SWEDENROCK - Sölvesborg
Beitragsseiten
Konzert vom 03.- 06.06.2026
Bands: IRON MAIDEN, VOLBEAT, JOAN JETT, BRING ME THE HORIZON, OFFSPRING, HELLOWEEN, SAXON, etc.
Wie immer markiert das traditionsreiche schwedische Festival eines der großen Auftaktevents in der europäischen Szene. An jedem ersten Juni-Wochenende, immer um den Nationalfeiertag am 06.Juni herum findet im südschwedischen Sölvesborg das SWEDEN ROCK FESTIVAL statt. An vier Tagen gaben sich fast einhundert Bands die Ehre, mit einem sehr breitgefächerten Bandangebot, dass in der Form seinesgleichen sucht. Ungefähr 35.000 waren bei der 33. Ausgabe jeden Tag vor den Toren der Stadt in der Norje Bucht, um dieses Happening zu feiern. Schöner kann ein Gelände auch kaum liegen, die Ostsee in direkter Nachbarschaft, was mit zum Flair des Festivals beiträgt. Wie schon seit ein paar Jahren war FFM-ROCK mittendrin statt nur dabei, um davon zu berichten.
Anreise:
Irgendwas muss ja immer passieren, und neben den obligatorischen Staus im nun bundesligafreien Bundesland, meldete sich plötzlich das Opel-Gefährt. Irgendwas vibrierte schon deutlich, bis dem Verfasser dieser Zeilen einfiel, dass nicht umsonst darauf hingewiesen wird, nach 50 Kilometern die Radmuttern nachzuziehen. In der Tat lockerte sich der nagelneue Sommerreifen, was früher kein Problem gewesen wäre. Nur wer hat heute in Zeiten ohne Reserverad noch einen passenden Schlüssel? Glücklicherweise strandeten wir in der Nähe unserer lieben Kollegin Jutta, die tatsächlich ein Radkreuz vorbeibrachte.
Am Ende wurde es spät in der Nacht, auch weil man sich in Norddeutschland ein Fischmahl munden ließ. Die Unterkunft auf der Halbinsel Hällevik erwies sich als gut ausgestattetes Tiny House mit etwas geringer Deckenhöhe im obigen Schlafraum. Der Blick auf das Meer war ein weiterer Bonus neben der sehr ruhigen Lage am Ende einer Sackgasse, der Weg ans Gelände war überschaubar und ein privater Parkplatz stand nahe zur Verfügung. Die zwei Tage bis zum Start wurden mit der obligatorischen Elchsafari gefüllt, dazu luden die Fluten ein, sich darauf und darin sportlich zu bewegen.
Mittwoch, 03.06.2026
EUROPE (Blåkläder Stage)
Klar pfiffen es die Spatzen von den Dächern, wer sich nun hinter dem ominösen Überraschungsgast verbarg, der in der Mittagssonne das Open Air eröffnen durfte. Dennoch war der Jubel groß, als der Vorhang mit dem großen Fragezeichen darauf fiel und die Hair Metal-Legende schlechthin dahinter loslegte. So voll war der Hang vor der zweitkleinsten Bühne schon zu Beginn noch nie, und die frohe Kunde machte für die Ahnungslosen dank des wundervollen Telefonsystems schnell die Runde.
Auch wenn der Opener vom demnächst erscheinenden neuen Album bislang den wenigsten geläufig sein durfte, war die Stimmung sofort oben. Sicher nutzte der Headliner-Kandidat die Möglichkeit, um für „Come This Madness“ die Werbetrommel zu rühren und gab dem an die ersten Reunion-Alben erinnernden Stücke viel Aufmerksamkeit. In der Folge schob man noch ein rockigeres Lied nach, manch einer dachte, sie würden jenes lang ersehnte Werk in Gänze auf die Bühne bringen.
Doch EUROPE wissen zu sehr um ihren Katalog an Klassikern, als dass sie ihn außen vor lassen könnten. Schon folgte die wohl schnellste Nummer der Bandgeschichte, welche das Publikum richtig auf Trab brachte und die ersten Hörner hochgehen ließ. Den Musikern war wohl nach Rocken zumute, die beiden vorgestellten Nummern waren auch recht kernig, und auch der Rest des kurzen Programms ging ordentlich nach vorne. Wobei die mitsingkompatiblen Titel zum Schluss kamen, allerdings auf den schlussendlichen Herunterzähler verzichtet wurde. Einige mögen das bemängelt haben, ich sah darin wie schon bei Kee Marcello im letzten Jahr kein Manko.
