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STORM CRUSHER Festival 2017 - Wurz, O'Schnitt Halle



Festival vom 14. - 16.09.17

Bands: TÖRR, WUCAN, SATAN, TOXIC, TYGERS OF PAN TANG, EXCITER u. v. a.

Homepage:
STORM CRUSHER FESTIVAL 2017

STORMCRUSHER-Donnerstag, 14.09.17

Einleitung

Das STORMCRUSHER lockt dieses Jahr mit einem besonderen, stilistisch vielfältigem Bandaufgebot. Vom Hard Rock über klasischen Heavy Metal und Thrash bis hin zu Death Metal reicht das Spektrum.

Mitte September ist es soweit: Ich begebe mich mit zwei Kumpels donnerstags am frühem Nachmittag auf die Reise in die Oberpfalz. Nach vier Stunden Fahrt kommen wir schließlich in Wurz an. Erstmal werden Freunde und Bekannte begrüßt, ehe die Zelte aufgebaut werden. Das kühle Wetter macht nicht nur mir zu schaffen, aber ich habe genügend Decken und warme Kleidung für die Nacht im Zelt dabei.

Nach einer Portion Chili Con Carne bei den Essensständen begebe ich mich zu DARKFALL erstmals in die Halle. Der melodische Death Metal der Österreicher ist zwar nicht wirklich meine Tasse Tee, aber handwerklich machen sie ihre Sache gut. Vor allem die Gitarristen stechen mit gelungenen Leadpassagen heraus. Weiter geht es mit dem Abschiedsgig der Bamberger Thrasher DELIRIUM TREMENS. Shouter 'Mütze' Piper kommt stilecht mit Stahlhelm und Patronengurt auf die Bühne. Die Band zockt Oldschool-Thrash der geradlinigen Sorte und heizt den vorderen Reihen ordentlich ein.

Mit WUCAN gibt es anschließend das totale Kontrastprogramm. Schon während des Soundchecks zieht die stimmgewaltige Multiinstrumentalistin Francis Tobolski alle Blicke auf sich. Selbstbewusst gibt sie dem Mischer Anweisungen, bis alles perfekt eingestellt ist. Mit „Wie die Welt sich dreht“ startet die sächsische Combo in ihren Set. Der Großteil des Publikums ist zunächst überrascht wegen des eigenwilligen Stils der Band, den man mit Begriffen wie Psychedelic oder Blues Rock nur ungenau beschreiben kann. Einige sind auf Anhieb begeistert, andere wiederum nutzen den Auftritt zur Pause. Links vor der Bühne - wo ich mich befinde - fallen Vergleiche mit JETHRO TULL, aufgrund des häufigen Einsatzes der Flöte. Bei einem Stück bringt Francis eine Art elektronischen Stab zum Schwingen. Das fünfzehn-minütige Stück „Wandersmann“, bei dem die virtuose Band noch mal alles aus sich herausholt - eine Vorleseeinlage inklusive - schließt den regulären Set ab. WUCAN werden unter reichlich Applaus zur Zugabe gerufen und überraschen das Publikum mit einer mitreißenden Coverversion des DIAMOND HEAD Klassikers „Am I Evil“. Klasse Auftritt!
(MH)



TÖRR sind in der Underground-Szene als die VENOM des Ostblocks verschrien, aber dieser Vergleich wird ihnen nicht ganz gerecht. Verspielte Soli, prägnante Basslinien, sowie ein um einiges tighteres Zusammenspiel heben sie vom britischem Kult-Rumpelkommando ab. Ein großer Eigenständigkeits-Faktor sind außerdem die in der Landessprache tschechisch gehaltenen Texte, die aber den Zugang zur Musik erschweren können. Obwohl die Band beherzt aufspielt, lichten sich im Laufe des Gigs die Reihen vor der Bühne, während ein kleiner harter Kern von Fans in der ersten Reihe bis zum Schluss jeden Akkord zelebriert. Souveräne Vorstellung!
(MH)

