SWEDENROCK - Sölvesborg - Donnerstag, 04.06.2026

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Donnerstag, 04.06.2026

ECLIPSE (Rock Stage)
Ein neuer Tag begann, und wieder mit einer schwedischen Hard Rocktruppe zum zweiten Frühstück. Wobei Erik Mårtensson und seine Mannen gerne mal ein wenig im Rockabilly wildern und das ganze roher und direkter unter das Volk bringen, was im Besonderen der zweite Song „All I Want“ belegte. Als Zeichen davon sicher die Verwendung einer Gretsch, die eben in der Ära zum Standard gehörte. Die baumelte aber öfter am Frontmann herunter, oder er legte sie ganz ab, wenn er sich auf Ausflüge über die Bühne begab. Unglaublich agil wusste er deren vollen Umfang zu nutzen und war die ganze Stunde nicht zu bremsen, sprang sogar öfter vom Drumriser.

Zum Glück war ja mit Magnus Henriksson noch ein zweiter Sechssaiter auf der Bühne, der notfalls alleine weiterspielen konnte. War ihm dann auch ganz recht, so konnte er sich die Soli komplett unter den Nagel reißen. Trotz des Blueserkäppi gab er ebenso mächtig Gas, wirbelte sein Arbeitsgerät umher und warf sich in viele Posen. Die beiden konnten sich blind aufeinander verlassen, musizieren sie schon seit fast dreißig Jahren miteinander. So lange ist Victor Crusner noch nicht an Bord, doch optisch fügte er sich gut in das energetische Gesamtbild ein. Beide Sidekicks stimmten auch sehr gut in die melodischen Chöre ein, welche manche Refrains abheben ließen.

Hinten wurde ebenso gewirbelt, Philip Crusner ließ seine Sticks schön kreisen, nutzte Zwischentöne, um sie einfach zwischen den Fingern zu drehen. Nur um sie dann zu den knalligen Breaks herab zu senken, mit denen er das Material antrieb. Während „Downfall Of Eden“ beförderten ihn seine Kollegen mit einer Snare nach vorne, von wo auch er die Fans anfeuern konnte. Was nicht unbedingt nötig war, bei Krachern wie „Saturday Night (Hallelujah)“ oder dem Melodifestivalen-Beitrag „Runaways“ sang die Menge begeistert mit. Auf große Showelemente wurde verzichtet, der Vierer stand im Mittelpunkt, auf der Leinwand flimmerten nur etliche Logos umher.

Verzichtet wurde jedoch unverständlicherweise auf „Apocalypse Blues“, die sicher beste Nummer von ECLIPSE. Ohnehin gab es von den „Megalomanium“-Schwesteralben lediglich drei Beiträge, während die Durchbruchphase Ende der Zehnerjahre im Vordergrund stand. „Black Rain“ von „Momentum“ setzte ein paar modernere Akzente, mir gefällt die Band am Besten, wenn sie diese leicht irisch geprägte Melancholie einbringt. „Things We Love“ sei da genannt, oder „Anthem“, das der Sänger alleine anspielte, bevor zum Ende die Band mit einstieg. Am Ende wurde der starke Gig mit „Prima La Voctoria“ standesgemäß abgefeiert, der die Fans ins Hüpfen brachte.

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EVERGREY (Festival Stage)
War der Vierer ein wenig bieder bei der Nutzung der Leinwand, so nutzten die Prog Metaller alle Möglichkeiten, die sich ihnen in dem Rahmen bieten. Einer der Vorteile des Festivals, dass verhältnismäßig kleine Bands hier eine große Show auffahren können. Die drei kleinen Screens in der Mitte der Bühne dürften aus ihrem eigenen Gepäck stammen, das selbe Programm haben sie aber auf der riesigen LED-Wand eingespielt. Ohnehin eine interessante Bühnenaufteilung, vor den kleinen Bildschirmen ist ein weiteres Mikro, während Keyboarder Rikard Zander und Simen Sandnes seitlich davon auf ihren Risern thronen. Gerade bei Letztgenanntem ungewöhnlich, einen seitlich zum Publikum sitzenden Drummer kenne ich sonst nur von SAGA.

