DEMONS & WIZARDS – Frankfurt/M.

06 Demons Wizards Flyer

Konzert vom 02.06.19
Supp.: ASYLUM PYRE

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DEMONS & WIZARDS
ASYLUM PYRE

19 Jahre liegen zwischen der letzten DEMONS & WIZARDS Show in Deutschland und der jetzigen drei Shows umfassenden Warm Up-Tour für die europäischen Sommerfestivals. Trotz der heutigen brütenden Hitze von gut und gerne 30 Grad Grund genug für eine Stippvisite in der gut klimatisierten Batschkapp. Schaute man auf die Kennzeichen der in den Anrainerstraßen geparkten Pkw, wäre ein Kennzeichen-Raten deutscher und ausländischer Herkunft sicherlich zu einer Herausforderung geworden. Aber eins vorweg – JEDER, der von nah und fern Angereisten, wird keinen dieser Kilometer missen. Da bin ich mir ganz sicher!

06 Asylum Pyre

ASYLUM PYRE eröffneten ihr knapp 40-minütiges Set vor einer bereits prächtig gefüllten Halle. Mir ging diese Band bislang gänzlich durch, was ich zu meiner Schande eingestehen muss, denn so ist mir ein Treffen mit einem früheren Weggefährten entgangen, den ich mit seinen heute extrem kurzen Haaren auf der Bühne nicht wiedererkannt hatte. Die Rede ist von Pierre-Emmanuel Pélisson, seines Zeichens ehemaliger Bassist bei CIVILIZATION ONE, MALADAPTIVE und HEAVENLY. Aber mal ganz ehrlich, wer vermutet auch schon einen Bassisten an einer Gitarre? Das Quintett mit Homebase Paris spielte eine Form des modernen Power/Melodic Metal. Ihre dargebotenen Stücke zeigten Einflüsse von WITHIN TEMPTATION, PAIN OF SALVATION und den üblichen Verdächtigen aus dem Power Metal Bereich auf. Die recht stimmgewaltige Frontfrau Ombeline Duprat hatte ihre Stärken bei den melodischeren Parts, wobei Gitarrist Johann Cadot mit einigen tieferen Chorgesängen bis hin zu Solo-Growls das Ganze etwas auflockerte. Ganz warm wurde ich mit dieser musikalischen Bandbreite nicht wirklich, aber das ist ein rein persönliches Empfinden, denn einigen Anwesenden schien das schon gefallen zu haben, wie Applaus und Animationsergebnisse zeigten.

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DEMONS & WIZARDS hatte ich bislang noch nie live gesehen. Eigentlich sollte dem Auftritt hier eine hohe Erwartungshaltung vorausgehen, aber führt man sich den Umstand vor Augen, dass diesem Zwei-Mann-Projekt eine solch lange Bühnenabstinenz nachhinkt, lag diese doch eher im niedrigeren Bereich. Wenig Überraschung brachte dann auch die Bekanntgabe des Line-Up’s. Hier standen neben Hauptakteuren Jon Schaffer (git., ICED EARTH) und Hansi Kürsch (voc.), mit Marcus Siepen (b.) und Frederik Ehmke (dr.) 3/4 von BLIND GUARDIAN auf der Bühne. Die Gitarren komplettierte Jake Dreyer (ICED EARTH, WITHERFALL), und die Keyboardtasten bediente Joost van den Broek (AFTER FOREVER, AYREON). Ok, macht die ganze Sache etwas einfacher, da man sich weitestgehend kennt und Profi genug ist – dachte ich mir so…. Tja, und dann fing dieses Konzert an, für das mir im Nachgang auch noch nach mehreren Tagen keine vergleichbar passenden Worte beim Verfassen dieser Zeilen einfallen, außer – Danke, dass ich das miterleben durfte! Während ich zum ersten Song mich noch am Sortieren war, mir die Musiker zurechtgelegt und realisiert hatte, dass der Herr mit der Gitarre auf Linksaußen, ja, der mit den kurzen silbergrauen Haaren, zu meinem Erstaunen Jon Schaffer war, dann dem Soundmann über die Schulter schaute, wie er den Gesang von Hansi Kürsch recht schnell glasklar eingepegelt hatte, rollte „Heaven Denies“, der den mystischen Charakter des Sounds und die Facetten der Band aber so was von exakt wiedergab und gleich danach „Poor Man’s Crusade“ in 1:1 Albumqualität über mich hinweg, dass mir nichts anderes übrigblieb, als mich dem Toben in der Halle anzuschließen.

