ANVIL - Kassel

Konzert vom 01.11.2026
Support: SPIRIT WAR
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ANVIL
KILLER
SPIRIT WAR
Im Rahmen seiner Pounding The Past-Tour, deren Inhalt sich auf die drei frühen ANVIL-Klassikeralben 'Metal On Metal', 'Hard n' Heavy' und 'Forged In Fire' bezieht, stattet das legendäre Kanada-Trio ANVIL der Goldgrube Kassel einen Besuch ab. Damit, dass ANVIL tatsächlich mal dort aufschlagen, hätte wohl vor etwa einem Jahr kaum jemand gerechnet. In der Tat: Die Legende kommt und bringt im Rahmen der 'Pounding The Past'-Tour eine bunt gemischte Songauswahl ihrer drei ersten Alben, die in der Metalszene unweigerlich Kult-Status genießen.
Dass ANVIL nicht ohne Vorbands nach Kassel anreisen sollte natürlich ebenfalls klar sein. Für dieses Frankreich/Belgien/Kanada-Triple wurde das Belgier-Trio KILLER vom Headliner ANVIL selbst auf die Wunschliste gesetzt demzufolge verpflichtet, dessen Name in der Undergroundszene nicht unbekannt ist und als kurzfristig hinzugefügter Überraschungsgast (Support) des schlagkräftigen Doppels ANVIL/KILLER kommen SPIRIT WAR dazu, eine seit 2021 bestehende Combo aus Frankreich, deren Album-Debüt 'Between Dusk and Dawn' 2023 erschien, etwa drei Jahre zurück liegt. Konzertbeginn wurde um dreißig Minuten vorverlegt. Geschätzt 120 Leute sind bis dato anwesend, im weiteren Verlauf werden es mehr.
SPIRIT WAR
sorgen pünktlich gegen 19:00 zum Auftakt für mächtig Stimmung. So wie sich die Situation darstellt, hatten viele diesen Auftritt gar nicht auf der Rechnung, umso mehr werden sie von der spielfreudigen Franzosencombo überrascht, die vor eigens angereistem Fanblock und motivierten Goldgruben-Publikum als Openig Act für mächtig Stimmung sorgt mit zunehmender Spielzeit bei jedem Song besser wird. Bassist Markus Fortunate, Drummer Valentin Leroy und Sänger/Gitarrist Nicolas Le Brat bilden ein top harminierendes Trio, das neben lockeren Posen schwungvoll aufspielt. Griffige Ansagen, Songs zwischen Classic Stadion Hard Rock und traditionellem Heavy Metal Marke „Just For One Night“, „No Mans Land“, „So Cold“ oder „Never Give Up!“ (aus zahlreicher Kehle mitgesungen) verfehlen ihre Wirkung bei den voll das erstklassige Livefeeling der Band reflektierenden Fans nicht.
Anfeuerungsrufe seitens der Band zahlreich in die Luft gehende Fäuste, ausgelassen feiernde Fans in prächtiger Stimmung und das gleich zum Auftakt, sagen alles! Am Ende vom Gig rocken extra speziell angereiste SPIRIT WAR-Fans denen die Band schon vorher bekannt ist mit befreundeten Musikern zwecks gemeinsamer Jamsession die Bühne. Bockstarkes Kino, das gleich mal zum Auftakt einer tollen Session! Nach berauschendem Gig dürfte sich wie ein Blick rüber zum Merchstand zeigt, der SPIRIT WAR-Fankreis wohl um einiges vergrößert haben. Sehr gern kann das bockstarke Franzosentrio im Bedarfsfall wieder kommen.
Nach prächtigem Auftakt geht es mit der nächsten Band ins Eingemachte. Spätestens bei KILLER wird’s um einiges voller, etwa 150 Leute sind in der Goldgrube.