Deren progressiven Anspruch findet man auch in der Musik der Schweden, wobei diese ihn deutlich düsterer ausgestalten. Natürlich unterstützen die aufwendigen Projektionen aus Bildern, CGIs und Textfetzen wunderbar die Atmosphäre, hier hat man viel Zeit und Kreativität investiert. Allerdings hatte der Slot auch seinen Nachteil, denn auf die Hauptbühne muss man dann eben in der Mittagsonne, was nicht unbedingt mit der musikalischen Ausrichtung der Formation korrespondierte.
Tom S. Englund war dies egal, er strahlte ob des großen Interesses an dem Gig, was auch mit dem später stattfindenden ähnlichen Programm zu tun gehabt haben dürfte. Beseelt brachte er seinen großen melancholischen Melodien unter das Volk, bestach dabei mit einer stimmlichen Glanzleistung. Zusätzliche Wärme brachten die weiten mehrstimmigen Chöre, an denen sich auch der ansonsten dauerbangende Bassist Johan Niemann beteiligte.

Nicht nur er, sondern auch Sandnes, der natürlich gut sichtbar war, warf öfter mal den Haarrotor an, ohne dass sein Timing darunter litt. Der von Devin Townsend her bekannte Stephen Platt zockte seine Riffs eher stoisch herunter, während der Mastermind viel unterwegs war. Klanglich kamen die epischen Kompositionen auch gut zur Geltung, von Zander kamen sowohl Orgel als auch Synthies sauber vernehmbar. Alles vermengte sich zu einem großen Ganzen, das viele Emotionen freisetzte. Natürlich erreicht man damit nicht die große Euphorie im Publikum, welches lieber staunend dastand oder in den Liedern versank.
Umso bemerkenswerter, da die Hälfte vom tags darauf erscheinenden „Architects Of A New Wave“ stammte wie der Titeltrack oder „Heaven“. Die erste Karrierehälfte wurde komplett ausgespart, als ältestes Stück kam der Klassiker „King Of Errors“ vom 2014er „Hymns For The Broken“. Immer mehr entfalteten Lieder wie „Eternal Nocturnal“ oder „Say“ ihre Sogwirkung, die alle aus der Dekade stammen, Englund steigerte sich immer mehr in seinen Vortrag hinein. Am Ende vereinten sich Band und Publikum total, Bilder und Stimmungen übertrugen sich auf dessen Bewegungen, und bei „Oxygen!“ gelang es einen wunderbaren Singalong anzustimmen, der aus einem feinen Gig ausleitete.

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TOM MORELLO (Festival Stage)
Inmitten des anspruchsvollen Metals wirkte der Gitarreninnovator fast wie ein Fremdkörper, aber die Mischung macht das SWEDENROCK auch aus. Zumindest in Sachen Anspruch stand er mit seiner Formation in Nichts nach, wenn sie sich auch vor allem auf die Politischen Aussagen bezog. TOM MORELLO sprach nicht nur durch seine Saitenkünste, er gab auch das Sprachrohr für das politische Bewusstsein der Szene. Linken Aufwiegler mögen ihn einige Unverbesserliche nennen, die Projektionen im Hintergrund wirkten gerade in ihrer Statik. Kraftvoll in Szene gesetzte PoC in alten Soldatenuniformen, rudimentären Waffen und mit Parolenschildern moderner Bewegungen wie Occupy.

Den Anfang machte das programmatische „Soldier In The Army Of Love“, eine Co-Arbeit mit seinem Sohn Roman. Ob der immer noch großen revolutionären Kraft ist man erstmal geplättet, bevor einen der hymnische Refrain mitreißt. Dabei ist es eher der Groove, der die Menge bewegt, es ist unmöglich still zu stehen, Morello hat es einfach drauf wie kein anderer, sein Spiel hatte dieses unglaubliche Feuer. Unterstützt wurde er vom lässig dahin schlendernden Viersaiter Dave Gibbs, sowie einer zweiten Axt von Carlo Restivo, der auch einige Vocals übernahm. Dahinter knallte Eric Gardner mit seinen wuchtigen Schlägen genau den richtigen Hintergrund rein, der alle Glieder in die Gänge setzte.