Das Wetter zu dem Zeitpunkt sprach natürlich das sonnige Gemüt des ewig jungen Frontmanns an, dessen Strahlelächeln schon Wochen zuvor bei ROCK MEETS CLASSIC bezauberte. Ob schon größere Mengen bei dem Anlass gewohnt, war Joey Tempest über den Zuspruch sehr erfreut, und nahm von der ersten Sekunde an Tuchfühlung auf. Dabei begab er sich mehrmals vorne auf die Boxen, um seinen Fans nahe zu sein, die Sonnenbrille verhinderte den Augenkontakt ein wenig. Bei seiner typischen Mikroständerakrobatik störte das indes kaum, das Teil machte einige Rotationen auf den Brettern. So locker wie Tempest das von der Hand ging, bewegte er sich auch unablässig, die Frische war beeindruckend.
Dem standen seine Nebenleute kaum nach, speziell John Levén konnte eine vergleichbare Leichtigkeit an den Tag legen, und zockte lässig auf seinen vier Saiten. Wenn sein Sänger die linke Bühnenseite freigab, so nutzte er den Raum, um seinerseits mit dem Publikum zu flirten. Da wurde selbst weit außen noch animiert, für jene, die Probleme hatten, die Späße des hart aufspielenden Ian Haugland zu sehen. Musikalisch eher im Hintergrund hielt sich Mic Michaeli, wobei seine Tasten bei der Songauswahl wenig gefragt waren. Rechts spielte John Norum sehr versiert auf der Flying V, der immer mehr die Rockstar-Posen verlässt und mit sehr viel Feeling glänzen kann.
Schon beim Konzert in Stuttgart vor drei Jahren hatte ich festgestellt, dass er nicht nur vom Spiel her immer mehr Gary Moore nahekommt. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass er sich mit dem Iren zu dessen Lebzeiten im Teleporter von Seth Brundle befunden hat. Wie er bei seinen genialen Soli das Gesicht verzog, jeden Ton mitlebte, war großartig, atmete stets den Geist des zu früh gegangenen Großmeisters. Damit setzte er beim knalligen Material, dass vom Publikum aufgesogen wurde, die spielerischen Glanzpunkte, und zeigte, was immer noch in dieser Band steckt. Kaum jemand verbindet so stark Eingängigkeit und musikalische Klasse wie das schwedische Nationalheiligtum.
Setlist EUROPE:
One on One
The Cult Of Ignorance
Scream Of Anger
Superstitious
Rock The Night


THE POODLES (Rock Stage)
Wie groß der Impact seinerzeit der Helden ihrerzeit auf die heimische Szene war zeigte sich auch daran, wie viel Hair Metal Bands in dem Jahr in Sölvesborg an den Start gingen. Bis auf H.E.A.T eigentlich die gesamte Speerspitze der Szene, darunter im Anschluss jene bemerkenswerte Reunion. Seit acht Jahren stand die Formation nicht mehr auf der Bühne, nun ist sie mit erweiterter Originalbesetzung zurück. Neben Henrik Bergqvist war auch Pontus Norgren an der Gitarre zurück, dazu übernahm Pontus Egberg wieder das Langholz. Interessant in dem Zusammenhang auch, dass Sänger Jakob Samuel beim angesprochenen Showcase von Kee Marcello am Mikro stand.
Mit schicker Brille das Rockstar-Outfit optimierend gab er den Mittelpunkt der Show und stolzierte durchgehend über die zweitgrößte Bühne. Womit er jedoch nicht verbergen konnte, dass deren Dimensionen doch etwas zu groß für die nun fünfköpfige Formation waren. Die großen Vorbilder wusste die schon öfter zu füllen, aber gerade zu Beginn agierten die Protagonisten zu statisch. Was vielleicht daran gelegen haben dürfte, dass jeder für die mehrstimmigen Chöre zurück am Mikro sein wollte. Bei einem Fronter wie Samuel aber eigentlich kein Problem, kam er öfter zu seinen Mitstreitern, um gemeinsam in sein Mikrofon zu singen.
