HAMMER OF DOOM XII - Würzburg, Posthalle

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Festival vom 17. - 18.11.17

mit: WARNING, LUCIFER'S FRIEND, TIME LORD, CIRITH UNGOL

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HAMMER OF DOOM

Am dritten Novemberwochenende lockte erneut ein hochkarätiges Billing zum Stelldichein der gepflegten Zeitlupe mit einigen bereits im Vorfeld heftig diskutierten, deutlich aus dem Rahmen fallenden Farbtupfern zur 12. Ausgabe des HAMMER OF DOOM nach Würzburg. Erstmals war das Festival nach vielen Jahren vielleicht wegen dem besonderem Headliner ausverkauft. Namen wie LUCIFER'S FRIEND, WARNING, TIME LORD und CIRITH UNGOL versprachen einen Event der ganz besonderen Art.

Freitag, 17.11.2017

Eine Prozession im Tempel von Lucifer's Freund

THE TEMPLE
Pünktlich um 18:00 zu THE TEMPLE vor der Bühne, bestätigt der griechische Epic-Doomvierer meine Erwartungen. Die Halle ist zum frühen Freitagabend bereits ansprechend gefüllt. Raumgreifende Riffs treffen epische Verspieltheit auf traditionellem Nährboden, dessen Schnittmuster sich in fundamentalen Spannungsbögen ergießt. Parallelen zu WHILE HEAVEN WEPT kommen an mancher Stelle bei der Truppe aus Thessaloniki durch. Nummern hypnotischen Schnittmusters wie „Mirror of Souls“ oder „Strength For A Dawn“ machen jede Minute von THE TEMPLE zum epischen Genuss, der Publikumsanteil erhöht sich während des Sets deutlich. Im Gedächtnis bleibt ein gelungener Auftakt, der gleich mal die richtigen Akzente gesetzt hat.

WITCHWOOD
betören die HOD-Besucher mit einer griffigen Melange knackigen Hardrocks aus dem 70er-Fundus alter Helden wie DEEP PURPLE, URIAH HEEP, RAINBOW, BLACK SABBATH, JETHRO TULL und BLUE ÖYSTER CULT denen manchmal sogar leichtes Southern-Rockflair á lá LYNYRD SKYNYRD entströmt,  die immens facettenreich aus den Verstärkern dröhnt. WITCHWOOD legen ein satt rockendes Fundament, aufgewertet von spritzigen Leadsoli. Klar, dass sich die Posthalle bei solch einer knackigen Livesession bereits nach wenigen Minuten prächtig füllt. Gefühlvoll sich im Raum verbreitende Flötentöne beweisen im Zusammenspiel neben uriger Hammondorgel sowie verspielter Gitarrenriff-Ästhetik enorm stilvolle Treffsicherheit bei massig Spirit verteilenden Classic-Rockern vom Format "A Grave is the River", "Liar", "A Place in the Sun" oder "Handful of Stars". Je länger die Mannschaft aus Italien den Bretterwald beackert, desto besser kommt sie beim H.O.D.-Publikum an, das zurecht verdient fetten Applaus zollt. - Mit WITCHWOOD ist der klassische Hardrocksektor um eine richtig empfehlenswerte Band reicher!