Alleine die teils massiv modifizierten Spielgeräte des Zeremonienmeisters waren sehenswert, teilweise auf Basis eines Stratocasters. Jene hören auf Namen wie „Soul Power“ oder „Arm The Homeless“, die auf dem Korpus neben einigen anderen Slogans prangten. Seine langen Ansagen wurden genutzt, um diese zu untermauern, mehrfach forderte er auf, dem verfluchten Faschismus den Mittelfinger zu zeigen, dem das Publikum gerne nachkam. Nur blieb er beim musikalischen Beitrag eher still, kümmerte sich vornehmlich um die Animation wie das Spielchen mit dem gemeinsamen Aufspringen.

So reihte er bei den Medleys von RAGE AGAINST THE MACHINE Riff an Riff, ohne wirklich in die Songs einzutauchen. Könnte man als langweilige bezeichnen, wenn einem da nicht dieser Groove um die Ohren gehauen worden wäre. Es waren die gesprochenen Worte von „Adjourn It“ oder „Everything Burns“, welche die Flammen entzündeten. Man fühlte sich an die Zeiten erinnert, als die Neunziger wirklich Aufbruch versprachen, was leider alles verkauft wurde. Wenn dann Melodien kamen, dann von Restivo, während der gute Tom sich um die Raps kümmerte, wobei man klar sagen muss, dass die originalen Vokalisten nicht ansatzweise erreicht wurden.

Gerne hätte ich mehr von AUDIOSLAVE gehört, „Cochise“ wäre super im Set aufgehoben gewesen, doch es blieb bei „Like A Stone“, das dafür mit feiner Hommage an den tragischen Chris Cornell. Was allerdings bei weitem nicht der emotionale Höhepunkt bei einem sicherlich aufwühlenden Spektakel darstellte. Unter allen Kollaborationen in seiner Karriere stolperte TOM MORELLO mehrfach über „The Ghost Of Tom Joad“ von Bruce Springsteen. Schon als ein Solo als Intro erklang stellten sich alle Nackenhaare, die Version ging unglaublich tief, trieb die ersten Tränen des Wochenendes in die Augen. Gerade wegen der Message, die sich wieder auf die Seite der Schwachen der Gesellschaft stellt.

Für die Tracks der Band, die einst die Rockwelt auf den Kopf stellte, benötigten die Fans weiterhin kaum Vocals. Den Schluss von „Bullet In The Head“ konnte jeder mitgrölen, während er wild herum pogte. Es passte zum Zeitgeist, wo die Kluft zwischen Stars und Publikum schwand, als Zeichen der Vereinigung wurde das Mikro zu „Killing In The Name Of“ herumgedreht. Die Norje Bucht sang alles punktgenau und inbrünstig mit, bevor das wutschnaubende Ende jeden ausrasten ließ. Trotz einiger Arrangement-technischer Fragen endete der Gig begeistert mit Covern von „Power To The People“ und „Rock´n´Roll All Nite“, pure Freude gegen das Unrecht der Welt.

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Fotos: Rainer Petry

SAVATAGE (Festival Stage)
Nun war es Zeit für den absoluten Höhepunkt, wurde es zuvor schon reichlich emotional, so sollten sich solche Momente aneinanderreihen. Die zwei Tastenmänner eröffneten mit ein paar Melodien aus der Historie, bevor da auch die Saitendehner mit einstiegen. Man durfte schon gespannt sein, was sich für ein Opener sich aus den verschiedenen Themen herausschälen würde. Die Wahl fiel auf den Opener des Konzeptwerkes über den Bosnienkrieg, dessen sägendes Riff sofort alles mitriss.
Eine Kraft lag in der Luft, die greifbar war, von einer sehr spielfreudigen Kapelle transportiert, die Norje Bucht war im Handumdrehen geentert. Zak Stevens war bestens bei Stimme und trotz ein paar Wohlstandspfunden unglaublich agil, forderte immer wieder die Fans auf, die nur zu gerne mit lautstarken Chören antworteten. Sogar die ganz hohen Screams aus Zeiten von Jon Oliva gingen ihm gut von der Hand, wo dann die wenigste vor der Bühne folgen konnten, die Gestik opulent wie auch die Kompositionen.