Musikalisch war die neu gewonnene Einheit durchaus gewinnbringend, wie man am tighten Zusammenspiel sehen konnte, zudem konnte jeder seine individuelle Klasse einbringen. Norgren legte seine Soloparts mit bluesiger Schlagseite an, was hier deutlich willkommener war als bei HAMMERFALL. Seinem Partner gestand er ebenso seine Spots zu, da herrschte kein Ego-Gebolze untereinander. Dass ihr Material aber dennoch nicht so zündete lag eher an Drummer Christian Lundqvist, der mehr Breaks hätte setzen müssen, um die Arbeit seiner Vorderleute zu akzentuieren. Hier blieben THE POODLES deutlich unter ihren Möglichkeiten, fanden nur schwer den Zugang zum Publikum.
Natürlich war der Zeitpunkt denkbar schlecht nach der Demonstration direkt davor, so musste der gute Jakob um jeden Zuspruch kämpfen. Getreu dem Motto der Reunion speiste sich die Setlist fast komplett aus Liedern der ersten beiden Scheiben wie „Echoes From The Past“ sowie „Metal Will Stand Tall“ vom Debüt als Auftakt oder Nummern wie „Line Of Fire“ und „Flesh And Blood“ vom Zweitwerk „Sweet Trade“.
Mit der Zeit wurde die Connection zum Auditorium enger, weil die Truppe mehr aus sich heraus ging und spielfreudiger agierte. Zu „Like No Tomorrow“, einer der wenigen Nummern aus der Phase ohne Pontus Norgren hatte man sich endgültig eingegroovt. „Seven Seas“ geriet dann zum großen Epos, wo die Zuschauer ihren Teil mit beitrugen. Dennoch muss man auch nach dem Musikfestivalen-Beitrag „One Night Of Passion“ attestieren, dass sie von allen am wenigsten zwingend agierten.


JARED JAMES NICHOLS (Blåkläder Stage)
Nun zum Holzfäller aus Wisconsin in ebenjenem Outfit, der leichte Orientierungsprobleme musikalischer Natur zu haben scheint. Nur so ist es zu erklären, dass er klingt, als käme er tief aus dem Süden, irgendwo zwischen der rauen Attitüde von Jacksonsville und dem Feeling der Swamps. Sich auf der Hinfahrt öfter die Promo zu seinem neuen Studiowerk „Louder Than Fate“ reinzuziehen erwiese sich als hilfreich. Bei seinem bislang schmalen Output waren Stücke daraus wie das tonnenschwer groovende „Ghost“, das lässige „Way Back“, eingängiges wie „Runnin´ Hot“, oder das treibende „Let´s Go“ prominent vertreten.
Auf Platte nicht mal so spektakulär waren es seine bisherigen Gigs, unter anderem hier vor ein paar Jahren, die mich gerne wieder bei ihm vor die Bühne trieben. Wie er live aufspielt ist einfach eine Klasse für sich, denn er transportiert den massiven Sound tatsächlich noch dicker auf die Bretter dieser Welt. Das drückte so dermaßen aus den Boxen, dass die kleine Bühne zu wackeln begann, ohne jetzt nur brutal in die Saiten zu hauen. Alleine seine Technik ließ Kennern die Kinnlade runterklappen, denn Nichols drückt die Saiten seiner Bratpfanne lediglich mit den Fingern, erschuf so einen Signature-Sound.
Das wissen sogar die Kollegen anzuerkennen, am Rande der Bühne sah man Pepper Keenan und Kirk Windstein von DOWN sich das genau unter die Lupe zu nehmen. Dabei sind die beiden, die später noch dran waren, bereits ausgemachte Experten, wenn es darum geht, die Riffs tiefer zu legen. Immer schwang auch ein leicht psychedelischer Ansatz mit, gerade bei seinen effektbeladenen Soli. „Throw Me To The Wolves“ bewies, dass er es auch ruhiger kann, und das warme Solo in „Killing Time“ war einfach nur magisch.
So energisch sein Spiel war, so auch sein Auftreten, seine wilde Lockenpracht schüttelte das Muskelpaket unentwegt, ohne die Kontrolle über sein Arbeitsgerät zu verlieren. Darunter war immer das spitzbübische Lächeln zu sehen, die Spielfreude steckt einfach an, oft stand er breitbeinig auf dem Bühnenrand und mit dem anderen Bein vorne aus den Boxen und haute seine kraftvollen Töne raus, wenn er nicht in flottem Tempo unterwegs war. Hatte ich beim Act zuvor auf der Stage schon über den Teleporter von Seth Brundle referiert, so steckte der Derwisch wohl mit Ted Nugent darin.