PROCESSION
In der nächsten Dreiviertelstunde bestimmt Chilenen-Doom inklusive schwedischer Beteiligung das Geschehen. PROCESSION sind wie 2013, als sie die Posthalle gnadenlos in Grund und Boden doomten, eine mächtig rollende Walze und eine echte Bereicherung für das HAMMER OF DOOM! Bezogen auf die Publikumsmenge könnten PROCESSION - wohin das Auge reicht - sogar als eigentlicher H.O.D.-Headliner durchgehen. Auf lange Ansagen wird bewusst verzichtet, stattdessen lassen Felipe Placa & seine Crew die Verstärker sprechen. PROCESSION machen erneut keine Gefangenen, ihre auf wuchtige Weise heroisch und rasant vorgetragenen Epik-(Doom)-Hymnen treffen zielsicher mitten ins Schwarze. Der an diesem Freitagabend mehrfach gezogene Vergleich - sowohl von Fans als auch schreibender Kollegenschaft - PROCESSION seien 'die MANOWAR des Doom' bestätigt sich in der Tat. Solch erhaben fette Breitwandriffs umgeben von massiv episch heroisch zelebrierter Schwere lassen schon so manches Mal an die einstigen 'Kings of Metal' zu 'Into Glory Ride' Zeiten denken. Bei dem Überhammer „To Reap The Heavens Apart“ findet das vom Start weg impulsive Stimmungslevel seinen ultimativen Höhepunkt. Nach der starken Vorstellung gerate ich zum ersten Mal ins Schwitzen...



LUCIFER'S FRIEND
Als ich bereits im letzten Jahr allein den Namen dieser einen Band las, wusste ich – du kommst nächstes Jahr wieder zum HAMMER OF DOOM!
So böse, wie ihr Name klingt, sind LUCIFER's Friend überhaupt nicht. Die kauzigste Band im Billing wird ihrem legendärem Ruf gerecht. Häufig wechselnde Taktfolgen im 70er-Jahre Beat garantieren unterhaltsame Abwechslung. Je weiter LUCIFER'S FRIEND ihre Form finden, desto mehr Bewegung bringen sie in die zunehmend komplett am Stück durchdrehende Fanmasse! Alle Instrumente der Hamburger Band mit britischem Sänger John Lawton klingen voluminös. Die zunächst noch leicht spürbare Zurückhaltung legen sie schnell ab. LUCIFER'S FRIEND zaubern den brilliantesten Set auf das Parkett. Sie zelebrieren eine solch traumhafte Fusion aus klassischem Hardrock, Jazz, und einer Vielzahl von Progressiverock-Elementen aus dem Lehrbuch, die ihren hohen Status im Billing eindrucksvoll unterstreicht.

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Umgeben von Gitarrist Peter Hesslein und Bassmann Peter Horns läuft das Ursprungstrio um Ex Uriah Heep-Sänger John Lawton zu wahrer Höchstform auf. Keyboarder Jogi Wichmann entlockt seinem Tasteninstrument Soundhexereien vom Feinsten, die selbst stilprägende Raumklangvirtuosen á lá Rick Wakeman kaum besser hinbekommen. Stefan Eggarts' Schlagzeugspiel passt sich dem Gesamtniveau an. In der gesamten Halle schwebt ein kräftiger Hauch prickelnder Magie – es beschleicht mich die Ahnung, dieser Auftritt könnte zum ultimativen Festivalhighlight des H.O.D.- Freitags werden und was sich danach in der Halle abspielt, bestätigt es!

Selbst Procession werden resonanzmässig von der einstigen Experimential -Kauzrock-Legende übertroffen, die ihren mehr als dritten Frühling feiert.
„Pray“, „Fire and Rain“,„In the Time of Job“, „Demolition Man“, „Keep Goin'“, „Hey Driver“und „Riding High“ sind Inhalt einer regelrecht berauschenden Vorstellung. Das lange Piano/Synthesizer-Solo sorgt für gelungene Überbrückung, ehe „Moonshine Rider“, „Burning Ships“ und ein phantastisches von zahlreichen Kehlen laut mitgesungenes „Ride The Sky“ den Reigen hochkarätiger Hardrock-Perlen zunächst beenden. Schluss ist allerdings erst, wenn die Fans es wollen - und die wollen noch mehr: „Rock n' Roll-Singer“ und ein rasantes fast auf Lichtgeschwindigkeit fliegendes „High Flying Lady-Goodbye“ lassen die Herzen der treuen Anhängerschaft scharenweise höher schlagen, das unglaubliche Stimmungslevel hat alles vorherige getoppt!

