TYKETTO - Bensheim
Konzert vom 04.11.2026
Support: CORELEONI, SURRENDER THE CROWN
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TYKETTO
CORELEONI
SURRENDER THE CROWN
Die zu spät gekommenen wollen derzeit anscheinend verlorenen Boden gutmachen und sind präsenter denn je, die Karriere verlief stets etwas in Wellen. Die aktuelle spült sie immer öfter über den großen Teich, was nicht verwundert, wenn mittlerweile einige Briten im Line-Up stehen. Den Schwung nahmen TYKETTO mit und legten mit „Closer To The Sun“ ihr besten Album seit mehr als dreißig Jahren vor, mit dem es erneut quer durch den alten Kontinent geht. Dabei werden sie mit CORELEONI nicht gerade von unbekannten begleitet, die ebenfalls kürzlich neues Material raushauten. Als Opener fungieren auf dem ersten Tourabschnitt, wie im Bensheimer Rex, die Saarländer SURRENDER THE CROWN, die bislang unter meinem Radar flogen.
SURRENDER THE CROWN
Die kamen schon zu früher Stunde völlig unprätentiös auf die Bühne, konnten sich dennoch schon über viel Zuspruch freuen. Angeblich stiegen ja die BLACK STAR RIDERS wegen schwacher Ticketabsätze als Co-Headliner aus, und wurden von den Schweizern ersetzt, zu merken war davon nichts. Die ersten Riffs krachten ungemein sauber aus den Boxen, in Sachen Zusammenspiel musste sich der Fünfer keineswegs hinter den beiden arrivierten Acts verstecken. Mag sein, dass ihre Mischung nicht ganz zu den beiden anderen Kapellen passte, aber Rockhörer sind ja durchaus offen für Neues. Hard Rock war auf alle Fälle mit im Gebräu, aber auch moderne metallische Anklänge, welche die eine oder andere kernig tief gestimmte Saite nicht scheute.
Klar schielt das ein oder andere Augen in eine gewisse westschwedische Metropole, die Leads sahen das Duo Patrick Mayer und Marco Abruzzino in schönem Einklang. Dazu trafen sich die beiden öfter in der Mitte, um diese so richtig zu zelebrieren, legten sich dabei richtig ins Zeug. Ohnehin die Aktivposten auf der Bühne, die oft auf den kleinen Risern vorne auftauchten, teilweise davon runtersprangen. Mayer brillierte obendrein mit starken, klaren Soli, bei denen er die Finger sehr gekonnt über das Griffbrett wandern ließ. Fast würde der Mann als Proggie durchgegen, aber bei seiner Ibanez setzt er dann doch auf klassische sechs Saiten. Gerade „Stand In Defiance“ profitierte von der Arbeite der beiden Gitarristen, einer von vielen neuen Tracks.
Das aktuelle „Travails“ stand im Mittelpunkt des Sets, vom Vorgänger „IV – The Healing“ gaben sie „Shatter Me“ zum Besten. So richtig wollte das Material an dem Abend allerdings nicht zünden, der flirrende Groove steht vielleicht zu sehr im Vordergrund. Was Matthias Schmidt hinter seinen Drums zauberte, war schon cool anzusehen, wie er immer die Becken abwechselnd von beiden Seiten anschlug, um dann im simplen Beat nach vorne zu treiben. Leider vergaß er in dem ganzen Fluss, die Arrangements besser zu betonen, so verpuffte manch Riff und Melodie, weil die Kontrapunkte fehlten, diese fest zu machen. Da gab der warm federnde Bass von Oliver Quinten den Stücken mit Atmosphäre deutlich mehr.
Dem Rex gefiel das Gemisch ganz gut, im Verlauf der 35 Minuten spendete der Club immer lauteren Applaus. Eigentlich eine willkommene Einladung an Matthias Braun, die Menge mitzureißen, aber der Frontmann agierte viel zu verhalten, lief in instrumentalen Parts einfach gemächlich herum. Mit seinen Ansagen konnte er punkten, die Singalongs wurden ebenso angenommen, mir fehlte dennoch der Biss, die richtig große Geste, stattdessen schien sich der Sänger fast hinter einer Mütze zu verstecken. Dabei zeigten gerade Nummer wie „We Need You Here“ über was für ein ausdrucksstarkes Organ er verfügt. Musikalisch war die Darbietung sehr gut, aber das Publikum fühlte sich nicht vollends abgeholt, gab trotzdem viel Applaus.