Vormachen konnte er Gitarrist Chris Caffrey in Sachen Bühnengebaren allerdings nichts, der Mann riss nur so Meter runter auf der Bühne, war weit außen vor den Boxen zu finden. Dabei warf er sich in jede einzelne Solonote, zelebrierte die Songs förmlich, kickte auch mal sein Spielgerät umher oder hüfte wild über das Feld. Unfassbar, dass er dennoch so unglaublich tight mit seinen Kollegen agierte, die Leadparts teilte er sich mit Al Pitrelli, der die gefühlvolleren bekam und etwas gesetzter auftrat. Wenn dann die Riffsalven gemeinsam losbretterten gingen die Köpfe im Publikum rund, nicht nur zum Auftakt schnitten die sich durch alles durch.

Im Verlaufe der ersten beiden Lieder bekam dann der Soundmann das tiefe Dröhnen in den Griff und gab so Johnny Lee Middleton die Bahn frei, damit sein Intro differenziert pumpte. Beim Chorus war dann die gesamte Szenerie eins, es trug die Wogen weit auf das Meer hinaus. Was die Herren dann in den Kanongesängen anstellten war schlicht atemberaubend, ein Zauber von Stimmen, alles so auf den Punkt. Vielleicht hat man ja auch nur zwei Tastenmänner dabei, um hier mehr Möglichkeiten zu haben.
Der Titelsong von „The Wake Of Magellan“ sollte der einzige aus dem Opus bleiben, nahm es doch auf der Tour im letzten Jahr einen beträchtlichen Raum ein. Doch SAVATAGE können aus den Vollen schöpfen, schwache Songs gibt es nicht, im Prinzip hätten sie die Setlist komplett neu aufstellen können, wären da nicht die Unverzichtbaren Nummern. Eine Überraschung sicherlich der zweite Auszug von „Edge Of Thorns“ neben dem unvermeidlichen Namensgeber, der Einstand von Stevens ging immer etwas unter.

Hinten auf dem überdimensionalen Schirm gab es schon einen Vorgeschmack auf den Headliner, doch auch was die Tampa Boys darauf projizierten war großes Kino und unterstützte die Atmosphäre blendend. Immer wieder wogte es von tiefer Theatralik hin zu gnadenlos nach vorne marschierenden Attacken, die Dynamik wurde auf der Bühne noch verstärkt. Hatte man ein paar Bedenken aufgrund von Blas Elias an den Drums, so zerstreute der Aushilfsdrummer diese im Wind.
Wie er da hinten wirbelte, seine Sticks kreisen ließ, um die Arrangements so punktgenau zu setzen, war phänomenal, und obendrein eine wahre Augenweide. Aus den angewinkelten Armen haute er die irrsten Breaks heraus, die nur so über die Bucht zischten. Damit verstärkte er vor allem die orchestralen Ausbrüche wie beim Signature-Song, mit dem sie einst die Art Satzgesang im Metal etablierten. Ein würdiger Ersatz für Jeff Plate und falls es ihm auf dem SWEDENROCK gefallen hat, darf er gerne mit SLAUGHTER wiederkommen.