LUCIFER'S FRIEND lieferten den imposanten Topgig eines cremigen H.O.D.-Freitags. Das war sowohl befreiend als auch geschichtsträchtig.

Den festivalwürdigen Rock n' Roll-Soundtrack zum Event lieferten LUCIFER'S FRIEND hiermit:

1. Pray
2. Fire and Rain
3. In The Time of Job
4. Demolition Man
5. Keep Goin'
6. Hey Driver
7. Riding High
8. Piano/Synthesizer-Solo
9. Moonshine Rider
10. Burning Ships
11. Ride The Sky
Zugaben:
12. Rock n' Roll-Singer
13. High Flying Lady-Goodbye

WARNING
wurden bereits im Vorfeld von vielen Fans mit Spannung erwartet. Treibende Kraft hinter WARNING ist 40 WATT SUN-Gitarrist/Frontmann Patrick Walker, dessen dominante sich in stets gleichbleibender Monotonie ergießende Gitarre Parallelen zu seiner anderen Band aufwirft. Auf diese Art von Musik muss man sich nach dem feuchtfröhlichen, eher einer zügig harten Rock n' Roll-Party aus den 70ern gleichenden Gig des Krautrock-Urgesteins Lucifers Friend einlassen können, sonst plätschert das ganze Trauerspiel spätestens nach dem dritten Song konstant dauerhaft an einem vorbei. Merke deshalb: Verstörend monotone Gleichklangarien sind grundlegender Bestandteil bei WARNING. Zentnerschwer bedrückend episch depressiv im bis zur letzten Sekunde ausgelebten Zeitlupentempo schält sich ein gefühlt raumgreifend ausgedehntes Grundriff an das nächste, den Zustand hypnotischer Trance direkt auf den Punkt konzentrierend. Ein größerer Publikumsanteil ist gelangweilt von soviel monoton zähfließend bedrückend bleierner Schwere und zieht sich zur Theke zurück, geht zwischen durch eine Dampfen, verlässt früher die Location oder stattet den üppig bestückten Merchständen einen Besuch ab - während der andere Teil bis etwa zur Hälfte verbliebene treue Rest sich fleißig im Zeitlupen-Headbangen übt oder von der Band komplett ergriffen in den Bann gezogen wird. Entsprechend geteilt fallen die Reaktionen auf die im Vorfeld immens hochgelobte Band aus, obgleich WARNING ihren Headlinerstatus verdient erfüllen, um nach fünfundsechzig Minuten ohne (mögliche?) Zugabe von der Bühne gehen, was nach Beendigung der Vorstellung für heftige Diskussionen sorgte.

Um den hinterher im Anschluss der WARNING-Vorstellung sich fleißig verbreitenden, auf haltloser Spekulation basierenden Gespenstergeschichten nüchtern entgegen zu wirken: Das war im Vorfeld vom Veranstalter so angekündigt - von Arbeitsverweigerung keine Spur.

Samstag, 18.11.2017

Der Raben-Graf findet einen Heidenaltar gegenüber dem Pass der Spinne

CRANIAL

Neugierde auf die Würzburger Lokalmatadoren steht in den Gesichtern des pünktlich anwesenden Besucherklientels geschrieben. Allerdings polarisiert die dargebotene Mischung aus neun bis zwölf Minuten sich hinziehendem atmosphären Sludge, heißerem Gekeife und Black-Metal-Knüppelparts erheblich. Manch einer kam ins Rätseln, was das für Musik sei. Neben einigen satten Grooveparts will bei den Würzburgern noch nicht alles zünden, obwohl ihnen doch eine respektable Leistung zu bescheinigen ist. Am Ende bekommen CRANIAL verdient Applaus für eine Vorstellung, die zumindest als recht annehmbarer Auftakt durchgeht.