Bei so viel Präsenz gerieten seine Mitstreiter fast zu Statisten, dabei musste er sich auf deren Beiträge verlassen können, um selbst derart glänzen zu können. Ryan Rice lieferte hinter seinem Kit die derben Schläge so wunderbar in das Spiel hinein, dass es alles noch zusätzlich anschob. Gerade die coolen Shuffles in „Keep Your Light On Mama“ machten richtig Laune und für das abschließende Cover von „War Pigs“ avancierte er zum perfekten Partner. Schon lange an seiner Seite ist Brian Weaver, der seine dicken Saiten ebenfalls tief gestimmt hatte und die ruhigen Lieder mit ein paar schönen Backings zusätzlich veredelte. JARED JAMES NICHOLS haute uns da richtig was um die Ohren und bleibt in der Bucketlist weit oben.


ROY KHAN (Sweden Stage)
Eine Spezialität des Festivals sind Gigs von früheren Mitgliedern größerer Bands, die mit einem speziellen Set ihrer früheren Brötchengeber auftreten. Für die einen ein Hauch von Coverband, für die anderen die Möglichkeit ein paar vergessenen Perlen zu lauschen. KAMELOT hatten immer gut Spots in der Norje Bucht, weswegen ihr ehemaliger Sänger ROY KHAN dort guten Anklang finden dürfte. In der Tat fanden sich viele Power Metalheads ein, als der Norweger mit seiner Begleittruppe aufwartete.
Gerne hätte ich bei der Songauswahl nachgebessert, stand da „The Black Halo“ im Mittelpunkt, meiner Meinung nach die Scheibe mit der die US-Band nachgelassen hat. Auch vom folgenden „Ghost Opera“ gab es zwei Nummern, „Poetry For The Poisoned“, das letzte Album mit Kahn am Mikro blieb dann außen vor. Leider auch die beiden ersten Platten mit ihm, gerade vom progressiven „Siege Perilous“ habe ich was vermisst, ganz zu schweigen von seiner Zeit mit CONCEPTION.
Was etwas überraschend war, immerhin hatte er mit Lars Andre Kvistum den Keyboarder seiner Prog Metal-Kultformation mit dabei. Jener war auch gut zu hören, was den teils opulenten Kompositionen zugute kam. Oft wurde bei der diesjährigen Auflage die Rhythmusfraktion in den Vordergrund gemischt, was den ein oder anderen Melodiebogen nicht zur Geltung kommen ließ. Davon profitierte auch das tolle Solospiel des brasilianischen Talents Caio Kehyayan, der immer wieder Akzente setzen konnte und sicher auch mit seiner eigenen Combo FIREWING für Aufsehen sorgen dürfte.
Darüber hinaus setzte Khan auf die Dienste von Musikern der ebenfalls anwesenden SEVEN SPIRES, wie Bassist Peter Albert De Reyna. Wobei natürlich Sängerin Adrienne Cowan gesondert erwähnt werden muss, mit ROCK MEETS CLASSIC oder AVANTASIA die meistgebuchte Backgroundsängerin der Welt. Sie lieferte sich tolle Duelle mit dem Ausnahmesänger, die auch optisch zelebriert wurden, als sich beide auf der Bühne umgarnten. Dazu waren es nicht nur die hohen weiblichen Töne, welche die Dame beisteuerte, auch die auf Platte von DIMMU BORGIR´s Shagrath eingesungenen Grunts übernahm sie sehr gekonnt.
Mit ihrem weißen Kleid gab sie den Gegenpart zur ganz in schwarz gekleideten Charakterglatze, der wie gewohnt in seinen Roben auftrat. Der untermalte jede Silbe mit der passenden Gestik, steigerte so das theatralische Element zusätzlich. Ein Kniefall war ihm ebenso wenig fremd wie das weit ausholende Zurücklehnen des Oberkörpers. Tauchte er vorne am Bühnenrand auf, so taxierte er die vorderen Reihen mit seinem eindringlichen Blick. So stellte er Mittelpunkt und ruhenden Pol in Personalunion in einem spiel- und bewegungsfreudigen Ensemble dar, das zu Recht gefeiert wurde und viele Singalongs erntete.