STORMCRUSHER-Freitag, 15.09.17



IRON CURTAIN
Kaum reingekommen - schon feuern IRON CURTAIN aus allen Rohren. „Into The Fire“, „Outlaw“, „Satan's Race“, „Turn The Hell On“, „Take it Back“, „Jaguar Spirit“ - alle Nummern wissen restlos zu überzeugen. Obwohl es im Die-Hard-Fanblock gewohnt heftig abgeht, bleibt der Eindruck, dass längst nicht allen der Name IRON CURTAIN geschweige die starken Livequalitäten der Spanier bekannt sind. Im Laufe des Sets ändert sich der Zustand erheblich. Die Gitarrenfraktion entfacht angetrieben vom Schlagzeug immens viel Druck. Vierzig Minuten dynamische IRON CURTAIN-Live-Power, die es in sich hatten und die Headbangerschaft ordentlich ins Schwitzen bringen. Das Gastspiel dieser sympathischen immer alles gebenden Road-Crew ist ein voller Gewinn für das Fetival. Es bleiben glückliche Fans zurück, die sich über eine Ladung knackig fetten Oldschool-Heavy Metal freuen durften.
(MT)

SACRED STEEL starten energiegeladen mit „Heavy Metal Sacrifice“ in ihren Set. Es folgen Volldampfgeschosse wie „Wagods Of Metal“, „Metal is War“ und „Maniacs Of Speed“, die zu heftigem Haareschütteln und Fäuste recken animieren . „Sword Of The King“ vom Debüt Reborn in Steel wird leider wieder abgebrochen, weil die Band den Song nach eigenen Angaben lange nicht mehr geprobt hat. Als Frontmann Gerrit Mutz mitten im Set ans Handy geht und dem Anrufer vor allen Leuten mitteilt, dass er gerade auf der Bühne steht, hat das schon was von Slapstick. Mit„ Let There Be Steel“ und vor allem den beiden Überhymnen „Sacred Bloody Steel“ und „Heavy Metal To The End“ , die von zahlreichen Kehlen mitgesungen werden, kann das Ruder aber noch mal rumgerissen werden und die Schwaben ernten reichlich Beifall. Das nächste Mal aber bitte keine Slapstick-Einlagen mehr und am besten „Sword Of The King“ in voller Länge.
(MH)

Nur mal so am Rande erwähnt...
Während die Sonne scheint, wird über gestrigen WUCAN-Auftritt kontrovers diskutiert. Auf das Flötenspiel von Wucan-Frontfrau Francis angesprochen, entwickelt sich zunächst eine lockere Diskussion, die mit weiteren Bands in deren künstlerischem Schaffen die Flöte fester Bestandteil ist - BLOOD CEREMONY, JETHRO TULL, PSYCHOTIC WALTZ endet. Vergleiche über das jeweilige Flötenspiel (essentieller Grundbestandteil bei WUCAN), die Art der Instrumente usw. ufern danach ins Bodenlose aus. Fakt ist: Bei all diesen Bands haben Flötensoli sicher ihre Berechtigung. Nun wird es Zeit für eine heiße Hardrock-Session:

ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER
Was mir beim Rockhard Festival verwehrt blieb, wird um 19:20 Ortszeit beim STORMCRUSHER-Freitag amtlich nachgeholt: Eine Stunde ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER klasischer Hardrock der guten alten 70er-Schule, wie man ihn als Gourmet solcher Klänge einfach nicht oft genug hören kann. Ein Gefühl, das mich bereits beim Soundcheck von „Traveling Through The Dark“ überkommt. „Zero Emotion“; „No I Don't“, „Distant Bound“, „Traveling Through The Dark“ - Hits haben ROBERT PEHRSSON'S HUMBUCKER am Fließband. Jeder Schuss des klassischen Hardrock-Vierers entpuppt sich als Volltreffer! Es herrscht dauerhaft exzessives 70er-Jahre Rockflair. Die Gitarren der Brüder Robert und Joseph Tholl verteilen viel Druck verbunden mit unwiderstehlichem Drive. Schlagzeug und Bass legen das notwendige Fundament. Der effektivste Pfeil im Köcher des Humbuckers „Send Her My Love“ dringt vor in sämtliche Herzen einer völlig im Rausch heftiger Begeisterung mitsingenden, tanzenden und headbangenden Fanschar. Im Vergleich zum kurzen vierzig Minuten fassenden Auftritt beim Rock Hard Festival, wo zwischen durch der Eindruck entstand, dass die mitten auf der Durchreise befindlichen Schweden ein abgespecktes Durchschnitts-Programm herunter spulten, kommt die geradezu einzigartige Magie des erlesenen 70er-Jahre Classic-Hardrocks in der O'Schnitthalle richtig effektiv an. ROBERT PEHRSONN'S HUMBUCKER bringen haargenau exakt jenes phantastische heute oft nicht mehr vorhandene Flair zeitlosen 70er-Jahre Hardrocks in grundlegender Form zurück, wie man es sich als restlos überzeugter Fan solch in Stein gemeißelt Säulenheiliger Hardrock-Institutionen wie THIN LIZZY/KISS nur allzu gern wünscht!
(MT)