BELOW

Die Tatsache, dass die schwedischen Epic-Doomer BELOW schon wieder so früh wie beim letzten HOD-Besuch 2013 um 14:00 Uhr auf die Bühne müssen, hindert sie nicht daran, eine volle Ladung kraftvoller Epic-Hymnen ins Publikum zu schmettern. Stücke wie „Suffer in Silence“ oder „Hours of Darkness“triefen förmlich vor Theatralik. Warum allerdings der Gitarrensound an mancher Stelle seltsam dünn klingt, erschließt sich mir nicht. BELOW hinterlassen unabhängig davon trotzdem erneut bleibenden Eindruck beim H.O.D. Aus meiner Sicht bestätigen die Schweden ihren derzeitig starken Aufwärtstrend trotz der Tatsache, das sie ihre Spielzeit nicht vollständig ausfüllen – weshalb der Epic-Doom-Trip abrupt ein wenig schneller als erwartet zu Ende ist. - Welcome Back to Würzburg!

NAEVUS ziehen mit ihrem aus dem Rahmen fallenden Power-Doom bereits eine Vielzahl an Leuten in die Halle. Statt schleppend schwerblütig zu agieren werden ganze Wagenladungen fließender Grooves en Masse verabreicht. Wellenbrecher vom Format „Skydiver“ oder „The Art to Love“ zwischen Acts wie CATHEDRAL und TROUBLE fesseln zunehmend mehr. Eine Tatsache, die sich auch an der hohen Zahl der anwesenden Headbangerschaft bei der Bietigheim-Bissinger Doomcrew bemerkbar macht, deren imposanter Auftritt in der Posthalle bis
zum Schluss zurecht von der treuen Fangemeinde abgefeiert wird. Viele strahlende Gesichter sind verdienter Lohn einer fesselnden Darbietung.

CRIPPLED BLACK PHOENIX

sind ein Farbtupfer im Billing, der nicht jedem schmeckt, und es auch nicht muss. Ähnlich wie bei WARNING gilt: Man muss sich auf diese Art von Musik einlassen, um sie zu verstehen, beziehungsweise um ihr etwas abzugewinnen. Was das Ensemble um Multi-Instrumentalist Justin Greaves auf der Bühne darbietet, wirkt harmonisch und raumgreifend. Es ist fast schon exotisch verbunden mit epischer Sphärenlastigkeit, was sich erfolgreich auf das gespannt lauschende Publikum überträgt. Phasenweise kommen Gedanken an Pink Floyd oder CCR hoch. Das Gesamtbild auf der Bühne wirkt in sich geschlossen stimmig. Eine gekonnte Mischung von Prog&Artrock und Stoner-Rock verbindet sich mit freakigem Folkanteilen zu einer völlig eigenständigen Melange, die sowohl berührt, als auch mitreißt, fesselt oder nachdenklich macht. Nichts für Hardliner und Puristen, dafür blühen Leute mit Hippieader bei C. B. P. förmlich auf. Natürlich sind CRIPPLED BLACK PHOENIX nicht eines jeden Sache, dafür wirkt die emotionale Mischung ihrer Musik zeitweise recht erdrückend, was extrem gespaltene Reaktionen hervorruft. Die Frage, ob CRIPPLED BLACK PHOENIX ins Billing passen oder nicht, beantwortet sich ganz von selbst, denn ein Großteil der Leute lauscht neugierig den Klangorgien der düster- melancholisch fast schon exotisch anmutend schrägen Mischung, versinkt zeitweise gar darin oder findet auch zunehmend Gefallen daran, während der andere Teil sich in dem Gefühl sonnt, man hätte rein gar nichts verpasst. Schwierig zu beurteilen, doch eines ist Fakt: Das Gesamtbild bei CRIPPLED BLACK PHOENIX spricht unabhängig dessen, wie man zu der Musik steht, deutlich für sich.