Setlist ROY KHAN:
When The Lights Are Down
Soul Society
Moonlight
Center Of The Universe
The Haunting (Somewhere In Time)
Rule The World
Karma
Forever
--------------------------------------------------
Ghost Opera
March Of Mephisto


DOWN (Festival Stage)
Dann machte unsere Abteilung auch mal bei der größten Bühne Station, wo schon wieder den Südstaaten gehuldigt wurde, diesmal explizit Louisiana. Obendrein noch eine ganze Spur heftiger als beim Mann aus Wisconsin, der nun seinerseits am Bühnenrand den Beobachter gab. Im Gegensatz zu dem ließen es die Herren bei ihrer Performance dann gemächlicher angehen, der Doom, dem viele Mitglieder nebenher frönen, hinterließ hier seine Spuren.
Kirk Windstein ist ja zurück, ohnehin nicht als Energiebündel bekannt, stand da oben mit umgedrehtem Käppi und grinste aus seinem Rauschebart. Ohnehin schienen alle eine gute Zeit zu haben, Pepper Keenan bearbeite die andere Bühnenseite, wippte dabei auch nur hin und her und verbreitete kaum die Aggression, welche ihre Kompositionen teilweise beinhalten. Lediglich Bassist Pat Bruders war viel unterwegs, schüttelte sowohl sein Haupthaar als auch seinen nicht minder langen Bart.
Sein Rhythmuspartner legte eher eine stoische Haltung wie der Rest der Instrumentalisten an den Tag, das kleine Kit ließ ohnehin wenig Raum für ausladende Breaks. Dennoch drückte ihr Sound richtig kraftvoll aus den Boxen, nach all den Jahren wissen die Herren genau, was sie tun, da braucht es keine Mätzchen oder Posen. Die Szenerie hatte etwas von einer Probe unter guten Freunden, man scherzte genüsslich miteinander oder schaute dem grauen Wolf am Viersaiter zu.
Dann war da auch noch der ewig umstrittene Phil Anselmo, der den Steg zum Publikum runter exzessiv nutzte. Mit weiten Shorts reihte auch er sich in das Geschlurfe seiner Kollegen ein, zumal der Sänger barfuß unterwegs war. Mit seinen zugekniffenen Augen und den lässigen, aber bestimmten Gesten stellte er die Definition der Neunziger dar. Noch auffälliger seine Mikrofonhaltung von unten und sehr steil nach oben gehalten, der Mann war schon eine Erscheinung.
Bei all der Kritik an seiner Person muss man ihm ein beachtliches Charisma attestieren, das Wutschnaubende seiner Vergangenheit zeigte sich nicht, in den Ansagen gab er sich eloquent. So konnten DOWN auch die Anhängerschaft begeistern, selbst wenn ihre Präsenz nicht die mitreißendste war. Nun ist ja auch der Konsum an Grünzeug ein Thema, das diese beeinflusst hat, allerdings auch das Songwriting, die Orange-Verstärker geben ein kleines Zeugnis davon ab.
Jenes war auf ihrem Debüt "NOLA" bahnbrechend und maßstäblich für das Sludge-Genre. So wunderte es wenig, dass der Großteil des Programms daraus zusammengesetzt war, „Lifer“, „Hail The Leafs“ „Temptation´s Wings“ oder das abschließende „Bury Me In Smoke“ seien genannt, vom den wenigen Stücken des Zweitwerks setzte sich „Ghosts Along The Mississippi“ im Gedächtnis fest. Am Ende übernahm dann Jared James Nichols eine Gitarre, während die anderen Äxte an Techniker zum Schlussakkord weiter gereicht wurden.


THE OFFSPRING (Festival Stage)
Eine weitere Legende der Neunziger konnte sich auf den Co-Headliner-Posten hieven, wobei angesichts der Hitdichte in ihrer Geschichte noch mehr drin gewesen wäre. Kein Wunder, dass die Truppe in den letzten Jahren öfter umgebaut wurde. So nahm Brandon Pertzborn auf dem linken Riser hinter dem Schlagzeug Platz, Jonah Nimoy kam vor drei Jahren mit ihm und war rechts hinter einem kleineren Kit zu finden, daneben Tasten und eine weitere Gitarre.