KILLER
machen dann mächtig Feuer wozu neben prägender MOTÖRHEAD-Schlagseite... auch NWOBHM-Einflüsse hinzukommen. KILLER gewaltig auf die Kacke, bringen den gesamten Saal zum Toben, was eigentlich ANVIL vorbehalten sein sollte, gelingt schon dem Belgier-Trio mit atemberaubender Performance! Kaum zu glauben, das KILLER aufhören wollen – Da fließt soviel waschechtes 80er-Jahre Feeling, das unwiderstehlich mitreisst, vor allem die Oldschool-Fraktion vergießt manches Nostalgietränchen, kommt aus dem Staunen, Entzücken und heftig Abrocken nicht heraus. Anlässlich ihrer Abschiedstour bieten KILLER ein gedehntes Programm, fokussiert auf kultigen 80er-Spirit reichend bis zum aktuellen 'The Grand Finale'-Album, dessen Titelsong im Programm enthalten ist. Posing von und Shorty und Jakke sitzt makellos, angetrieben vom satten Punch ihres kräftig auf Becken unf Felle hauenden Drummers Vanne. Alle drei verströmen das Metal-Gen unbändiger Lust energiegeladen fetzig heavy zu rocken was dem gesamten Auftritt entspricht.
Trotz ausreichend Heavy/Speed beinhaltet der NWOBHM beeinflusste Killersound noch ein anderes Element. „Making Magic“ trägt als schleppender Blues Hard Rocker drückend tonnenschwer den Geist klassischer Hard Rockschule bis in jedes kleinste Wandeckchen im Gebäude.Oldschool Metal geht durch Mark und Bein. Ein bestens gelaunter Shorty, bärbeissig und top drauf, fragt zwischendurch ob die Fans folgende drei Dinge mögen? Alkohol, Sex und Heavy Metal... bei ersterem enthält sich meinereiner bewusst, da jubeln viele, meins isses nicht, zweiteres und letzteres werden lautstark bejubelt, und am Schluß noch das Wichtigste die vierte Sache... Shorty deutet mit dem Finger auf's anwesende Publikum: „Das seid ihr, die Fans!“ Eine Aussage die mit kräftigen Applaus quittiert wird. Natürlich kommen auch dessen MOTÖRHEAD-Wurzeln einschließlich zugehöriger Lemmy-Lobhymne deutlich zum Tragen. - 46 Jahre KILLER - Bandboss Shorty betont es wiederholt, - sind ein gewichtiges Wort! 
Bei alten 80er-Reissern wie „Backshooter“ oder „Kleptomania“ zirkuliert die Luft! Songergüsse späterer Alben wie der mit warnendem Unterton angekündigte Killer „Argus Eyes“ oder „Making Magic“ kommen prima bei der heftig rockenden Fancrowd an. Höhepunkt im gedehnten KILLER-Liveset bildet das 5-Song-Medley „Secret Love“/“Battle Scars“/“Maybe Our Interests are the Same“/“Bodies and Bones“/“No Future“. Bei derart hochprozentigem 80er Spirit geht das Publikum intensiv mit, auch jüngere Metalfans geraten schwer ins Staunen ob dieser druckvoll fett kantig ungeschliffen Darbietung im rohen Soundraster, wo Hard Rock, Heavy-. und Speed Metal regieren. Jakke hat nicht nur auf der Bühne den Bass öfter mal hochreissend, richtig Bock im Publikumspulk zu rocken, unternimmt vermehrt Ausflüge in Reihen der Fans, deren Anwesenheit er in vollen Zügen genießt sein Vier-Saiten-Instrument in alle Richtungen drehend, umjubelt gemeinsam die Hütte rockt, - eben ne' echte Rampensau! Abgemischt in kraftvollem Sound, ziehen KILLER den verlängerte Set vollständig durch, nutzen jeden Augenblick, den sie auf der Bühne bei den Fans sein dürfen, liefern ein durchweg energiegeladenes Spektakel gigantischen Ausmaßes vor wahrem Heavy Metal-Underground-Publikum in der kleinen Goldgrube, die kopfstehend bebt!
Für einen Zugabesong bleibt noch etwas Zeit, den will die lautstark sich bemerkbar machende Fanmeute unbedingt haben. Der treibende Heavy-Speedbanger „Ready For Hell“ setzt würdigen Schlußstrich unter einen megafetten KILLER-Auftritt, der zeigte warum KILLER mit Band-Urgestein Shorty als Kapitän so lange im Geschäft aktiv gewesen sind . Schade, das KILLER sich mit dem Gedanken tragen aufzuhören, wer so lange im Geschäft ist, hat sich seinen Ruhenstand mehr als verdient! Auch bei KILLER tut sich nach dem Gig einiges am Stand, vor allem Patches und CD's finden ordentlich Absatz.