Nach dem Gig immer noch regelrecht überwältigt, geht es mit guter Laune raus zum Essen, das um einiges länger andauert als gedacht, weil vor gepflegtem sich interessanter Gesprächsthemen Hingeben nicht mehr auf die Zeit geachtet wird. Einige Metaller schaffen es immerhin bis zum nächsten Haselnuss-Schnaps, danach ist Schluss... weil der Alkohol schlafend abgebaut werden muss, wie traurig. Wofür treten die Bands auf, wenn ihr sie nicht mitbekommt, weil ihr außer Betrieb seid? Da fehlen einem glatt die Worte... Weiter mit dem Geschehen auf der Bühne:

MINDLESS SINNER
legen bestens wie vom K.I.T. in Erinnerung einen heftigen Gig auf die Bretter. Das liegt neben dem satten Gitarrensound vor allem an Frontmann Chris Göransson, der mittels imposanter Mimik/Gestik das Publikum beeindruckt, dabei sich und seine Mannschaft permanent vorantreibt. Auch das aktuelle Comebackalbum 'The New Messiah' findet Berücksichtigung. Am meisten Jubel in der Menge lösen „We Go Together“ und die beste Perle im Set von MINDLESS SINNER „Master of Evil“ - zwei unverzichtbare Bandklassiker - aus. Das fesselt, da geht permanent ein Ruck durch die Reihen, Fäuste werden zum Takt in die Luft gereckt. Intensives Headbangen stellt sich in der O'Schnitthalle ein, dazu wird fleißig mitgesungen. Das auf traditionellen Schwedenstahl alter Schule eingeschworene Publikum ist aus dem Häuschen, so muss es sein!
(MT)

SATAN
Nun wird es Zeit für die NWOBHM-Legende SATAN. Mit „Trial By Fire“ von Court In the Act legen Brian Ross und seine Schergen energisch und fulminant los. Es folgen „Blades Of Steel“ und „The Devils Infantry“. Die beiden Gitarristen Steve Ramsey und Russ Tippins beweisen ihre Extraklasse und spielen sich mit zweistimmigen Gitarrenlinien und ausgefeilten Soli in einen regelrechten Rausch. Bei „Break Free“ und dem Demosong „Opression“ brechen dann alle Dämme und die Newcastler haben die komplette Halle auf ihre Seite gezogen. Aber auch neuere Stücke wie „2025“, „Incantations“ oder „Testimony“ wissen zu begeistern. Nur die völlig unterschätzte Suspended Sentence wird mal wieder komplett übergangen. Für mich der eigentliche Samstag Headliner!
(MH)

 