Die erste übernahm wie immer der gute, alte Noodles, dessen Haarpracht wie immer schwarz-weiß gefärbt war, optisch wird der Punk noch immer gelebt. Wobei er sich vom Stageacting eher der Lässigkeit des Vorgängeracts an der Stätte anglich und seine Riffs stoisch herunter zockte. Da war sein Kumpan Dexter Holland ein ganz anderes Kaliber, ständig unterwegs, mal mit, mal ohne weitere Axt gab er den Aktivposten, dabei immer um den Kontakt zum Publikum bemüht und mit reichlich Spiellaune.
Dabei taten die Gassenhauer ihr Übriges, um die Menge sofort abzuholen, „Come Out And Play“ gab den perfekten Opener. Der Twang der Gitarren war witzig und der Refrain nahm direkt jeden mit, und schon ging Sölvesborg steil. Man merkte den Leuten schon an, dass sie frisch waren, denn im Laufe des gesamten Festivals notierte ich keine solche Bewegung im Publikum. Vorne versuchten einige verzweifelt ihren Platz zu halten, während aus den Pits dahinter immer wieder jemand in deren Reihen flog.
Da wurde gehüpft, gemosht und auch laut mitgesungen, in der Intensität erzeugte das feinstes Körpergulasch. Dabei gab es in der Folge eher Titel neueren Datums, was aber kaum für Nachlassen sorgte, immer wieder flogen auch Crowdsurfer über die Köpfe hinweg. Allerdings ist das nicht unbedingt eine schwedische Disziplin, so fielen einige vor dem Ziel Fotograben herunter. Für weitere Unterhaltung sorgte die Leinwand, die zum ersten Mal ausgiebig genutzt wurde und viele Comicstrips präsentierte.
THE OFFSPRING gehören sicher zu den jung gebliebenen, das machte sich auch im Altersschnitt vor der Hauptbühne bemerkbar. Zudem waren sie sich bewusst auf einem von vielen Metallern bevölkerten Open Air zu spielen, und so coverte man sich in einem Medley durch die Geschichte von Ozzy Osbourne, „Crazy Train“ sollte an dem Wochenende noch öfter zu hören sein. Egal was gebracht wurde, die Stimmung glich einem Tollhaus, Pertzborn trieb unglaublich nach vorne.
Nach dem stilistischen Exkurs ging es Schlag auf Schlag, „Gotta Get Away“ eröffnete den Reigen der absoluten Smasher, schön von Bassist Todd Morse eingeleitet. Nun gab es endgültig kein Halten mehr, das Drumsolo krachte mit rasender Geschwindigkeit dazwischen, dann hatte Nimoy bei „Why Don´t You Get A Job?“ Schwerstarbeit. Aus tausenden Kehlen mitgesungen nahm die Party immer mehr ihren Gang. Bei „Pretty Fly (For A White Guy)“ wurden etliche Lookalikes des Fly Guy aus dem Publikum hochgehoben, herrlich wie sich einige so zum Affen machten. Drumherum flogen die Leiber nur so durch die Gegend, ohne dass einer vergaß, nochmal alles aus seinen Stimmbändern heraus zu holen.
Holland nahm das natürlich mit Wohlwollen zur Kenntnis, nur um die Fans noch mehr anzustacheln. Mit seinen Ansagen und Interaktionsspielchen hatte er alles im Griff, THE OFFSPRING ruhten sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern hauten das Material mit Verve heraus. Wer dachte, der Chor bei „The Kids Aren´t Alright“ wäre nicht zu übertreffen, der wurde beim obligatorischen Schlusspunkt eines Besseren belehrt. Hier standen die Leute jetzt eher, die Hände nach oben und „Self Esteem“ mitgebrüllt, als gäbe es weder einen Headliner noch die weitere Tage SWEDEN ROCK. Eine absolute Abreibung über 75 Minuten, die ich so nicht erwartet hätte, aber zu gerne mitgegangen bin.