Bevor nun ANVIL das kanadische Gegenstück zu dem England-Trio RAVEN eine der einflussreichsten Bands in der Geschichte des Heavy Metal die Bühne betreten darf, gilt es noch einen Moment den KILLER-Gig zu verdauen,,,, was bisher an Besucherschaft fehlte, kommt spätestens zu ANVIL reingeschneit, etwa 180 Leute füllen die Goldgrube heftig, es gibt zwar noch kleinere Lücken, weil nicht komplett ausverkauft, dennoch wird es reichlich knapp mit dem Platz. Folgendes Novum sei am Rande noch erwähnt: Alle drei Bands bestehen aus drei Musikern, was wahrscheinlich wer den schrägen Humor eines Herrn Lips Kudlow kennt, durchaus beabsichtigt gewesen ist. Gab es jemals eine solch ausgefallen rare Kombination innerhalb der Goldgruben-Historie? Wie dem auch sei... Jetzt aber... Metal on Metal... ähhh Bühne frei für... ANVIL!
ANVIL
Zeit für Legenden! ANVIL schlagen in Kassel ein weiteres Kapitel Heavy Metal-Geschichte auf, die es zu verfassen gilt. Ein Schreiberling, ein Wort!

ANVIL waren obschon es fälschlicherweise manchmal Erwähnung findet, nie wirklich Power Metal, stehen seit gefühlt 45 Jahren für bodenständigen Hard Rock, schweren Heavy Metal und treifenden Speed n' Roll, mit dieser Grundessenz wollen Sänger/Gitarrist Lips, Bassist Chris Robertson und Drummer Robb Rainer die Goldgrube erobern, was im Handumdrehen gelingt! Dafür sind ANVIL seit 1981 ebenso bekannt wie kampferprobt, haben trotz ewigem Underdogstatus treue Fans, die ihr Songmaterial fleißig mitsingend wertschätzen. Schon bei den vier Einstiegsknallern denk' ich mir... "Wie irre ist das? Mit dem Zeug biste aufgewachsen..." „March of the Crabs“ eröffnet wuchtig robust ratternd, gefolgt vom rauen Speed n' Rollgeschoss „666“, das darauffolgend kantige Hard n' Heavy-Rocker-Doppel „School Love“ „Ohh Baby“ bringt auf Anhieb mächtig Stimmung ins Volk. Wie sehr ANVIL mit MOTÖRHEAD verbunden waren, demonstriert 'Lips' durch Erzählen manch alter Geschichten, die sich während gemeinsamen Tourens in den 80ern ergaben. MOTÖRHEAD-Lemmy, der ANVIL mittels Toursupport für's Warpig-Trio immer den Rücken stärkte als es finanziell weniger toll ging. 1983 wählten MOTÖRHEAD bewusst ANVIL als Vorband für deren 'Another Perfect Day'-Tour. Passend hierzu gibt Steve 'Lips' Kudrow mit Schalk & Charme den Entertainer par eczellence, Lemmy erklärte oft, dass ANVIL zu den sträflich unterschätztesten Bands gehörten. 