TOXIK
Wer geglaubt hätte, dass danach bei den New Yorker Progressive Techno-Speed/ Thrashern TOXIK nichts mehr ginge, sieht sich getäuscht. Bei TOXIK geht sogar noch ne Menge! Angepisste Gesellschaftskritik trifft auf rasante Rhythmus- und Tempowechsel. TOXIK spucken ihrem Bandnamen gerecht werdend Gift und Galle. Allem voran Shouter Charles Sabin, dessen aggressives Bühnenposing verbunden mit harschem Gesang das Publikum in den vorderen Reihen in Wallung bringt. Ab Mitte bis ganz nach hinten wo die Reihen sich deutlich gelichtet haben, geht es ruhiger zu. Die Gitarrenfront erzeugt massiv Druck, dennoch scheiden sich die Geister an dem New Yorker-Quartett. Eine nicht unbeträchtliche Zahl Anwesender denen technisch extrem vertracktes Progressive-Speed/ Thrash-Gebolz mitsamt komplexer Frickelei überhaupt nicht zusagt, verlässt die Halle binnen der nächsten Minuten. Das tut der großartigen Stimmung der TOXIK-treuen, ihre Band bis zum Schluss abfeiernden Fanmeute im vorderen Hallenbereich keinen Abbruch. Erwartungsgemäß bleibt von dem komplex-rotzräudig toxischen Gebräu nicht viel hängen, weshalb das US-Quartett letzten Endes auch nur diejenigen Stormcrusher aus der Reserve lockt, deren Gusto von technisch hochgradig verschachtelt komplexem Speed/Thrash-Progressive-Gefrickel nicht genug bekommt.
(MT)

STORMCRUSHER-Samstag 17.09.17


Nach einem gemütlichem Frühstücksbuffet in einer Wurzer Gaststätte mit Freunden begeben wir uns wieder Richtung Festivalgelände, um SEPTAGON zu sehen. Ihr auf spielfreudige Weise dargebotener Progressive Speed/Thrash Metal weis zumindest die vorderen Reihen zu begeistern. Weiter hinten bleibt es bei gespanntem Zuschauen. Sänger Markus Becker, bekannt von ATLANTEAN KODEX, ist gut aufgelegt und zeigt hier andere Facetten seiner Stimme als bei seiner Hauptband. Das Album Deadhead Syndicate wird zu zwei Dritteln gespielt. Als letzter Song wird mit „Goblin's Blade“ eine energische HEATHEN-Coverversion gespielt.

LIZZIES
Nach SEPTAGON ist mit den LIZZIES Girlpower angesagt! Drei quirlige Spanierinnen und ihr Drummer bringen die Meute vor der Bühne ordentlich zum kochen. Sängerin Elena Zodiac, Gitarristin Patricia Strutter und Bassistin Motorcycle Marina bringen die Attitüde von Bands wie ROCK GODDESS und GIRLSCHOOL authentisch ins Jahr 2017 und rocken was das Zeug hält. Auch von technischen Problemen lassen sie sich nicht aufhalten. Vom aktuellem Album Good Luck werden mit „666 Miles“, „Viper“, „Mirror Maze“, „Russian Roulette“ einige Songs gespielt, zudem eine Coverversion von MC5 namens „Kick Out The Jams“. Mit dem fetzigem, seinem Namen alle Ehre machendem „Speed On The Road“ verabschieden sich die LIZZIES unter tosendem Beifall vom Stormcrusher-Publikum.
(MH)

Auf den fetzigen Goodtime-Straßen-Rock n' Roll-Auftritt der LIZZIES, folgt gegen 17:00 Uhr eine Band, auf die wir uns lange im Vorfeld freuten:

ARGUS
Angeführt von einem stimmlich gut auf der Höhe befindlichen Butch Balich präsentiert sich nun das genaue Gegenteil auf der Bühne. Statt spritzig frei von der Leber weg flott zu rocken, drücken zähfließend schleppende Gitarren und ein leidenschaftlich klagender Gesang den nächsten vierzig Minuten ihren Stempel auf. Auf Frohsinn verbunden mit Rebellion folgt episch nachdenklich machende Trauer-Melancholie. Verfeinert durch den seit geraumer Zeit stärker betonten Epik-Anstrich, liefern ARGUS eine ausdrucksstarke Performance, die zunächst verhalten beginnt und im Laufe der Spielzeit zunehmend mehr Leute vor die Bühne lockt. Die Amis zeigen sich von ihrer besten Seite. Alle tonnenschwer walzenden Riffs und Filigran-Soli sitzen und das Schlagzeug knallt wuchtig laut. Frontmann Butch Balich liefert die stimmlich herausragendste Performance aller Stimmbandästheten an diesem STORMCRUSHER-Samstag. Ein imposant vorgetragenes und von der Fanschaar heftig abgefeiertes „Devil's, Devil's“ erweist sich als goldener Griff in den Fundus der ganz frühen Anfangstage als das Auge des Riesen noch nicht so weitreichende Blickfelder erfasste. „Cast Out“ setzt den episch optimal doomgroovenden Schlusspunkt unter einen emotionell fesselnden Gig, der zeitlich ruhig länger hätte sein dürfen. Argus haben ein grandioses Gastspiel mächtig nachhallender Wirkung gegeben, was der gewaltige Jubel zum Ende bestätigt. Phantastisch! (MT)