CORELEONI
In Sachen Hits hatten die Eidgenossen wohl die meisten im Gepäck, denn sie traten ja auch das Erbe der frühen GOTTHARD an. Wobei man da die Setlist schon hinterfragen muss, den einige der Stücke stehen heute noch bei denen im Set, gerade von „Dial Hard“ kam der erwartbare Titel, „Get It While You Can“ oder „Higher“ blieben außen vor. Schon etwas kommerzieller fiel „G.“ aus, von dem die meisten Songs kamen, auch zwei Balladen. Dazu wurden viele Eigenkompositionen, bevorzugt vom neuen Werk gezockt, dessen Riffs etwas moderner brummen, obwohl es gerade das war, warum Leo Leoni einst auszog.
Vielleicht hat der Mann sein zweites Standbein auch nur gegründet, um einfach noch mehr spielen zu können, denn der Spaß daran war ihm absolut anzusehen, und nicht nur ihm. Wo die anderen Acts des Abends so etwas wie eine Raumaufteilung hatten, drängte hier jeder ganz nach vorne an die Rampe. Leoni hielt seine Les Paul gerne aufrecht eng am Körper, oder auf das Knie aufgestützt, und hielt während seines Spiels immer Kontakt zum Publikum.
Gerade die Soli rissen richtig mit, mit der Art Präsentation seines Arbeitsgerätes hatten die Zuschauer einen guten Einblick. Auf der anderen Seite verlegte sich Igor Gianola, mit dem er sich die Parts teilte, eher auf das Tapping, wobei er seine Axt dabei sehr lässig hielt. Seine wilde Lockenmähne ist nach wie vor der Hingucker, die er unablässig schüttelte. Beim guten Leo waren eher die verschiedenen Gitarren die Schauwerte, allen voran die Doppelhalsige.
Wenn die beiden dann in der Mitte zusammenkamen, reckten sich ihnen sämtliche Kameras entgegen. Da Gianola der Kontakt zum Publikum nicht genug war, stieg er einmal herab und haute ein Solo inmitten der Menge raus. Oben am Bühnenrand drängte sich Mila Merker noch dazwischen, der sein Langholz ähnlich in die Vertikale hob wie der Bandboss, von der Attitüde eher mit früheren U.D.O.-Mann gleichzog.
Klanglich hatte das richtig Feuer unterm Hintern, auf jenem hielt es Alex Motta kaum hinter der Schießbude. Technisch sicher nicht der Feinste, gab er dem Hard Rock genau, was er brauchte, nämlich schnurgerade Patterns mit viel Betonung auf den Becken. Gerade bei den treibenden Riffs brachte er damit noch mehr Schub rein, das krachte so richtig im Gebälk. Ohnehin kam die Abmischung dem neuen Material entgegen, das sich besser in den Klassikerkanon eingliederte, als es auf Platte den Anschein hatte, da war griffiger, vielleicht eine Spur konventioneller, aber eben stimmiger.
Eugent Bushpepa hatte da alle Mühe sich durchzusetzen, zumal sein Gesang etwas im Klangbild unterging, mir fehlt da auch etwas der Charakter in der Stimme. Kraftvoll shouten kann er auf jeden Fall, aber bei den Phrasierungen fällt er etwas ab, leider gibt es einige gute Vergleichsmöglichkeiten. Bei der Animation der Zuschauer tat er sich ebenso schwer, seine Mitklatschaufforderungen wurden nicht immer so angenommen. Womöglich kann der Frontmann etwas zu cool rüber, wenn er seinen Mikroständer über seinen Oberschenkel legte, das darf eigentlich nur Bobby „Blitz“.
Trotz vielen Zuspruchs war klar, wer im Rex der Hauptact war, bei den neueren Stücken fiel die Stimmung merklich ab. Um dann auch wieder nach oben zu schnellen, Handyfeuerwerk und Publikumschöre bei den ruhigen Nummern inklusive. Ein paar Ansagen erledigte zudem Leoni persönlich, wobei seine Aufforderung zum Tanzen erst verschreckte, weil das Cover des Soul-Klassikers kam, bevor die Hymne vom Debüt gebracht wurde. Da war dann endgültig Feiern angesagt, Band und Zuschauer rockten sich amtliche 75 Minuten durch die immer schön bluesgetränkten Kompositionen.


Setlist CORELEONI:
Walk On Water
Standing In The Light
Downtown
Generation Rock
Howling At The Moon
Sister Moon
Make My Day
In The Name
Let It Be
Like It Or Not
-Drumsolo-
Lady Marmalade
Firedance
Mountain Mama
Last Goodbye
TYKETTO
So direkt würde es beim Headliner nicht werden, der ja bekannt dafür ist, dass in seinem Groove cleane Gitarren eine Rolle spielen. Nicht so stramm nach vorne drückend, dafür mit sehr viel Raum für die großen Melodien bereitete das Material dem Danny Vaughn genau den richtigen Boden. Der tänzelte die ganze Zeit umher, versprühte ein wenig Hippie-Zeitgeist, der sich in seinem Schaffen nur bei „Shine“ musikalisch bemerkbar machte. Führte er das Mikrofon spazieren, so nahm er ganz engen Kontakt zu den vorderen Reihen auf.
