MICHAEL SCHENKER - Amneville

03 msg amneville 05Konzert vom 28.02.2026

Support: MALVADA, ROOK ROAD

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MICHAEL SCHENKER
ROOK ROAD
MALVADA

Irgendwie scheint der Hannoveraner Gitarrengott sein jüngstes Opus „Don´t Sell Your Soul“ zu ignorieren, dessen Qualität nun nicht die höchste war. Stattdessen erfreut er sich derart an seinen Neuinterpretationen seiner Siebziger-UFO-Phase, dass er die dazugehörige Tour immer weiter verlängert. Nun geht es in Europa wieder weiter, wobei ja mit Erik Grönwall der Sänger abgesprungen ist. Kandidaten aus der Vergangenheit gäbe es genug, doch MICHAEL SCHENKER hat sich für Roberto Dimitri Liapakis von MYSTIC PROPHECY entschieden, der zu seiner mittlerweile eingespielten Truppe stößt. FFM-ROCK überquerte die Grenze nach Frankreich, um dort in Amneville mit auf Zeitreise zu gehen.

In Zoonähe entstand da ein ganzer Komplex aus Restaurants, Eventhallen und einem Casino, was die Parkplatzsuche etwas erschwerte trotz der Weitläufigkeit des Areals. Das Konzert fand im Keller des Seven Casinos statt, durch das man erst einmal labyrinthartige Gänge durchqueren musste. Scheint sonst eher ein Tanzsaal zu sein, worauf das Laminat-Caree vor der Bühne inmitten des sonst vorherrschenden Teppichs hindeutet. Gegen 19 Uhr war der Laden schon recht gut gefüllt, wobei sich allerdings ein paar Sprachbarrieren aufbauten, bei denen unsere Delegation mit Englisch doch entgegenkommender waren als die Lothringer.

MALVADA
Ganz andere Kommunikationsbarrieren mussten als erstes recht früh die Brasilianerinnen überwinden. Sprachlich schienen die Damen aufgrund eines Teils ihrer Lyrics dem Anglikanischen mächtig, aber das viel zu laute Schlagzeug zerdepperte so einige der Vocals von Indira Castillo. Die hüpfte unentwegt und latent aggressiv umher und gab eher das Neunziger Riot Girl im Gegensatz zu der eher auf Sexappeal getrimmten Saitenfraktion. Permanent war sie bemüht, das Publikum anzustacheln, gestikulierte dabei ausladend, doch die Reaktionen fielen eher verhalten aus, was neben dem sehr matschigen Sound vor allem an der eher modernen Ausrichtung einiger Songs gelegen haben dürfte, der die Zuschauer vor Herausforderungen stellte.

War der Opener „Dead Like You“ noch einigermaßen druckvoll, so verloren sich die Vier in allzu schrammelig flirrenden Flächen, etwa bei „Veneno“, bei denen Bruna Tsuruda etwas uninspiriert über das Griffbrett schrubbte. Zudem kamen gerade da einige Tastenklänge aus der Konserve, die aber wenig Akzente setzen konnte. Auch die durchaus interessanten Basslinien von Rafaela Reoli konnten die Nummer nicht aufwerten.

Den Löwenanteil der dreiviertel Stunde hatten Stücke vom neuen selbstbetitelten Album, während vom Debüt „A Noite Vai Ferver“ etwa „Pecado Capital“ kam. Besser gefielen die Damen, wenn Tsuruda prägnanter riffte, beispielsweise bei „Aversao“ oder „Down The Walls“. Da liefen ihre schlanken Finger das Griffbrett rauf und runter, „Bulletproof“ beschwörte da fast progressive Nuancen, wobei sie in den Solopassagen am besten zu vernehmen war.
Nur memorables gaben die Melodielinien nicht her, da konnte sich die gute Indira noch so ins Zeug legen und verschiedene Tonlagen ausprobieren. Etwas schade, denn optisch war der Auftritt beherzt, die Posen saßen, öfter agierten die drei vorne Rücken an Rücken. Der Zug zum Auditorium war ebenfalls vorhanden, trotz des geringen Platzes waren MALVADA viel unterwegs, was am Ende aber nicht zu mehr als Höflichkeitsapplaus gereicht hat.

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ROOK ROAD
Nicht unbedingt agiler, aber sicherer im Auftritt waren die Saarländer, die fast ein Heimspiel hatten, wovon man aber am Zuspruch wenig merkte. Beim Opener „Heart Of The Sea“ waren die Franzosen noch recht verhalten, obwohl die getragene Nummer schöne RAINBOW-Vibes versprühte. Vor allem Patrik Jost veredelte sie mit seiner warmen und dennoch kraftvollen Stimme und dem dezent theatralischen Auftritt. Man könnte die Herren jetzt etwas routiniert bezeichnen, was sie aufgrund des Alters auch sind, aber eher in der positiven Bedeutung des Wortes.

