folgendes Ergebnis:

KISSIN'TIME und REAPER waren top, für MESMERIZED, MY COLD EMBRACE, und FURIOUS ANGER die beachtlicher weise sogar mit den beiden direkt vor ihnen genannten auf Augenhöhe lagen (!) hat sich der Besuch ebenfalls gelohnt. FLESHCRAWL und BLESSED WITH RAGE haben trotz geringerer Zuschauerzahlen überzeugt, und VENEARA sollen, - soweit mir berichtet wurde, auf der Bühne okay gewesen sein; lasse ich all das mal so im Raume stehen, ergibt sich folgendes Gesamtbild: Insgesamt war kein echter Ausfall im bunt gemischten M.O.C.-Billing vertreten und es ist durch die Bank weg allen Bands hoch anzurechnen, das sie sich Zeit nahmen, um das MASTERS OF CASSEL mit ihrem Künsten zu bereichern. Es hat sich gezeigt, das die    Kasseler Härtner-Szene über ein vielfältig buntes Spektrum unterschiedlichster Schwer-Metall Stilrichtungen verfügt, das für jeden Musikliebhaber der harten Klangart Interessantes bereithält.   

Ein fettes     D a n k e (!)    geht ans Veranstalterteam von 98  Records, das mit viel Fleiß, Mühe und Arbeitsaufwand ein Event der Extraklasse organisierte, wie man es für kleines Geld so nicht immer geboten bekommt, dessen Besuch sich lohnte. 12 Euronen für immerhin 8 Bands sind nicht zu viel verlangt. Günstig, den Geldbeutel schonend erschwinglich, überschaubar klein, so soll es sein! Wer dann immer noch motzt, mault und meckert, dem ist nicht zu helfen. Bandauswahltechnisch gab's ein quer Beet gemischtes Billing, bestehend aus Hardcore, Viking-Deathmetal, Metalcore,  Heavy Metal, Progressive-Metal, Crust-Deathmetal, Oldshool-Deathmetal und klassischem Hardrock, wodurch Anhängern harter Klänge ein abwechslungsreich interessantes Festival in angenehmer Atmosphäre geboten wurde. Der Gästeanteil hätte schon deshalb etwas zahlreicher sein dürfen. Wenn schon eine solche Veranstaltung in Kassel angeboten wird, sollte sie von den einheimischen Heavy Metalfans aus Nordhessen dem zufolge wahrgenommen und entsprechend unterstützt werden, unabhängig davon, ob eine Band im Billing auftaucht, deren Stil einem nicht liegt. Das macht erst Reiz und Vielfalt des Heavy Metals aus, - getreu dem Motto: Support the Underground! Hingehen, statt vor der Glotze hockend Mainzelmännchen zählen, King of Queens glotzen oder Zeit für irgendeinen anderen US-Comedyblödsinn unnütz verschwenden! Das Festival hat sich  wie in der Vergangenheit schon des Öfteren gelohnt; am Jahresende öffnet das MASTERS OF CASSEL am 25.12.13 bereits zum 7. Mal die Pforten, um im Rahmen der „Weihnachtsausgabe“ dem omnipräsenten  Festlichkeitsmummenschanz mit all seinen Auswüchsen entgegen wirkend in gewohnter Form gnadenlos den Marsch zu blasen! Der Nikolaus packt die Klampfe aus, - ergo: Kutte übergestreift, Hörnergabel zeigen, Headbangen, drei Runden um den Tannenbaum drehen...,  - süßer die Glocken nie klingen... Für Nordhessens Heavy Metal-Fans ein weiterer Pflichttermin!   

Fotos © 2013 Michael Toscher

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