Beeindruckend war vor allem seine, entgegen dem ergrauten Haupthaar, immer noch kristallklare hohe Stimme, die so unbeschwert wirkte wie seine Erscheinung. Wie er das Publikum um den Finger wickeln muss, weiß er schon lange, und bestätigte das mehrfach an dem Abend, ihrem Vorturner folgten die nun dicht stehende Meute gerne. Mit allen Wassern ist der Frontmann ohnehin gewachsen, als das Kopfmikro von Schlagzeuger Johnny Dee ausfiel und der Techniker der Fehler suchte, schnappte er sich die Klampfe und gab Solo einen CCR-Klassiker zum Besten.
Wobei das Mikrofon von Dee schon wichtig war, denn auch er steuerte Vocals zu den großartigen Harmonien bei, die immer perfekt auf den Punkt kamen. Selbiges ließ sich ebenso von seinem Drumming behaupten, er verstand es sehr gut, die typische Melodieführung zu betonen, um sie noch griffiger zu machen. Nicht so voll auf die Zwölf wie bei DORO, dafür mit schönen Zwischentönen. Bei der ersten Zugabe kam er mit dem Tamburin nach vorne, lehrte das Publikum den Takt, und stieg in die Countrynummer mit ein.
Nicht das einzige Mal an dem Abend, dass der Sänger mit der Zwölfseitigen solche Momente hatte, die selig an Zeiten erinnern, als der Hair Metal das American Songbook entdeckte. Vielfach hing er sich auch die normale Klampfe um, da viele Kompositionen genau die als Gegenpol zu den Riffs verlangten. Dessen war sich auch Chris Childs bewusst, der zur Allzweckwaffe am Hard Rockbass mutiert.
Sein warmes Spiel war gut heraus gemischt, wusste Akzente zu setzen, beim dicken Groover zum Ende durfte er mit einem kurzen Solo ran. Optisch wie immer zurückhaltend und darauf bedacht, den Song das Notwendige zu geben, war er ganz der britische Gentleman. Noch dazu im Dandystil schicker gekleidet, setzte Ged Rylands mit seinem kleinen Iro einen witzigen Kontrapunkt dazu, der am rechten Rand zwischen Tasten und Rhythmusgitarre changierte.
Das große Plus war jedoch der neue Gitarrist Harry Scott Elliot, der auch als Produzent umtriebig ist. Ihm war die Spiellaune am meisten anzusehen, die linke Flanke beackerte er im Alleingang. Fast schien es so, als ob ihn seine Kollegen nicht weiter nach rechts lassen, weil er ihnen da auch den Platz streitig machen würde. Ihn könnte man sich gut auf so einer richtigen Achtziger Stage mit Rampen vorstellen, so wie es sich mein siebzehnjähriges Ich vorstellte.
Hoch waren die Ärmel am schwarzen Hemd gekrempelt, und die Matte ständig in den Nacken geworfen. Spielerisch hatte der Beau auch mächtig was auf der Panne, breitbeinig mit immer nach vorne geschobenem Oberkörper knallte er die Riffs kantig ins Auditorium. Am meisten Freude bereitete ihm aber, wenn er bei seinen Soli die Finger wild über das Griffbrett fliegen ließ. Ungeachtet seines Bewegungsdrangs saß da alles sehr sicher.


Damit konnten TYKETTO die Zuschauer mitreißen, selbst wenn man die Songs nicht kannte, sang man beim zweiten Refrain laut mit. So entstanden viele tolle Publikumschöre, nicht nur beim obligatorischen MTV-Hit am Ende. Von früheren Konzerten bekannt, blieben die ständigen Rufe danach aus, den Fans dürstete es genauso nach anderen Highlights, die vornehmlich aus den ersten beiden Alben stammten.
Vermisst wurde eher „It Starts With A Feeling“ vom neuen Album, das mit ein paar Kostproben bedacht wurde, vom Rest kam nur ein Lied zum Zuge. Da fanden sich Balladen wie geradlinige Rocker, welche die Stimmung nach oben treiben, und zeigten, dass hier mehr als ein One-Hit-Wonder stand. Die Band nahm das sehr wohlwollend auf, das Rex war bisher immer gut zu ihnen, und wurden erneut neunzig Minuten abgefeiert.
Setlist TYKETTO:
Rescue Me
Wings
Burning Down Inside
Higher Than High
Meet Me In The Night
Have You Ever Seen The Rain?
Reach
Closer To The Sun
Seasons
Strength In Numbers
We Rise
Standing Alone
Lay Your Body Down
Sail Away
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The Last Sunset
Forever Young


Alle Fotos von Frank Hameister