Jener Zehnminüter leitete das Finale mit den großen Hits ein, bei denen die schiere Wucht wegblies, die zudem filigran dargeboten wurde. Kurz hielten alle sinne, als sich der „Mountain King“ himself, Jon Oliva zu Wort meldete und per Videobotschaft die Jahrhundertballade anstimmte. Zur zweiten Strophe stieg die Band ein, und wem nichts spätestens hier die Tränen runter liefen, hat ein Herz aus Stein, sogar der Himmel war so gerührt, dass er leise mitweinte.
Was allerdings niemanden störte, jeder war komplett gefangen in der Magie dieser Nacht. Als dann ein Song von vor langer Zeit angekündigt wurde, kam noch mehr Spannung auf, die sich in der Faust des Metalkid entlud. Letztes Jahr nicht immer am Start kam die Überhymne endlich und wurde vollkommen abgefeiert. Bevor dann der Screen das Tor zur Unterwelt öffnete, und das Auditorium mit herunter nahm in die Halle des Bergkönigs. Der regiert unten, SAVATAGE herrschen oben!

Setlist SAVATAGE:
Dead Winter Dead
Jesus Saves
The Wake Of Magellan
Strange Wings
Sirens
Lights Out
Handful Of Rain
Chance
Believe
Gutter Ballett
Edge Of Thorns
Power Of The Night
Hall Of The Mountain King

IRON MAIDEN (Festival Stage)
Hier kann eigentlich nur der unangefochtene Headliner einen drauflegen, früher Wunschband Nummer Eins, heute schauen sie auf jeder Tour vorbei. Mit einer weiteren History-Tour war es wieder mal so weit, diesmal ging es weit zurück in der Geschichte, nur ein Lied nach den Achtzigern im Programm. Nachdem man zum Intro „The Ides Of March“ den Einmarsch sehr ausschweifend feierte war gleich Schluss mit lustig und eine ihrer rauesten Tunes erschallte.
Bei den messerscharfen Leads im Refrain zeigte sich die Einheit der Band, die beim letzten Auftritt hier nicht so ins Auge stach. Heuer agierte die Legende besser miteinander, suchten mehr ihre Nebenleute auf der Bühne. Da kamen Dave Murray und Adrain Smith auf ihrer linken Seite oft zusammen, gerade wenn sie sich bei ihre Solospots abwechselten. Auch Bandgründer Steve Harris war oft bei ihnen oder ging mit seinem Sänger gemeinsam nach vorne Richtung Anhängerschaft.

Passend zu den ersten Titeln sah man die dunklen Straßen vom Paris der Jahrhundertwende über die ganze Bühne gespannt. Leinwände gab es nicht nur hinten, sondern auch rund um die Aufbauten, im Eck standen dann riesige Kerzenleuchter. Damit muss man nicht mehr die ganze Eislandschaft von „Seventh Son Of A Seventh Son“ aufbauen, man lädt sie einfach auf die Bildschirme. Da kann man das Blut in Eddie´s Torso schön zirkulieren lassen, was alles plastischer wirken ließ. Das Maskottchen kam früh und teilte passend zum Thema mit der Axt aus. Der zweite Song eignete sich hervorragend, um das Geschehen vor der Bühne miteinzubeziehen, der Chorus kam einmal von Dickinson, dann zehntausendfach zurück.

Nachdem „Killers“-Block ging es noch tiefer in die Geschichte mit dem ersten Longtrack ihrer Karriere. Der rollte zum gigantischen Bild eines alten Theaters über die Köpfe hinweg, bevor dann das Tempo rausgenommen wurde. Wie man schon in den Anfängen verstand filigran zu komponieren wurde hier deutlich, wenn auf die butterweichen Gitarren immer mehr drauf gepackt wird, sich die Dynamik immer weiter steigerte bis das Hauptthema losbretterte war großes Kino.
Noch mehr Schauermär gab es im Anschluss als zum früh gebrachten Ultra-Klassiker Ausschnitte vom originalen „Nosferatu“-Film über die Mattscheibe flimmerten. Eine Institution wie IRON MAIDEN vermochte das noch zu steigern, denn was zu ihrem Mammut-Track showtechnisch aufgefahren wurde war phänomenal. Klar kann man acted effects vermissen, aber was in den vierzehn Minuten ablief, war ein Kurzfilm erster Güte, in welchem dem Titel entsprechend viel Seemansgarn gesponnen wurde.