THE VISION BLEAK

Obwohl sie zu den wichtigsten Brücken bauenden Combos für den schwarzen Sektor gehören, werden die von Horror-Literatur inspirierten Gothic-Metaller THE VISION BLEAK von der größeren Masse des HOD-Publikumsanteils sträflich unterschätzt. Geigerin Alice Deinert verleiht dem aus Death, Black-Metal, Horror und Gothic-Einflüssen bestehenden Material eine interessante Stilnote. Gewöhnungs bedürftig ist allerdings der Fakt, das THE VISION BLEAK ohne Bassist auftreten. Hinsichtlich extremer Dramatik sind die Düstermetaller eine Bank, sie hätten etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Zwischen Neugierigen in den hinteren Reihen und Band treuem Fanklientel in den vorderen Reihen klafft in der Mitte eine größere Lücke. THE VISION BLEAK ziehen tapfer ihren Set durch und ernten Anerkennung in Form von Beifall. Zumindest werden sie von ihrer eingeschworenen Anhängerschaft entsprechend unterstützt. Auch THE VISION BLEAK haben ihr treues Publikum, das ihnen verdientermaßen Beachtung entgegenbringt. Egal wie man zu den amtlich bei EMPYRIUM aktiven Protagonisten Schwandorf und Konstanz steht: Der finstere Gesang geht mit exzellentem Düsteratmosphären-Level einher. Zwischendurch bilden Black Metal-Breitseiten wohltuenden Kontrast zu anspruchsvollen Gothic-Horror-Metal Strukturen. THE VISION BLEAK haben das für sie machbare Pensum geleistet, ihr kleines, umso begeisterteres Fanklientel überzeugt, was sich bis zum Schluß durch Faustrecken, Headbangen und Tanzeinlagen äußert.

THE DOOMSDAY KINGDOM
spätestens bei THE DOOMSDAY KINGDOM füllt sich die Halle so dermaßen mit Leuten, das überall, wo das Auge hinblickt, geschlossene Reihen stehen. Wenn einer die Bezeichnung 'The Godfather of Doom' tragen darf, dann ist es CANDLEMASS/AVATARIUM-Bandchef Leif Edling, der heute mit seinem neuen Baby THE DOOMSDAY KINGDOM die H.O.D.-Bühne heftig zum Erschüttern bringt. Überhaupt liegen THE DOOMSDAY KINGDOM gar nicht allzuweit von CANDLEMASS, der Gründerformation des epischen Zeitlupengitarren-Sounds entfernt.
Wolf (SWE) Sänger Niklas Stalvinds theatralische Gestik gehört für die treu in Reih und Glied versammelte Anhängerschaft ebenso dazu, wie das klassische Posing des dunkel gelockten Leadgitarristen Markus Jidell, der durch effizient inszenierte Filigran-Soloeinlagen sein Können aufblitzen lässt. Von seinem Frontsänger Niklas Stalvind mit der Ansage „Most call him the Godfather of Doom. I call him a Friend“ vorgestellt, erhält Mr. Edling den ihm gebührenden Applaus, um sich applaudierend vor den Fans zu verneigen. Der Stimmungspegel ist schon früh bei traditioneller Doom-Verköstigung wie „The Sceptre“, „Never Machine“ oder „A Spoonful of Darkness“ extrem kribbelnd. Er steigert sich kontinuierlich bis zum Schluss, ehe die lautstark von der THE DOOMSDAY KINGDOM-Jüngerschaft herbei gerufene Hand aus der Hölle („Hand of Hell“) noch einmal kräftig um sich greift. Damit darf sich die Schweden-Truppe einen recht bemerkenswerten Achtungserfolg an ihre Fahnen heften, den es künftig mittels weiterer Gigs zu bestätigen gilt!
Nachdem THE DOOMSDAY KINGDOM die Bühne verlassen haben, überkommt mich das Gefühl, an dem Abend geht noch wesentlich mehr...