Mit dem ebenfalls schwelgerischen „Romeo“ änderte sich wenig, der sehr tief hängende Bass des neuen Mannes gab dem Lied ein paar feine Nuancen mit auf den Weg. Jener wurde von Hannes Luy an den Tasten gepflastert, der dies meist mit der Hammond legte, aber auch ein paar Syntheinsprengsel parat hatte. Dazu schien er hinter seiner Sonnenbrille bester Laune, suchte ständig die Blicke zu seinen Mitstreitern und dem allmählich auftauenden Casino Seven. Mit ihm besitzen ROOK ROAD ein gewisses Etwas und eine Eminenz wie Phil Lanzon oder Jon Lord in ihren Reihen.

„Sometimes“ war zwar als Ballade auch nicht unbedingt der große Dosenöffner früh im Set, aber mit vielen bluesigen Leads und Soli brachte sich endlich auch Uwe Angel gewinnbringend ein. Wie auch zuvor Bruna Tsuruda ging seine Rhythmusarbeit ziemlich unter, zumal er mit Luy einen gewichtigen Gegenpart hatte. Mit der Größe von „Killing The Giant“ gelang es ihm zum ersten Mal sich zu strecken und das Geschehen an sich zu reisen, wobei er sich hinter seiner Sonnenbrille weiterhin sehr lässig gab und im besten Rockstar-Outfit seinen Gibson-Modellen versierte Töne entlockte.

So kam langsam Schwung in den Schuppen, Band und Zuschauer groovten sich aufeinander ein. ROOK ROAD konnten ihrer selbst kommunizierten Aufgabe nachkommen, dieses mit einer Auswahl aus ihren beiden Platten aufzuwärmen. Dafür standen ihnen üppige fünfzig Minuten zu, und spätestens ab dem Banger „Brothers & Sisters“ ging richtig was. Angeschoben von Thomas Luther, der besonders in den Refrains schön akzentuierte, in den Strophen vielleicht ein wenig zu viele Fills reinhaute und etwas den Fluss nahm. Für die Zielgruppe auf jedenfalls eine lohnenswerte Entdeckung, die man sich merken sollte.

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MICHAEL SCHENKER
Die Pause sollte sich etwas hinaus zögern, wobei natürlich einiges an Equipment verstaut werden musste und nun den Blick auf die komplette Bühne freigab. Zwischen den Boxentürmen sollte eine Plexiglaswand den Donnerhall von Bodo Schopfs Schlägen im Zaum halten, was sogar zum Teil gelang, wobei er im Klangbild immer noch überpräsent war. Es gelang ihm hingegen, das Spiel seiner Vorderleute richtig anzutreiben, kraftvoll voran zu grooven, um dann im richtigen Moment die passenden Akzente zu setzen. Stets punktgenau auf der Gitarre, um gerade die Soli oder Fills richtig zu betonen, um so diesen unglaublichen Drive auch heute noch vollendet schieben zu lassen.

Schon mit dem ersten Riff krachte es nur so, der archetypische Opener schon auf „Strangers In The Night“, der sagenumwobenen Livescheibe. Abzüglich des einzigen Titels daraus, der nicht gebracht wurde glich vieles im Set der Songreihenfolge von damals. Auch wenn aus dem Publikum die Hülle der Platte hochgehalten wurde, so waren es nicht unbedingt die Standardsongs, nach denen der Casinokeller verlangte. Wie auch bei den jüngsten MSG-Touren wurden einige unbekannte Tunes ausgepackt, schon früh ein Titel des etwas unterbewerteten Schenker-Abschieds „Obsession“. Sehr zur Freude des Rezensenten kamen ganze vier Lieder aus seinem erklärten Lieblingsalbum „No Heavy Pettin´“.

Dabei hätte die MICHAEL SCHENKER GROUP alles spielen können, denn jene fünf Werke gelten bis heute als Tafelsilber des melodischen Hard Rock. Wieviel Feeling der Meister drauf hat, bewies er im Instrumental seines Einstiegs „Phenomenon“, in das er noch die Schlusssequenz von „Force It“ einpflegte. Ein einziges magisches Schweben, bei dem jeder Ton so sauber, so kristallklar artikuliert wurde. Die Arrangements orientierten sich ein wenig an den Neueinspielungen, wo eben an Stelle des Gitarrensolos die Orgel ausgiebig solieren durfte. Hinter der sprang Steve Mann sofort hervor und suchte die Front, wenn er die Rhythmusgitarre bedienen musste, einen Spagat, den er perfekt meisterte.

