SCORPIONS - Fulda

08 Scorpions Flyer

Konzert vom 16.08.2019
Special Guest: THE NEW ROSES

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SCORPIONS
THE NEW ROSES

CRAZY WORLD TOUR - Fulda (Domplatz) 16.8.2019
Allein die wunderschön mittig in Fulda gelegene Location lädt zu einem derartigen Trip geradezu ein. Warmes Wetter, Temperaturen um die 30°, eine angenehm entspannte Zugfahrt und auf Anhieb gefunden. Was zieht mich an diesem Tag bloß nach Fulda? Domplatzkonzerte in der sind wie ich kürzlich las, bekannt für Intensiv-Liveatmosphäre jedoch ist dies kein zwingender Grund, um die Erzbistumsstadt zu besuchen, das deutsche Hardrock-Urgestein SCORPIONS anlässlich der laufenden Crazy World-Tour, hingegen ist es schon! Dessen erstes Album „Lonesome Crow“ erschien bereits 1972 als zahlreiche Rockfangenerationen noch nicht geboren waren. Bevor es soweit ist, darf zunächst die Wiesbadener Hard Rock Band THE NEW ROSES ran, eine Combo die bereits auf dem ROCK HARD FESTIVAL kräftig zu überzeugen wusste.

Zwei Seiteneingänge dürfen Besucher, die im vorderen bis zur Mitte hin abgesperrten Bühnenbereich stehen – Front of Stage – benutzen. Das hintere Rund bietet Treppen die auch als Sitzgelegenheiten genutzt werden können, während im Innen Bereich links und rechts deutlich erkennbar blaue Bestuhlung angeboten wird, während ein wunderschöner Blick auf Barocke Gebäude um den Dom eingebettet in eine schöne Naturlandschaft der gesamten Anlage etwas ungemein idyllisches verleihen. Seitlich am Gelände führt ein längerer von Blumenbeeten und Sträuchern umrahmter Gang für das Bedürfnis zum Pisculatorium mit anderen Worten: WC.

THE NEW ROSES
liefern beginnend gegen 19:30 den erwartet lockeren Auftakt mit handgemachtem Rock, auf der Bühne präsentiert man sich relaxt. Selbst wenn auch mal zur akustischen Sechssaitigen gegriffen wird, bleiben sich THE NEW ROSES treu, wie man die sympathisch ehrlichen stets auf handgemachten Rock setzenden Wiesbadener kennt.



Ihre Aufgabe als Support der SCORPIONS bewältigen sie mit Bravour. Das rockt, rollt, groovt, prickelt permanent. Allein der passend kernige Einstieg konnte mit „It's a Long Way“ nicht optimaler gewählt sein. Weitere zeitweise von auflockernden Ansagen vorgestellte Rocker des Wiesbadener Quartetts wie „Every Wild Heart, „One More For The Road“ oder „Thirsty“ lassen mit 0,5 l Becher Apfelsaftschorle in der Hand gepflegt den zwischendurch immer mal aufkommenden Durst löschend im lockeren Takt mitwippen. Saftig vibriert die Gitarre auch zum eingängigen Groove-Hitbreaker „Down by the River“.



Treffend beschreibt Sänger/Gitarrist Tommy Rough die Situation des Langhaarigen in der Gesellschaft recht allzu oft hart um Akzeptanz kämpfen müssenden Aussenseiters im Teeniealter, wovon sich mancher Gast innig berührt fühlt. Entsprechend löst „Life Ain't Easy (For a Boy With Long Hair) die erfrischend rebellisch jugendliche Hommage einer harten Teeniezeit serienweise Erinnerungen an den Generations-Konflikt mit den Eltern aus, denen ihre abtörnende Dicke Backen Mucke mehr bedeutet als der laute, unflätig aufmüpfige Stromgitarren-Rock!