Bei all den Schauwerten blieb ein wenig die Aktivität des Publikums auf der Strecke, selbst vorne in den Pits blieb es recht ruhig. Natürlich machten sich die Leute stimmlich bemerkbar, jedes Stück wurde laut bejubelt und textsicher sind die Schweden sowieso. Als die Glocken erklangen, dürfte es niemanden gegeben haben, der stumm geblieben wäre. Ihren vielleicht besten Song kannst Du selbst als Pausentape bringen, und es wird laut mitgesungen, besonders der getragene Beginn.
Beim Übergang ein Paradestück für vokalistische Höchstleistungen, die Bruce Dickinson mit fast siebzig immer noch stemmen konnte. Dabei machte er viel Meter, rannte Bühne und Aufbauten ab, und schlüpfte in viele Rollen wie den Trooper mit Flagge und Säbel. Beim angesprochenen Klassiker fand er sich im Käfig, später am Ende am Galgen wieder, nur um dann aus dem Nebel aufzutauchen, und sich den Strick von Hals zu reißen. Geheiligt sei sein Name!

Dabei hatte das Auditorium in Janick Gers den idealen Antreiber, der sich wie immer wie ein Irrer gebärdete. Halten tun sich weiter die Gerüchte, dass seine Gitarre nicht eingestöpselt sei, was man nicht unbedingt widerlegen konnte, wenn man sah, wie er die Axt an Backline und Masten rieb oder sie dauernd um die Hüfte kreisen ließ. Zumindest wenn seine Kollegen im Frickel-Infight waren, hörte man schon seine Rhythmusspuren. Möglicherweise legte er den Schalter bei Bedarf um, damit das zusätzliche Stageacting nicht den Vortrag störte.
Weniger spektakulär agierte Simon Dawson in die ganzen Leinwände eingebettet hinter seinem Kit. Da flogen die Arme von Nicko McBrain deutlich mehr umher, und brachten mehr Power auf die Becken, doch als Taktgeber erwies er sich absolut zuverlässig, IRON MAIDEN hätten ihn sicher musikalisch stärker ersetzen können, mit den versiertesten Kandidaten monatelang Auditions abhalten können. Die Freude darüber, dass sie die menschliche Entscheidung wählten war dem Mann und seinem Spiel die ganzen zwei Stunden anzusehen.

Die Zugabe stellte jeden pflichtbewussten Metaller vor eine schwierige Wahl, die zwei größten Dinos der NWOBHM direkt hintereinander auf die Bretter zu schicken, überforderte einige. Ich wählte den Weg auf die andere Seite genau während der ganz großen Hymne, welche die letzten Kräfte mobilisierte. Zu sehen, wie jeder in dem Lied drin war, ob wild bangend, laut mitgrölend oder einfach genießend gibt so eine Idee des Zusammenhalts, wenn jeder das Selbe fühlt und mit Dir feiern will. Vor der Rock Stage angekommen, um noch von mittendrin zu berichten, traf ich einen langjährigen Freund, um mit ihm gemeinsam den finalen „Somewhere In Time“-Hit zu feiern.

Setlist IRON MAIDEN:
Murders In The Rue Morgue
Wrathchild
Killers
Phantom Of The Opera
The Number Of The Beast
Infinite Dreams
Powerslave
2 Minutes To Midnight
Rime Of The Ancient Mariner
Run To The Hills
Seventh Son Of A Seventh Son
The Trooper
Hallowed By Thy Name
Iron Maiden
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Aces High
Fear Of The Dark
Wasted Years

SAXON (Rock Stage)
Ist die womöglich größte Metalband des Planeten mittlerweile in progressiven Sphären unterwegs, und hat ihre spielerische Klasse kultiviert, so halten ihre Weggefährten den rauen, ursprünglichen Charme hoch. In den letzten Jahren sogar mehr, nachdem man zwischendurch zeitgemäßer produzierte. Davon kündete direkt der eröffnende Titeltrack vom noch aktuellen Langeisen, der rasant in die Nacht hineinschnitt. Und irgendwie war in der Menge mehr Bewegung, die Handydisplays beleuchteten nicht die ganze Szenerie. Ja, das war die gute, alte Schule, welche die Sachsen nach wie vor zelebrieren, und was so weiterhin so relevant hält.