COUNT RAVEN
Wer dachte, das nach The Doomsday Kingdom bis CIRITH UNGOL zunächst einmal nicht mehr viel kommen würde, sieht sich schnell getäuscht. COUNT RAVEN können locker einen drauflegen. Das im Black Sabbath-Stil groovende Trio macht immer noch das, was es vor zwanzig Jahren auch schon tat, und darüber hinaus auf exzellenter Qualitätsbasis. So nahe an BLACK SABBATH zu Rock n' Roll-Madman Ozzy Osbournes Zeiten, dessen Spirit COUNT RAVEN so intensiv wie keine andere Combo in sich trägt, kommt so gut wie keiner heran. Ein schweres bedrohlich walzendes Riff nach dem anderen rollt über die Köpfe der Fans hinweg. Bandleader Dan Fondelius singt so inbrünstig, als würde Ozzy höchst persönlich auf der Bühne stehen. Er entlockt seiner Leadgitarre zu kraftvoll tonnenschwer dynamischen Klangeruptionen der Marke „The Poltergeist“, „Wolfmoon“, „The Nephilims“, „The Entitiy“ oder „The Madman from Waco“ serienweise süchtig machende Soli. Bassist Samuel Cornelsen (der seit 2017 auch bei GOATESS das Langholz schwingt), post so derb am Viersaiter, als würde er selbst eine Sechssaitige bedienen. Drummer Jens Bock bearbeitet sein Schlagzeug mit so satter Wucht, dass es die auf traditionellen Schwerblüter-Metal stehende Hammer of Doom-Fangemeinde regelrecht packt. Ein Heer in die Luft gereckte Fäuste und fliegende Mähnen des prächtig mitgehende Publikum lassen diese Livesession zum Erlebnis der Sonderklasse mutieren. Das Ambiente der Posthalle gleicht einem Hexenkessel. COUNT RAVEN liefern die bis dahin beeindruckendste Vorstellung des H.O.D.-Samstags und sorgen
beim bärenstarken Dreierpack „High on Infinity“/“Nashira“/ “Jen“ im Schlußfinale für den optimalen Abgang einer grandiosen Vorstellung!

TIME LORD (ehemals PAGAN ALTAR)
Wie würden sich die NWOBHM-Okkult-Doomer TIME LORD bestehend aus der PAGAN ALTAR-Besetzung mit neuem Sänger ohne den traurigerweise an Krebs verstorbenen Bandgründer Terry Jones, dessen Erbe sein Sohn Alan fortsetzt, in der Posthalle wohl schlagen? Würden sie mit ihrer Tribute-Show vor einem solch kampferprobt stilsicheren Publikum auf dem H.O.D. bestehen? Zahlreiche Fans stürmen eiligen Schrittes in die Halle, um sich TIME LORD nicht entgehen zu lassen. Allein die zu Beginn der Show zu hörenden okkulten Hmmm, Hmmmm, Hmmmmm, Hmmmmmm.... Choralgesänge tragen sofort auf Anhieb stimmungsvolles Flair ins Ambiente. „Highway Cavalier“ und „The Cry of the Banshee“, gefolgt von einem gruseligen „The Black Mass“ setzen soviel zeitlos urigen 80er-Spirit frei, dass es keinen wirklich überzeugten PAGAN ALTAR-Anhänger wirklich lange auf dem Sitz hält. STONE DAGGER-Sänger Brendan Radigan kommt seinem Vorgänger stimmlich extrem nahe und überzeugt auf ganzer Linie. Der Mann schafft es, jeden einzelnen Song in eigener Weise glaubwürdig zu intonieren, ohne vom legendären Vorgänger abzukupfern. TIME LORD lösen reichlich viel positive Stimmung aus. Die Saitenfraktion angeführt von Terry Jones' Sohn Alan spielt mit einer unbekümmert Spritzigkeit auf, angetrieben vom kompakten Schlagzeugsound. Episches Okkult-NWOBHM-Kulturgut der Marke „Highway Cavalier“, „The Cry of the Banshee“, „The Black Mass“, „Dance of the Vampires“, „The Lords of Hypocrisy, „Demons of the Night“ oder „Judgement of the Dead“ lässt das von hochgradiger Nostalgie gefesselte Publikum geradezu dahinschmelzen oder komplett ausklinken.