Soviel chillige Stimmung hat das Publikum binnen 45 Minuten richtig auf den Geschmack gebracht, jetzt darf der Hauptact gern kommen. Umso gespannter ist die Erwartungshaltung meine neben AC/DC, ACCEPT, IRON MAIDEN und SAXON frühesten Faves auf deren 'Crazy World'-Abschiedstour live on Stage zu erleben (zuletzt auf dem S.R.F. 2007!)

SCORPIONS
20:45 die Sirene heult pünktlich... es kann losgehen! Etwa 7.500 Besucher haben sich auf dem Domplatz eingefunden um Deutschlands international erfolgreichstem Hardrock-Act Aufwartung zu machen. Ein „schönes erstes Date“ in Fulda verspricht Klaus Meine den Konzertbesuchern, um sich im Zuge dessen auch an Gastspiele in und um Kassel zu erinnern, wo der „Keilriemen gerissen war“. Kassel? Eissporthalle (!) dämmert es mir, wo die SCORPIONS die Hütte mit diversen Klassikern mächtig rockten!



Statt „Coming Home“ eröffnet „Going Out With A Bang“ das rockige Spektakel, dem sich „Make it Real“ schon herrscht zum ersten Mal Klassikeralarm (!) anschließt. „Is there Anybody There?“ hält den Faden, danach wird es oberamtlich kultig: „The Zoo“ gibt sich die Ehre, Matthias Jabs erzeugt verzerrte Geräusche per Talk-Box, die SCORPIONS sind gut drauf, drehe voll auf, lassen es in jeder Hinsicht motiviert krachen. Der Domplatz rockt hart! Klaus Meine ist immer noch gut bei Stimme und besitzt immer noch hinreichend Charisma soviel ausdrucksstarke Gestik spricht Bände, der Mann brennt vor Leidenschaft für die beste Musik der Welt, ebenso die Gitarrenfraktion Rudolf Schenker/Matthias Jabs. Pawel Maciwoda bildet zusammen mit dem bis 2015 noch bei MOTÖRHEAD aktiven Mikkey Dee eine so toughe Rhythmussektion, davon können viele große Acts heute träumen! Fast genauso wie vor 33 Jahren - ok, heute mindestens einen Tick langsamer - als Nummern wie „No One Like You“, Bad Boys Running Wild“, „Big City Nights“ und „Rock You like a Hurricane“ einen fünfzehnjährigen Teenie wild im Zimmer vorm Fernseher mitgröhlend Luftgitarre spielend headbangen ließen, faszinieren die übrigen Herren inklusive später hinzugekommener Rhythmussektion immer noch.Feierlich bejubelt erfreuen sich die ursprünglich aus Niedersachsen kommenden Top-Stars der tollen Atmosphäre, wozu lockere Sprüche und passende Outfits im klassischen Stil – ergänzt mit etwas modernerem Flair gefühlten Anteil beitragen. Bandurgestein Rudolf Schenker in Cowboyhut, in Flicken benähter Designerhose und Bling Bling auf der Bühne zu erleben, das hat schon was. Allein die Ansage von Sänger Klaus Meine „Gemeinsam gehen wir auf eine Reise durch die Zeit“ trifft den Nagel auf den Kopf. Die nicht mehr ganz so jungen Herrschafften sind gewillt, ihren Bogen einer langen Karriere flankiert von zahlreichen Alben (was auch das mit den Studioalbumcovern geschmückte Bühnen-Hintergrund-Dekor deutlich aufzeigt) vielen Erfolgen und massig Erlebnissen zu spannen. Auch wenn die Herrschafften keine Jungspunde mehr sind, haben sie es immer noch drauf. Daran lässt der Auftritt in Fulda gar keinen Zweifel. Ihr ausdrucksstarkes Posing wie in den 80ern haben die SCORPIONS ebensowenig verlernt.

Diverse raumfüllende Bühnendekos unterschiedlichster Farb und Motiv-Palette die den Karrieweg der Band revue passieren lassen das Auge optisch mitessen z. B. das Auftaktbild mit dem Blitzenden Astronaut, (leicht an die AC/DC-Ballbreaker-Tour erinnernd als mit einer solchen Bühnendeko Gitarrist Angus Young im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt wurde) oder das futuristische Big City Nights-Dekor.