Darüber hinaus geht immer noch die Musik. ANVIL sind unanfechtbar gehören zu jener Sorte zeitlosen 80er Metal-Kult, die man als Oldschooler schlichtweg mögen muss, wahrhaft eine Legende! Licht und Sound sind ordentlich gemischt. Nicht nur die in der Mehrheit befindlichen älteren Semester innerhalb der Besucherschaft huldigen dem 80er Metal-Kult auch jüngere Fangenerationen lassen sich von der ANVIL-Manie anstecken! Drummer Robb Rainer und Sänger/Gitarrist Lips machen das schon seit 45 Jahren. Echter Edelstahl wird auf einem Amboß geschmiedet! Der Tempogedrosselte Hard Rocker „Mad Dog“ ist natürlich Pflicht. Die zwei packenden Heavy/Speed n' Roll-Abfahrten “Winged Assassins“ und „Free As The Wind“ sorgen für mit flotter Taktfolge für erhöhte Stimmung. Richtig fett werden im Schlußfinale fünf Asse zunächst das mehr in schleppenden Doom-Tempo heroisch dröhnende „Forged In Fire“, „Mothra“ „Swing Thing“, „Jackhammer“ Robb Rainer legt noch ein längeres Schlagzeugsolo auf's Parkett, das noch etwas Zeit zum Durchatmen bringt, Vibratorspielchen bei „Mothra“ einschließlich Lips außer gewöhnlichem Gitarrensolo ohnehin fester Bestandteil jeder ANVIL-Show sind mit am Start. Und welcher KompaktMetalUr-Song-Gigant darf keineswegs fehlen (?) „Metal on Metal“, wenn der Bass tief pumpt, Lips düster melancholische Reibeisenröhrenvocals verbunden mit Riffs und Flirrenden Leadsoli angetrieben von Robb's wuchtigen Schlagzeugbeats durch den Raum hallen. Zu „Metal On Metal“ gesellt sich Lips von der Bühne herunter kommend, zu den Fans, steht direkt vor meiner einer, soliert einfach mal völlig unbekümmert als wolle er den Gig in Kassel gerne verlängern, drauflos. Verblüffendes Resultat: Gitarrenduell mit Airstrike-Einlage des kräftig dazu headbangend wie posenden Fans. Lips ist schon ne' coole Socke!
Diese Setlist servierten ANVIL der Goldgrube:
1. March of the Crabs
2. 666
3. School Love
4. Ooh Baby
5. Bedroom Game
6. Motormount
7. Mad Dog
8. Bad Ass Rock n' Roll/Bitch ITB/On Fire
9. Winged Assassins
10. Free As The Wind
11. Forged In Fire
12. Mothra
13. Swing Thing
14. Jackhammer
15. Metal On Metal
Nachwort:
Zur Erinnerung an diese hervorragend gelaufene Tour stellen sich nocheinmal alle Bands für ein gemeinsames Gruppenfoto auf die Bretter. Gelegenheit, sich Autogramme per Tonträger oder Kuttensignierung zu holen, Selfie-Fotos mit den Musikern zu machen, besteht nach dem Set natürlich ebenfalls niemand geht mit leeren Händen heim. Was für ein kaum in Worte fassbarer Abend mit überdimensionaler Fannähe von Musikern die ihr Handwerk über alles lieben, wertschätzen, Freude am Tun haben, darüber hinaus den Fans ihre Dankbarkeit für deren Treue aussprechend vorbildlich zeigen, wie Symbiose zwischen Musikern und Fans funktioniert, das wir de facto alle nur Menschen, keine Götter sind. Nach dem Gig sind ANVIL heiß umlagert, zahlreiche Fans wollen sich mitgebrachte Vinyl-LP's, Poster, CD's, Flyer und Kutte signieren lassen. Alle drei Bands sind richtig Fannah, was sie als Musiker starken Charakters mögenswert macht. Sinnvollerweise rät mir Lips (ohnehin ein irrsinnig umgänglich lockerer Typ) dies nicht mit silbernem Edding zu tun, sondern besser schwarz dafür zu benutzen; - gesagt, geschaut, Stift besorgt, abschließend sicher getan!
Fazit: Dieses erlesene Dreierpackage hat es einmal mehr gezeigt, die megafettesten Partys mit größten Überraschungsmomenten steigen in den kleinen Clubs! Alle drei Bands bestehend aus je drei Mirtgliedern, Bassist/Sänger/Gitarrist/Drummer waren top motiviert, boten den Fans viel Musik mit Liebe, Leidenschaft, Herz und Seele. - Ja! Genau das, wofür man als Metalfan auf Konzerte geht! Auch wenn die Goldgrube nicht vollständig ausverkauft gewesen ist, so geht diese Dreierkombination als richtig fett aufschlagendes Triple durch, das auf dem Classic Hardrock/traditionellen Heavy Metalsektor ein Hammerbilling markierte, - nicht allein musikalisch, sondern ebenso in Sachen Fan-Nähe von gestandenen Musikern, die trotz harter Bühnenarbeit wissen wo sie herkommen und wer deren Schaffen unterstützt,´ - wir, Fans (!); sympathisch, ehrlich, liebenswert, familiär. - Wahnsinnsgeiler-UndergroundKonzertabend von Anfang bis Ende!
Fotos und Bericht: Michael Toscher