Als PAGAN ALTAR-Tribut gedacht, entwickelt sich der Gig zum wahren Triumph. Ähnlich wie bei Lucifer's Friend am Freitag bringen TIME LORD mit ihrer originellen zugleich extrem unorthodoxen Spielweise soviel unglaublich magisches Feeling auf die Bühne, dass bei jedem auch noch so kleinsten Takt bzw. gespielten Ton die Luft knistert und vibriert.

Die Ankündigung, das TIME LORD für weitere Gigs nach Deutschland zurück kommen, wird mit kräftigem Applaus quittiert. Danach ziehen die zeitreisenden Lordschaften ihr Programm sicher bis zum Ende durch um sich von den Fans feiern zu lassen. Somit wurden auch TIME LORD (ehemals Pagan Altar) ihrem Co.Headliner-Status würdevoll gerecht.

TIME LORD brachten die Kerzen mit folgender Setlist zum Glühen:
1. Highway Cavalier
2. The Cry of the Banshee
3. The Black Mass
4. In the Wake of Armadeus
5. Dance of the Vampires
6. Sentinels of Hate
7. The Lords of Hypocrisy
8. The Aftermath
9. Demons of the Night
10. Judgement of the Dead
11. March of the Dead

CIRITH UNGOL
Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Nach ihrem beeindruckenden Gastspiel mit leichten Soundproblemen auf dem K.I.T. sind diesmal alle Zweifel am Sound von CIRITH UNGOL ganz schnell beseitigt, denn der ist heute top! Kein Wunder, dass die Halle pünktlich zu Beginn der Live-Session zum Bersten gefüllt ist, womit spätestens bei CIRITH UNGOL der H.O.D.-Festivalbesucher-Höchststand von 1.800 erreicht sein dürfte. Die Legende aus Ventura wartet mit zweistündiger Killer-Setlist auf, die dem unangefochtenen Headliner auf dem HAMMER OF DOOM würdevoll zur Ehre gereicht und präsentiert sich darüber hinaus in beeindruckender Höchstform. Die Zeichen für die Frost und Feuer-Könige stehen auf Sturm! „I'm Alive“ eröffnet den Klassiker-Reigen, „Edge of a Knife“, „Frost and Fire“, „Atom Smasher“, „Black Machine“, „Master of the Pit..., „King of the Dead“, „Finger of Scorn“ sorgen für ein Meer erhobener Hände. CIRITH UNGOL haben das gesamte Publikum sicher im Griff.



Tim Bakers herrlich auf bissige Weise krächzendes Organ kommt eindrucksvoll zur Geltung, auch das Licht ist bestens eingestellt.
Heute passt alles, zumal der Set gefühlte 2 Stunden am Stück andauert - ein Paradies für die Anhängerschaft epischen Kauz Metals! NIGHT DEMON-Bassist Jarvis Leatherby, der darüber hinaus an der Seite von Rhythmusgitarrist Greg Lindstrom durch gewohnt hohes Energielevel beeindruckt, treibt zusammen mit Sänger-Urgestein Tim Baker seine Mannschaft permanent zu Höchstleistungen an. Drummer Robert Garven bearbeitet seine Felle mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Leadgitarrist Jim Barazza begibt in nahezu ungebremster Vorliebe vermehrt ganz nah direkt an dem Bühnenrand, um seine hochexplosiv meisterlichen Filigransoli direkt ins Publikum zu feuern. Bei soviel Intensität herrscht pausenlos Ausnahmezustand in der vom Start bis zum Schluss ausnahmslos durchdrehenden Menge!



Das Hauptaugenmerk von CIRITH UNGOL liegt auf dem 'King of the Dead'-Album, wovon allein sechs Nummern gebracht werden. Passende Untermalung einer Traumvorstellung von immens hohem Niveau, diealles vorherige in den Schatten stellt, liefert die zentral hinter der Band angebrachte Bühnenleinwand mit jeweils wechselnden Album-Motiven.