Beim Instrumental „Coast To Coast“ packt es mich ebenso heftig wie zu der Zeit als ich mein erstes Kassettentape der „World Wide Live“-Doppel-LP zum ersten mal durch's Boxendoppel der eigenen Stereoanlage jagte. Oldies but Goldies... in Bezug darauf werden gleich vier am Stück im Medley rausgehauen: „Top of the Bill“, „Steamrock Fever“, „Speedy's Coming“ und „Catch Your Train“. „We built this House“ und „Delicate Dance“ schließen sich an... nun ja. ganz ehrlich? Für die Lückenfüller wären mir zwei harte Klassiker wie „Coming Home“ bzw. „Another Peace of Meat“ (schmerzlich vermisst!) wesentlich lieber gewesen. Immerhin hält die Reise durch die Zeit noch viele Klassiker bereit. Dass es trotz Härte auch erfolgreich (akustisch) weicher geht, zeigen stets Gänsehaut auslösend (nicht wie so oft in der Vergangenheit mit „Holiday“ kombiniert) „Send me an Angel“ sowie der überall wo er gespielt wird für ein Meer erhobener Feuerzeuge verantwortliche Multi-Kulti-Welt-Peace-Schmuse-Welthit „Wind of Change“ (inklusive Friedens-Symbol und wichtigen soziokulturellen Persönlichkeiten im Bühnen-Hintergrund). Klaus Meine hält das Mikro ins Publikum und alle singen in Harmonie vereint - so schön können Rockkonzerte sein! Als Lied für die Hoffnung einer besseren Welt angekündigt, überträgt sich das Gemeinsamkeitsflair nahezu spielend auf's Publikum, Fans skandieren reihenweise per Finger mit dem Friedenszeichen.



Sorge, dass es im Zuge ruhiger Balladenmomente zu sehr auswimpt besteht erfreulicherweise nicht. Das folgende Songpaket im nacheinander gezockten Triple-Medley “Bad Boys Running Wild“/„I'm Leaving You“/ „Tease Me, Please Me“ (letzterer Song als tanzbares Mitsingbonbon) halten das Launebarometer im Auditiorium auf dem weiten Platz in der Domstadt mühelos aufrecht.



Bandurgestein Rudolf Schenker (seit 1965 ist der Bandgründer mit dabei sogar noch vier Jahre länger als Sänger Klaus Meine, der 1969 bei den Stacheltieren anheuerte) mal wieder live in gewohnter Pose in Aktion zu erleben ist schon ein Genuss. Der Mann strahlt sehr gesunde Vitalität aus, seine obligatorischen Bühnenposen haben sich kaum verändert, ebenso das optische Outfit mit schriller Hose im optisch herrlich schrägen Design. An ihm können sich zahlreiche Musiker, die sich anmaßen zu behaupten, sie stünden bereits lange genug auf der Bühne, und würden nach 10, 15 oder 20 Jahren Bühnenentertainement live on Stage schon die gesamte breit gefächerte Palette all dessen beherrschen, was das Spektrum des hard n' heavy rockenden Parallel-Universums beinhaltet, (selten so gelacht!) gar kräftig Beispiel nehmen. Über Dinge wie Bühnenerfahrung & Livepräsenz könnte einer wie Rudolf der seit 1965 Rock in harter Form zelebriert als diese Musik noch nicht einmal richtig geboren in ihren Kinderschuhen steckte immens viel erzählen; - es würde serienweise Bücher füllen...

Matthias Jabs als Rudolf Schenkers Gegenpart an der Leadgitarre brilliert in gewohnter Manier hochkonzentriert herrliche Filigransoli aus der blockgestreiften Explorer-Gitarre herauskitzelnd.