SULPHUR AEON


An SULPHUR AEON, dem schwersten Brocken im Billing, scheiden sich die Geschmäcker. Eine größere Anzahl der Bangerschaft weiß mit SULPHUR AEON gar nichts anzufangen, während der kleinere Gästeanteil umso frenetischer im Propellermodus die Haarpracht kreisen lässt. SULPHUR AEON ziehen ihr Ding kompromisslos durch. Der von Themen der Horror/Fantasy-Autorenlegende H.P. Lovecraft beeinflusste und durch Versatzstücke von Black-Metal, Doom und Ambient angereicherte Death Metal des Nordrheinwestfalen-Fünfers zeigt sich trotz geringerer Publikumsstärke vor der Bühne immens durchschlagskräftig. Komplex arrangiertes Material wie „Inexorable Spirits“, „Devotions To The Cosmic Chaos“, „Gateway To The Antisphere“, „Swallowed By The Oceans Tide“ oder „Into The Courts... of Azathoth“zieht das Publikum mit düstere Atmosphäre in seinen Bann. Variabel und zugleich aggressiv mit zeitweilig extrem greifendem Finsterfaktor umgesetzt, punkten SULPHUR AEON bei überzeugten Extrem-Metalfans, und können darüber hinaus Anhänger außergewöhnlicher Klangwelten ebenfalls für sich gewinnen. Im Rahmen des SULPHUR AEON-Gastspiels ist ein wechselhaftes Kommen und Gehen zu beobachten, während die Band vom kleinen Die-Hard-Fanblock abgefeiert wird und darüber hinaus neugierige Besucher anderer Stilrichtungen anzieht. Ergo: SULPHUR AEON haben sich wacker in Wurz geschlagen, wenngleich das Groß des Stormcrusher-Publikums nicht unbedingt auf die northrhein-westfälischen Horror-Deathmetaller gepolt ist. (MT)

HIGH SPIRITS
nach soviel Finsternis,Trauer, Wut und Klage liefern HIGH SPIRITS als totaler Kontrast die alles überragende gut gelaunte Party-Session ab. Der gesamte O-Schnitt-Hallenkomplex dreht restlos durch! Soviel High Energy Rock n' Roll, reißt förmlich jeden mit. Chris Black & Co. haben in Windeseile das gesamte Ambiente auf ihrer Seite. Im Hallenbereich spielen sich unglaubliche Szenen ab. Freudestrahlende Fans singen lautstark mit und feiern ausgelassen tanzend und Fäuste reckend eine Party , darunter auch ATLANTEAN KODEX-Gitarrist Manuel Trummer. Alles brüllt, singt, schreit, rockt und bangt zu Nummern wie „Full Power“, „Torture“, „Do You Remember“, „Demons at the Door“ und natürlich der überragenden Hymne: „Another Night in the City“! Bereits kurz vor Schluss skandiert die halbe Halle lautstark: „Hiiiiighiiiiiiigh Spiiiiiiiriiiiiits!“ Der Mitsingfaktor bei allen Stücken - egal was gespielt wird - ist so hoch wie bei keiner anderen Band dieses Festivals. Mir stehen sämtliche Nackenhaare zu Berge. HIGH SPIRITS zerlegen die O'Schnitthalle mit sechzig Minuten gefühlter High-Energie-rock-power-Dynamik - das Ambiente verwandelt sich zum Hexenkessel! Bassist Bob Scott kletttert vor der Bühen auf die Boxen und lässt sich vom der Menge feiern. Sympathischerweise intoniert ein bis auf's Hemd völlig klatschnass geschwitzter Chris Black zusammen mit den Fans -'High Spirits'-Chorgesänge, um kurz vor Ende anzukündigen: „Wir danken den Fans in Deutschland und: Wir kommen wieder!“ Ja, so wollen wir das hören, Chris! „Thank You“ beschließt den Auftritt stilecht, wodurch Mr. Black's Statement untermauert wird. HIGH SPIRITS wollen zu ihren Fans zurück, d. h. die Fans sollen die Amis bei der Rückkehr auf deutsche Bühnen ebenso tatkräftig unterstützen wie beim STORMCRUSHER-Festival 2017, wo sie einen denkwürdigen Auftritt hinlegen, der in die Geschichte des kleinen Festivals in Wurz bei Püchersreuth in der Oberpfalz eingeht!