Überraschend oft überließ ihm Schenker ein Solo, oder sie teilten sich die Parts ein wie JUDAS PRIEST zu besten Zeiten. Klar hörte man, wenn die Legende nicht selbst die Leads bediente, in der Intonierung war schon ein Unterschied zu erkennen, der gute Steve hat nicht diesen unfassbaren Anschlag, dieses weiche Ziehen der Saiten. Nicht falsch verstehen, er ist ein geschmackvoller Musiker, der sehr vielseitig ist, sowohl an Tasten als auch an den sechs Saiten genau weiß, was ein Song benötigt.
Seien es die angesprochenen Orgeltöne, klimperndes Piano oder treibende Synthesizerakkorde, alles kam fein dosiert. Von der zweiten Axt unterfüttert drückten die Songs noch mehr und endlich waren überhaupt mal Rhythmusgitarren zu vernehmen. Nur den Genius, dieses überragende Talent, was seinen Bandchef auszeichnet, vermag er nicht aufzubringen. Doch seien wir ehrlich, das Problem stellt sich jedem anderen Gitarristen der Welt ebenso.

Ein Hochgenuss Schenker zuzusehen, auch wenn seine Finger vor einem Vierteljahrhundert, als ich ihn zum ersten Mal sah, noch etwas lockerer waren. Dieses Gleiten, die spielerisch erscheinende Leichtigkeit, wie er über zig Bünde hinweg wechselte, wie er jeden Ton ausfeilte, das Tempo nach Belieben variierte, sucht seinesgleichen. Schon die Riffs gingen ihm locker aus der Hüfte, als wäre es nichts, doch wenn er zum Solo ansetzt liegt jedes Mal Magie in der Luft.
Natürlich wartete jeder auf den einen Moment am Ende des regulären Sets, als er minutenlang die komplette Klaviatur an Emotionen, von ganz leisen klassischen Anleihen bis zum furiosen Schlussspurt aufbot. Da drängte sich das Publikum ganz dicht, alle Köpfe eng zusammen, um dieser brillanten Demonstration beizuwohnen, keinen Moment zu verpassen. Oder natürlich das ganz große Epos, das die „Lights Out“-Platte beschließt mit zwei komplett unterschiedlichen Soli.

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Die Nummer ist ohnehin nicht von dieser Welt, sicherlich das Highlight mit der sich steigernden Atmosphäre. In der getragenen Strophe drückte Bassist Barend Curbois wunderbar ganz tiefe Töne, die das Herz erwärmten. Sonst war der kräftige Belgier immer unterwegs, zockte mit seinen Nebenleuten oder suchte den Kontakt zum Publikum. In der Hinsicht ist Schenker auch offener geworden, scheute sich auch nicht durch den nicht vorhandenen Graben.
Die war bei dem guten R.D. gar nicht gegeben nach so vielen Jahren im Geschäft und Stationen wusste er sein Publikum zu nehmen. Ebenfalls fleißig mit Händeschütteln beschäftigt gab er den klassischen Rockstar, der eine ON/Off-Beziehung mit seinem Mikroständer führte und um keine Geste verlegen war. Stimmlich wurde er dem Material gerecht, wenngleich ihm ein eigener Charakter etwas abging, da wäre Robin McAuley die bessere Wahl gewesen.

Auch mit einem grundsoliden Frontmann war das Publikum sofort zu überzeugen, das sich gerne lautstärker bemerkbar gemacht hätte, aber da hatte der dominante Drumsound etwas dagegen. Dafür waren die Hände permanent oben und jeder Song wurde anschließend frenetisch gefeiert. Klar, da musste man einfach mit, ein wahres Hitfeuerwerk, dem man gerne noch länger als neunzig Minuten zugehört hätte. Fünfzig Jahre haben MSG nun schon auf dem Buckel, aber sind kein bisschen leiser geworden und holten einen voll ab. Glückselig lagen sich Männer mittleren Alters in den Armen und feierten diese Zeiten. Da brauchte es keine großen Animationsspielchen, die ewigen Klassiker sprachen für sich.

Setlist MICHAEL SCHENKER:
Natural Thing
Only You Can Rock Me
Hot ´n´ Ready
Doctor Doctor
Mother Mary
I´m A Loser
This Kids
Lights Out
-Drumsolo-
Lipstick Traces/Behind The Walls
Love To Love
LetI t Roll
Can You Roll Her
Reasons Love
Rock Bottom
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Shoot Shoot
Too Hot To Handle

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Alle Photos von Denise Albert