Für den früheren KINGDOM COME-Drummer James Kottak ist seit 2016 mittlerweile ein echtes Schwergewicht an Bord, Mikkey Dee, der seine Stöcke für legendäre Acts wie KING DIAMOND und MOTÖRHEAD schwang war allererste Wahl für die SCORPIONS – völlig zu Recht. Der urige für seinen wuchtigen Punch bekannte Däne hat das Potential in jeder Top-Band aus dem klassischen Hardrock und Metalsektor zu spielen. Mr. Dee lässt sich nicht lange lumpen, das Publikum lauscht und schaut gebannt zur Bühne, allem voran für das neben mir stehende wie ich beinharte in Motörhead-Montur auf MOTÖRHEAD-schwörende Fan-Grüppchen zählt dieser spezielle Moment zu den besonderen Highlights eines guten Gigs der Hannoveraner Stacheltiere in Fulda. So extrem wuchtig wie er Becken bzw. Felle verdrischt gehören die nächsten 10 Minuten ihm allein. Das in Schweden geborene Kraftpaket griechischer Herkunft Micael Kiriacos Delaoglou besser bekannt als Mikkey Dee feuert ein heftiges Artilleriefeuer ab, sein per Hubmechanik in die Höhe schwebendes Schlagzeug von allen Seiten beleuchtet wirkt wie ein von allen Seiten Strahlen werfendes Ufo.



Nach der gelungenen vor allem laut rausgefeuerten Drumsession wird es wieder Zeit für echte Klassiker, und ja, - die servieren Klaus Meine und Co. am Stück.



Bis zum offiziellen Ende der Show herrscht erneut Klassikeralarm im Doppelpack „Black Out“ und „Big City Nights“ wecken prägende Erinnerungen. Im Zugabeteil folgt statt dem satten Hard Rocker „No One Like You, die siedend heiße Lavawellen im Äther verteilende Ballade „Still Loving You“, doch ein Stück darf zum Ende einer guten Show selbstverständlich nicht fehlen, der bekannteste Rocker, dessen simplen Refrain jeder Hardrock- und Metalfan, (zumindest mit Faible für die SCORPIONS!) nahezu in und auswendig im Schlaf mitsingen kann: „Rock You Like A Hurricane“ versetzt das Publikum in Hurricanartige Begeisterung, es wird getanzt und wild abgerockt, das die Schwarte kracht – jeder Stich sitzt - womit sich die SCORPIONS gebührend von ihren zahlreichen Fans im feinen Domplatzambiente verabschieden.

Schlußwort:
Es ist als wäre die Zeit für knapp zwei Stunden stehen geblieben. Viele Klassiker dazwischen zwei, drei ersetzbarere Stücke, ansonsten ein von den SCORPIONS gewohntes Feeling... traumhaft! Selbst nach so langer Zeit, kann ich nun mit Fug und Recht sagen – die SCORPIONS haben mir die Erinnerung zurück gegeben, womit es vor etwas über drei Jahrzehnten begann, Überzeugung und Leidenschaft gepaart mit Freude an zeitlosem Classic Hardrock ausgeprägt von knackiger Härte, rebellischer Attitüde und fesselndem Drive. Von Herzen kommender Dank gebührt den Herren Schenker/Meine/Jabs/Maciwoda/Dee – für die packende Zeitreise durch ein halbes Jahrhundert fesselnder Musik-Geschichte. Make it real not Fantasy. Oh yeah!

16 SCORPION(S)-Stiche mit Folgewirkung trafen Fulda:
1. Going Out With a Bang
2. Make It Real
3. Is There Anybody There?
4. The Zoo
5. Coast To Coast
6. Top of the Bill/Steamrock Fever/Speedy's Coming/Catch Your Train
7. We Built This House
8. Delicate Dance
9. Send Me an Angel (acoustic)
10. Wind of Change
11. Bad Boys Running Wild/I'm Leaving You/Tease Me  Please Me
12. Drum Solo (Mikky Dee)
13. Blackout
14. Big City Nights
Zugabe(n):
15. Still Loving You
16. Rock You Like A Hurricane

Bericht: Michael Toscher
Fotos: Stefanie Freund

Stefanie Freund sei an dieser Stelle für die schönen Fotos zum Bericht gedankt.

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