Old School war auch das Motto der Zusammenstellung, zwei Titel neueren Datums, der Rest aus der ersten Hälfte der Achtziger, davon zehn von der „Holy Trinity“. Natürlich nahm sich Biff wie gewohnt die Setlist vor, ließ ein paar Alternativen offen, nur um zum unverzichtbaren Programm zurück zu kehren. Ein paar Sachen muss man ja in der Hinterhand halten, man weiß nie wie lange so ein Set dauert, wie die Fans reagieren, die Singalongspielchen jedenfalls nahmen ihre Zeit in Anspruch.
Der eisgraue Wolf am Mikro weiß natürlich um die Wirkung, seine Formation war nie etwas für den Mainstream, sondern lebt von den treuen Fans und ihrer Authentizität. Und natürlich von seiner Präsenz, mit der er das Geschehen nach Belieben diktiert und solche Reaktionen auch einfordert, oft stand er einfach da oben und genoss. Was musste der Mann in den letzten Jahren an gesundheitlichen Rückschlägen wegstecken, doch er kommt jedes Mal noch stärker zurück.

Die Gesundheit oder wenn man so will das Alter machte es vor ein paar Jahren Paul Quinn nicht mehr möglich, um solche kraftraubenden Touren zu fahren. Brian Tatler von Diamond Head ist nun auch nicht merklich jünger, übernahm aber dessen Axt. Mit ihm kommt auch etwas mehr Wärme in den Sound, welche die letzten Platten auszeichnete, er benutzt seine Flying V ein bisschen gefühlvoller. Das kam vor allem den psychedelischen Spielereien zugute, die sich durch die Mondlandungshymne ziehen und mit den schweren Riffs abwechseln. Passend dazu landete natürlich der Adler, obwohl jenes Lightrig mit den Spannen eine solch große Bühne kaum füllen konnte.

Obwohl der jüngste auf dem Platz scheint die Zeit an Nibbs Carter vorüber zu gehen, er hat immer noch dieses jugendliche Ungestüm. Im Überschwang haute er öfter ohne einen Bund zu drücken in die dicken Saiten und bewies ohnehin eine hohe Lässigkeit beim Umgang mit seinem Instrument. In Sachen Laufleistung dürfte er an dem Wochenende der Spitzenreiter gewesen sein, dazu bangte er noch unablässig. Kein Wunder, dass er sich nach wenigen Songs seiner Oberteile entledigen musste, und den Blick auf seinen drahtigen Körper frei legte. Bei all den Aktionen versprühte er eine Euphorie, die sich zusätzlich auf das Auditorium übertrug.

Eine gut geölte Maschine, die auch mal das ein oder andere Ersatzteil verträgt, live so sicher wie die Bank von England. Auch an dem Abend blieben wenig Wünsche offen, doch selbst wenn das reine Zielgruppenbedienung darstellte, es machte den Herren einfach so viel Spaß. Doug Scarrat und hinten der stoische Nigel Glockler hatten immer ein Grinsen auf den Lippen, kein Wunder, wenn die Anhänger nach Mitternacht immer noch so steil gehen. Da reicht es, wenn im Hintergrund nur die schwere Trutzburg der Metal-Kreuzritter zu sehen war. Am Ende regelte die sagenumwobenen Speed-Nummer alles, egal wie die Knochen schmerzten.

Setlist SAXON:
Hell, Fire And Damnation
The Power & The Glory
Sacrifice
And The Bands Played On
Heavy Metal Thunder
The Eagle Has Landed
Dallas 1 P.M.
Strong Arm Of The Law
Motorcycle Man
Denim & Leather
Never Surrender
747 (Strangers In The Night)
Wheels Of Steel
Crusader
Princes of The Night

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Alle Fotos, sofern nicht anderes vermerkt von Celia Frontrow

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