Ohne das geringste Wenn und Aber bleibt festzuhalten: HIGH SPIRITS haebn die Halle derart auseinandergenommen wie keine Band vor oder nach ihnen. Weder SATAN, noch die später folgenden EXCITER - so geil die auch waren - kamen resonanztechnisch an HIGH SPIRITS heran. Wenn hinterher noch immer überall HIGH SPIRITS-Gesänge zu vernehmen sind, sagt das eigentlich alles!
(MT)

OLIVER DAWSON (SAXON)
fahren eine bunt gemischte Palette diverser End 70er und Früh80er-SAXON-Klassiker, zu denen das heftig in den vorderen Reihen im Takt mitrockende Publikum abgeht. Das von High Spirits geöffnete Fass erweist sich selbst für die stets im Schatten des Stahladlers agierenden Engländer ein wenig zu groß. Da können die zwei Ex-SAXON-Seitenvirtuosen Graham Oliver und Steve Dawson auch noch so viele Klassiker ins Publikum feuern, obwohl unabhängig dessen bei zeitlosem Material wie „Frozen Rainbow“, „Crusader“, "747 (Strangers in the Night)", "Motorcycle Man, "Prinzess of the Night", „Dallas 1 P. M.“ und einem fett in die Menge geröhrten „Wheels of Steel“ als fett abgefeierten Schlussakkord Stimmung herrscht. So schön das alles auch klingen mag, SAXON ohne Biff? Da fehlt mir bei aller Liebe zur Musik gewaltig etwas! SAXON im Original sind - hier gibt es nichts schön zu reden - eine ganz andere Liga.  Letzenendes bleibt der Eindruck einer zeitweise durchaus recht stimmungsvollen SAXON-Covershow mit ehemaligen Orginalmitgliedern zurück.
(MT)

TYGERS OF PAN TANG
Nach dem fulminantem HIGH SPIRITS Gig und der OLIVER DAWSON SAXON Covershow müssen sich die TYGERS OF PAN TANG ordentlich ins Zeug legen, um den Stimmungspegel zu halten. Auch wenn einige Leute unverstädlicherweise den Auftritt zur Pause nutzen, sind die Briten und ihr italienischer Sänger hochmotiviert. Robb Weir und seine Bande setzten mit dem quirligem Opener „Only The Brave“ vom aktuellem Album einen gelungenen Startschuss. „Gangland“, „Love Don't Stay“und „Euthansaia“ stetzen die NWOBHM-Hardrock-Sause fort. Sänger Jacopo Meille ist bestens bei Stimme und weis das Publikum zu animieren. Auch neue Stücke wie „Keeping Me Alive“ und „Glad Rags“ kommen bestens bei der Tygers-Fangemeinde vor der Bühne an. Bei den Klassikern „Don't Stop By“ und „Hellbound“ vom Spellbound Album neigt sich der Gig dem Ende zu und mit „Love Potion Number 9“ verabschieden sich die Tiger aus Whitley Bay Uk schließlich von ihren Fans. Klasse Auftritt, lediglich „Suzie Smiled“ wurde vermisst.
(MH)

Noch gut ausgepowert von der NWOBHM-Institution TYGERS OF PAN TANG erwartet uns zum krönenden Abschluss die ultimative Vollbedienung:

