SCHWALM METAL OPEN AIR VII


Festival vom 24.08.2018
Neukirchen, (KUZ) Sägewerk

Bands: CORROSIVE, CHAOS PATH, DEADLY IMPACT und WELDED

Homepage:
Schwalm Metal Open Air Summerjam

Ist es euch auch schon mal so ergangen, dass ihr schlichtweg die Nase voll hattet von Groß-Festivals im XXL-Format mit überhöhten Eintrittspreisen, viel zu weiten Anfahrtswegen und einem durchschnittlichen Bandbilling bei geradezu astronomischem Nebenkostenaufwand? Auf ein solches das heute nur noch einer kommerziell aufgeblasenen Kirmes gleicht, die mitunter auch Sachen in ihr Programm aufnimmt die mit Heavy Metal genau soviel zu tun haben, wie ein Cannibal Corpse-Fan mit Rap, meine Stiefelabsätze seit gefühlt sieben Jahren nicht mehr sieht, wurde ich erst kürzlich von Bekannten vermehrt angesprochen. Alles was sie ernteten war ein müdes Kopfschütteln. Wie wäre es zur Abwechslung mit einem Klein-Festival gediegen, überschaubar, minimal gehalten umsonst und draussen, im absolut Fanfreundlichen Rahmen auf dem vier Bands in überschaubarer Location spielen? Dies und einiges mehr bietet das SCHWALM METAL OPEN AIR in Neukirchen (bei Schwalmstadt). Vorhang auf zum 7. Akt im Kulturzentrum Sägewerk (KUZ) Neukirchen auf dem Außenplatz bei angenehmen AbendTemperaturen um die 20 ° . Vier Bands aus Gefilden des extremeren metallischen Spektrums geben sich die Ehre. Gerade als wir gegen kurz nach 19:00 Uhr dort eintreffen, schnell einen Parkplatz zum Einparken finden, ist die Location wie ein erster Blick aufs Gelände zeigt, immerhin recht ordentlich mit Leuten gefüllt. Runde Holztische und Sitzgelegenheiten in der Nähe des Verpflegungsstandes sowie ein bunt gemischtes Publikum Bikern, Rockfans und Metallern sorgen für den passenden Rahmen. Eine rustikal urig Wohnzimmerstyle-like hergerichtete Mini-Bühne mit Teppich und Holzvertäfelungen erinnert an die Metalparty Marke Eigenheim. Welch ein Anblick! Entspannt sehen wir dem Auftakt entgegen. Den besorgt der auf traditionellen Heavy- und Thrash Metal gepolte Vierer

WELDED
Pünktlich um 19:30 wird begonnen. Zunächst läuft ein Intro, danach lassen die Heavy-Thrasher WELDED ihre Äxte zu treibendem Headbangerstoff wie „Your Enemy“, „You are the One“, „Painful Relentless Decay, Eternity (einschließlich Outro), „Manipulation“ und „The Last Day“ kreisen. Deren Drummer Sohn einer Künstlerin ist, die den Weg zum Sägewerk suchte, um ihm bei der Ausübung des Schlagzeugerhandwerks zuzuschauen. Neugierige finden sich bereits in gediegenem Abstand vor der Bühne ein. Den Ansprüchen des geringen Platzes angepasst, agiert der WELDED-Sänger ungemein wendig, wobei er um seinen exzessiven Shouts Nachdruck zu verleihen öfter den Kopf zur Seite dreht. Neben phasenweise durchscheinendem IRON MAIDEN-Faible bewegt sich die Band überwiegend im Oldschool-Thrashsektor zwischen Euro- und US- (Bay Area)-Einflüssen und ehe man sich versieht, sind WELDED mit ihrer Spielzeit fast schon am Ende.



Ein KREATOR-Cover geht immer. Die gelungen umgesetzte Huldigung an den großen Thrashklassiker „Extreme Agression“ beendet den etwa halbstündigen Auftritt. Mit dem Satz „Als nächstes kommen DEADLY IMPACT!“ verabschieden sich WELDED zu Recht von verdientem Applaus bedacht. Dafür, dass die Band in dieser personell veränderten Formation wie mir deren Sänger am Schluß mitteilt, zum ersten Mal seit drei Jahren auf der Bühne standen, erledigte sie ihren Job erstaunlich gut.