VOLBEAT (Festival Stage)
Man sollte es kaum glauben, aber tatsächlich schien die Norje Bucht sich ein wenig zu verausgabt zu haben während des letzten Acts. Jedenfalls war nicht so viel Bewegung im Auditorium, wenn auch die Lautstärke des Beifalls mitzuhalten wusste. Vielleicht kam sogar aus dem hinteren Feld etwas mehr, während zuvor der Punk vorne in den Pits abging. Doch Michael Poulsen wäre nicht Michael Poulsen, wenn er das so einfach hinnehmen würde. Jener Poulsen, der einst seine Vision vom Elvis-Metal umsetzte, und froh war, als seine Platten ein paar Ländern charteten. Bei aller Abgeklärtheit, bei aller Routine, die sich über die Jahre aufgebaut hat, nimmt er nichts als selbstverständlich.
Da wurde versucht jeden zu animieren, bei den Spaziergängen auf den Planken inmitten der Massen ständig auf der Suche nach direktem Kontakt. Ganz vorne, fast auf Augenhöhe, fühlte er sich am wohlsten, wenn er die Nähe förmlich spürte. Charismatisch und oft lange erklärend, plauderte er bei seinen Ansagen aus dem Nähkästchen, ließ den nötigen Humor nicht vermissen. Selbst vom einsetzenden Regen ließ er sich nicht abhalten, der die Menschen vor der Bühne zusätzlich auslaugte. Mühelos wusste er diese zu binden, und in das Geschehen zu integrieren. Wie selbstbewusst und souverän er dabei singt und seine Riffs aus dem Ärmel schüttelt, ist bemerkenswert.
Es braucht natürlich eine gewisse Sicherheit, um den musikalischen Beitrag bei all dem Fokus auf die Anhänger nicht außer Acht zu lassen. In der Disziplin machte dem Mann niemand was vor, lässig traktiert er seine SG, stolzierte dabei allen verfügbaren Raum ab, dazu standen überall Mikrofone für ihn bereit. Gerade wenn die Riffs schön von Dur-Akkorden in flinke Läufe wechselten, gingen die Haarrotoren rum und die Hörner hoch, bei den rockigeren Liedern der Hochphase waren die Reaktionen dafür lauter. Wobei auch gegenüber den Punks zuvor die Hits nicht so komplett in der Gesamtkultur verankert sind, die alles mitsingen konnten.
Ab und an folgten ihm seine Bandkollegen auf den Steg nach vorne, die sonst eher im Hintergrund das Fundament legten. Dabei war Kaspar Boye Larsen mit seinem Fischerhütchen sehr locker unterwegs, tänzelte die ganze Zeit umher. Flemming C. Lund, gerade zum festen Mitglied befördert war breitbeiniger mit festem Stand unterwegs, feuerte seine Solospots mit genau der klaren Präzision heraus. Vor allem ihm war es anzusehen, wie sehr er das Bad in der Menge genoss. Das hätte auch Jon Larsen gerne, der musste aber hinter der Schießbude für den nötigen Punch sorgen, doch so oft es ihm möglich war stand er auf und heizte die Scharen ebenfalls an.
Gegenüber dem letzten Headlinerauftritt vor vier Jahren war das Set nicht ganz so metallisch, was auch daran lag, dass die letzte Scheibe „God Of Angels Trust“ nicht so heftig ausfiel. Damals gab es sechs Lieder vom aktuellen „Servants Of Mind“, mit dem VOLBEAT zu den Anfängen zurückkehrten, von welchem es diesmal lediglich „The Devil Rages On“ und „Shotgun Blues“ gab.
Ansonsten war die Setlist gut durchgemischt, am Ende kam mit „Pool Of Booze, Booze, Booza“ auch ein Beitrag vom Debüt. Zuvor hallten die Chöre der beiden populärsten Stücke „For Evigt“ und „Still Counting“ durch die Bucht. Ebenfalls begeistert aufgenommen wurde der vor „Sad Man´s Tongue“ kurz angespielte Evergreen „Ring Of Fire“, den wohl alle Altersklassen kennen dürften.
Abgerundet wurde der musikalische Beitrag noch von eilig herein geschobenem Piano und Saxophon in „Die To Live“. Als zusätzlicher optischer Reiz diente das aus neun beweglichen Feldern bestehende Lightrig, welches die Show sehr variabel unterstrich. Die Dänen bewiesen damit erneut ihre Headlinerwürden, weil sie es schaffen, Massen aus verschieden Genres mit ihren Hymnen zu vereinen.