EXCITER
gehen vom Start weg kompromisslos direkt zur Sachen. Bei den Herren Ricci, Johnson und Beehler geht es gnadenlos mitten rein in die Vollen. Mit Ausnahme der High Energy-Metaller High Spirits verbucht Kanadas Speed-Urgestein EXCITER den größten Publikumsschnitt aller auftretenden Acts. Darüber hinaus hat man schon früh eine ganz dicke Überraschung parat. „Violence and Force“ wird gleich als dritter Song nach dem fulminanten Auftakt mit „I am The Beast“ und „Rain of Terror“ ins Publikum gefeuert. Egal, was danach kommt, „Victims of Sacrifice“, „Cry of the Banshee“, „Iron Dogs“... das Publikum in den vorderen bis mittleren Reihen rastet bei derartig rotzig die grobe Kelle schwingendem Hochkaräterspeed komplett aus. Die tonnenschwer doomlastige Walze „Pounding Metal“ bildet wohltuenden Kontrast zu den anderen elf überwiegend schnellen Speedgranaten. John Ricci (Gitarre), Dave Beeler (Vocals, Gesang) und Allan Johnson (Bass) bilden seit ihrer Wiedervereinigung eine kompakt harmonierende Einheit, die gar nicht allzu viel Anlauf braucht, um frisch geölt wie eine Maschine in ihren Rhythmus zu finden. Eine Abrisscrew, die keinen Wunsch offen lassend für eine tobende Fanmeute sorgt. Heute nicht mehr so junge Semester genießen das Spektakel im hinteren Hallenbereich im Stehen. EXCITER agieren am gewohnten Limit. In dem, was sie tun, sind sie immer eine Größe, mit der stets zu rechnen ist. Zwar trifft Dave Beehler die Hochtonschreie aufgrund seiner Erkältung nicht ganz so sicher wie gewohnt, doch tut das der großartigen Stimmung wenn überhaupt nur bedingt Abbruch. „Heavy Metal Maniac“ - essentiell unverzichtbar - fehlt ebenso wenig, wie ein kräftiges „Long Live The Loud“. Der alle restlich verbliebenen Kraftreserven der Fans mobilisierende Zugabeteil „Beyond The Gates Of Doom“/„Stand up and Fight“ beendet einen weiteren amtlichen Gig der Kanada-Speedlegende EXCITER, womit kein Anhänger des räudigen Ahornblatt-Trios enttäuscht nach der Veranstaltung sein Lager am Zeltplatz aufsucht. Die Kanadische Speed n' Thrash Institution musste zwar den HIGH SPIRITS den Tagessieg überlassen, hat aber dennoch zweifelsfrei einen Headliner-würdigen Gig abgeliefert.

Mit dieser Setlist brachten EXCITER die O'Schnitt-Halle ins Wackeln:

1. I am the Beast
2. Rain of Terror
3. Violence & Force
4. Victims of the Night
5. Cry of the Banshee
6. Iron Dogs
7. Pounding Metal
8. Rising of the Dead
9. Heavy Metal Maniac
10. Long Live The Loud
11. Beyond the Gates of Doom
12. Stand up and Fight!

(MT)

Festival-Nachwort:
Das 2017er STORMCRUSHER-Festival sorgte für ein erstklassiges Wochenende in lockerer Atmosphäre. Wir haben unseren erstmaligen Besuch sehr genossen. Essen und Getränkeauswahl waren gut, die Preise auch. Neben den drei FESTIVAL-Bringern HIGH SPIRITS (gigantisch!), SATAN und EXCITER und dem fettem 70er-Retro-Gourmetgig von ROBERT PEHRSON'S HUMBUCKER überzeugten am meisten die TYGERS OF PAN TANG, MINDLESS SINNER, ARGUS, LIZZIES und WUCAN. Nächstes Jahr legt das STORMCRUSHER erst mal eine Pause ein, aus Gründen, die aus unserer Sicht nachvollziehbar sind.

Geschrieben von Michael Toscher (MT) und Melissa Hart (MH).

Fotos: Michael Toscher und Melissa Hart

 

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