DEADLY IMPACT
Bei der nächsten Band werden phasenweise Erinnerungen an die 90er wach, der Publikumsanteil nimmt schon um einiges erheblicher zu. Die Schwälmer Combo um die früheren SENSELESS Mitglieder Ralph Wirtz (Gitarre) und Andreas Weiss (Schlagzeug) kommt angenehm sympathisch ehrlich mit amtlich viel Druck auf dem Scheffel rüber; zieht binnen Minuten feierwütiges Volk darunter auch so manchen Headbanger vor die Bühne. Kraftvoll wuchtig Rhythmus orientierter Midtempo-Deathmetal mit fürs Genre üblich tiefer gestimmten Gitarren in Wechselkombination zu stufenweise forcierten Tempoattacken inklusive traditioneller Heavy Metal-Schule komplettieren das Bild einer straight zu Werke gehenden Band, auf das was sie kann konzentrierend ihre Aufgabe sicher bewältigt.

Was während des Auftritts nervt, sind die für eine solch kleine Bühne weder unbedingt zwingend erforderlichen geschweige dafür ausgelegten hochkant aufgestellten Laserblitzer, die permanent im Dauerfeuer ähnlich einer Stalinorgel ihre grellen Blitz- Lichteffekte schleudern. Schädlich für die Augen killt es schon ein wenig das Feeling. Unabhängig dessen machen die Schwalm-Städter Melodic-Thrash/Deather DEADLY IMPACT im Grunde genommen vieles richtig, weshalb sie bei einem Teil der Gäste effektiv punkten; obgleich sich zeitweise vor der Bühne noch einiges mehr tun könnte. Als letzter Song wird „Scheiterhaufen“ angekündigt, damit dem Publikum laut DEADLY IMPACT-Shouter DJ richtig warm weil heiß unter den Füßen wird, weil ihnen kalt ist. Ein lockerer Abschluss, womit DEADLY IMPACT nach dreiviertelstündiger Session die Bühne räumen.

Einiges am Rande:
2011 gegründet damals fand das SMOA noch in Loshausen, - genauer im Schlosspark statt, hat sich das SCHWALM-METAL OPEN AIR mit den Jahren zu einer bleibenden Konstante auf dem Festivalplan entwickelt. Nachdem der Schlosspark nicht mehr weiter genutzt werden konnte, wurde mit dem Sägewerk Neukirchen schnell adäquater Ersatz gefunden. WCs, Stromanlage, PA und Licht stellt das Sägewerk zur Verfügung. Die mittig aufgestellte Bühne lässt es zu, Bands von allen Seiten zu sehen. Neben leckeren Hot Dogs (ob mit oder ohne Einlage - Gurken, Zwiebeln etc.,) für 2 – 2,50 Euro und Kartoffelsalat für 1 Euro gibt’s die ganze Palette üblich verdächtiger Getränke im 0,3er Becher also Bier (Schwalmbräu vom Fass), Apfelwein, Cola, Fanta, Sprite für 2 Euro, die 0,33er Flasche Wasser kostet nur 1 Euro, und Koffeincola (Kaffee) je nach Bedarf ist mit oder ohne Milch und Zucker gratis. Wer's gern hochprozentig mag, bekommt Jack Daniels/Cola im 0,15er-Becher zum supergünstigen Preis für 2 Euro.

Nach kurzem Soundcheck verlassen CHAOS PATH nocheinmal für einige Minuten die Bühne, irgendetwas am Sound ist noch nicht richtig eingestellt.
Nach einer Verzögerung von wenigen Minuten ist das Problem behoben. Bühne frei für:

CHAOS PATH
Genau das richtige Kontrastprogamm zum Übergang der hereinbrechenden Abend- Dämmerung zum Dunkel der Nacht bieten CHAOS PATH. Das erste Mal auf dem SCHWALM METAL OPEN AIR gewinnen die Kaotysk-Metaller angefeuert von ihrem treuen Die-Hard-Fanblock im Handumdrehen die Herzen des Publikums. Die beiden links und rechts aufgestellten Chaos-Sterne geben ein optisch einwandfrei zum Auftritt passendes Bild ab, wie auch die erhobene Faust von Frontmann Ancient Weapon als er mit verzerrter Stimme den Festivalnamen ausruft „Schwalm Metal Open Air“, um prophetisch einen neuen Song „The Rise of Chaos“ anzukündigen. Der seine Namen hinter Pseudonymen verbergende vielseitig zwischen diversen Extrem-Metal-Stilen u. a. Black, Thrash, Doom Metal usw., variierende Fünfer agiert als mörderisch intensiv druckvolle Einheit. CHAOS PATH versprühen neben viel Chaos eine Menge Energie, die sich nahezu vollständig auf ein wie im Rausch mitgehendes Publikum überträgt. Alle Mimiken und Gestiken von Frontmann Ancient Weapon der gut bei Stimme befindlich in gewohntem Corpsepaint geschminkt agierend mit obligatorischer Robe ein Amulett des Chaos-Sterns um den Hals trägt, wirken bestens einstudiert.