Nach dem Zwischenspiel „Toccata in D'Minor“ mit Diashow auf der Leinwand, das dem 1998 verstorbenen Gitarristen Jerry Foggle gewidmet wird, geht es rasant weiter. CIRITH UNGOL rocken wie Hölle! „War Eternal“, „Blood and Iron“, „Doomed Planet“, „Chaos Descents“, die Hammerhymne „Join The Legion“, ein wahre Begeisterungsstürme auslösendes „Fire“ (Urheber Arthur Brown hätte seine Freude daran gehabt!), „Chaos Descents“, ein fulminant erdiges „Chaos Rising“; „Fallen Idols“, „Paradise Lost“ bis zum abschließenden „The Death of the Sun“- es bleibt kein Auge trocken, keine Faust ungereckt und erst recht keine Matte ungeschüttelt! Danach ist endgültig Schicht im Schacht.

Mit dieser Traumsetlist eines brillianten 2-Stunden-Monumental-Gastspiels, das selbst den K.I.T.-Auftritt übertraf, stürmte die US-Epic-Kauzlegende das H.O.D. XII:

1. I'm Alive,
2. Edge of a Knife
3. Frost and Fire
4. Atom Smasher
5. Black Machine
6. Master of the Pit
7. King of the Dead
8. Finger of Scorn
9. Cirith Ungol
Toccata in D' Minor

10. War Eternal
11. Blood and Iron
12. Nadsokor
13. Doomed Planet
14. Chaos Descents
15. Join The Legion
16. Fire (The Crazy World of Arthur Brown-Cover)
17. Chaos Rising
18. Fallen Idols
19. Paradise Lost
20. Death of the Sun

 

Festivalnachwort: Ein ganz dickes Kompliment geht von unserer Warte aus an Veranstalter Oliver Weinsheimer für ein sahniges Billing der Extraklasse, die prima Organisation und einen Top-Sound, an dem es nichts zu bekritteln gab. Das HAMMER OF DOOM 2017 war eines
der besten überhaupt. Die Neuerung mit Imbisswagen vor der Halle kam vielen Gästen zusätzlich entgegen. Die Getränkepreise und Auswahl gaben keinen Anlass zur Klage. Das freundliche Posthallen-Thekenteam erledigte seinen Job gewohnt sauber, die Security behielt ihren Aufgabenbereich sicher im Griff. Alle Bands hatten hervorragende Bedingungen, das abwechslungsreich zusammengestellte Billing bot für jeden etwas. Stilistisch auf den ersten Blick aus dem Rahmen fallende Acts wie CRIPPLED BLACK PHOENIX oder THE VISION BLEAK hatten genauso wie etablierte, seit den 80ern aus dem schwermetallischen Underground nicht mehr wegzudenkende Größen ihren Anteil daran, dass das HAMMER OF DOOM 2017 gewaltigen Eindruck hinterlassend für uns in toller Erinnerung bleibt.

TIME LORD und CIRITH UNGOL setzten knackige Ausrufezeichen, WARNING blieben extrem umstritten, CRIPPLED BLACK PHOENIX und THE VISION BLEAK polarisierten heftig. LUCIFER'S FRIEND boten als flott nach vorn rockender Act deutlichen Kontrast zum Groß häufig schwerblütig tempogedrosselt agierender Doomacts. Eine solche Aneinanderreihung außergewöhnlich packenden Auftritte der Extraklasse hat man selten erlebt!

Nun schauen auch wir (Melissa und Michael) gespannt auf 2018, denn ein solches Hammer-Billing wie dieses Jahr wird garantiert nicht so leicht ohne Weiteres zu toppen sein... umso mehr harren wir nun der Dinge und fiebern dem nächsten HAMMER OF DOOM XIII, mit Hochspannung entgegen...

 

Fotos: Michael Toscher und Melissa Hart