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Die Setlist gab zwei Blocks mit je einem ICED EARTH und BLIND GUARDIAN Song her. Part I ging mit „Welcome To Dying“ dank dem textsicheren Publikum beim Refrain klar an die BG Fraktion im Publikum. Die anschließende Bandvorstellung glich einem Surfen auf der Euphoriewelle eines Herrn Kürsch, der bei stetig steigendem Spaßfaktor mehr und mehr Entertainerqualitäten offenbarte. Ganz nebenbei wurde dies zur Umbaupause für den nachfolgenden Akustikpart mit Barhockern für „Wicked Witch“ genutzt. Das Cover Pt. II pilzte zu etwas ganz Großem auf. Bei der ICED EARTH Übernummer „I Died For You“ erlebte ich nach Mat Barlow, Ripper Owens und Stu Block mit Herrn Kürsch nun Sänger Nr. 4 und musste feststellen, dass er diesen Song emotional von allen am Besten rübergebracht hatte. Wer jetzt dachte, dass diese geniale Version des IE-Songs für ein Unentschieden bei den beiden „Cover-Blöcken“ gereicht hätte, irrte gewaltig. Noch immer mit Gänsehaut und offenem Mund dastehend schlüpfte ich mit „Valhalla“ in den nächsten Noppenanzug. Es war nicht der Song an sich, der ob seiner Publikumsreaktion es schon alleine hätte sein können, nein, es war das Publikum im Anschluss dieses Stückes. Der Drops war eigentlich schon gelutscht, der Song war fertig. Instrumententausch, Kürsch wollte zur nächsten Songansage übergehen, da stimmte das Publikum – und ich meine damit gefühlt 2/3 aller – von jetzt auf gleich den „Valhalla“-Refrain nochmals an und sang diesen minutenlang. Die ergriffenen Gesichter der Musiker auf der Bühne: unbezahlbar und nicht zu beschreiben. So etwas hab ich in all meinen Konzertjahren noch nicht erlebt. Klar, bei anderen Bands gibt’s das auch. Die BRAINSTORM-Fans fallen mir da spontan mit „All Those Words“ ein, aber bei weitem nicht so. Ich glaube, nahezu jeder benötigte mehr oder weniger die Zeit der darauffolgenden Trilogie mit „Tear Down the Wall“, „Gallows Pole” und “My Last Sunrise”, um sich davon wieder zu erholen. Das war auch nötig, denn als Kürsch mit „Blood On My Hands“ die nächste Dampframme anstimmte, gab’s bei den Fans kein Halten mehr. Und er behielt recht mit seiner Ankündigung „Das Beste zum Schluss“ (ok, zumindest für mich); „Fiddler On the Green“ mit einem genialen Dreyer-Gitarren-Solopart bescherte mir einmal mehr Gänsehaut und ja, die Augen wurden dabei auch feucht. Und das, was nun folgte, erlebt man als Konzertbesucher auch nicht alle Tage: Das Publikumsfoto ist gemacht, die Band bedankt und verabschiedet sich und will eigentlich schon von der Bühne gehen, aber die Fans jubeln unvermindert weiter. Kurze fragende Blicke bei den Protagonisten, ein kurzes Nicken lässt das Publikum noch lauter werden. Kürsch greift erneut zum Mikro und kündigt mit „Dorian“ noch einmal einen Nachschlag an. Ausgelassene Freude beim Publikum, auch wenn das Stück, wie Kürsch sich fast schon entschuldigte, nicht zu den Stärken der Band gehört und zudem nicht geplant war.
So machten sich nach gut 110 Minuten ca. 900 glückliche Gesichter und ausgepumpte Körper wieder auf den Weg nach Hause und werden von diesem denkwürdigen Abend bestimmt noch öfter erzählen.

Setlist DEMONS & WIZARDS:

Rites Of Passage
Heaven Denies
Poor Man's Crusade
Crimson King
Love's Tragedy Asunder
Burning Times (Iced Earth cover)
Welcome To Dying (Blind Guardian cover)
Wicked Witch
Beneath These Waves
The Gunslinger
Terror Train
I Died For You (Iced Earth Cover)
Valhalla (Blind Guardian Cover)
Tear Down the Wall
Gallows Pole
My Last Sunrise
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Blood On My Hands
Fiddler On the Green
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Dorian

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Jan Heesch (Rock Genuine Magazin)

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