Erfreulicherweise bleiben die extrem nervenden Reflektorstrahler fast während der gesamten Spielzeit ausgestellt. Neben bekannten Live-Abrissen ihrer 'The Awakening'-Sechstrack-EP („Voices of Bitterness“, „Open The Gates“), stellen CHAOS PATH bisher unbekanntes Material vor, das sich super in den Gesamtkontext eines durchweg mitreißenden Gastspiels in der Schwalm einfügt. Der heroische auf deutsch gesungene „Blutmarsch“ garantiert einen Höllentrip ins Herz der Apokalypse. „The Awakening“ von der gleichnamigen EP sorgt vorübergehend für raumgreifende BATHORY-Epik. Das Stück gehört seit dem Erstauftritt zum unentbehrlichen Live-Inventar, ohne würde einem CHAOS PATH-Set gewaltig etwas fehlen! Massive Zugabeforderungen des heftig Beifall spendenden Publikums sprechen Bände. CHAOS PATH lassen sich nicht zweimal bitten. Sänger Ancient Weapon richtet seinen Appell untermalt von entsprechender Gestik ans Publikum: „Zum Schluß - ihr habt es so gewollt, - gibt es eine Zugabe, denn wir haben auch einen Coversong. Jetzt will ich euch noch einmal alle vor der Bühne sehen, dieser Coversong ist von THE EXPLOITED und heißt „Chaos is my Life!“Ähnlich rotzräudig wobei das Gaspedal kräftig durchgetreten wird wie bei der englischen Punk-Legende geht am Ende im Publikum in kleinerem Rahmen der Punk ab. Da tobt kräftig der Pogo, heftiges Mähne schütteln inklusive. Danach ist die Session vorbei. - CHAOS PATH hätten mit soviel geballter Bühnen-Intensität jeden kleineren Live-Club zum Kochen gebracht. - Saustark!

Eine Goldene Regel in der Schwalm:
Death Metal immer zum Schluß. Traditionell wird etwa gegen 23:00 Uhr kompromisslos schädelspaltender Oldschool-Deathmetal aufgefahren.

CORROSIVE
Seit 1995 aktiv, sind CORROSIVE sowohl in ihrer Heimatgegend als auch im Raum Nordhessen keine Unbekannten mehr. Die Marburger Death Metaller trümmern was die Instrumente hergeben und werden ihrem Headlinerstatus gerecht. Noch bevor die Band auf die Bühne kommt, tummeln sich viele headbangende und neugierige Fans im Bühnenbereich. Mit brutal geradlinigen Oldschool Deathmetal-Brett durchsetzt von teils hyperschnellen Grindcore-Ausbrüchen fräßt der Fünfer aus Marburg eine massive Wall of Sound bildend nocheinmal alles weg.



Wer überdies zwei solche Deathmetal-Hurricans wie 'Wrath of the Ungod' und 'Lucifer Gave The Faith' sein Eigen nennt, kann nur gewinnen und so ist es auch, wie der eindrucksvolle Anblick einer kompakt eine Linie auf der Bühne bildenden Band zusammen mit davor exzessiv bis zum Anschlag auf Todesblei abgehender Fanfraktion zeigt. CORROSIVE schicken auch die letzten Feierwütigen mit der ultimativen keinen Grashalm stehen lassenden Vollbedienung auf die Heimreise.

Festival-Nachwort:
Ein gelungener Kleinevent wofür man dem Veranstalterteam des SCHWALM METAL OPEN AIR gratulieren muss. Auf ein Neues im nächsten Jahr, mit hoffentlich ebenso attraktiver Bandauswahl, treuen fans und gesunden Preisen für Speis und Trank. Abgesehen von den Laser-Blitzern waren Licht und Sound der Location angemessen. Bleibt zu hoffen, das dieser empfehlenswerte Besucherzahlmässig auf der Stelle tretende Kleinevent für Metalheads inner und außerhalb der Region seine ihm längst einmal fällige Würdigung erfährt. Ergo: Metalheads, kommt nächstes Jahr zum SCHWALM METAL OPEN AIR - umsonst, draussen, preisgünstige Verpflegung, in bewährter Location. Besser geht's nicht. SMOA: - künftig bitte weiter so!

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